Der Bürger als Edelmann

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Daten
Titel: Der Bürger als Edelmann
Originaltitel: Le Bourgeois gentilhomme
Gattung: Ballettkomödie
Originalsprache: Französisch
Autor: Molière
Musik: Jean-Baptiste Lully
Erscheinungsjahr: 1671
Uraufführung: 14. Oktober 1670
Ort der Uraufführung: Schloss Chambord
Ort und Zeit der Handlung: Paris, Mitte des 17. Jahrhunderts
Personen
  • Monsieur Jourdain, bourgeois.
  • Madame Jourdain, sa femme.
  • Lucile, fille de M. Jourdain.
  • Nicole, servante.
  • Cléonte, amoureux de Lucile.
  • Covielle, valet de Cléonte.
  • Dorante, comte, amant de Dorimène.
  • Dorimène, marquise.
  • Maître de musique.
  • Maître à danser.
  • Maître d’armes.
  • Maître de philosophie.
  • Maître tailleur.

u. a.

Der Bürger als Edelmann (Originaltitel: Le Bourgeois gentilhomme) ist eine Ballettkomödie von Molière (Jean-Baptiste Poquelin 1622–1673) und dem Komponisten Jean-Baptiste Lully, der Höhepunkt der Zusammenarbeit beider und wohl das früheste amüsante Musical der Theatergeschichte. Die Uraufführung erfolgte am 14. Oktober 1670 vor dem Hof von König Ludwig XIV. im Schloss Chambord, wobei Pierre Beauchamp die Ballette beisteuerte. Die Titelrolle übernahm, mager und bereits sichtbar krank, Molière, Lully spielte den Mufti.[1] Die Komödie ist eine gesellschaftliche Satire aus der Zeit Molières und handelt in Paris. Die Figur des Bürgers ist typisch für die damalige Hypokrisie, aktuell aber auch heutzutage, da der Typ des Bürgers noch lange lebt. Die Komödie erwirkt genau das, was Molière beabsichtigte: Es ist besser, man lacht und lebt, als sich vor lauter Gram zu ärgern und lästig zu werden.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wohlhabende, aber ziemlich einfältige Geschäftsmann Monsieur Jourdain in Paris möchte gern ein Adelsangehöriger werden, da ihm sein bürgerliches Dasein missfällt. Um sich als künftiger adeliger Edelherr zu bilden, stellt er einen Musiklehrer, einen Tanzlehrer, einen Fechtmeister und einen Philosophen und auch einen Schneider mit seinen Gesellen an. Seine hübsche Tochter Lucile will er zur Marquise machen, indem er versucht, sie mit einem Edelmann zu vermählen, aber Lucile liebt Cléonte, einen gutbürgerlichen Kaufmann, den sie wider den Willen des Vaters heiraten will. Er selbst verliebt sich in eine elegante Marquise und wirbt manierlich, indem er sie reichlich beschenkt. Dorante, ein verarmter Edelmann, intrigiert bei dem Liebeshandel mit der verehrten Marquise Dorimène und deckt seine eigenen Schulden ab. Jourdains Ehefrau kritisiert seine alberne Mildtätigkeit und ahnt, dass das adelige Paar ein falsches Spiel mit ihm und seinem Geld treibt. Jourdain, der edelmännische Bürger, wird schließlich das Opfer eines raffinierten Familienkomplotts. Cléonte begreift, dass er Lucile nur dann ehelichen kann, wenn es Monsieur Jourdain erlaubt, und so tritt er nun als Sohn eines hoheitlichen türkischen Gesandten auf, um schließlich die Heirat zu erwirken. In einem festlichen Akt wird Monsieur Jourdain letztendlich von einem Mufti zum „Mamamouchi“ (eine Wortschöpfung Molières) ernannt und eine doppelte Hochzeit gefeiert, denn auch das Kammerfräulein der Lucile hat den rechten Ehemann, den Kammerdiener des Cléonte, gefunden.

Geschichtlicher Zusammenhang der Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 16. Jahrhundert an hatte sich eine politische Freundschaft zwischen Frankreich und der Hohen Pforte entwickelt, die sich 1669 stark abkühlte, da Frankreich fortwährend die Gegner des Osmanischen Reichs bei der Verteidigung Candias unterstützte. Der Sultan entsandte deswegen aus seinem Gefolge Süleyman Aga mit einem Schreiben an den französischen Hof. Er wurde zunächst von Außenminister Hugues de Lionne empfangen, bestand aber auf eine persönliche Begegnung mit dem König. Diese fand am 5. Dezember statt und Süleyman Aga erwartete dabei, dass Ludwig XIV. sich zu Ehren des Sultans erheben würde, was er nicht tat. Das Treffen endete mit beidseitiger Unzufriedenheit und der französische König beauftragte Molière und Lully damit, das Osmanische Reich dergestalt zu verulken, dass auf der Bühne eine cérémonie turque inszeniert würde. Le Bourgeois gentilhomme wurde um diese Szene herum aufgebaut, was mitunter als Erklärung für dramaturgische Schwächen herhält. Lächerlich gemacht wurden jedoch auch diejenigen Bürger, die Süleyman Aga während seines Aufenthalts bewundernde Aufmerksamkeit entgegenbrachten.[2] Unterstützt wurden Molière und Lully bei ihrer Arbeit vom Chevalier Laurent d'Arvieux, der 1665 von einer zwölfjährigen Orientreise zurückgekehrt war. So ähnelte die „türkische Weihe“ einem von ihm beschriebenen Derwischritus. Was das dabei erfolgende Aufsetzen einer Kopfbedeckung anbelangt, wollten Molières Kritiker am Hof allerdings auch eine Ähnlichkeit mit einer Bischofsweihe erkennen.[3]

Nicht wohlgesinnt war Molière unter den Ministern auch Jean-Baptiste Colbert, trotzdem traute er sich, in das Stück einen Satz zu schreiben, der Monsieur Jourdain als Sohn eines Tuchhändlers offenbart. Das Publikum bei der ersten Pariser Aufführung am 23. November 1670 dürfte gewusst haben, dass dies auch für Colbert zutraf.[4]

Hastig hatte man Carlo Vigarani für die Uraufführung in Chambord ein provisorisches Theater errichten lassen, das anschließend doch über Jahre hinweg Verwendung fand. Sein Repertoire an möglichen Bühnenbildern konnte er wegen der räumlichen Verhältnisse nicht ausschöpfen, und so fanden die von Henri de Gissey nach Anleitung d’Arvieux’ entworfenen Kostüme des Publikums vermehrte Aufmerksamkeit.[5]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk erschien 1670 zunächst im Verlag Robert Ballard, die Dialoge mit separaten gesungenen Texten („livret“). 1671 veröffentlichte der Verleger Pierre Le Monnier eine Ausgabe, die beides zusammenfasste. Schließlich kam 1682 eine Molière-Ausgabe hinzu, in der neuer zu singender Text und ausführlichere Szenenanweisungen aufgenommen waren. Unklar ist, ob die neuen Lieder von Lully komponiert wurden.[6]

Bearbeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adaption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michel Pougeoise: Le bourgeois gentilhomme. Reihe Balises Oeuvres. Fernand Nathan, Paris 1999 u. ö. ISBN 2091807478[Anm. 1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Der Bürger als Edelmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise
  1. Jérôme de La Gorce und Herbert Schneider (Hrsg.): Jean-Baptiste Lully. Œuvres Complètes. Série II. Volume 4, Georg Olms Verlag, Hildesheim u.a. 2006, S. XLV.
  2. Michael F. Klinkenberg: Das Orientbild in der französischen Literatur und Malerei vom 17. Jahrhundert bis zum fin de siècle, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009, S. 93–102
  3. Thomas Betzwieser: Exotismus und »Türkenoper« in der französischen Musik des Ancien Régime, Laaber-Verlag, Laaber 1993, S. 125–133
  4. Johannes Hösle: Molière. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit, Piper Verlag, München 1987, ISBN 3-492-02781-4, S. 287.
  5. Jérôme de La Gorce: Carlo Vigarani, intendant des plaisirs de Louis XIV, Editions Perrin/Etablissement public du musée et du domaine national de Versailles, 2005, S. 101.
  6. Herbert Schneider: Zu den Fassungen und musikalischen Quellen des Bourgeois gentilhomme von J.-B. Lully. In: Jérôme de La Gorce und Herbert Schneider (Hrsg.): Quellenstudien zu Jean-Baptiste Lully. L'œuvre de Lully: Etudes des sources, Georg Olms Verlag, Hildesheim u.a. 1999, S. 175–199.
Anmerkungen
  1. La vie de Molière * Chronologie * L'oeuvre de Molière * Sommaire du texte * Les personnages * Résumés et commentaires * Synthèse littéraire * La genèse et l'histoire de la pièce * L'apothéose de la comédie-ballet * La comédie de moeurs * La composition de la pièce * Quelques citations * Jugements critiques * Plans et sujets de travaux scolaires