Der Dichter und der Komponist

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Der Dichter und der Komponist ist eine Dialogerzählung über das Wesen der romantischen Oper[1] von E. T. A. Hoffmann, die im Frühherbst 1813 geschrieben und im Dezember desselben Jahres in der Allgemeinen musikalischen Zeitung anonym vorabgedruckt wurde.[2] 1819 erschien der Text im ersten Abschnitt des ersten Bandes der Sammlung „Die Serapionsbrüder“ bei G. Reimer in Berlin.[3]

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Serapionsbrüder Theodor[4] rührt seine zuhörenden Mitbrüder Lothar, Ottmar und Cyprian zu Tränen: Abschließend singen die vier Herren aus „Golo und Genovefa“ im Chor.[5]

In einem Gespräch über Kunstdinge, wie in diesem, passiert nicht viel. Allerdings ist es im Herbst 1813 in Dresden unter dem Eindruck einer Schlacht aufgeschrieben. Also wundern wir uns nicht über den Rahmen. Zwei Freunde treffen sich für kurze Zeit nur. In den beschaulichen Tag des Komponisten Ludwig kommt der Dichter Ferdinand unversehens eingeritten. Der Reiter kann keine großen Worte machen. Denn nach dem überschaubaren Dialog muss er gleich wieder aufs Pferd. Bald wird er dem Feind erneut die Stirn bieten.

Zwar erscheint Ferdinand als Freiheitskämpfer und Ludwig als Stubenhocker in ärmlichen[6] Verhältnissen, aber im Dialog trumpft der Komponist Ludwig auf und der Dichter Ferdinand lässt sich sagen, wie ein Opernlibretto gebaut werden müsse: „Es ist, mit einem Wort, die Zauberkraft der poetischen Wahrheit, welche dem, das Wunderbare darstellenden Dichter zu Gebote stehen muß, denn nur diese kann uns hinreißen.“[7]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Aufgabe des Librettisten: „Der Dichter rüste sich zum kühnen Fluge in das ferne Reich der Romantik; dort findet er das Wundervolle, das er in das Leben tragen soll, lebendig und in frischen Farben erglänzend, so daß man willig daran glaubt, ja daß man, wie in einem beseligenden Traume, selbst dem dürftigen, alltäglichen Leben entrückt, in den Blumengängen des romantischen Landes wandelt, und nur seine Sprache, das in Musik ertönende Wort versteht.“[8]

Zeichnung Hoffmanns anno 1803:
Hoffmann und Hippel als Söhne des Zeus

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1813 hatte E. T. A. Hoffmann an seiner Oper „Undine“ komponiert.[9] Also könnte der Dialog als operntheoretische Schrift mit verteilten Rollen begriffen werden. Der Autor vorliegender Erzählung spaltet sich gleichsam auf als Dichter und Komponist. Ferdinand und Ludwig wären danach bloße Sprachrohre E. T. A. Hoffmanns. Safranski[10] legt eine weitere begründbare Spielart nahe. Der Komponist Ludwig ist kein anderer als E. T. A. Hoffmann und bei dem Dichter Ferdinand handelt es sich um seinen patriotischen Freund Hippel, den Verfasser des Aufrufs „An Mein Volk“. Nach Allroggen[11] trafen sich die Freunde Ende April 1813 in Dresden.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seinerzeit wechselte in Dresden die Präsenz von Freund und Feind (Napoleon) immer einmal. Dementsprechend hätte die Meinung E. T. A. Hoffmanns zum Krieg geschwankt. Safranski äußert, ein großer Patriot - wie Hippel – sei E. T. A. Hoffmann vermutlich nicht gewesen.[12] Er habe vielmehr den Krieg nicht als Befreiung, sondern als dämonisch-zerstörende Kraft gesehen.[13]
  • Details finden sich bei Segebrecht[14]. Er nennt zudem Arbeiten von Gerhard Allrogen („Die Opern-Ästhetik E. T. A. Hoffmanns“ (Regensburg 1969)), Maurice M. Raraty (1972), Aubrey S. Garlington (1979), Judith Rohr („E. T. A. Hoffmanns Theorie des musikalischen Dramas“ (Baden-Baden 1985)), Steven Paul Scher (Berlin 1998) und Hartmut Steinecke (Berlin 1998).[15] Kaiser nennt noch Georg Wellenberger (1986)[16].
  • E. T. A. Hoffmann sei ein musikästhetischer Vorreiter gewesen[17]. Die beiden Freunde hätten eine Frage besprochen: „Was sind der Musik zusagende Gedichte?“[18]
  • Werner beobachtet bei E. T. A. Hoffmann eine „Romantisierung der Wirklichkeit“[19].
  • Laut Safranski kreist jenes Gespräch um das „Primat des musikalischen Geistes über das Wort“[20].

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erstdruck in: Die Serapionsbrüder. Gesammelte Erzählungen und Mährchen. Herausgegeben von E. T. A. Hoffmann. Erster Band. Berlin 1819. Bei G. Reimer. 604 Seiten[21]
  • Wulf Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 4: Die Serapions-Brüder. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-618-60880-2. Taschenbuchausgabe: Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-618-68028-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Georg Werner: E. T. A. Hoffmann. Darstellung und Deutung der Wirklichkeit im dichterischen Werk. Arion Verlag, Weimar 1962.
  • Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten. 2 Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2001 (1. Aufl. 1984), ISBN 3-596-14301-2.
  • Gerhard R. Kaiser: E. T. A. Hoffmann. Metzler, Stuttgart 1988, ISBN 3-476-10243-2. (Sammlung Metzler; 243; Realien zur Literatur)
  • Helmut de Boor, Richard Newald: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 7: Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Teil 2: Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege und der Restauration. 1806–1830. Beck, München 1989, ISBN 3-406-09399-X.
  • Gerhard Allroggen: Das Musikalische Werk. I. Musikalische Schriften und Rezensionen. 1. Hoffmanns Arbeiten für die AMZ. 1.3 Der Dichter und der Komponist. In: Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-018382-5, S. 415–416.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Teil 2. München 1989, S. 437, 7. Z.v.o. und auch Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 103, 28. Z.v.o.
  2. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1297, 7. Z.v.u.
  3. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1221, 4. Z.v.o. und S. 1681 oben
  4. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 94, 24. Z.v.o.
  5. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 121, 28. Z.v.o. und S. 1305, 8. Z.v.o.
  6. Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2001, S. 284, 5. Z.v.o.
  7. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 104, 8. Z.v.o.
  8. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 103, 16. Z.v.o.
  9. Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2001, S. 283, 17. Z.v.o.
  10. Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2001, S. 280, 13. Z.v.u. und S. 283, 4. Z.v.u.
  11. Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. Berline 2009, S. 415, 3. Z.v.u.
  12. Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2001, S. 284, 2. Z.v.u. und S. 104, 11. Z.v.u.
  13. Hans-Georg Werner: E. T. A. Hoffmann. Weimar 1962, S. 35, 18. Z.v.u.
  14. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1297–1305
  15. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1667, 2. Z.v.u.
  16. Gerhard R. Kaiser: E. T. A. Hoffmann. Stuttgart 1988, S. 82.
  17. Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Teil 2. München 1989, S. 258, 5. Z.v.u.
  18. Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. Berline 2009, S. 416, 16. Z.v.o.
  19. Hans-Georg Werner: E. T. A. Hoffmann. Weimar 1962, S. 40, 19. Z.v.u.
  20. Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2001, S. 284, 8. Z.v.o.
  21. Segebrecht (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1221 oben