Der Mann, der König sein wollte (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Der Mann, der König sein wollte
Originaltitel The Man Who Would Be King
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1975
Länge 129 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie John Huston
Drehbuch John Huston,
Gladys Hill
Produktion John Foreman
Musik Maurice Jarre
Kamera Oswald Morris
Schnitt Russell Lloyd
Besetzung
Synchronisation

Der Mann, der König sein wollte (Originaltitel: The Man Who Would Be King) ist ein britischer Abenteuerfilm des Regisseurs John Huston aus dem Jahr 1975, basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Rudyard Kipling.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reporter Kipling vom Northern Star wird von einem scheinbar verrückten Landstreicher angesprochen, der sich als sein alter Bekannter Peachy zu erkennen gibt. Peachy erzählt ihm die Geschichte, wie er und sein Partner Daniel in Kafiristan, einer Region im heutigen Afghanistan, als Götter verehrt wurden und dann alles verloren.

Einige Jahre zuvor hatten Peachy und Daniel in Kiplings Northern-Star-Büro einen Vertrag miteinander abgeschlossen, in dem sie sich verpflichteten, alles zu tun, Könige von Kafiristan zu werden. Als Einheimische verkleidet, machen sie sich auf die gefahrvolle Reise zum Khyberpass, um das unerforschte Kafiristan zu erreichen. Nach einigen Abenteuern begegnen sie Billy Fish, einem Gurkha und dem einzigen Überlebenden einer seit Jahren verschollenen britischen Kartierungsexpedition. Billy spricht Englisch, das er bei seinem Regiment gelernt hat. Dort erhielt er auch seinen Namen. Als Peachy und Daniel sich den örtlichen Herrschern als Militärberater anbieten, fungiert Billy ab diesem Zeitpunkt für sie als Dolmetscher.

In einem Dorf in Kafiristan bilden sie eine Truppe aus. Nach dem ersten Kampf entscheiden die Einwohner, dass Daniel ein Gott sein muss, weil er trotz einer Pfeilwunde weitergekämpft hat. Die Einwohner hatten nicht bemerkt, dass der Pfeil in Daniels Lederweste stecken geblieben war und ihn nicht verletzt hatte. Als Daniel und Peachy die nach Alexander dem Großen benannte heilige Stadt Sikandergul erreichen, bemerken die Bürger eine Freimaurermedaille an Daniel. Daniel wird zum Gott erklärt, weil die Symbole auf der Medaille der Symbolik eines Mythos entsprechen, der eine Wiederkehr Alexanders voraussagt. Nicht zuletzt finden sie unermessliche Schätze, die seit der Zeit Alexanders von den Priestern bewahrt wurden.

Daniel wird größenwahnsinnig. Er krönt sich zum Hochkönig von Kafiristan und setzt Recht und Gesetz durch, um das Land in einen modernen Staat zu verwandeln. Billy Fish hilft ihm als Dolmetscher und Berater. Peachy will die Stadt hingegen mit Gold und Juwelen verlassen, sobald im Frühjahr die Pässe wieder passierbar sein werden. Daniel ist dagegen. Er erklärt, dass das Land Vorrang vor eigenen Interessen habe. Peachy solle sich vor ihm wie die anderen verbeugen. Dieser ist angewidert und entschließt sich, das Land mit soviel Schätzen zu verlassen, wie er nur tragen kann.

Um königliche Nachkommen zu zeugen, nimmt sich Daniel eine Frau aus dem Volke. Er wählt Roxanna (Wortspiel mit Roxane, der Frau Alexander des Großen). Peachy verlässt nach der Hochzeit die Stadt. Roxanna hat Vorbehalte, sie glaubt, keine Frau könne mit einem Gott zusammenleben. Sie beißt Daniel in die Wange, woraufhin er zu bluten beginnt. Die Einwohner erkennen nun, dass Daniel kein Gott ist, sie jagen ihn, Peachy und deren Soldaten und nehmen sie gefangen. Billy versucht, ihnen zu helfen. Doch Daniel wird auf eine Seilbrücke über eine Schlucht gejagt. Als die tragenden Seile mit einem Krummsäbel durchgehauen werden, stürzt er in den Tod. Peachy wird zwischen zwei Bäumen gekreuzigt, am nächsten Tag aber losgemacht und freigelassen. Zuletzt überlässt Peachy dem Reporter Kipling Daniels mumifizierten Kopf mit der goldenen Krone Alexanders, den er aus Kafiristan mitgebracht hat.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1888 veröffentlichte Kurzgeschichte Kiplings wurde von den Abenteuern James Brookes und den Reisen Josiah Harlans inspiriert. Sie beinhaltet weitere tatsächliche Aspekte wie das europäische Aussehen vieler Nuristani, die Schlussszene lehnt sich an die tatsächliche Geschichte vom Kopf des Geologen Adolf Schlagintweit an.[1] Die Kurzgeschichte selbst hat deutlich mehr und detailliertere Anspielungen auf die Freimaurerei.

Die Szenen, die Kafiristan betreffen, wurden in Marokko gefilmt. Der Darsteller des Kafu Selim hatte bislang keinerlei Filmerfahrung. Ben Bouih war bei den Dreharbeiten 103 Jahre alt. Als er die Aufnahmen sah, sagte er, er werde nun für immer leben. Ben Bouih arbeitete vorher als Nachtwächter eines Olivenhains. Als er nach den Dreharbeiten diese Tätigkeit wieder aufnehmen wollte, erklärte ihm Huston, dass er für den Film genug Geld bekommen werde, um für den Rest seines Lebens nachts schlafen zu können. Eigentlich wollte Huston den Film schon früher in Angriff nehmen, in den 1950er Jahren mit Humphrey Bogart und Clark Gable, dann mit Burt Lancaster und Kirk Douglas in den Hauptrollen. Als Huston an Robert Redford und Paul Newman herantrat, schlug Newman Connery und Caine als Besetzung vor. Die Darstellerin der Roxanna, Shakira Caine, ist Michael Caines Ehefrau. Am Abend vor Drehbeginn verkündete Huston beim Abendessen des Filmteams, dass die Schauspielerin, die die Rolle der indischen Prinzessin spielen sollte, nicht mehr zur Verfügung stehe. Tags darauf gelang es ihm doch, sie zur Übernahme der Rolle zu überreden.[2]

Die Matte-Zeichnung der Festung wurde von Albert Whitlock in nur sechs Stunden angefertigt.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der film-dienst bezeichnete den Film als einen „[s]tilistisch und erzählerisch vielseitigen Reiseabenteuerfilm nach der Kurzgeschichte von Kipling, in einfallsreichem Wechselspiel zwischen poetischer Erzählkunst und grotesk überspitzter Komödie“.[3] Für Cinema war der Film „[e]ine Glanzleistung des britischen Kinos“.[4] Roger Ebert von der Chicago Sun-Times äußerte sich ähnlich begeistert über eine seit langem nicht mehr so gelungene spannende Unterhaltung.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt 1976 vier Oscar-Nominierungen in den Kategorien Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt, Bestes Kostümdesign (Edith Head) und Bestes Szenenbild (Peter James, Alexandre Trauner und Tony Inglis). Die Musik des Films wurde zudem für den Golden Globe nominiert.

Bei der Verleihung der BAFTA Awards 1976 war der Film des Weiteren für die Beste Kamera und die Besten Kostüme nominiert. Das Drehbuch wiederum erhielt eine Nominierung für einen Preis der Writers Guild of America.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand 1976.[6]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Daniel Sean Connery Gert Günther Hoffmann
Peachy Michael Caine Hartmut Reck
Rudyard Kipling Christopher Plummer Franz Rudnick
Billy Fish Saeed Jaffrey Horst Sachtleben
Distrikt-Kommandeur Jack May Wolf Ackva
Ghulam Albert Moses Tonio von der Meden

Soundtrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maurice Jarre: The Man Who Would Be King. The Original Motion Picture Soundtrack. Milan/Bay Cities, s.a.e.l., Tonträger-Nr. 873127 – Originaleinspielung der Filmmusik durch das National Philharmonic Orchestra unter der Leitung des Komponisten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudyard Kipling: Der Mann der König sein wollte (Originaltitel: The Man Who Would Be King). Mit Illustrationen von Heiner Rothfuchs. Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1961, 125 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tajikistan & The High Pamirs: A Companion and Guide. Robert Middleton & Huw Thomas, Odyssey, 2008, ISBN 962-217-773-5.
  2. Vgl. Michael Caine: What’s it All About?. London 1992, ISBN 0-7126-3567-X, S. 333f.
  3. Der Mann, der König sein wollte. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  4. Vgl. cinema.de
  5. Roger Ebert: The Man Who Would Be King auf rogerebert.com, 23. Februar 1976, abgerufen am 25. Januar 2010.
  6. Vgl. synchrondatenbank.de