Der Drache (Drama)

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Der Drache ist ein dreiaktiges Märchenstück in Parabelform, 1943 verfasst von dem russischen Autor Jewgeni Lwowitsch Schwarz unter dem Eindruck der Leningrader Blockade. Es behandelt gleichnishaft das Zusammenspiel von Tyrannei und knechtseligem Untertanengeist. Damit war es ein zeitkritischer Text, der den deutschen Nationalsozialismus Hitlers ebenso satirisch angriff wie die stalinistischen Diktaturen Osteuropas. Seine Uraufführung erfuhr das Stück erst 1961 in Nowa Huta.[1]

1963 wurde es als Hörspiel im Saarländischen Rundfunk produziert, 1965 als Fernsehspiel in der Regie von Hans Dieter Schwarze mit Robert Graf in der Titelrolle und Klaus Schwarzkopf als Kater.

Benno Bessons Inszenierung am Deutschen Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1965 schuf Benno Besson mit Rolf Ludwig in der Hauptrolle und Eberhard Esche als Drachentöter Lanzelot eine legendäre Inszenierung am Deutschen Theater in Berlin.[2] Die Premiere dieser DDR-Erstaufführung in der Übersetzung von Günter Jäniche und mit der Bühnenmusik von Reiner Bredemeyer fand am Sonntag, dem 21. März 1965 statt.[3] Horst Sagert schuf dazu das phantasievolle Bühnenbild mit zauberhaften Kostümen. Höhepunkt war der furchterregende Auftritt des dreiköpfigen Drachen selbst, der mit einer Flügelspannweite von 11,5 Metern die ganze Bühne füllte und in der Werkstatt von Eduard Fischer entstand.

Bereits im Januar 1966 gastierte das Deutsche Theater mit dieser Aufführung in Bonn[4], sagte für Mai „aus technischen Gründen“ ein Gastspiel zum Berliner Theatertreffen in West-Berlin ab, war dann jedoch westdeutschen Besuchern im Osten gegenüber sehr zuvorkommend und erzielte vom 14. bis 18. Juni desselben Jahres in Paris[5] mit sechs (!) Aufführungen zum Festival des Théâtre des Nations enorme Erfolge.[6] Die damals in West-Berlin erscheinende Theaterzeitschrift Theater heute erklärte die herausragende Ensemble-Leistung unter Benno Bessons Regie zur Aufführung des Jahres 1965. Nach etwa 90 Vorstellungen veränderten Besson und Sagert das Schlussbild: Die Vision einer Post-Drachtöter-Ordnung als glänzende Folie einer Wohlstandsgesellschaft.[7]

Die Inszenierung wurde 580 mal aufgeführt und stand bis zum Sommer 1981 auf dem Spielplan. Eine Film- oder Videoaufzeichnung dieser Aufführung liegt nicht vor. Lediglich die DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge enthält in der Ausgabe 27 des Jahres 1966 einen zweiminütigen Tonfilm-Zusammenschnitt zentraler Szenen zwischen Lanzelot, Elsa und dem Drachen.

Im Insel-Verlag Anton Kippenberg, Leipzig erschien 1971 Band Nr. 953 der Insel-Bücherei mit Horst Sagerts Bühnenbildern und Figurinen der Inszenierung auf 21 Farbtafeln.

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Drache (Original: Drakon), Märchenkomödie in drei Akten von Jewgeni Schwarz; Deutsch: Günter Jäniche, Henschel-Verlag, Berlin, Bühnenfassung des Deutschen Theaters, Regie: Benno Besson; Bühnenbild und Kostüme: Horst Sagert; Kostümplastiken Drache und Esel: Eduard Fischer; Musik: Reiner Bredemeyer; Dramaturgen: Karl-Heinz Müller und Martin Linzer; Pantomime: Brigitte Soubeyran; Kostümgestaltung: Christine Stromberg; Tonaufnahmen: Hans Rudnik; Masken: Herbert Zensch; Grafiken des Programmheftes: Horst Hussel

Der Drache: Rolf Ludwig/Peter Aust; Lanzelot: Eberhard Esche/ Edgar Harter; Charlesmagne, Archivar: Dieter Franke/Erhard Marggraf; Elsa, seine Tochter: Katharina Lind/Ursula Karusseit/Cox Habbema/Ursula Staack; Bürgermeister: Horst Drinda; Heinrich, sein Sohn: Peter Dommisch/Dieter Mann; Mariechen, Kater: Johannes Maus/Walter Lendrich; Anna, Freundin Elsas: Barbara Adolph; Erna, Freundin Elsas: Bärbel Bolle u. v. a.

Premiere: Sonntag, 21. März 1965 (zusätzlich zur jeweiligen Premierenbesetzung sind auch die Folgebesetzungen der Hauptrollen genannt.)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lothar Lang: Bühnenbilder und Figurinen zu "Der Drache" von Horst Sagert in: 100 Jahre Deutsches Theater Berlin 1883-1983, S. 293, Henschelverlag Berlin 1986
  2. Produkt der Theaterarbeit - Benno Besson in Forum 11/1965, Berlin/DDR
  3. dokumentiert in: Dieter Kranz: Berlin-Weltstadt des Theaters, Berliner Rundfunk, 25. März 1965, Radiosendung mit ca. 20 Minuten Szenenausschnitten aus der Generalprobe sowie Interviews, Gesamtdauer: 45 Minuten
  4. Berliner Zeitung vom 30. Januar 1966
  5. Le Figaro, 16. Juni 1966, Jean-Jacques Gautier: Wie angenehm ist es und süß, das Stück zu loben - Über das Gastspiel des Deutschen Theaters im Théâtre National de l'Odéon, Paris
  6. Dieter Kranz: Zu Gast bei Benno Besson, Berliner Rundfunk, 10. Juli 1966
  7. Ch. Hasche, T. Schölling, J. Fiebach: Theater in der DDR - Chronik und Positionen, Henschelverlag Berlin 1994, S. 52