Der Glöckner von Notre Dame (1939)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Glöckner von Notre Dame
Originaltitel The Hunchback of Notre Dame
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1939
Länge 116 Minuten
Stab
Regie William Dieterle
Drehbuch Sonya Levien
Bruno Frank
Produktion Pandro S. Berman für RKO Pictures
Musik Alfred Newman
Kamera Joseph H. August
Schnitt William Hamilton,
Robert Wise
Besetzung

Der Glöckner von Notre Dame (Originaltitel: The Hunchback of Notre Dame) ist eine Literaturverfilmung aus dem Jahr 1939, die auf dem Roman Der Glöckner von Notre-Dame von Victor Hugo basiert. Der Film von William Dieterle gilt wegen seiner prachtvollen Ausstattung, liebevollen Details und darstellerischen Leistungen auch heute noch als die beste der zahlreichen Verfilmungen von Hugos Roman.

Handlung[Bearbeiten]

Paris im späten 15. Jahrhundert im Wechsel zwischen Mittelalter und Neuzeit: Der Film beginnt mit dem alten König Louis XI. und dem einflussreichen Richter Claude Frollo, die eine Buchdruckerei besuchen. Während der König den Neuerungen positiv gegenübersteht, würde Frollo am liebsten die Druckerpresse zerstört sehen. Frollo verabscheut ebenfalls die Ziegeuner, die verfolgt werden und denen der Eintritt in Paris streng verboten ist. Dennoch schafft es eine freundliche junge Zigeunerin namens Esmeralda, an den Wachen vorbeizukommen und nach Paris hineinzugelangen. Beim alljährlichen Fest der Narren in Paris tanzt auch Esmeralda und erregt wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit die Aufmerksamkeit vieler Personen, darunter auch von Quasimodo, dem buckligen und missgestaltem Glöckner der Pariser Kathedrale Notre Dame. Oben über der Stadt fristet er ein einsames Dasein, zumal die abergläubischen Bewohner von Paris ihn für verflucht halten. Beim Fest wählen sie Quasimodo wegen seiner außergewöhnlichen Hässlichkeit zum König der Narren. Doch Frollo, Ziehvater von Quasimodo und vom bunten Treiben der Massen empört, nimmt den Glöckner zurück in die Kirche.

Die Zigenuerin Esmeralda wird von den Pariser Wachen entdeckt, doch sie kann sich in die Kathedrale von Notre Dame retten. Dort wird sie vom freundlichen Erzbischof von Paris beschützt, bei dem es sich um Frollos älterer Bruder Jehan handelt. Sie betet erstmals in ihrem Leben zur Gottesmutter Maria, dass sie und die anderen Zigeuner nicht mehr verfolgt werden und Paris betreten dürfen. Der König überhört ihr Gebet zufällig und verspricht ihr, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Richter Frollo hegt dennoch weiterhin Vorurteile gegen Esmeralda und andere Zigeuner, auch wenn er sich heimlich zu ihr hingezogen fühlt. Frollo will Esmeralda zu Quasimodo in den Turm bringen, doch sie rennt vor dem Glöckner weg. Auf Befehl von Frollo fängt sie Quasimodo wieder ein und trägt sie davon. Der arme Straßendichter Pierre Gringoire beobachtet das Geschehen und ruft um Hilfe. Daraufhin können die Pariser Truppen um ihren gutaussehenden Hauptmann Phoebus Quasimodo wieder einfangen. Esmeralda ist gerettet und verliebt sich in Hauptmann Phoebus. Durch ein Unglück gerät Gringoire wenig später unter eine Organisation von Bettlern, angeführt von ihrem „König“ Clopin. Zunächst wollen die Bettler Gringoire hinrichten, doch Esmeralda – die bei den Bettlern lebt – verhindert das durch eine Heirat mit Gringoire, obwohl sie ihn nicht liebt.

Am nächsten Tag wird Quasimodo wegen der Entführung auf dem Marktplatz ausgepeitscht und gedemütigt. Während Richter Frollo nicht zur Hilfe eilt, gibt Esmeralda dem Buckligen etwas Wasser, was seine Liebe zu ihr entweckt. Auch Frollo fühlt sich immer stärker zu ihr hingezogen und er gesteht Esmeralda seine Lust auf sie. Doch Esmeralda verbringt stattdessen einige Zeit mit dem bereits verlobten Hauptmann Phoebus in einem Garten, obwohl sie weiß, dass Phoebus sie nicht liebt. Frollo beobachtet eifersüchtig die Liebesszene und tötet Phoebus, die Zigeunerin Esmeralda wird daraufhin fälschlicherweise des Mordes an Phoebus angeklagt. Ihr Ehemann Gringoire und der Bettlerkönig Clopin stehen Esmeralda zwar bei, doch können sie soweit nichts unternehmen. Zu allem Unglück wird Frollo auch noch zum Richter des Prozesses gegen Esmeralda ernannt. Frollo gibt Esmeralda die Schuld an seinem Mord, weil sie ihn zur Sünde verführt hätte und sie eine Hexe sei. Frollo verurteilt Esmeralda schließlich zum Tode, obwohl sie ihre Unschuld beteuert.

Gerade vor ihrer Hinrichtung kann Quasimodo sie allerdings in die Kathedrale retten. Sie lebt fortan bei Quasimodo oben auf dem Glockenturm und beide zeigen Symphathie füreinander. Der Erzbischof, der vom Mord seines Bruders weiß, aber darüber schweigen musste, unterstützt Esmeralda ebenfalls. Ein Großteil des Adels – abgesehen vom König – will dennoch die Hinrichtung Esmeraldas sehen. Gringoire und Clopin wenden verschieden Methoden an, um Esmeralda zu retten. Gringoire veröffentlicht mithilfe der Druckerpresse zahlreiche Schriften gegen eine Hinrichtung Esmeraldas, während Clopin seine Bettler zum Sturm auf die Kathedrale holt. Der König und der Erzbischof lesen Gringoires Schriften, was Frollo dazu zwingt, seinen Mord an Phoebus zu gestehen. Beim Sturm auf die Kathedrale entbrennt unterdessen ein Kampf zwischen Bettlern, Bürgern und Mönchen, bei denen zahlreiche sterben, darunter auch Clopin. Frollo flüchtet sich in die Kirche und versucht, endlich Esmeralda zu töten. In einem finalen Kampf kann Quasimodo seinen einstigen Ziehvater von der Spitze der Kathedrale werfen.

Esmeralda und ihr Volk der Zigeuner werden vom König begnadigt. Esmeralda kann Notre Dame verlassen und zusammen mit Pierre Gringoire, den sie inzwischen liebt, auf eine glückliche Zukunft hoffen. Quasimodo dagegen bleibt alleine und traurig auf dem Glockenturm von Notre Dame zurück.

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Im Unterschied zu der Erzählung von Victor Hugo, in der Esmeralda und Quasimodo sterben, endet der Film versöhnlich. Zudem ist der Hauptschurke Claude Frollo hier nicht Erzdiakon wie in Hugos Buch, sondern nur ein sehr gläubiger Richter. In Hugos Buch ist Frollos Bruder Jehan ein eher negativ gezeichneter Jugendlicher, während er hier als würdevoller älterer Bischof erscheint.
  • Der Glöckner von Notre Dame war der erste amerikanische Film der 19-jährigen Maureen O'Hara, die erst kurz zuvor von Charles Laughton persönlich entdeckt worden war. Charles Laughton bestand auf der Besetzung der in den USA noch unbekannten O'Hara als Esmeralda. Für Edmund O'Brien als Dichter Pierre war es ebenfalls das Filmdebüt, außerdem der erste Film seit 1917 für Theaterstar Walter Hampden als Erzbischof.
  • Bevor Charles Laughton für die Rolle des Glöckners ausgewählt wurde, waren auch Bela Lugosi, Claude Rains, Orson Welles, Robert Morley und Lon Chaney Jr. - dessen Vater Lon Chaney Sr. den Glöckner bereits 1923 auf legendäre Weise verkörperte hatte - im Gespräch. Außerdem war Basil Rathbone zunächst für die Rolle des Frollo vorgesehen, konnte die Rolle jedoch wegen anderer Dreharbeiten und seines Vertrages mit Universial Studios nicht annehmen.[1]
  • Mit Kosten von rund 1,8 Millionen US-Dollar war dies der bis dahin teuerste Film von RKO Pictures. Alleine der Nachbau von Notre-Dame durch den angesehenen Szenenbildner Van Nest Polglase kostete dem Studio 250.000 US-Dollar. Trotz seiner hohen Kosten wurde die Literaturverfilmung ein Erfolg und spielte ber drei Millionen US-Dollar ein.[2]
  • Laughtons Make-Up wurde von Perc Westmore gestaltet. Jeden Tag musste Laughton in einem Prozess von über zweieinhalb Stunden geschminkt werden. Die Situation für Laughton war umso schlimmer, da es ein besonders warmer Sommer war und er unter dem Make-Up und dem Buckel auf seinem Rücken besonders heiß wurde.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde 1940 für zwei Oscars in den Kategorien Beste Musik und Bester Ton nominiert.

Kritik[Bearbeiten]

„Unverändert eindrucksvolle Verfilmung des dramatisch-romantischen Historienromans von Victor Hugo mit detailliert ausgeführtem Zeitkolorit, bewegten Massenszenen, brillanter Kameraführung und einer anrührenden Verkörperung der Titelrolle durch Charles Laughton. Unter den zahlreichen Filmfassungen wird diese der literarischen Vorlage und der historischen Atmosphäre am besten gerecht.“

Lexikon des Internationalen Films

„Zweite und gelungenste Verfilmung des Romans von Victor Hugo mit einem überragenden Laughton […]; einfühlsame Regie und überzeugende Besetzung in einem effektsicheren Klassiker der Romanverfilmung und des Kostümabenteuers. (Wertung: 2½ Sterne, gleich überdurchschnittlich)“

Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“[3]

„Großangelegte Verfilmung […]. Bestialische Grausamkeiten. Erhebliche Reserven. (Einstufung: 2EE, gleich: Für Erwachsene, mit erheblichen Vorbehalten.)“

– Handbuch V der katholischen Filmkritik[4]

„Victor Hugos Roman in einer besonders durch die Schauspielkunst Charles Laughtons beeindruckenden Verfilmung. Wenn auch die epische Breite nicht immer bewältigt wurde und manche Gegenpole der abenteuerlich-dramatischen Handlung übertrieben erscheinen, so ist der Film wegen seiner dennoch vorhandenen formalen Qualitäten des Ansehens wert.“

Evangelischer Filmbeobachter[5]

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

Der Glöckner von Notre Dame. Kinowelt Home Entertainment 2004

Soundtrack[Bearbeiten]

Alfred Newman: The Hunchback of Notre Dame. Reconstructed Motion Picture Score. Auf: The Classic Film Music of Alfred Newman. Marco Polo/HNH, Unterhaching 1997, Tonträger-Nr. 8.223750 – digitale Stereo-Neueinspielung der rekonstruierten Filmmusik durch das Moskauer Sinfonie-Orchester unter der Leitung von William T. Stromberg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Victor Hugo: Der Glöckner von Notre-Dame. Roman (Originaltitel: Notre-Dame de Paris). Vollständige Ausgabe, 2. Auflage. Auf der Grundlage der Übertragung von Friedrich Bremer am Original überprüft und neu erarbeitet von Michaela Messner. dtv, München 2005, ISBN 3-423-13376-7.
  • Dieter Krusche, Jürgen Labenski: Reclams Filmführer. 7. Auflage, Reclam, Stuttgart 1987, ISBN 3-15-010205-7, S. 261 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IMDb Trivia
  2. IMDb Trivia
  3. Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“. (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 309
  4. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 160
  5. Ev. Presseverband München, Kritik Nr. 730/1953