Der Klosterjäger (Roman)

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Der Klosterjäger (1892) ist ein historischer Roman von Ludwig Ganghofer, der zur Zeit Ludwigs des Bayern (1282–1347) im Berchtesgadener Land spielt.

Ausgabe Th. Knaur Verlag Berlin, ca. 1930

Einführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Watzmannsage beeindruckt entschloss sich Ludwig Ganghofer, der sich häufig in Berchtesgadener Land aufhielt die Geschichte dieses Landes romanhaft – in losen Folgen – zu erfassen. Von den ursprünglich neun geplanten Werken wurden nur sieben Realität. In den einzelnen Folgen, die eine Zeitspanne vom 12. bis ins 18. Jahrhundert umfasst, sollten Menschen dieser Region im Spannungsfeld mit der weltlichen und klerikalen Macht dargestellt werden. im Einzelnen handelt es sich um folgende Folgen:

  • Die Martinsklause (12. Jahrhundert, 1102 – 1105), Erscheinungsjahr 1894
  • Das Gotteslehen (13. Jahrhundert, 1238 – 1339), Erscheinungsjahr 1899
  • Der Klosterjäger (14. Jahrhundert, 1338), Erscheinungsjahr 1893
  • Der Ochsenkrieg (15. Jahrhundert, 1421 – 1422), Erscheinungsjahr 1914
  • Das neue Wesen (16. Jahrhundert, 1524 – 1525), Erscheinungsjahr 1902
  • Der Mann im Salz (17. Jahrhundert, 1618), Erscheinungsjahr 1906
  • Das große Jagen (18. Jahrhundert, 1733), Erscheinungsjahr 1918

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Klosterjäger ist der dritte Roman in der Folge von Ganghafers historischen Romanen. Der Roman ist eine 'bilderbuchartige' Schilderung der Lebensumstände von Arm und Reich im und um das Kloster Berchtesgaden im 14. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht der dem Kirchenfürsten Heinrich von Inzing dienende Jäger Haymo, den der vermeintliche Bruder seiner Geliebten Gittli beim Wildern mit einem Messer verletzt. Es stellt sich heraus, dass der Täter, Wolfrat Polzer, Gittli im Kindesalter als Kriegsknecht aus einer gebrandschatzten Burg gerettet hat, deren Besitzer, Graf Dietwald, nun als einfacher und durch den Verlust der Familie traumatisierter Mönch unter Herrn Heinrich dient. Einen breiten Raum nimmt die Darstellung des überlieferten Volks- und Aberglaubens ein.

Der Roman ist eine gelungene Schilderung des Klosters und dessen Bewohner im Mittelalter. Es ist nicht nur die Heimat christlichen Glaubens, sondern ist in sich ein geschlossenes Ganzes mit dem Ziel, Ausdehnung, Gewinn und Vermögen zu mehren. Über den gesamten Roman hinweg scheint ein gütiger Gott seine schützende Hand über die einzelnen Protagonisten der Erzählung zu halten.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geschichte behandelt Ganghofer in sehr ausgedehnter Form u. a. die soziale Situation der einfachen Bevölkerung und das damalige Verhältnis zur Naturheilkunde (einschließlich des damit verbundenen Aberglaubens). Im Grunde dramatisch angelegt enthält der Roman jedoch auch humoristische Elemente, so durch die Figur des Fraters Severin mit seiner Vorliebe für leibliche Genüsse, die er mittels einer religiösen Geheimsprache pflegt.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Klosterjäger wurde dreimal verfilmt:

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Nützen und zum Guten helfen kann einer auch mit halben Armen. Wenn nur ein ganzes Herz dabei ist!" (Herr Heinrich zu Wolfrat, 29. Kapitel)

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die österreichische Showband Die Klosterjäger benannte sich nach Ganghofers Roman.

Siehe auch Artikel:

Ludwig Ganghofer ist einer der meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum. Die Gesamtauflage seiner Bücher wird auf über 30 Millionen geschätzt. Seine Werke sind seit seinem 70. Todestag 1990 nach deutschem Urheberrecht nicht mehr geschützt. Daher werden mehrere preisgünstige Printausgaben und elektronische Fassungen angeboten. Im Jahre 2005 wurden einige Werke, darunter auch Der Klosterjäger aus Anlass des 150. Geburtstages des Schriftstellers von seinem Enkel Stefan Murr (* 1919, † 2008) sprachlich neu revidiert. Diese revidierten Auflagen – nun im 'Deutsch der Gegenwart' erschienen und als 'moderne Fassungen' bezeichnet – vermochten wirkliche Ganghofer-Fans jedoch nicht zu überzeugen, da Ganghofers Zeitgeist sowie der sprachliche Flair des Originals verloren geht.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]