Der Flaschenkobold

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Der Flaschenkobold (engl. The Bottle Imp) ist eine Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Die Erzählung wurde 1891 in mehreren Teilen vorab gedruckt und erschien 1892 erstmals in Buchform. Im Jahr 1893 veröffentlichte Stevenson den Flaschenkobold mit weiteren Südseegeschichten in dem Erzählband Inselnächte (engl. Island Night's Entertainments).

Inhalt[Bearbeiten]

Der Protagonist Keawe, ein hawaiischer Matrose, erwirbt eine mysteriöse Flasche, die ihrem Besitzer jeden Wunsch erfüllt. Dieser muss sie jedoch vor seinem Tod verkaufen, um nicht in die Hölle zu kommen. Weiterhin kann die Flasche nur billiger als ihr Einkaufspreis und nur gegen Münzen verkauft werden, ansonsten kehrt sie zu ihrem Besitzer zurück.

Nachdem Keawe sich ein schönes Haus gewünscht hat, verkauft er die Flasche an seinen Freund Lopaka. Einige Zeit später trifft er seine große Liebe Kokua, stellt jedoch kurz darauf fest, dass er an der unheilbaren Krankheit Lepra leidet. Daraufhin kauft er die Flasche für einen Cent wieder zurück und wird geheilt. Keawe verzweifelt jedoch, da er die Flasche nicht mehr billiger weiterverkaufen kann. Seine Frau Kokua hat aber die Idee mit Keawe auf die französischen Südseeinseln zu fahren, da dort die noch kleinere Währungseinheit Centime existiert. Dort will jedoch niemand die Flasche kaufen und so opfert sich Kokua und erwirbt die Flasche mittels einer List. Keawe wiederum kommt dahinter und beauftragt einen Bootsmann, die Flasche für ihn zurückzuholen. Dieser verweigert jedoch anschließend die Herausgabe, da er meint, er müsse sowieso in die Hölle.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Stevenson, der die Novelle zur reinen Unterhaltung verfasst hat, greift mit der Geschichte eines Wünsche erfüllenden Koboldes das literarische Motiv des Teufelspaktes auf. Eine Reihe von Parallelen gibt es auch zum Motiv des Flaschengeistes in der Sage Spiritus familiaris der Brüder Grimm.[1]

Deutlich werden Eindrücke seines fünfmonatigen Aufenthalts im Königreich Hawaiʻi im Jahre 1889 verarbeitet.[2] So spielt ein Teil der Geschichte in Hoʻokena, einer Siedlung an der Kona-Küste der Insel Hawaiʻi, die der Schriftsteller besucht hatte.[3] In einer Szene in Honolulu erwähnt er Heinrich Berger, den Kapellmeister der Royal Hawaiian Band.[4] Der Name von Keawes Frau verweist auf das hawaiische Wort kōkua,[5] das Hilfe bedeutet. Schließlich hatte Stevenson 1889 auch die Leprakolonie auf der Insel Molokaʻi besucht und Damian de Veuster getroffen. Er war daher aus eigener Anschauung mit dem Schicksal von Leprakranken vertraut.[6] An verschiedenen Stellen verwendet Stevenson das hawaiische Wort haole,[7] mit der Weiße bezeichnet werden, so auch in der Beschreibung des letzten Besitzers der Flasche.[8]

Das Original des Flaschenkobolds schrieb Stevenson, der von 1890 an bis zu seinem Tod (1894) auf Samoa lebte, in der zeitgenössischen samoanischen Sprache. Er wurde daraufhin von den Einheimischen auch mit „Tusitala“ („der Erzähler“) betitelt.

Der Flaschenkobold ist in deutschen Übersetzungen zuerst als Das Flaschenteufelchen (Insel-Bücherei 302, mit Holzstichen von Hans Alexander Müller, 1925), dann als Der Flaschenteufel (Hamburg 1926) aufgelegt worden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Louis Stevenson: The Bottle Imp. Reclam, Ditzingen 1983, ISBN 3-15-009157-8
  • Robert Louis Stevenson: Der Flaschenkobold. Dt. Übersetzung, Reclam, Ditzingen, ISBN 3-15-006765-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 85. Spiritus familiaris. In: Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen. Zwei Bände in einem Band. München 1965, S. 121-123.
  2. Robert Louis Stevenson: Travels in Hawaii. edited and with an introduction by A. Grove Day. University of Hawaii Press, Honolulu 1991. ISBN 0-8248-1397-9
  3. vgl. seinen Brief an Charles Baxter (Honolulu, 10. Mai 1889): "I have just been a week away alone on the lee coast of Hawaii, the only white creature in many miles, riding five and a half hours one day, living with a native …"
  4. vgl. The Bottle Imp: "Thither he went, because he feared to be alone; and there, among happy faces, walked to and fro, and heard the tunes go up and down, and saw Berger beat the measure, and all the while he heard the flames crackle, and saw the red fire burning in the bottomless pit."
  5. kōkua in Hawaiian Dictionaries
  6. vgl. seinen Brief an Sidney Colvin (Honolulu, Juni 1889): "I am just home after twelve days journey to Molokai, seven of them at the leper settlement, where I can only say that the sight of so much courage, cheerfulness, and devotion strung me too high to mind the infinite pity and horror of the sights."
  7. haole in Hawaiian Dictionaries
  8. vgl. The Bottle Imp: "Now there was an old brutal Haole drinking with him, one that had been a boatswain of a whaler, a runaway, a digger in gold mines, a convict in prisons."