Der Hungerpastor

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Der Hungerpastor ist ein Entwicklungsroman von Wilhelm Raabe, der ab November 1863 in den ersten zwölf Heften der „Deutschen Roman-Zeitung“ vorabgedruckt und 1864 erstmals in Buchform im Verlag Otto Janke in Berlin erschienen ist.

Geschildert wird der Werdegang des Hans Unwirrsch vom Kind armer Leute zum Dorfpfarrer; der Handlungszeitraum reicht vom Geburtstag im Jahr 1819 bis zum ersten Lebensjahr des Sohnes um 1853.

Zu Lebzeiten des Autors erschienen vierunddreißig Auflagen[1] sowie Übertragungen ins Holländische (1869) und Englische (1885). 1911 erschien eine dänische Ausgabe. Von etlichen der deutschsprachigen Nachauflagen hat Raabe selbst Korrektur gelesen.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kröppelstraße der fiktiven Kleinstadt Neustadt feiert der Schuhmachermeister Anton Unwirrsch mit seinem Schwager, dem Flickschuster Nikolaus Grünebaum, die Geburt des Sohnes Johannes („Hans“) Jakob Nikolaus. Im Nachbarhaus wird am selben Tag dem Juden Samuel Freudenstein das einzige Kind Moses geboren.

Ein Jahr nach der Geburt des Sohnes stirbt Meister Anton. Die Witwe des Schusters, Christine Unwirrsch, schlägt sich als Wäscherin durch. Tagsüber kümmert sich die Base Schlotterbeck, eine ältliche Jungfer, um den kleinen Hans. Der Junge besucht später die Armenschule. Der Staat hat die Kommune gezwungen, das einstige Spritzenhaus, „ein feuchtes Loch“, als Klassenzimmer zur Verfügung zu stellen.

Als eine Horde Mitschüler Moses („den Judenjungen“) auf offener Straße peinigen will, stellt sich Hans gemeinsam mit Moses den Angreifern entgegen. Seitdem hat er einen Freund. Zur Freude seines Vormunds, des Oheims Grünebaum, tritt Hans in die Bürgerschule ein. Danach soll der Junge „wie alle andern Unwirrsche und Grünebäume ein Schuster werden“. Aber Hans spricht gegen den Willen seines Vormunds eines Sonntags verweint und stammelnd bei dem Gymnasialprofessor und Doktor der Philosophie Dominus Blasius Fackler vor. Der Professor nimmt den Jungen in seine Schule auf. Der Oheim gibt sich geschlagen. Er hat seine Macht über den Neffen verloren.

Auf dem Gymnasium findet sich Hans mit Moses in einer Klasse wieder. Beide Jungen sind Außenseiter; Hans durch seine Armut und Moses durch Nationalität und Religion. Was sich Hans mit unsäglicher Mühe aneignen muss, überwindet Moses spielend. Trotzdem avanciert der Sohn des Schusters zum Lieblingsschüler des Professors Fackler, zählt doch Fackler als Sohn eines Leinewebers ebenfalls zu den „Staubgeborenen“. Fackler bringt Hans als Hauslehrer bei Kanzleidirektor Trüffler unter. Während der Abiturprüfung behauptet Moses seine Position als Primus. Hans wird Zweiter.

Die beiden Freunde nehmen an derselben Universität ein Studium auf. Hans schreibt sich (was Raabe nicht näher herleitet oder motiviert) bei den Theologen ein und Moses studiert Philosophie. Während Hans darbt und nur mit einem Stipendium, das er der Fürsprache Facklers verdankt, die Studienjahre übersteht, lebt Moses auf großem Fuß. Der Vater, ein Altwarenhändler, war verstorben und hatte Moses ein Vermögen hinterlassen. Moses promoviert schließlich mit einer von Spinoza inspirierten und entsprechend kritisierten, zuletzt aber akzeptierten Dissertation über die „Materie als Moment des Göttlichen“ und geht als frischgebackener Doctor philosophiae nach Paris. Hans soll daheim in Neustadt das Examen als Kandidat der Gottesgelehrtheit ablegen.

Auf dem Heimweg kehrt Hans in dem Wirtshaus „Zum Posthorn“ in Windheim ein. Der junge Wandersmann wird von den Wirtsleuten freudig empfangen, ist doch dieser Gast mit dem schmalen Geldbeutel im Hause von seinen Zwischenstopps während der vergangenen Semesterferien her nicht unbekannt. Verschlossen ist Hans nicht. So erzählt er nach Aufforderung durch die Wirtsleute unverhohlen über sich und die Welt. Nachdem Hans in seinem Bericht den Namen seines Freundes Moses Freudenstein erwähnt hat, wird er an den Tisch eines „abgedankten Landsknechts“ gebeten. Er macht die Bekanntschaft des Leutnants außer Dienst Rudolf Götz und seiner Nichte Franziska Götz. Der Offizier redet schlecht über den Freund. Monsieur Freudenstein habe sich in Paris gegen Franziska nicht sehr ritterlich betragen.

In Neustadt liegt Christine Unwirrsch im Sterben. Als Hans von seiner Prüfungspredigt heimkehrt, ist die Mutter friedlich entschlafen. Wiederum durch Vermittlung Professor Facklers erhält Hans eine Stelle als Hauslehrer auf dem Gut des Landedelmannes Herrn von Holoch in Bocksdorf. Im zweiten Dienstjahr reist dort die allmächtige Erbtante an und nennt den Herrn Hauslehrer einen „unpolierten Tölpel“. Hans darf inserieren und kommt bei einem wohlhabenden Fabrikanten in Kohlenau im Magdeburgischen als Hauslehrer unter. Als dort eine Krankheit, die dem Hungertyphus ähnelt, ausbricht, meutert das Arbeitervolk. Hans schlägt sich auf die Seite der unglücklichen Fabrikarbeiter und darf nicht länger unterrichten. Auf einem Spaziergang begegnet der junge Theologe – wiederum zufällig – dem Leutnant Götz. Der alte Militär erzählt Hans von seiner Soldatenvergangenheit. Götz hat zwei jüngere Brüder. Felix, der Vater Franziskas, starb in Paris. Deshalb habe der Leutnant seine Nichte, deren Mutter 1836 verstarb, aus Paris geholt. Wegen seiner Armut und seines nomadischen Lebens brachte der Leutnant das Mädchen in dem Haus seines Bruders Theodor in „der großen Allerweltsstadt“ Berlin unter. Der Geheime Rat Theodor Götz ist mit Aurelie, einer geborenen von Lichtenhahn, verheiratet. Die Ehe ist mit zwei Kindern – dem schönen, kapriziösen Fräulein Kleophea und dem siebenjährigen Knaben Aimé – gesegnet. Der Leutnant bringt Hans als Lehrer des kleinen Jungen im Hause des Bruders unter. Auf dem Wege dorthin macht Hans – immer in Begleitung des Leutnants – die Bekanntschaft des Obersten von Bullau. Das ist ein Kamerad des Leutnants, der sich nur gelegentlich in der Metropole aufhält. Gewöhnlich ist der Oberst auf seinem Gute in Grunzenow an der Ostsee zu finden. Bevor der Leutnant dem Theologen die hochherrschaftliche Villa des Bruders zeigt, führt er ihn in die Oper. Nach dem Kunstgenuss (gegeben wird Mozarts „Don Giovanni“), trifft Hans in der Weinstube Lutter & Wegner auf Moses. Der Freund ist zum Katholizismus konvertiert und nennt sich jetzt Doktor Theophile Stein. Leutnant Götz kann sich nicht besinnen, wo er dem Fremdling schon einmal begegnet ist. Hans verrät Moses nicht.

Der Herr Geheime Rat stellt Hans an. Seine Gemahlin erscheint dem Theologen „ernst wie eine sternenlose Nacht“. Der verzogene Aimé tritt seinem neuen Lehrer gegen das Schienbein. Die braunen Augen Kleopheas üben auf Hans eine Zaubermacht ersten Ranges aus. Franziska lebt in der Villa zurückgezogen. Sie warnt den Ankömmling vor ihrer Tante.

Hans sucht Moses in seiner Berliner Wohnung auf. Er will wissen, warum der Leutnant so schlecht über den Freund spricht. Vor allem will Hans Antwort auf die Frage: Was hat Moses dem Fräulein Franziska in Paris getan? Der Fragesteller wird mit „gutmütigem Humor“ behandelt und bekommt keine Antwort. Moses tituliert den Freund „Hungerpastor“ und weicht aus; interessiert sich für Kleophea und spricht von seinen Plänen. Er strebt an der Berliner Universität eine Professur für semitische Sprachen an.

Geschickt schleicht sich Dr. Stein in die Villa des Geheimen Rates ein und nähert sich Kleophea, um sie zu heiraten. Bald fühlt sich der neue Hausfreund stark genug, „nötigenfalls den armen Hans so wie seine kleine Pariser Bekanntschaft vor die Tür zu setzen“. Als Hans an einer Gehirnentzündung erkrankt und Moses seine Absicht wahrmachen will, fühlt der Kranke zum ersten Mal in seinem Leben Hass. Hans hasst Moses. Nachdem der Hauslehrer vom Krankenbett aufgestanden ist, erhält er von der gnädigen Frau die Kündigung zum kommenden Weihnachtsfest.

Kleophea lässt sich von Dr. Stein nach Paris entführen. Die Mutter Aurelie Götz gibt Franziska und dem Hauslehrer die Schuld. Hans wird vor die Tür gesetzt. Der Geheime Rat Götz zahlt aber dem entlassenen Hauslehrer einen Restlohn aus, der ihm vorläufig das Überleben in der Stadt gestattet. Hans nimmt sich ein schäbiges Zimmer und will schreiben. Aus dem beabsichtigten „Buch vom Hunger“ wird nichts. Hans reist nach Neustadt und trauert an den Gräbern der Base Schlotterbeck und des Oheims Grünebaum. Er verkauft das Vaterhaus und hat darauf nichts mehr in Neustadt zu schaffen. Auf der Rückreise nach Berlin erkundigt er sich bei den Kameraden des Leutnants Götz nach dem Oberst von Bullau. Die Kameraden antworten, der Oberst sei dagewesen und habe Hans zum Leutnant nach Grunzenow mitnehmen wollen. Es pressiere. Der Leutnant sei in großer Not wegen Franziska. Hans reist an die Ostsee nach Grunzenow. Auf dem Gute des Obersten kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Hans und dem Leutnant, als Hans erfährt, weshalb der Leutnant ihm die Hauslehrerstelle bei dem Geheimen Rat verschafft hatte. Hans sollte auf Franziska achten.

Endlich aber ist Hans dem Leutnant dankbar dafür, dass er ihn mit Franziska zusammengebracht hat. Als dem Leutnant die Nachricht vom Tode des Bruders Theodor erreicht, sorgt er sich um die Nichte Franziska. Hans soll das Mädchen aus Berlin nach Grunzenow holen. Der Reisende erfährt, Kleophea, Ehefrau des Dr. Stein, sei von der Mutter enterbt worden. Dr. Stein behandele seitdem Kleophea schlecht.

In der Hauptstadt ermittelt Hans weiter, am Begräbnistage ihres Onkels habe Franziska die Villa verlassen. Der Theologe findet das Mädchen und küsst es. Das junge Paar reist nach Grunzenow. Hans wird dort Pastoradjunkt und übernimmt endlich die Hungerpfarre von Grunzenow.

Weltbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hungerpastor stellt Raabe in kritischer Absicht ‚gute‘ und ‚böse‘ Lebensentwürfe gegenüber. Dass er in diesem manichäischen Grundmuster das Böse in der Figur des Juden Moses Freudenstein darstellt, hat zu einer anhaltenden Debatte über den antisemitischen Gehalt des Romans geführt. Raabe selbst wird dahingehend zitiert, er habe den Roman keineswegs antisemitisch gemeint: „[I]ch habe nur die Sehnsucht nach dem Licht und das Trachten nach äußerem Erfolg und ruchlosem Genuß darin gegenüber stellen wollen.“[2] Daran anknüpfend hat insbesondere Horst Denkler argumentiert, die Figur des Moses Freudenstein habe eine reale Person abgebildet, der nicht die Juden an sich repräsentiere. Dagegen wurden romanstrukturelle Argumente geltend gemacht. Der strukturelle Antisemitismus des Hungerpastors besteht demnach darin, dass Raabe gesellschaftliche Stereotype aufgreift und sie bestätigt und fortschreibt, indem er sie zur Herstellung literarischen Realismus verwendet, auch wenn dies nicht seine eigentliche Intention gewesen sein sollte.[3]

Selbstzeugnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In einem Brief vom 30. Dezember 1902 an Karl Schönhardt nennt Raabe seinen Roman „abgestandenen Jugendquark“.[4]
  • Am 4. Februar 1903 an die Leserin Philippine Ullmann aus Stadtoldendorf: „Auch aus Höxter und Corvey können Sie wohl entnehmen, daß ich nicht zu den Antisemiten zu zählen bin… Juden haben in meinem Leben immer mit zu meinen besten Freunden und verständnisvollsten Lesern gehört, und daran hat sich bis heute nichts geändert.“[5]

Zur Erzähltechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erzähler greift mitunter vor. Zum Beispiel erfährt der Leser gleich zu Romananfang, dass Hans einmal der Hungerpastor von Grunzenow werden wird.[6] Manchmal gibt der Erzähler seine Unwissenheit zu.[A 1] Doch wenn es ihm angemessen erscheint, hält er einfach Information zurück.[A 2]

Die Base Schlotterbeck ist eine Geisterseherin. Nachdem Hans von dem Professor Fackler ins Gymnasium aufgenommen wurde, begegnet die Base dem Anton Unwirrsch. Der Verstorbene lächelt zufrieden. Durch diesen Kniff drückt Raabe in dem Fall aus: Hans betritt den Weg, der dem Vater versperrt blieb. Der Junge wird weder vom Oheim noch von Base und Mutter, sondern vom Geist des Vaters geleitet.

Der Erzähler könnte ein Gymnasiast gewesen sein, denn er schreibt über die Zeit der beiden Protagonisten Hans und Moses im Neustädter Gymnasium: „Wir schwitzten zu allem andern Schweiß dicke Angsttropfen über der zerlesenen Grammatik.“[7]

Raabe überrascht den Leser, indem er im letzten Romandrittel von seinem Duktus abrupt abweicht und Moses unvermittelt in Anführungszeichen denken lässt.[A 3]

Moses Freudenstein tritt gegen Romanende zurück. Nur Frauen aus seinem Umkreis handeln noch.[8] Jener Teil des Schlusses aber erscheint als an den Haaren herbeigezogen. An dem Tage, als Hans und Franziska in Grunzenow heiraten, wird Kleophea schwerverletzt von einem brennenden französischen Schiff, das sich auf der Fahrt nach Petersburg befand, ausgerechnet vor Grunzenow von Fischern geborgen. Die Frau war vor den Schlägen des Gatten Dr. Stein geflüchtet. Kleophea stirbt dort an der Ostseeküste.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moritz Hartmann und Hieronymus Lorm rezensieren den Roman bald nach seinem Erscheinen zustimmend.[9]
  • Ferdinand Freiligrath empfiehlt die Lektüre am 9. Oktober 1868 seiner Tochter Käthe: „Das Buch ist vortrefflich – sehr unterhaltend, aber doch keins von den Büchern, die man bloß um der Unterhaltung willen liest, vielmehr eins von denen, die den Leser zur Einkehr in die eigene Brust zwingen und von denen man ernster und doch fröhlicher aufsteigt und wieder an sein Tagewerk geht.“[10]
  • Holz, im Entstehungsjahr des Romans geboren, verspottet den „Hungerpastor“.[11]
  • Von Studnitz[12] vermutet, der „einfältige“ Unterschied „zwischen Gut und Böse“ habe den Erfolg des Romans verursacht[12]. Raabes Zeitkritik sei trotz banaler Handlung bemerkenswert.[13] So geht zum Beispiel auch Schwanenberg-Liebert[14] auf Unholde – wie „den Kapitalisten des Maschinenzeitalters“ – ein. Der Fabrikant kaufe Wissen, indem er sich den Hauslehrer Hans hält.[15]
  • Raabe habe die Figur des Moses Freudenstein nach dem Leben des Literaten Joel Jacoby (* 1811; † 1863) gestaltet.[16]
  • Schwanenberg-Liebert:[A 4] Einerseits sei der „Hungerpastor“ ein Entwicklungsroman – wenn zum Beispiel die prägende Rolle der beiden Väter Anton und Samuel betrachtet werde.[17] Andererseits spreche gegen den Terminus Entwicklungsroman die antinomische Anlage der Protagonisten Hans und Moses. Gut und Böse seien sorgfältig getrennt auf die zwei Helden „ausgelagert“. Daraus folge eine gewisse Statik im Entwicklungsweg in dem Sinne: Der Irrweg sei fast ausgeschlossen.[18] Zudem sei Hans in jeder brenzligen Situation von einer „Beschützergestalt“ umgeben, die gleichsam als deus ex machina wie aus heiterem Himmel in die laufende Handlung einschwebe.[19] Hans handele im Biedermeier[20] zwar als „Idealfigur“, wirke aber mitunter lächerlich.[21] So kann das Böse an sich der Heldengestalt Hans gar nichts anhaben. Im Gegenteil – er geht aus jeder Konfrontation ein wenig gestählter hervor.[22] Hans schreite mit der Zeit immer sicherer in Richtung Ostseestrand[23] und er bewundere Moses. Sein Wissensdrang sei nicht nur vom Vater Anton geerbt, sondern habe eine Wurzel auch noch im Neid auf Moses.[24] Hans sähe über die Charakterfehler des Freundes zumeist hinweg.[25] Hans und Franziska hätten sich gesucht und gefunden. Ihre späte Verbindung könne den Leser keineswegs verwundern.[26]
  • Im Anhang der Braunschweiger Ausgabe nennt der Bearbeiter den „Hungerpastor“ Raabes „populärstes Buch“[27] und einen „Welterfolg“.[28] Raabe, der sich bekanntlich nach 1902 vom Schreiben ausgeruht hat, habe in seinen letzten Lebensjahren Freude am Lesen der Korrekturen seiner Nachauflagen gehabt – zum Beispiel am „Hungerpastor“.[29]
  • Meyen[30] listet 48 weiter führende Arbeiten aus den Jahren 1864 bis 1969 auf.
  • Marcel Reich-Ranicki bezeichnete den Roman als „antisemitisch“ und hielt ihn für Raabes „fragwürdigstes, wenn nicht widerlichstes Werk.“[31]

Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Hungerpastor. Ein Roman in 3 Bänden. Janke, Berlin 1864.
  • Der Hungerpastor. 4. Auflage. Janke, Berlin 1886.
  • Der Hungerpastor. 7. Auflage. Janke, Berlin 1896.
  • Der Hungerpastor. Roman. Sonderausgabe für die Mitglieder der Deutschen Buch-Gemeinschaft. Klemm [u.a.], Berlin-Grunewald [1925].
  • Der Hungerpastor. 57. Auflage. Klemm, Berlin-Grunewald [1937].
  • Der Hungerpastor. Kritisch durchgesehene. Ausgabe, besorgt von Karl Hoppe. Evangelische Verlags-Anstalt, Berlin o.J. [1961].
  • Der Hungerpastor. In: Peter Goldammer, Helmut Richter (Hrsg.): Wilhelm Raabe. Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Band 3. Aufbau, Berlin und Weimar 1964, S. 5–453 (der Text beruht auf der Historisch-Kritischen Braunschweiger Ausgabe) [hier verwendete Ausgabe].
  • Der Hungerpastor. In: Anneliese Klingenberg (Hrsg.): Raabes Werke in fünf Bänden. Zweiter Band. Aufbau, Berlin und Weimar 1972.
  • Karl Hoppe (Hrsg.), Hermann Pongs (Bearb.[32]): Wilhelm Raabe: Der Hungerpastor Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005 (3. Aufl.), ISBN 3-525-20112-5, Wilhelm Raabe. Sämtliche Werke. Braunschweiger Ausgabe, Bd. 6 (24 Bde.)
  • Meyen[33] nennt 37 Ausgaben (darunter auch in dänischer, englischer, holländischer, italienischer, lettischer, schwedischer, slowakischer und türkischer Sprache).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Alefeld: Das Düstere und Melancholische in Wilhelm Raabes Trilogie „Der Hungerpastor“, „Abu Telfan“, „Der Schüdderrump“, Greifswald: Bamberg, 1912.
  • Karl Ziegner: Die psychologische Darstellung und Entwicklung der Hauptcharaktere in Raabes Hungerpastor, Greifswald: Adler, 1913 (Diss. phil. Greifswald).
  • Paul Sommer: Erläuterungen zu Wilhelm Raabes „Der Hungerpastor“, Leipzig: Beyer, [1927] (Dr. Wilhelm Königs Erläuterungen zu den Klassikern; 200).
  • Fritz Meyen: Wilhelm Raabe. Bibliographie. 438 Seiten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973 (2. Aufl.). Ergänzungsbd. 1, ISBN 3-525-20144-3 in Karl Hoppe (Hrsg.): Wilhelm Raabe. Sämtliche Werke. Braunschweiger Ausgabe. 24 Bde.
  • Cecilia von Studnitz: Wilhelm Raabe. Schriftsteller. Eine Biographie. 346 Seiten. Droste Verlag, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-0778-6
  • Claudia Schwanenberg-Liebert: Von der Gemeinschaft zur Einsamkeit. Studien zum Auftreten eines literatursoziologischen Phänomens im Werk Wilhelm Raabes, Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang, 1992 (Diss. phil. Düsseldorf).
  • Werner Fuld: Wilhelm Raabe. Eine Biographie. 383 Seiten. Hanser, München 1993 (Ausgabe dtv im Juli 2006), ISBN 3-423-34324-9.
  • Peter O. Arnds: Wilhelm Raabe's Der Hungerpastor and Charles Dickens's David Copperfield. Intertextuality of two Bildungsromane, New York [u.a.]: Peter Lang, 1997.
  • Ruth Klüger: Die Säkularisierung des Judenhasses am Beispiel von Wilhelm Raabes „Der Hungerpastor“. In: Klaus-Michael Bogdal, Klaus Holz, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz. Stuttgart 2007, S. 103–110.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So schreibt er: „Niemand war bei der Unterhaltung, welche dieser Besucher [Hans] mit dem Herrn Professor Fackler hatte, zugegen, und die Einzelheiten des Gesprächs können wir nicht angeben.“ (Verwendete Ausgabe, S. 79, 12. Z.v.u.)
  2. „… daß der alte Krieger [Leutnant Götz] einen sehr bestimmten Zweck dabei hatte, gerade diesen Präzeptor [Hans] in das Haus seines Bruders zu bringen; aber da wir teilweise diese Geschichte auch dieses Zweckes wegen erzählen, so wird es nicht nötig sein, daß man an dieser Stelle mehr davon erfahre als der Kandidat [Hans].“ (Verwendete Ausgabe, S. 186, 18. Z.v.o.)
  3. ‚Ei seht das Pfäfflein‘, dachte er. ‚Für so schlau hätte ich es gar nicht gehalten.‘ Laut sagte er: … (Verwendete Ausgabe, S. 264, 4. Z.v.u.)
  4. Schwanenberg-Liebert bespricht den Roman in ihrer Dissertation ausführlicher (S. 117–204).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Braunschweiger Ausgabe Bd. 6, S. 491, 17. Z.v.o.
  2. Mitteilungen für die Gesellschaft der Freunde Wilhelm Raabes 31 (1941), S. 29.
  3. Martin Gubser: Literarischer Antisemitismus. Untersuchungen zu Gustav Freytag und anderen bürgerlichen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Göttingen 1998; Jörg Thunecke: „Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten“. Erwiderung auf Wilhelm Raabes Roman der Hungerpastor in Wilhelm Jensens Die Juden von Cölln. In: Sigrid Thielking (Hrsg.): Raabe-Rapporte. Literaturwissenschaftliche und literatur-didaktische Zugänge zum Werk Wilhelm Raabes. Wiesbaden 2002, S. 57–67; Nathali Jückstock-Kiessling: Ich-Erzählen. Anmerkungen zu Wilhelm Raabes Realismus. Göttingen 2004, S. 147–156; Ruth Klüger: Die Säkularisierung des Judenhasses am Beispiel von Wilhelm Raabes „Der Hungerpastor“. In: Klaus-Michael Bogdal, Klaus Holz, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz. Stuttgart 2007, S. 103–110.
  4. Raabe-Briefwechsel 1842–1910, anno 1940 herausgegeben von Wilhelm Fehse, zitiert bei Schwanenberg-Liebert, S. 117, 1. Z.v.u.
  5. zitiert bei Klingenberg, S. 480, 10. Z.v.o.
  6. Verwendete Ausgabe, S. 33, 15. Z.v.o.
  7. Verwendete Ausgabe, S. 83, 16. Z.v.o.
  8. siehe auch Schwanenberg-Liebert, S. 201
  9. Goldammer und Richter, S. 617, 2. Z.v.o.
  10. Goldammer und Richter, S. 617, 4. Z.v.o.
  11. Schwanenberg-Liebert auf S. 204 oben zitiert aus „Werke: Die Blechschmiede“: „Um den Bauch den Heiligenschein,/naht der Hungerpaster…“
  12. a b von Studnitz, S. 169, 7. Z.v.u.
  13. von Studnitz, S. 172, 11. Z.v.o.
  14. Schwanenberg-Liebert, S. 170 oben
  15. Schwanenberg-Liebert, S. 170 unten
  16. Fuld, S. 179, 16. Z.v.u.
  17. Schwanenberg-Liebert, S. 130 oben
  18. Schwanenberg-Liebert, S. 117–123
  19. Schwanenberg-Liebert, S. 126 oben und S. 141 unten
  20. Schwanenberg-Liebert, S. 127 unten
  21. Schwanenberg-Liebert, S. 129 oben und S. 201 unten
  22. Schwanenberg-Liebert, S. 158 Mitte
  23. Schwanenberg-Liebert, S. 160 unten
  24. Schwanenberg-Liebert, S. 159 unten
  25. Schwanenberg-Liebert, S. 179 oben
  26. Schwanenberg-Liebert, S. 164
  27. Braunschweiger Ausgabe Bd. 6, S. 492, 18. Z.v.u.
  28. Braunschweiger Ausgabe Bd. 6, S. 491, 9. Z.v.o.
  29. Braunschweiger Ausgabe Bd. 6, S. 492, unten
  30. Meyen, S. 347–352
  31. Marcel Reich-Ranicki: „Fragen Sie Reich-Ranicki -Lesen Sie lieber Fontane und Storm!“
  32. Pongs bearbeitete die Aufl. anno 1953 (Braunschweiger Ausgabe Bd. 6, S. 4, 9. Z.v.u.)
  33. Meyen, S. 93–98