Deponie Rautenweg

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Die Einfahrt zur Deponie Rautenweg Wien
Deponie Rautenweg 1986
Deponie Rautenweg 2013
Gasbohrung auf der Deponie Rautenweg (2017)
Zwischengelagerte Müllballen (2008)

Die Deponie Rautenweg am Rautenweg im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt ist die einzige kommunale Deponie der Stadt Wien und zugleich Österreichs größte Deponie. Gemeinsam mit dem Rinterzelt und dem Kompostwerk Lobau ist sie eine von drei Abfallbehandlungsanlagen in der Donaustadt.

Die ursprüngliche Schottergrube am heutigen Rautenweg wird seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts als Mülldeponie genutzt, nachdem sie am 14. März 1966 erstmals durch die Wasserrechtsbehörde und bereits im Juni 1961 durch die Baubehörde bewilligt worden war.

Auf einer Fläche von ca. 60 Hektar dürfen laut derzeitiger Genehmigung 23 Millionen Kubikmeter Abfall abgelagert werden. Davon sind 13 Millionen Kubikmeter noch nutzbar. Das soll bis 2065 reichen. Die maximale Höhe wurde mit 75 Meter über dem Straßenniveau festgelegt.[1] Bereits heute ist die Deponie Rautenweg die höchste Erhebung der Donaustadt und nach dem Bisamberg die zweithöchste in Wien nördlich der Donau.[2]

1982 wurde den Bewohnern der Stadtrand- und Paxsiedlung, die an die Deponie angrenzen, die Entnahme von Brunnenwasser für Genusszwecke untersagt. Darüber, ob dies mit einer möglicherweise von der Deponie ausgehenden Grundwasserverunreinigung zusammenhing, gibt es zwischen Anrainern und der Stadt Wien höchst unterschiedliche Aussagen.

1986 kam es in der an der Westseite der Deponie gelegenen und bereits leer stehenden Hoffmannsiedlung[3] zu einer Explosion. Nach dieser Explosion wurde die Siedlung abgerissen. Die Ursache für die Explosion konnte jedoch nie geklärt werden.

Zum Schutz des Grundwassers wurde zwischen 1986 und 1988 die Deponie mit zwei parallelen Dichtwänden umschlossen, die bis in die grundwasserstauenden Bodenschichten reichen. Innerhalb der beiden Dichtwände wurden in regelmäßige Abständen zusätzlich Querschote eingebaut, so dass sich insgesamt 49 Kammern aneinanderreihen. Innerhalb des Umschließungsrings wird durch Abpumpen des Grundwassers der Wasserspiegel unter dem äußeren Grundwasserspiegel gehalten. Die abgepumpten Deponiewässer werden über die Kanalisation in die Hauptkläranlage Wien in Simmering zur Reinigung abgeleitet.

1991 wurden die ersten 70 Gasbrunnen mit den zugehörigen Sammelleitungen, einer Deponiegasverdichteranlage, einer Hochtemperaturfackel sowie einem Deponiegasmotor installiert. In den Jahren 1994 kamen 30 und 1995 abermals 64 Gasbrunnen hinzu. Die Zahl der Hochtemperaturfackeln wurde 1993 auf drei erhöht. Im Jahr 2001 bestanden bereits 200 Gasbrunnen auf dem Deponiegelände.[4] Im November 1994 wurde eine neue Deponiegasverwertungsanlage (9 Gasmotor-Module mit einer elektrischen Leistung von je 659 kW) in Betrieb genommen. Die Anlage steht neben der Deponie und wird von einer Privatfirma betrieben. Der erzeugte elektrische Strom (2009: ca. 7,1 Mio. kWh) wird in das E-Netz der Wiener Stadtwerke einspeist. Der Strom von der Deponie Rautenweg kann damit ungefähr den Bedarf von 2.500 Wiener Haushalten decken.

Nach massiven Anrainerprotesten gegen die geplante Ansiedelung verschiedener Recyclinganlagen kam es gegen Ende der 80er Jahre zur Gründung einer Bürgerinitiative. Unterdessen herrscht zwischen den für die Deponie Verantwortlichen und den Anrainern aber ein gutes Verhältnis. Für die Anrainer wurde auf der Deponie sogar eine Aussichtswarte errichtet.

Ungewöhnliche Bewohner des Deponieareals sind seit dem Jahr 1993 Pinzgauer Bergziegen. Angesiedelt wurden sie hier, da eine Tierärztin einen Platz für die vom Aussterben bedrohte Ziegenrasse suchte und gleichzeitig die Stadt demonstrieren wollte, dass von der Deponie keinerlei Umweltgefährdung ausgeht. Ausgesetzt wurden damals vier Stück, 2012 war die kleine Herde auf 23 Tiere angewachsen und über 100 weitere Nachkommen wurden ausgewildert.[5]

Seit Herbst 2008 werden keine unbehandelten Abfälle mehr deponiert oder zwischengelagert, sondern nur noch Verbrennungsrückstände aus den Wiener Müllverbrennungsanlagen.[1]

Prominentes Deponiegut stellt auch der Schutt der 1976 eingestürzten Reichsbrücke dar, der hier abgelagert, vergessen und 2007 wiederentdeckt wurde.[6] Einen der Granitblöcke, die die Pfeiler ummantelten, verarbeiteten Mitarbeiter der MA 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark- zu „Glückssteinen“, die sie zu karitativen Zwecken am Wiener Christkindlmarkt verkauften.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Payer (Herausgeber): Sauberes Wien – Stadtreinigung und Abfallbeseitigung seit 1945, Wien, 2006, Holzhausen Verlag GmbH, ISBN 978-3-85493-131-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b wien.at – Deponie Rautenweg
  2. Zeit Online – Die Deponie wurde zum höchsten Berg in Donaustadt
  3. Liselotte Hansen-Schmidt: Donaustadt – Stadt am anderen Ufer, Mohl Verlag, 1992, ISBN 3-900272-46-8
  4. https://www.wien.gv.at/ma48/pdf/deponie-rautenweg-deutsch.pdf (nicht mehr aufrufbar)
  5. wien.at – Zehn Jahre Pinzgauer Bergziegen auf Deponie Rautenweg, 30.1.2003
  6. http://www.zeit.de/2007/35/Reichsbruecke
  7. wien.at – MA 48: "Glückssteine" mit Geschichte

Koordinaten: 48° 15′ 42″ N, 16° 28′ 55″ O