Der Mann ohne Eigenschaften

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Der Mann ohne Eigenschaften ist das Hauptwerk Robert Musils und wird zu den bedeutendsten Romanen des 20. Jahrhunderts gezählt. Im Mittelpunkt der in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie angesetzten Handlung steht Ulrich, ein junger Intellektueller auf der Suche nach sinnvoller und ihn ausfüllender beruflicher und privater Existenz, der in vieler Hinsicht Züge von Musil selbst trägt. Von Umständen getrieben und mit ihnen experimentierend, wird Ulrich zum Mitakteur in einer Parallelaktion, in der einflussreiche Kreise der Donaumonarchie das 70-jährige Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph im Jahr 1918 vorbereiten. Dieses soll gegenüber dem für dasselbe Jahr zu erwartenden 30-jährigen Thronjubiläum des Deutschen Kaisers Wilhelms II. keinesfalls an Glanz und Ausstrahlung zurückstehen.

Ulrichs ohnehin distanziertes Interesse an diesem von Musil ironisch ausgemalten und mit einer Vielzahl gesellschaftsanalytischer Essays angereicherten Vorhaben erlischt nahezu, als er anlässlich der Beerdigung des Vaters seiner verheirateten Schwester Agathe wiederbegegnet. Zwischen den Geschwistern entwickelt sich ein inzestuös getöntes Verhältnis, das auf die Suche nach einem anderen Zustand von „tagheller Mystik“ gerichtet ist. In immer neuen Bemühungen, diesen anderen Zustand auszuloten und in ein Ganzes einzubinden, gelangt der Verfasser zu keinem Romanende.

„Kakanien“ nennt Musil im Roman die in überkommenen Strukturen erstarrte, spannungsgeladene und dem Untergang geschäftig entgegentaumelnde k. u. k. Monarchie.[1] Im unmittelbaren Vorfeld des von vielseitiger anfänglicher Begeisterung getragenen Ersten Weltkriegs, auf den der Autor bei der Niederschrift des Romans bereits zurückblickt, entfaltet Musil seinen weitgespannten, zwischen gegebener Wirklichkeit und vorstellbaren Möglichkeiten hin und her pendelnden Reflexionshorizont. Die Titelfigur wird zum „Mann ohne Eigenschaften“, indem sie sich zu nichts ernsthaft bekennen mag und sich jeder Festlegung im eigenen Leben entzieht, um sich für neue Optionen und Konstellationen offen zu halten.

Entstehungsrahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anklänge und Bezüge zum eigenen Leben, zeitgenössische Medienmeldungen und –berichte sowie Beobachtungen in Gesellschaft, Politik und Kultur waren die wesentlichen Rohstoffe, aus denen Musil sein Hauptwerk formte. Personen seines sozialen Umfelds wurden von ihm oft deutlich erkennbar gespiegelt. Teile des Romanstoffs greifen Zeitungsberichte auf; in weiteren Passagen widmet der Verfasser sich in einer Vielzahl essayartiger Reflexionen der geistigen Situation der Zeit und gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen.

Autobiographische Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Als wäre alles schon in der Kindheit beschlossen“, überschreibt Karl Corino das Anfangskapitel seiner Biographie zu Robert Musil, diesen zitierend.[2] Zu der bereits 4 Jahre vor seiner Geburt und vor ihrem ersten Geburtstag verstorbenen, also ungekannten Schwester Elsa, deren Erinnerung die Eltern wachhielten, entwickelte Robert im Kindesalter eine eigentümliche Beziehung, die sich gelegentlich auch in heimlichen Wünschen, ein Mädchen zu sein, äußerte.[3] Das Verhältnis von Ulrich und Agathe im „Mann ohne Eigenschaften“ knüpft daran an. Wie Musil selbst lässt auch sein Roman-Pendant Ulrich im Übrigen wenig menschliche Nähe zu. Musil hat schon in jungen Jahren schwer Freundschaft geschlossen und war von der Anrede „lieber Freund“ abgestoßen. Auch bei den ganz wenigen Freunden befielen ihn laut Corino widerstreitende Gefühle.[4]

Entsprechende Parallelen sind auch in der Vaterbeziehung Musils und Ulrichs erkennbar. Das in den Roman eingeflochtene mahnende Schreiben des Vaters an den Sohn in Bezug auf dessen mangelnde Verankerung im Berufsleben gilt Corino in Kenntnis des Briefstils von Alfred Musil und in Anbetracht von Robert Musils Lebenslage für authentisch. Der Vater anerkennt darin zunächst löbliche Ansätze und Leistungen des Sohnes, die ihm von anderen zugetragen würden, beklagt in der Folge aber dessen Ziellosigkeit:

„Aber einerseits Dein, allerdings nicht von mir, ererbter Hang, zwar, wenn Dich eine Aufgabe lockt, die ersten Schritte stürmisch zurückzulegen, dann aber gleichsam ganz zu vergessen, was Du Dir und denen schuldest, die ihre Hoffnungen auf Dich gesetzt haben, andererseits der Umstand, daß ich Deinen Nachrichten auch nicht das geringste Zeichen zu entnehmen vermag, das auf einen Plan für Dein weiteres Verhalten schließen ließe, erfüllen mich mit schwerer Sorge.[5]

Über Musils Ausbildung für den Bibliotheksdienst und seine Anstellung als Bibliothekar an der Technischen Hochschule in Wien vom April 1911 bis zum Februar 1914 freuten sich die Eltern; für Robert handelte es sich aber um keine auf Dauer erfüllende Beschäftigung. Er übte sie auch nur bis April 1913 aktiv aus und ließ sich dann infolge eines ärztlich attestierten nervösen Erschöpfungszustands krankheitshalber beurlauben. Im Februar 1914 kündigte Musil seine Stellung, um sich fortan als freier Schriftsteller zu betätigen und sein Auskommen zu suchen. Im Roman entwirft er von der Bibliothekarsqualifikation ein ironisches Bild, wonach die Kenntnis der in der eigenen Regie befindlichen Bücher gerade darauf beruhe, keines gründlich zu lesen. In Kapitel 100 „General Stumm dringt in die Staatsbibliothek ein und sammelt Erfahrungen über Bibliothekare, Bibliotheksdiener und geistige Ordnung“ schreibt Musil: „Es ist das Geheimnis aller guten Bibliothekare, daß sie von der ihnen anvertrauten Literatur niemals mehr als die Büchertitel und das Inhaltsverzeichnis lesen.“ Wer sich auf den Inhalt einlasse, sei als Bibliothekar verloren, erfährt der General von dem Doktor und Privatdozenten für Bibliothekswesen, der ihn führt.[6]

Zeitfaktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musils Hauptwerk hat sich als Reaktion des Schriftstellers auf die durch den Ersten Weltkrieg bewirkten Umwälzungen aus diversen Anläufen und Vorstufen entwickelt. Musil selbst sah im Rückblick „eine Folge von Stufen, die von verschiedenen Treppen herrührten und zu einer neuen Gestalt verarbeitet werden mußten.“[7] Dabei wechselten sowohl die Werktitel von „Der Spion“ (1919/20) über „Der Erlöser“ (1921–23) und „Die Zwillingsschwester“ (1923–26)[8] als auch die Namen des Roman-Helden, der ursprünglich Achilles und dann Anders geheißen hatte, bevor er zu Ulrich wurde. Nimmt man die autobiographischen Motive hinzu, liegen die Entstehungsgründe für das Werk noch weit vor den 1920er Jahren.

Mit der Fertigstellung tat sich Musil in seinen kaum enden wollenden konzeptionellen und abschnittbezogenen Überarbeitungen durchgängig schwer. Zwischenzeitlich befielen ihn längere Schreibblockaden, aus denen er sich nur mit psychotherapeutischer Hilfe lösen konnte. „Das Nicht-stehen-lassen-Können, das bis zu zwanzigfache Umschreiben einzelner Kapitel, ohne Rücksicht auf seine immer prekärer werdende finanzielle Situation, führte dabei letztlich erst zu der sprachlichen und gedanklichen Komplexität des Romans.“[9]

Der zeitgeschichtliche Brennpunkt von Musils Romanprojekt war die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, den er zu Anfang ebenso euphorisch begrüßte wie andere Intellektuelle und Teilhaber der künstlerischen Avantgarde auch. Seinen Beitrag „Europäertum, Krieg und Deutschtum“ in der Literaturzeitschrift Die Neue Rundschau, deren Redaktion er nach der Kündigung der Bibliothekarsstelle beigetreten war, nennt Oliver Pfohlmann eine ästhetische Bankrotterklärung. „Denn das im August 1914 auch in Musil tobende Gefühlsgemisch aus Nationalismus, Opferbereitschaft und Bellizismus stand im klaren Widerspruch zu seinen bisherigen ästhetischen Werten und Zielen.“ Diese seien wie bei vielen Vertretern der literarischen Moderne bis dahin eher europäisch-modern gewesen und damit im Gegensatz stehend zu jenen von seiner Generation als überholt abgelehnten Werten wie Treue, Nationalismus oder Pflichterfüllung, die nun vom Krieg schlagartig wiederbelebt wurden.[10] Der Verarbeitung dieser Selbst- und Kriegserfahrung war Musils schriftstellerisches Werk in der Folge wesentlich gewidmet.[11]

Im Mann ohne Eigenschaften sollte die Vorkriegsepoche am Beispiel des altösterreichischen „Kakanien“ in der Untergangsperspektive gezeigt werden. Während des bis zu Musils Tod sich hinziehenden Fortschreibungsprozesses an dem Roman ergaben sich vielfältige neue Entwicklungen und Umbrüche, darunter Weltwirtschaftskrise und Faschismus, die – bezogen auf 1913, das Jahr der Romanhandlung – teils anachronistisch in Musils Reflexions- und Darstellungsrahmen einflossen. „Die Arbeit an dem Roman wurde dadurch nicht erleichtert. Möglicherweise ist die schicksalhafte Verschränkung der Zeitebenen im Alltag und im Kopf des Autors nach und nach auch einer der Hauptgründe, für die Unabschließbarkeit des Romanprojekts geworden.“[12] Musil hinterließ ein Konvolut von 12.000 Blättern mit 100.000 Anmerkungen und Querverweisen, aus denen spätere Herausgeber nach eigenem Gutdünken die Fortsetzung des Romans konstruierten. Seit 2009 liegt eine digitale Version des Gesamtwerks (Klagenfurter Ausgabe) vor.

Gestaltungsmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon bevor Musil überhaupt zu publizieren begann, hatte er in sein Tagebuch eine programmatische Selbstdefinition eingetragen. Er wolle sein eigener Historiker sein bzw. der Gelehrte, „der seinen eigenen Organismus unter das Mikroskop setzt.“ Für seine Analysen der seelischen „Abenteuer und Irrfahrten“ legte er sich den Beinamen „monsieur le vivisecteur“ zu. Diesen Forscher-Anspruch hat Musil fortan hochgehalten, allerdings über den eigenen Organismus hinaus umfassend erweitert.[13] In seinem Hauptwerk dominiert denn auch zunächst das nüchterne Experimentalbewusstsein des Naturwissenschaftlers, so Dietrich Hochstätter. „Er wahrt das Bewusstsein des Vorbehalts und ist vorsorglich auf Ausschaltung allen Gefühls bedacht. Die Grundposition bestimmt eine Sprachhaltung, die insbesondere dem ersten Buch des Romans jenes Fluidum von Nonchalance, Liebenswürdigkeit und ironischer Sorglosigkeit verleiht, das in der deutschen Literatur nicht seinesgleichen hat.“[14]

Vielfältig sind Musils Mittel, zu der vorgefundenen Realität Distanz aufzubauen:

„Man ist früher mit besserem Gewissen Person gewesen als heute. Die Menschen glichen den Halmen im Getreide; sie wurden von Gott, Hagel, Feuersbrunst, Pestilenz und Krieg wahrscheinlich heftiger hin und her bewegt als jetzt, aber im ganzen, stadtweise, landstrichweise, als Feld, und was für den einzelnen Halm außerdem noch an persönlicher Bewegung übrig blieb, das ließ sich verantworten und blieb eine klar abgegrenzte Sache. Heute dagegen hat die Verantwortung ihren Schwerpunkt nicht im Menschen, sondern in den Sachzusammenhängen. Hat man nicht bemerkt, daß sich die Erlebnisse vom Menschen unabhängig gemacht haben? Sie sind aufs Theater gegangen, in die Bücher, in die Berichte der Forschungsstätten und Forschungsreisen, in die Gesinnungs- und Religionsgemeinschaften, die bestimmte Arten des Erlebens auf Kosten der anderen ausbilden wie in einem sozialen Experimentalversuch, und sofern die Erlebnisse sich nicht gerade in der Arbeit befinden, liegen sie einfach in der Luft; wer kann da heute noch sagen, daß sein Zorn wirklich sein Zorn ist, wo ihm so viele Leute dreinreden und es besser verstehen als er?![15]

Mal leicht ironisch, mal scharf karikierend betrachtet sein Protagonist Ulrich das Treiben seiner Mitmenschen im Rahmen der Parallelaktion. „Seine Skepsis, seine Ironie, seine totale Respektlosigkeit und sein Zynismus“, so Ulrich Schelling, „ist methodisch: sie vernichtet das Positive, das als Wirklichkeit und Identität auf sich beharrt, und bereitet so den Boden für die utopisch erhoffte Verwandlung der Welt […]“[16]

Der traditionellen Erzählform schwört Musil als einer illusionären Verkürzung der Lebenszusammenhänge ab. Im „ordentlichen Nacheinander“ der Darstellung, heißt es dazu bei Wolfdietrich Rasch, würde nur eine Scheinordnung erzeugt, „die das Chaotische, Diffuse, Zwiespältige der Existenz verdecken und weglügen müsste. Die Dichtung wäre damit um ihre Wahrheit gebracht.“[17] Musil schreibt:

„Die meisten Menschen sind im Grundverhältnis zu sich selbst Erzähler. Sie lieben nicht die Lyrik oder nur für Augenblicke, und wenn in den Faden des Lebens auch ein wenig «weil » und «damit» hineingeknüpft wird, so verabscheuen sie doch alle Besinnung, die darüber hinausgreift: sie lieben das ordentliche Nacheinander von Tatsachen, weil es einer Notwendigkeit gleichsieht, und fühlen sich durch den Eindruck, daß ihr Leben einen «Lauf» habe, irgendwie im Chaos geborgen. Und Ulrich bemerkte nun, daß ihm dieses primitiv Epische abhanden gekommen sei, woran das private Leben noch festhält, obgleich öffentlich alles schon unerzählerisch geworden ist und nicht einem «Faden» mehr folgt, sondern sich in einer unendlich verwobenen Fläche ausbreitet. [18]

Als Ausgangspunkt von Musils Schreiben bestimmt Klaus Amann „eine scharfe Analyse des Bestehenden, das an seinen Möglichkeiten gemessen wird.“ Unablässig erwäge er dabei alternative, ungewohnte Sichtweisen, sodass es zuweilen den Anschein habe, als löse sich Musils eigene Position „im Relativismus divergenter Perspektiven“ auf. Den aus Musils psychologisch geschulter Sicht plausiblen Grund dafür sieht Amann darin, dass „Standpunkte und Sichtweisen interessengeleitet und situationsabhängig sind und dass wir uns, metaphorisch gesprochen, prinzipiell in einer Situation von Kippbildern bewegen.“[19]

Eine andersartige Wirklichkeitsperspektive erzeugt Musil zudem durch die Einführung eigener Begrifflichkeiten bzw. Neologismen in das sprachliche Repertoire des Romans: so schon beim Titel „Der Mann ohne Eigenschaften“, bei der Forderung nach einem „Sekretariat der Genauigkeit und Seele“ oder beim Handlungsort „Kakanien“. „Als Negation konventionell etablierter Betrachtungsweisen“, so Richard David Precht, „avancieren diese unausgesetzt wiederholten Formeln zu Metaphern einer spezifischen Weltsicht, deren Präsentation das Textgeschehen disponibel macht.“[20] „Seinesgleichen“ ist laut Schelling die Chiffre, mit der Musil die im Hergebrachten erstarrte Gesellschaft Kakaniens erfasste. „Im Seinesgleichen waltet nicht mehr eine aus den unergründlichen Tiefen des Lebens aufsteigende, den ganzen Menschen ergreifende Wahrheit, sondern es Herrschen Autoritäten, abstrakte Normen, die sich von außen dem Leben als fertige Prägungen auflegen und es einteilen.“[21] Das Romanwerk bedeutet für Musil die Möglichkeit, die „lebende Vieldeutigkeit“ und „tiefe Unverbindlichkeit“ der Sprache bloßzulegen und mit ihren Möglichkeiten zu spielen. [22]

Ironie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf vielfältige Weise ironisch gebrochen präsentiert Musil sein Kakanien am Vorabend des Ersten Weltkriegs. „Dennoch ist es Musils erklärter Anspruch“, betont Hochstätter, „auch die Vertreter des Seinesgleichen nicht ohne Wohlwollen zu behandeln“, da doch in allem etwas Richtiges stecke.[23] Musil selbst macht im Mann ohne Eigenschaften eine „konstruktive Ironie“ zum Programm:

„Ironie ist: einen Klerikalen so darzustellen, daß neben ihm auch ein Bolschewik getroffen ist. Einen Trottel so darstellen, daß der Autor plötzlich fühlt: das bin ich ja zum Teil selbst. Diese Art Ironie – die konstruktive Ironie – ist im heutigen Deutschland ziemlich unbekannt. Es ist der Zusammenhang der Dinge, aus dem sie nackt hervorgeht. [24]

Konstruktiv an solcher Ironie ist für Hochstätter, dass der Erzähler sich gleichsam immer selbst über die Schulter schaue und dabei im Wechsel der ironischen Bezüge auch Selbstverspottung treibe.[25] Dass die Ironie als umfassendes Prinzip Musils Protagonisten Ulrich ebenfalls betrifft, hebt auch Rasch hervor: „Wenn er seine ursprüngliche Aktivität in eine abwartende Passivität verwandelt, so geschieht das aus ironischer Distanz zur Wirklichkeit, wird aber auch selbst Gegenstand der Ironie des Erzählers. Ulrichs eigene Ratlosigkeit und Zwiespältigkeit sind einbezogen in den ironischen Weltentwurf, der in der zerfallenden Welt des Vorkriegsösterreich die Überständigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse und Lebensformen mit der Vergeblichkeit und Unzulänglichkeit aller Reformversuche, aller Bemühungen um einen »neuen Menschen« zum Bilde eines insgesamt fragwürdigen Weltzustandes verbindet.“[26] Eine Form konstruktiver Ironie zeigt sich für Joseph P. Strelka auch, wenn es Musil darum zu gehen scheint, den eigenen positiven Überschwang bei der Heimatbetrachtung ironisch zu dämpfen und aufzufangen: etwa in dem Bild von den weißen, breiten, wohlhabenden Straßen, die das Land „wie Flüsse der Ordnung, wie Bänder aus hellem Soldatenzwillich durchzogen und die Länder mit dem papierweißen Arm der Verwaltung umschlangen.“[27]

Als die Form „des uneigentlichen Sprechens“ kennzeichnet Schelling die Ironie. „Sie durchschaut sich selbst und bedient sich einer unangemessenen, ihrer Halbwahrheit lächelnd bewußten Sprache. In ihrer nachlässigen oder leichtfertigen Vorläufigkeit wahrt sie sich einen ständigen Vorbehalt: den Vorbehalt des reflektierenden unendlichen Bewußtseins gegenüber dem endlich Ausgesprochenen.“[28] Für Rasch ist die Ironie in diesem Roman maßgeblich dadurch charakterisiert, „daß ihr Gegenspiel die Utopie ist. Wenn Ulrich alle Wirklichkeit ironisch in Frage stellt, so geschieht das nicht von einer festen Position, von einer sicheren Gewissheit bestimmter Werte und Ordnungsformen aus, sondern er sucht ja selbst erst nach einer solchen Position, er hat sie nur als Ziel und Richtung unermüdlicher »Versuche«, als Utopie.“[29] Wo es aber um die Darstellung des angestrebten „anderen Zustands“ geht, so Hochstätter, gibt der Erzähler „seinen ironischen Generalvorbehalt“ auf. Das komme auch sprachlich zum Ausdruck. „Die neue Ankunft des Eigentlichen bringt den Verzicht auf jene Ironie, die zunächst dem Roman unabdingbar schien.“[30]

Möglichkeitsdenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ironische Auseinandersetzung mit vorgefundenen Ebenen von Wirklichkeit ist für Musil zugleich das Mittel, um Raum zu schaffen für anderes, für neue Möglichkeiten. „Indem die Ironie nicht beansprucht, bei einer gediegenen und endgültigen Wahrheit angelangt zu sein“, so Schelling, „sondern durch ihre Sprechweise das Unzulängliche des Ausgesprochenen deklariert, hält sie sich offen und räumt etwas noch Ausstehendes ein.“[31]

An vorderer Stelle im Mann ohne Eigenschaften gibt Musil dem vierten Romankapitel die Überschrift: „Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben“, und schreibt dazu:

„Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.[32]

Hochstätter sieht auch Musils Stil und Sprache im Sinne des Möglichkeitsmenschen entsprechend offen für verschiedene „Weisen des Sagens und Gestaltens“.[33] Musil schreibe mit dem Anspruch, meint Rasch, „daß auch Gedanken das Erregende eines persönlichen Geschehens haben können und daß sie den Menschen genauso kennzeichnen wie Handlungen. Das »Mögliche«, das in ihnen erscheint, ist so bedeutsam wie das wirklich Geschehende.“[34] Wie Musils Protagonist Ulrich sich vom Leben im Seinesgleichen Urlaub nimmt, um anderes Neues zu suchen und zu versuchen, so eigenwillig experimentierend geht laut Martin Menges auch der Romanautor vor: „[…] er bietet in der Explosion der Perspektiven keinen einheitlichen Bezugspunkt mehr an und macht unter der Chiffre des „Möglichkeitsdenkens“ den Perspektivismus zum Darstellungsprinzip seines Romans und zugleich zu dessen Thema.“[35]

Analogieprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf ein „realistisches“ Wirklichkeitsbild zielt der Roman laut Rasch nirgends. Stets sei die Wirklichkeit ironisiert oder mit Utopie durchsetzt. „Daß dabei ein einheitlicher romanhafter Weltentwurf entsteht, ist die außerordentliche Leistung des Musilschen Sprachvermögens. Es ist vor allem eine Kunst der Integration, die das Disparate zusammenzwingt, viele Schichten und Tonlagen in eine Einheit bindet: die ironische und die eines unbedingten Ernstes, die satirische und die expressiv-lyrische, die rationale und die ekstatische, die reflektierende und die zeichnende.“ Musils Genauigkeitsanspruch ziele wesentlich darauf, „daß genau sein heißt, die Ambivalenzen, die verwirrend mitklingenden Gegentöne, die verborgenen Beziehungen eines Phänomens zu fassen. In diesem Sinne sind Metapher oder Vergleich oft genauer als die bildlose Rede. Musils Stil lebt zum guten Teil aus einer Metaphorik, die nirgends ornamentalen Sinn hat.“ Metapher und Vergleich seien Mittel, die in der Darstellung „oft unausweichliche Isolierung der Dinge“ aufzuheben und sie in den Zusammenhang zu bringen, in dem sie „genau“ genommen ständen.[36]

Auf der Suche nach einer „Methodenlehre des Lebens“, heißt es bei Dieter Fuder, dienen Ulrich die auf Analogien gegründeten Reflexionen dazu, möglichen Ursachen „der Trennung vom Ganzen“ zu begegnen. Er bevorzuge die Analogie „als methodische Denkform gegen falsche Eindeutigkeitsideale“.[37] Ungewöhnlich bildreich, so Hochstätter, sei Musils sprachliche Gestaltung schon im ersten Romanteil; wenn es zwischen Ulrich und Agathe im zweiten Teil dann wesentlich um Reflexionen über den „anderen Zustand“ geht, werde das Gleichnis erst recht zur dominanten Stilfigur.[38]

Markantes Anfangskapitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In drei Teile ist das von Musil bei Lebzeiten veröffentlichte Romanwerk gegliedert. Dem 19 Kapitel umfassenden ersten Teil hat der Autor den Titel „Eine Art Einleitung“ gegeben. Das Anfangskapitel trägt die Überschrift: „Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht“. Im ersten Textabschnitt heißt es:

„Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. […] Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.[39]

Schon mit diesem Auftakt setzt Musil ein Zeichen, dass den Lesern Außergewöhnliches bevorsteht. Einen derart schwer verständlichen meteorologischen Bericht, so Precht, erwarte man vielleicht in wissenschaftlichem Kontext, aber doch nicht als Romananfang.[40] Darauf folgen im Eingangskapitel Impressionen vom geschäftigen Treiben in einer Großstadt und von ihrer Geräuschkulisse: zwar ausdrücklich unverkennbar Wien, was aber nicht weiter wichtig zu nehmen sei: „Die Überschätzung der Frage, wo man sich befindet, stammt aus der Hordenzeit, wo man sich die Futterplätze merken mußte.“[41] Zwei nicht hinreichend identifizierbare Menschen, „vornehm in Kleidung, Haltung und in der Art, wie sie miteinander sprachen, trugen die Anfangsbuchstaben ihrer Namen bedeutsam auf ihre Wäsche gestickt, und ebenso, das heißt nicht nach außen gekehrt, wohl aber in der feinen Unterwäsche ihres Bewußtseins, wußten sie, wer sie seien und daß sie sich in einer Haupt- und Residenzstadt auf ihrem Platze befanden. Angenommen, sie würden Arnheim und Ermelinda Tuzzi heißen, was aber nicht stimmt, denn Frau Tuzzi befand sich im August in Begleitung ihres Gatten in Bad Aussee und Dr. Arnheim noch in Konstantinopel, so steht man vor dem Rätsel, wer sie seien.“[42] Diese beiden werden mit anderen gemeinsam Zeugen eines Unfalls, bei dem ein LKW einen Fußgänger erfasst, der danach von Passanten umringt reglos am Bordstein liegt, bis der alarmierte Rettungswagen eintrifft und ihn wegbringt. „Männer in einer Art Uniform waren um ihn bemüht, und das Innere des Fuhrwerks , das der Blick erhaschte, sah so sauber und regelmäßig wie ein Krankensaal aus. Man ging fast mit dem berechtigten Eindruck davon, dass sich ein gesetzliches und ordnungsgemäßes Ereignis vollzogen habe. «Nach den amerikanischen Statistiken», so bemerkte der Herr, «werden dort jährlich durch Autos 190.000 Personen getötet und 450.000 verletzt.»“[43]

In der Forschungsliteratur, die sich mit Musils Hauptwerk befasst, nimmt das Auftaktkapitel als Deutungsschwerpunkt eine Sonderstellung ein. Es handelt sich um einen der bekanntesten Romananfänge der europäischen Literatur, so Inka Mülder-Bach: „Kaum ein Leser hat seinem Sog widerstehen können. Dabei wird die Anonymität der Szene nie gelüftet.“ Im Kern sei hier bereits das projektierte Ganze des Romans enthalten.[44] Auch für Fuder steht das Eingangskapitel „in einem Zuordnungsverhältnis zum Romanganzen, in dem vorweg wie im Verkleinerungsspiegel diejenigen Perspektiven und Motive gesetzt sind“, die im Weiteren entfaltet werden.[45] Laut Rasch werden in diesem Romananfang Zeit, Ort, personale Identität und Kausalität „nicht gerade aufgehoben, aber in Frage gestellt, ins Schwanken gebracht, in den Zustand der Auflösung gesetzt.“[46]

Die Überschrift des ersten Kapitels: „Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht“, ist folglich als eine erste ironische Wendung des Verfassers zu betrachten.[47] Musils Beschreibung der großstädtischen Verkehrsverhältnisse und seine Angaben zu Opferzahlen im amerikanischen Autoverkehr spiegeln auch nicht die Wirklichkeit des Jahres 1913. „Figuren, die einem Roman des 19. Jahrhunderts entlaufen zu sein scheinen, irren im amerikanischen Straßenverkehr des Jahres 1924 bzw. dem Berliner von 1929 durch das Wien des Jahres 1913.“[48] Die von Musil angeführten Unfallopferzahlen dagegen entsprechen, so Mülder-Bach, den zwischen August und Dezember 1914 getöteten bzw. verwundeten Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee.[49] Lothar Georg Seeger sieht im Symbol des Automobils, das im Eingangskapitel wie steuerlos seinen Weg zum Unfall zurücklegt, das Gebaren der Parallelaktion zurückgebunden, die im Fortgang des Romans auf die Katastrophe des Ersten Weltkriegs zutreiben wird.[50]

„Auf knapp drei Seiten“, resümiert Rasch, „gibt das Eingangskapitel eine unübertreffliche Introduktion zu der komplexen Thematik des Romans. Dank der Loslösung vom nur historischen Detail in künstlerischer Abstraktion vermag ein solches Kapitel, das auf 1913 datiert ist und 1930 veröffentlicht wurde, heute eine unverminderte Geltung zu bewahren, nicht nur durch seinen dichterischen Rang, sondern als Darstellung des Weltzustandes im 20. Jahrhundert.“[51]

Figurenauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie das Romanwerk im Ganzen auf die Besichtigung und Auseinandersetzung Musils mit den gesellschaftlichen und geistigen Strömungen seiner Zeit bezogen ist, so sind es auch die vorkommenden Personen. Sie verkörpern unterschiedliche Menschentypen und stehen für bestimmte Denkmuster. Die 25 bis 30 deutlicher hervortretenden Romangestalten sind laut Schelling durch ein „allseitig nachgiebiges Gespinst von komplizierten, ironisch gebrochenen Neigungen und Abneigungen“ miteinander verbunden.“[52] Strelka sieht in ihnen aber nicht schemenhaft konstruierte theoretische Typen, sondern darüber hinaus „lebendige Beispiele scharf beobachteter Erfahrungswirklichkeit.”[53] Ihre primären Funktionen im Roman gründen sich für Rasch auf die „inneren Beziehungen zu Ulrich, als Spiegelung und Kontrastierung“.[54]

Es sind im Wesentlichen drei Kreise oder Personengruppen, in denen Ulrich verkehrt: die mit der Ideensammlung für das 1918 anstehende Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. befasste Parallelaktion bei Ulrichs Cousine Diotima; Familie Fischel mit Tochter Gerda und ihrem rechtsextremistisch tendierenden Freund; Ulrichs langjährige gute Bekannte Clarisse und Walter. „In allen drei Feldern versucht man, Ulrich festzulegen, wobei es kaum Zufall sein kann, daß diese drei Festlegungen drei fundamentalen gesellschaftlichen Ordnungen, nämlich Beruf Ehe und Vaterschaft, entsprechen: Diotima und das Feld der Parallelaktion bieten Ulrich einen Beruf als Sekretär, Gerda will ihn heiraten und Clarisse wünscht sich ein Kind von ihm. Diese verschiedenen Territorialisierungskräfte neutralisieren sich jedoch gegenseitig, so daß Ulrich für einen nicht der gesellschaftlichen Ordnung entsprechenden Bereich, nämlich die inzestuöse Liebe zu seiner Schwester, Thema des Zweiten Buches, frei bleibt.“[55]

Nach Precht galt es für Musil bei der Figurenzeichnung eine Gratwanderung zu bestehen: Einerseits durften sie nicht als bloße Sprachrohre blutleer wirken; andererseits sollte ihre jeweilige Funktion als zeittypische Erscheinung nicht durch ein besonders ausgeprägtes individuelles Profil überdeckt werden.[56] Das gilt ähnlich auch für die fiktiven Namen der Romanfiguren, hinter denen sich meist tatsächliche Bekannte Musils verbergen. Seine Figurennamen dürften durchweg Anspielungscharakter haben, auch wenn vollständige Aufklärung darüber nicht vorliegt und teils schwierig ist. Anders verhält es sich bei den Vertretern des Militärs: „Sturm von Bordwehr“ und „Frost von Aufbruch“ sind da die sprechenden Namen. „Es ist allerdings auffällig“, schreibt Precht, „dass Musil, gerade was den Gebrauch klassifizierender und redender Namen anbelangt, seine Namensgebung während der Entstehungszeit des Romans nach und nach entschärft hat.“ So geschehen bei der Umbenennung von „Hans Tepp“ (Assoziation: Depp) zu „Hans Sepp“, bei der von „Denknietzky“ zu „Wisnietzky“ oder der von „Dr. Strangsal“ zu „Dr. Strastil“.[57]

  • Hauptfigur des Romans ist Ulrich, der nach verschiedenen Versuchen, in einem Beruf seine Berufung zu finden (z. B. als Mathematiker, Ingenieur oder Offizier), sich selbst einen einjährigen „Urlaub vom Leben“ bewilligt, „um eine angemessene Anwendung seiner Fähigkeiten zu suchen“[58] bzw. um anders und besser Mensch zu werden. Infolge einer zunächst verbalen und dann handgreiflichen Auseinandersetzung um die Parallelaktion mit Beteiligung von Polizisten, bei der Ulrich zu vermitteln sucht, wird er abgeführt und von der Polizei penibel erkennungsdienstlich behandelt, eine befremdliche und verunsichernde Erfahrung für ihn. Nach der Intervention des auf anderweitige Empfehlung nach ihm suchenden Grafen Leinsdorf kommt er frei und wird von diesem kurzerhand zum ehrenamtlichen Sekretär bei der „Parallelaktion“ berufen.[59] Indem Ulrich auf keine soziale Rolle festgelegt ist und von Musil mit allen Freiheiten ausgestattet wird, fungiert dieser „Mann ohne Eigenschaften“ zum einen als Bindeglied zwischen den Romanfiguren und als „Diskurskonnektor des Textes“. Zugleich wirkt er als „Medium, durch das der Leser in den Text kommt.“[60]
  • Leona bietet Ulrich als Prostituierte aus dem Varieté ihre Liebesdienste an und dient ihm mit ihrer kaum stillbaren Esslust als Studienobjekt. Sie repräsentiert dergestalt die gesellschaftliche Liebesordnung auf niedrigstem Niveau.[61]
  • Bonadea, die den überfallenen und beraubten Ulrich sanft wieder zu sich bringt, gehört zur gehobenen Gesellschaft, sucht ihre sinnliche Erfüllung aber jenseits ihres Alltags als Gattin und Mutter: Sie wird und bleibt Ulrichs Geliebte, bis der sich dann ganz seiner Schwester widmet.[62]
  • Diotima ist die Ausrichterin der Parallelaktion, die als Salondame dafür den organisatorischen Rahmen schafft. Ulrichs Verhältnis zu seiner Cousine ist zwiespältig, von Anziehung und Distanzierung zugleich geprägt.[63]
  • Sektionschef Tuzzi ist der Ehemann von Diotima. Er ist ein hoher Staatsbeamter und hält in den Gesprächen mit Ulrich als nüchterner Kopf einigen Abstand zum Treiben der in seinem Haus stattfindenden Parallelaktion.[64]
  • Graf Leinsdorf ist der Initiator der Parallelaktion, ein konservativer Realpolitiker dem Selbstbild nach, zu dem Ulrich als ehrenamtlicher Sekretär ein loyales Dienstverhältnis ohne Devotheit unterhält. Man ist auf der Suche nach der zündenden Idee für das monarchische Jubelfest von Staats wegen; doch droht das in Gang gesetzte hektische gesellschaftliche Getriebe auch Leinsdorf über den Kopf zu wachsen.[65]
  • Paul Arnheim ist als weltläufiger Wirtschaftsmagnat und geistvoller Schriftsteller die brillanteste Persönlichkeit in der Parallelaktion, ein Preuße und glänzender Gesellschafter, der Diotima ganz in seinen Bann schlägt und der für Musils Ulrich zum intellektuellen Antipoden wird.[66]
  • Rachel und Soliman verkörpern unter den Akteuren die Sphäre der Bediensteten, die an den wichtigen gesellschaftlichen Vorgängen allenfalls aus der Schlüssellochperspektive teilhaben. Im Gegensatz zu ihren Herrschaften Diotima und Arnheim, deren Verhältnis im platonischen Rahmen verbleibt, vollziehen die Untergebenen schließlich den Geschlechtsakt.[67]
  • General Stumm von Bordwehr ist der Parallelaktion von höherer Stelle als militärischer Beobachter beigeordnet worden. Er erlebt und kommentiert die Vorgänge naiv-gutmütig aus dieser eingeschränkten Perspektive. Ulrich kennt ihn aus der eigenen Zeit beim Militär und behandelt ihn freundschaftlich.[68]
  • Moosbrugger ist ein von Wahnvorstellungen getriebener, inhaftierter Prostitutiertenmörder. Als Objekt der Medienberichterstattung wird er zugleich in verschiedener Hinsicht Anschauungs- und Streitobjekt, etwa unter medizinisch-psychiatrischen, juristischen, theologischen, bürokratischen und politischen Gesichtspunkten.[69] Auch Ulrich beschäftigt Moosbruggers Schicksal in mehrerer Hinsicht persönlich.[70]
  • Clarisse und Walter führen ihre von wechselseitigen Enttäuschungen beherrschte Ehe weitgehend abseits des gesellschaftlichen Lebens. Da Walter nicht der große Künstler geworden ist, der Clarisse vorschwebte, hat sie ihr sexuelles Interesse an ihm verloren. Stattdessen will sie nun Moosbrugger erlösen und gleitet selbst mehr und mehr in die psychische Krankheit ab.[71] Walter ist es, der den gelegentlich zu Besuch kommenden Jugendfreund Ulrich als „Mann ohne Eigenschaften“ bezeichnet. [72]
  • Leo Fischel ist ein mit Ulrich freundschaftlich verbundener Banker, der seine Tochter Gerda gern Ulrich zur Frau gegeben hätte. Als daraus nichts wurde, hat sich Gerda dem präfaschistisch-antisemitischen Aktivisten Hans Sepp angeschlossen, der nun den Unfrieden im Hause des jüdischen Finanzdienstleisters und seiner Frau Klementine schürt.[73]
  • Agathe ist Ulrichs beinahe vergessene, um 5 Jahre jüngere, verheiratete Schwester, die er bei den Beerdigungsvorbereitungen für ihrer beider Vater wiedertrifft. Beide sind voneinander nach Art von Zwillingen, wie es ihnen scheint, äußerst angezogen; Agathe wird von Ulrich in seine Wohnung aufgenommen. In dieser Symbiose machen sie sich auf die Suche nach einem anderen (Lebens-) Zustand.
  • Prof. Gottlieb Hagauer ist Agathes Ehemann, der ihr bei aller gleichmäßigen Zuwendung, die er als viel beschäftigter Reformpädagoge für sie aufbringt, so widerlich geworden ist, dass sie ihn nicht nur verlässt, sondern ihn auch um den von ihrem Vater für ihn ausgesetzten Erbteil betrügt.[74]
  • August Lindner, ebenfalls Pädagoge, wird von Agathe als moralische Instanz konsultiert, deren Hinweise ihr zur Prüfung des eigenen Verhaltens dienen mögen. Ihr Verhältnis zu Lindner, durch das sie sich auch von Ulrich ein wenig unabhängiger hält, ist aber aufgrund einer Vielzahl eigenartiger Schrullen Lindners sehr ambivalent.[75]

Musils Leserführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In 180 Kapitelüberschriften hat Musil die bei Lebzeiten publizierten drei Teile seines Hauptwerks gegliedert: 19 entfallen auf den ersten Teil – „eine Art Einleitung“; 123 auf den zweiten Teil – „Seinesgleichen geschieht“; 38 auf den dritten Teil – „Ins Tausendjährige Reich (Die Verbrecher)“. Während das „Seinesgleichen“ des zweiten Teils für das (von Musil arrangierte) banale Alltagsgeschehen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg steht, ist das „Tausendjährige Reich“ die Chiffre für jenen anderen mystischen Zustand, den „die Verbrecher“ Agathe und Ulrich seit ihrer Wiederbegegnung anstreben.

Mit den Kapitelüberschriften erweckt Musil zunächst den Anschein des herkömmlichen Erzählers, der ein übersichtlich geordnetes Ganzes aus in sich geschlossenen Einzelabschnitten entwickelt. „Das Entscheidende, weshalb Kapitel zu bilden sind“, heißt es in Musils Tagebuchnotizen, „ist etwas Psychotechnisches: ein kleineres, geschlossenes Thema ist leichter anzupacken, u. ein solcher Rahmen füllt sich leichter mit dem Stoff und seinen Ergänzungen.“[76] Zugleich können die einzelnen Überschriften Lesern beim Einordnen und Wiederauffinden bestimmter Figuren, Geschehnisse und Reflexionsbögen helfen, was zu Musils Wunschvorstellung passt, der Leser möge sein Werk einmal im Ganzen und dann noch einmal in den einzelnen Teilen lesen.[77]

Stehen die Kapitelüberschriften also einerseits für einen bekannten Orientierungs- und Ordnungsrahmen, so fügen sie sich durch die Ausgestaltung andererseits in Musils Grundbestreben, gängige Konventionen zu unterlaufen und auszuhebeln, um für anderes Raum zu schaffen. Der Autor scheint mitunter ein Spiel mit Titeln und Lesern zu treiben.

Mal sind die Überschriften lakonisch kurz gehalten: 5. Ulrich; 8. Kakanien; 14. Jugendfreunde; 18. Moosbrugger.

Mal kommen sie beinahe geschwätzig daher: 7. In einem Zustand von Schwäche zieht sich Ulrich eine neue Geliebte zu; 12. Die Dame, deren Liebe Ulrich nach einem Gespräch über Sport und Mystik gewonnen hat; 13. Ein geniales Rennpferd reift die Erkenntnis, ein Mann ohne Eigenschaften zu sein.

In wechselnder Abmischung werden ironisch-satirische Akzente gesetzt: 22. Die Parallelaktion steht in Gestalt einer einflußreichen Dame von unbeschreiblicher geistiger Anmut bereit, Ulrich zu verschlingen; 26. Die Vereinigung von Seele und Wirtschaft. Der Mann, der das kann, will den Barockzauber alter österreichischer Kultur genießen. Der Parallelaktion wird dadurch eine Idee geboren; 28. Ein Kapitel, das jeder überschlagen kann, der von der Beschäftigung mit Gedanken keine besondere Meinung hat.

Manchmal lässt der Verfasser am Sinnzusammenhang seiner getitelten Aussagenreihungen zweifeln: 43. Erste Begegnung Ulrichs mit dem großen Mann. In der Weltgeschichte geschieht nichts Unvernünftiges, aber Diotima stellt die Behauptung auf, das wahre Österreich sei die ganze Welt; 62. Auch die Erde, namentlich aber Ulrich huldigt der Utopie des Essayismus; 99. Von der Halbklugheit und ihrer fruchtbaren anderen Hälfte; von der Ähnlichkeit zweier Zeitalter, von dem liebenswerten Wesen Tante Janes und dem Unfug, den man neue Zeit nennt; 114. Die Verhältnisse spitzen sich zu. Arnheim ist sehr huldvoll zu General Stumm. Diotima trifft Anstalten, sich ins Grenzenlose zu begeben, Ulrich phantasiert von der Möglichkeit, so zu leben, wie man liest.

Mit solchen „Subversionsstrategien“ durchbricht Musil die gängige Erwartung, dass man sich als Leser der Überschrift anvertrauen und alles wörtlich nehmen kann. So heißt es bei Precht: „Resultat ist, daß auch die scheinbar ernsten Überschriften und jene Ankündigungen, die wie objektive Resümees des Erzählgeschehens auftreten, in der Bestrahlung durch andere Sinnhorizonte keineswegs mehr in solch selbstverständlicher Weise als sprachliche Wiedergaben eines ‚Wesentlichen‘ gelesen werden können.“ Die Kipp-Bewegung betreffe folglich nicht nur einige Überschriften, sondern der Text insgesamt erzeuge eine Irritation, die kein gesichertes Vorverständnis mehr gelten lasse. „Das ästhetische Spiel, wie es die Kapitelüberschriften exemplarisch für den Roman vorführen, verfolgt somit die Absicht, ein tatsächliches Sich-Einlassen, eine vorschnelle Anteilnahme und ein Vertrauen in die Überzeugungskraft der Sprache zu unterminieren, den Leser zur Semantik der Diskurse, der Konventionsbestände und eingeschliffenen Betrachtungsweisen in Distanz zu setzen und die Begrenztheit ihrer Perspektivik aufzuzeigen.“[78]

Betrachtungsebenen und -gegenstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was Musil seinen Lesern zu bieten hat, sind Erzeugnisse seiner, wie er selbst erkannte, „nach widersprechenden Richtungen beweglichen Intelligenz“.[79] Die unter anderem als Ideensammlung aus allen Stämmen und Ständen des altösterreichischen Kakanien imaginierte „große vaterländische Aktion“ bzw. Parallelaktion, um die herum Musil seine Figuren gruppierte, erwies sich zugleich als geeigneter Fokus, „den mitteleuropäischen Ideenfundus der Jahrhundertwende in all seinen Facetten und Konfigurationen zu diskutieren und zu ‚karnevalisieren’“.[80] Die oft essayartige Darbietung von Stoff und Reflexionen setzte Musil bewusst ein, um seinen Gedanken auch über die Grenze dessen nachzuhängen, „was ich unter allen Umständen verantworten könnte.“[81] Musils Reflexionen seien nicht einfach in den Fluss der Erzählung eingestreut, so Schelling. „Seine Reflexion ist Reflexion auch über das Erzählen selbst. Sie fällt der Geschichte immer wieder ins Wort, benimmt dem Erzählen seine Verbindlichkeit und stellt das ausgesprochene Wort durch seinen Gegensinn in Frage.“[82]

Dass Musils Einerseits-Andererseits zugleich ein wechselseitiges Ergänzungsverhältnis betont, wird von Mülder-Bach eingehend verdeutlicht, indem sie den besonderen Stellenwert der Konjunktion und für Musils Denken und Schreiben hervorhebt. Eine elementare Bedeutung diesbezüglich hat demnach die kaiserliche und königliche (k.u.k.) Doppelmonarchie als ideeller Fluchtpunkt der Parallelaktion mit ihren Losungen „Gesellschaft und Geist“, „Besitz und Bildung“, „Idee und Macht“. Wenn der Dualismus mitunter als Musils „Weltformel“ bezeichnet werde, sei neben dem Trennenden zugleich das Verbindende als wesentlich anzusehen.[83] Gerade die im Zentrum des zweiten Teils der Romanhandlung stehende Geschwisterkonstellation Ulrich und Agathe steht im Zeichen eines komplementären Verhältnisses der beiden, die sich wie Zwillinge zueinander stellen: als „Ungetrennte und Nichtvereinte.“[84]

Auch die geistig-seelische Verfasstheit von Musils Ulrich an sich ist von einem solchen Komplementärverhältnis bestimmt. „Ulrichs mathematisch inspirierte Denkweise“, heißt es bei Rasch, „ist immer die eines Mannes, der auch mystischen Seinserfahrungen zugänglich ist, und seine ekstatische Weltteilhabe ist immer die eines Mathematikers. Beide Positionen stehen in einem komplementären Verhältnis, das nicht auf eine Alternative, sondern auf eine Synthese gerichtet ist.“ Zwar gehe eine gedankliche Lösung dieser als Aufgabe begriffenen Synthese laut Musil über »über die Fähigkeiten Ulrichs und somit über die seines Urhebers hinaus«. „Aber Ulrich lebt den Versuch der Vereinigung »beider Wege«. Für ihn ist der eine nicht ohne den anderen.“[85]

Geschichtliche Zustände und Potenziale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Dreh- und Angelpunkt der Reflexionen im Mann ohne Eigenschaften sind die Verhältnisse, wie sie geworden sind und anders sein könnten oder sollten. Diesen Dualismus entwickelt Musil an einer Vielzahl von Betrachtungsgegenständen, unter anderem zu Geschichte und Zeitgeschehen.

So beugt sich der konservative Realpolitiker Graf Leinsdorf der Erkenntnis, dass es in der Geschichte der Menschheit „kein freiwilliges Zurück“ gibt. Zwar neigt er zum Loblied auf die Zeiten des Absolutismus, als die Welt noch „von verantwortungsbewußten Personen nach einheitlichen Gesichtspunkten“ geleitet worden sei. „Aber mit einemmal war ihm […] eingefallen, daß er wirklich unangenehm überrascht sein würde, wenn er eines Morgens ohne warmes Bad aufwachen müßte und statt der Morgenblätter bloß ein kaiserlicher Ausrufer durch die Straßen ritte.“[86]

Den weit ausgreifenden, zukunftsbezogenen bürokratischen Leerlauf im Rahmen der Parallelaktion persifliert Musil exemplarisch:

„Stelle Eins schrieb, Stelle zwei antwortete; wenn Stelle Zwei geantwortet hatte, mußte man Stelle Eins davon Mitteilung machen, und am besten war es, man regte eine mündliche Aussprache an; wenn Stelle Eins und Zwei sich geeinigt hatten, wurde festgestellt, daß nichts veranlaßt werden könne; so gab es unaufhörlich etwas zu tun.[87]

Ähnlich geartete Substanzdefizite zeigt Musils Aufbereitung des vermischten Medien-Informationsangebots auf:

„Man las gleichzeitig unter Neuigkeiten, daß die Regierung Sr. Majestät mit der Regierung einer anderen Majestät einen Vertrag eingegangen sei, der Sicherung des Friedens, wirtschaftliche Hebung, herzliche Zusammenarbeit und Achtung vor den Rechten aller zum Inhalt habe, aber auch Maßnahmen für den Fall, daß diese bedroht seien oder bedroht sein könnten. Sektionschef Tuzzis vorgesetzter Minister hatte wenige Tage darauf eine Rede gehalten, worin er die dringende Notwendigkeit eines engen Zusammenhaltens der drei kontinentalen Kaiserreiche bewies, die an der modernen sozialen Entwicklung nicht vorbeisehen dürften, sondern im gemeinsamen Interesse der Dynastien gegen soziale Neubildungen Front machen müßten; Italien war in ein bewaffnetes Unternehmen in Libyen verwickelt; Deutschland und England hatten eine Bagdadfrage; Kakanien traf im Süden gewisse militärische Vorbereitungen, um der Welt zu zeigen, daß es Serbiens Ausdehnung ans Meer nicht erlauben, sondern nur eine Eisenbahnverbindung gestatten werde; und ebenbürtig mit allen Ereignissen von solcher Art, gestand die weltberühmte schwedische Schauspielerin Fräulein Vogelsang, daß sie noch nie so gut geschlafen habe wie diese erste Nacht nach ihrem Eintreffen in Kakanien und sich über den Schutzmann gefreut habe, der sie vor der Begeisterung der Menge rettete, aber dann selbst um die Erlaubnis bat, ihre Hand mit seinen beiden Händen dankbar drücken zu dürfen.[88]

In Kapitel 83: „Seinesgleichen oder warum erfindet man nicht Geschichte“ reflektiert Ulrich, in der Straßenbahn sitzend:

„Sie sieht unsicher und verfilzt aus, unsere Geschichte, wenn man sie aus der Nähe betrachtet, wie ein nur halb festgetretener Morast, und schließlich läuft dann sonderbarerweise doch ein Weg über sie hin, eben jener »Weg der Geschichte«, von dem niemand weiß, woher er gekommen ist. Dieses Der Geschichte zum Stoff Dienen war etwas, das Ulrich empörte. Die leuchtende, schaukelnde Schachtel, in der er fuhr, kam ihm wie eine Maschine vor, in der einige hundert Kilogramm Menschen hin und her geschüttelt wurden, um Zukunft aus ihnen zu machen. Vor hundert Jahren sind sie mit ähnlichen Gesichtern in einer Postkutsche gesessen, und in hundert Jahren wird weiß Gott was mit ihnen los sein, aber sie werden als neue Menschen in neuen Zukunftsapparaten genau so da sitzen, – fühlte er und empörte sich gegen dieses wehrlose Hinnehmen von Veränderungen und Zuständen, die hilflose Zeitgenossenschaft, das planlos ergebene, eigentlich menschenunwürdige Mitmachen der Jahrhunderte, so als ob er sich plötzlich gegen den Hut auflehnte, den er, sonderbar genug geformt, auf dem Kopf sitzen hatte. […] Wahrscheinlich gehört gar nicht so viel dazu, wie man glaubt, um aus dem gotischen Menschen oder dem antiken Griechen den modernen Zivilisationsmenschen zu machen. Denn das menschliche Wesen ist ebenso leicht der Menschenfresserei fähig wie der Kritik der reinen Vernunft; es kann mit den gleichen Überzeugungen und Eigenschaften beides schaffen, wenn die Umstände danach sind, und sehr großen äußeren Unterschieden entsprechen dabei sehr kleine innere.[89]

Auf Bedeutung und geistige Ordnung, so Schelling, kommt es für Ulrich bei geschichtlichen Vorgängen und ihren Trägern nicht an. Darum verhalte er sich gegenüber der Geschichte „wie ein anspruchsvoller Theaterbesucher vor einem dürftigen Stück, das ihn langweilt: als unbeteiligter Zuschauer.“[90] Die Zukunft ist offen, ihre Lenkbarkeit durch Menschen hingegen eine Illusion:

„Der Zug der Zeit ist ein Zug, der seine Schienen vor sich her rollt. Der Fluß der Zeit ist ein Fluß, der seine Ufer mitführt. Der Mitreisende bewegt sich zwischen festen Wänden auf festem Boden; aber Boden und Wände werden von den Bewegungen der Reisenden unmerklich auf das lebhafteste mitbewegt.[91]

Ulrich erklärt:

„Wir machen in den einzelnen Zweigen des menschlichen Könnens unleugbar so viele Fortschritte, daß wir ordentlich das Gefühl haben, ihnen nicht nachkommen zu können; wäre es nicht möglich, daß daraus auch das Gefühl entsteht, wir erlebten keinen Fortschritt? Schließlich ist Fortschritt doch das, was sich aus allen Anstrengungen gemeinsam ergibt, und man kann eigentlich von vornherein sagen, der wirkliche Fortschritt wird immer gerade das sein, was keiner wollte.[92]

Militär und Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ständiger Beobachter und Begleiter der Parallelaktion und der in ihr vertretenen gesellschaftlichen Kräfte im Salon Diotimas ist das Militär in Gestalt des Generals Sturm von Bordwehr. Dabei legt der dienstlich Beauftragte eine wissbegierige und lernwillige Haltung an den Tag,[93] die alle neuen Ideen und Eindrücke auf sein militärisches Maß herunterbricht, woran er Ulrich stets leutselig teilhaben lässt. Er bekommt den Auftrag gemäß seiner Stellung als Leiter der Abteilung für Militär-Bildungs- und Erziehungswesen im Kriegsministerium von Feldmarschallleutnant Frost von Aufbruch, dem Chef der Präsidialsektion:

„Du Stumm, du bist ja so ein Gelehrter, wir schreiben dir einen Einführungsbrief, und du gehst hin. Schau ein bissel zu, was sie eigentlich vorhaben. […] Verstehst du, wir wollen ja nichts besonderes, aber du gehst so oft, als du kannst, hin und zeigst, daß wir da sind; daß wir nicht in den Komitees drin sind, ist ja vielleicht soweit in Ordnung, aber daß wir nicht dabei sein sollten, wenn für den Geburtstag unseres Allerhöchsten Kriegsherrn sozusagen über ein geistiges Geschenk beraten wird, dafür gibt es keinen Grund.[94]

Als die Parallelaktion im Hause Tuzzi schließlich vor der Frage steht, wie man das vornehmlich Österreichische in der geplanten Aktion zur Geltung bringen werde, ist es General Stumm von Bordwehr, der darauf die Antwort gibt:

„Er wisse wohl, – sagte er – dem Soldaten sei im Beratungszimmer eine bescheidene Rolle angewiesen. Wenn er dennoch spreche, geschehe es nicht, um sich in die unübertreffliche Kritik der bisher aufgetauchten Vorschläge zu mengen, die alle vortrefflich waren. Dennoch möchte er zum Schluss folgenden Gedanken einer wohlwollenden Prüfung anheim stellen. […] Er rühre nur an eine bekannte Wunde, wenn er an den unbefriedigendn Zustand erinnere, in dem sich durch die Teilnahmslosigkeit des Parlaments der Ausbau unserer Artillerie und jener der Marine befinde. Er gebe darum zu bedenken, wenn kein anderes Ziel gefunden werden sollte, daß dann eine breite volkstümliche Teilnahme an den Fragen des Heeres und seiner Bewaffnung ein sehr würdiges Ziel wäre. Si vis pacem para bellum! Die Kraft, die man im Frieden entfalte, halte den Krieg fern oder kürze ihn zumindest ab. Er könne also wohl versichern, daß eine solche Maßnahme auch völkerversöhnend zu wirken vermöge und eine ausdrucksvolle Kundgebung friedlicher Gesinnung darstellen würde.[95]

In Kapitel 85: General Stumms Bemühung, Ordnung in den Zivilverstand zu bringen entwickelt der für Bildungsfragen im Kriegsministerium Zuständige gegenüber Ulrich das Problem, die ranghöchste Idee zu bestimmen, mit der dem kaiserlichen Jubilar in spe ein geistiges Denkmal zu setzen wäre. Bei aller Bewunderung für die in Diotimas Salon eingeladenen Teilnehmer der Parallelaktion seien „verteufelte Schwierigkeiten“ damit verbunden:

„Sagt der eine das, so behauptet der andere das Gegenteil – ist dir das nicht auch schon aufgefallen? – aber was mir wenigstens noch weit schlimmer vorkommt: der Zivilgeist scheint das zu sein, was man bei einem Pferd einen schlechten Fresser nennt. Du erinnerst Dich doch noch? So einer Bestie kannst du die doppelte Futterration geben, sie wird trotzdem nicht dicker! […] meinetwegen kannst du auch sagen, dass er mit jedem Tag dicker wird, aber die Knochen wachsen ihm nicht, und das Fell bleibt glanzlos; was er kriegt, ist bloß ein Grasbauch. Also das interessiert mich, weißt du, und ich habe mir vorgenommen, mich um diese Frage zu kümmern, warum da eigentlich keine Ordnung hineinzubringen ist.“[96]

Der General präsentiert Ulrich eine mehrblättrige Sammlung, „die Konsignation der Hauptideen“, die er bei den Teilnehmern erfragt hat. Für die kurzfristige Erstellung habe er einen Hauptmann, zwei Leutnants und fünf Unteroffiziere gebraucht. Nach vollzogener Bestandsaufnahme habe er jedoch gefunden, dass der mitteleuropäische Ideenvorrat aus lauter Gegensätzen bestehe, die „bei genauerer Beschäftigung mit ihnen ineinander überzugehen anfangen.“ Es komme ihm nach längeren Vieraugen-Gesprächen mit den berühmten Leute in Diotimas Salon so vor, als sagten sie letztlich alle das Gleiche, „und vielleicht reicht mein Kommißverstand einfach nicht dafür aus!“

„Wovon General Stumms Verstand in solcher Weise geängstigt wurde, war keine Kleinigkeit und hätte eigentlich nicht nur dem Kriegsministerium überlassen bleiben dürfen, obgleich sich zeigen ließe, daß es zum Kriege allerhand beste Beziehungen unterhält. Dem gegenwärtigen Zeitalter sind eine Anzahl großer Ideen geschenkt worden und zu jeder Idee durch eine besondere Güte des Schicksals gleich auch ihre Gegenidee, so daß Individualismus und Kollektivismus, Nationalismus und Internationalismus, Sozialismus und Kapitalismus, Imperialismus und Pazifismus, Rationalismus und Aberglaube gleich gut darin zu Hause sind, wozu sich noch die unverbrauchten Reste unzähliger anderer Gegensätze von gleichem oder geringerem Gegenwartswert gesellen.[97]

Stumm ist nun mit seinem Latein am Ende:

„«Ich habe» sagte der General, und in seinen lebenslustigen Augen glomm etwas Gereiztes oder Gehetztes auf, «noch die verschiedensten Versuche angestellt, das Ganze in eine Einheit zu bringen: aber weißt du, wie es ist? So wie wenn man in Galizien zweiter Klasse reist und sich Filzläuse holt! Es ist das dreckigste Gefühl von Ohnmacht, das ich kenne. Wenn man sich lange zwischen Ideen aufgehalten hat, juckt es einen am ganzen Körper, und man bekommt noch nicht Ruhe, wenn man sich bis aufs Blut kratzt!»[98]

Ulrich gibt ihm zu verstehen, dass er das Denken zu ernst nehme, und verweist ihn, was wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung betrifft, auf die einfachen Ordnungsvorbilder – beim Militär. Im Übrigen gelte für die Gegenwart, dass es immer mehr Ordnungen und immer weniger Ordnung gebe. Akzeptanz für eine große Idee kommen nicht mehr in Betracht:

„Stell Dir bloß vor, wie das heute vor sich geht: Wenn ein bedeutender Mann eine Idee in die Welt setzt, so wird sie sogleich von einem Verteilungsvorgang ergriffen, der aus Zuneigung und Abneigung besteht; zunächst reißen die Bewunderer große Fetzen daraus, so wie sie ihnen passen, und verzerren ihren Meister wie die Füchse das Aas, dann vernichten die Gegner die schwachen Stellen, und über kurz bleibt von keiner Leistung mehr übrig als ein Aphorismenvorrat, aus dem sich Freund und Feind, wie es ihnen passt, bedienen.[99]

Stumm von Bordwehr ist auch dabei, als Clarisses Wunsch in Erfüllung geht und sie in Begleitung ihres Bruders und Ulrichs eine psychiatrische Anstalt besucht, um dort Moosbrugger zu treffen. Da Stumm mit vielem zu rechnen hat, sorgt er sich auch um sein Äußeres:

„«Ich bin doch für den Minister, falls er mich rufen lässt, schon angezogen wie ein Christbaum!» rief er aus und unterstrich es, indem er auf seinen hellblauen Waffenrock und die daran hängenden Orden hinwies: «Meinst du nicht, daß es zu peinlichen Zwischenfällen führen kann, wenn ich mich so in Uniform den Narren zeige? Was mach ich zum Beispiel, wenn einer meinen Rock beleidigt? Da kann ich doch nicht den Säbel ziehen, und zu schweigen, ist für mich auch höchst gefährlich!?»“

Ulrich kann ihn mit der Aussicht beruhigen, dass er in der Anstalt über der Uniform einen Arztkittel tragen werde.[100] Während des Gangs durch das Anstaltsgelände ist Stumm jedoch gedanklich mit seinen dringenderen Obliegenheiten befasst und sucht mit Ulrich das Gespräch darüber:

„«Wir nehmen den Pazifismus sehr ernst! Nur möchten wir unsere Artillerievorlage durchbringen. Und wenn wir das sozusagen Hand in Hand mit dem Pazifismus tun könnten, so wären wir am besten vor allen imperialistischen Missverständnissen geschützt, die gleich behaupten, daß man den Frieden stört!»[101]

Rezeptionsaspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer stark durch essayistische Exkurse und Reflexionen geprägten Prosa entfaltet Musil ein zeitgeschichtliches Panoptikum, das im Mikrokosmos des Romans den Übergang von der durch Aufklärung und Rationalität geprägten großbürgerlichen Gesellschaft zur modernen Massengesellschaft illustriert. In einer der Lebensphilosophie und Nietzsche nahestehenden Weise arbeitet er Ansätze einer mystischen Lebenshaltung heraus. Der Versuchung der Verabsolutierung des mystischen „anderen Zustands“ steht dabei die vielzitierte Formel der geforderten Verbindung von „Genauigkeit und Seele“ entgegen. Der dem Autor nahestehende Protagonist Ulrich trägt den Widerstreit von Mathematik und Mystik exemplarisch in sich aus. Notizen Musils zum Romanaufbau sehen den falschen Gegensatz von Genauigkeit und Seele bereits in der griechischen Antike angelegt. Mit Hinweis hierauf beziehen sich spätere Theoretiker auf dem Feld der Anthropologie nicht selten auf Musils Mann ohne Eigenschaften (so Peter Sloterdijk in seiner Trilogie Sphären) oder werden auf diesen rückbezogen (so Niklas Luhmann aus der Sicht von Robert Spaemann[102]).

Für Hartmut Böhme spielt Musil die in den 1920er Jahren sich verbreitenden Ideen und Wahrnehmungsmodalitäten des „Amerikanismus“ und des „Fordismus“ konsequent durch: Mobilität und Vermassung der Millionenstädte, Industrieproletariat und Dienstleistungsgesellschaft, der Siegeszug von Funktionalismus, Design und Metropole.

„Was Musil in satirischer Überzeichnung, als Quintessenz der Moderne ins Bild bringt, ist die funktional differenzierte Kapitale, wie sie in den 1920er Jahren unter dem Stichwort „Amerikanismus“ diskutiert wurde, aber die Stadtentwicklung bis in die 1970er Jahre bestimmte. Die Stichworte dieser Entwicklung sind Flächenwachstum der Städte, das durch Landflucht, Bevölkerungsanstieg und Deregionalisierung angetrieben wurde; neben der horizontalen auch die vertikale Ausdehnung; die räumliche Trennung von Produktion, Dienstleistung, Vergnügen und Kultur, Leben und Wohnen; Tempo und Geschwindigkeit gegenüber den in den Rhythmen der Natur langsam operierenden Agrarräumen; die Durchorganisation der Städte nach Imperativen des Verkehrs; das Vorherrschen des Maschinenmodells, das auch die menschliche Kommunikation beherrscht – sie wird denselben Takten und Strömungsgesetzen unterworfen wie das Produktionssystem. Das ist das Vordringen des Fordismus mit seinen Prinzipien der Arbeitssegmentierung, der Automatisation und Rationalisierung. Sie bestimmen nicht nur die Produktion und den Kreislauf der Dinge, sondern durchdringen auch alle übrigen Sektoren der Gesellschaft.“

Hartmut Böhme[103]

Dementsprechend lässt sich das Attribut „überamerikanisch“, mit dem der Erzähler seine Zukunftsversion versieht, als Hinweis auf die zunehmende Amerikanisierung der europäischen Kultur interpretieren.[104] Musils „Mann ohne Eigenschaften“ behält ein unklares Verhältnis zum Fortschritt: er schwankt zwischen freudigem Antizipieren der Technikentwicklung und dem Gefühl des Unbehagens angesichts einer unkontrollierbar erscheinenden gesellschaftlichen Entwicklung.

„Die Vision der «überamerikanischen Stadt» imaginiert eine Gesellschaft im Zustand einer funktionalen Totalordnung. In der Architektur, den alltäglichen Verkehrsformen und der Aufteilung der Lebensbereiche zeichnet sich die kalte Rationalität eines Apparates ab, «wo alles mit der Stoppuhr in der Hand eilt oder stillsteht.» Der Mensch muss seine Handlungen rationalisieren und sein Leben funktional auf die Effizienz des Apparates ausrichten. Zwischenmenschliche Begegnungen gleichen so maschinellen Abläufen.“

Jan Herchenröder[104]

Literatur/Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Mann ohne Eigenschaften. Bd. 1: Rowohlt, Berlin 1930 (1074 S.); Bd. 2: Rowohlt, Berlin 1933 (605 S.); Bd. 3: Rowohlt, Lausanne 1943 (462 S.).
  • Der Mann ohne Eigenschaften. In: Gesammelte Werke, Bd. 1. Hg. von Adolf Frisé. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978, ISBN 3-498-04255-6 (2154 S.).
  • Der Mann ohne Eigenschaften. Hg. von Adolf Frisé. Bd. 1: Erstes und zweites Buch. Neu durchges. und verb. Ausg. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978. ISBN 3-499-13462-4 (TB Rororo 13462, 1040 S.). Bd. 2: Aus dem Nachlass. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978, ISBN 3-499-13463-2 (TB Rororo 13463, S. 1045–2159).

Hörbuch/Hörspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitale Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klagenfurter Ausgabe. Kommentierte digitale Edition sämtlicher Werke, Briefe und nachgelassener Schriften. Mit Transkriptionen und Faksimiles aller Handschriften, hg. von Walter Fanta/Klaus Amann/Karl Corino. Robert-Musil-Institut, Klagenfurt 2009 (1 DVD).
  • Der literarische Nachlaß. CD-ROM-Edition. Hg. von Friedbert Aspetsberge/Karl Eibl/Adolf Frisé. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1992 (Aufgrund der veralteten Software heute kaum mehr brauchbar).

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Amann: Robert Musil – Literatur und Politik. Reinbek bei Hamburg 2007.
  • Wilfried Berghahn: Robert Musil. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. 88. – 91. Tausend. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 3-499-50081-7 (Rowohlts Monographien 81).
  • Karl Corino: Robert Musil. Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-498-00891-9.
  • Sibylle Deutsch: Der Philosoph als Dichter. Robert Musils Theorie des Erzählens. Röhrig, St. Ingbert 1993, ISBN 3-86110-020-7 (Beiträge zur Robert-Musil-Forschung und zur neueren österreichischen Literatur 5), (Zugleich: Hannover, Univ., Diss., 1990).
  • Karl Dinklage (Hrsg.): Robert Musil. Leben, Werk, Wirkung. Amalthea-Verlag, Wien u. a. 1960.
  • Claus Erhart: Der ästhetische Mensch bei Robert Musil. Vom Ästhetizismus zur schöpferischen Moral. Institut für Germanistik der Universität, Innsbruck 1991, ISBN 3-901064-02-8 (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe 43), (Zugleich: Innsbruck, Univ., Diss., 1987).
  • Dieter Fuder: Analogiedenken und anthropologische Differenz. Zu Form und Funktion der poetischen Logik in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. München 1979.
  • Eckhard Heftrich: Musil. Eine Einführung. Artemis, München u. a. 1986, ISBN 3-7608-1330-5 (Artemis-Einführungen 30).
  • Renate von Heydebrand: Die Reflexionen Ulrichs in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Ihr Zusammenhang mit dem zeitgenössischen Denken. Aschendorff, Münster 1966 (Münstersche Beiträge zur deutschen Literaturwissenschaft 1, ISSN 0077-1996), (hervorragende Arbeit über die Bezüge von Ulrichs Gedanken zu philosophischen Strömungen seiner Zeit).
  • Dietrich Hochstätter: Sprache des Möglichen. Stilistischer Perspektivismus in Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“. Frankfurt am Main 1972.
  • Claus Hoheisel: Physik und verwandte Wissenschaften in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Ein Kommentar. Bochumer Universitätsverlag, 4. Aufl. 2010. (Teilw. zugleich: Dortmund, Univ., Diss., 2002)
  • Villö Huszai: Digitalisierung und Utopie des Ganzen. Überlegungen zur digitalen Gesamtedition von Robert Musils Werk. In: Michael Stolz, Lucas Marco Gisi, Jan Loop (Hrsg.): Literatur und Literaturwissenschaft auf dem Weg zu den neuen Medien. Germanistik.ch, Bern 2005 (Literaturwissenschaft und neue Medien).
  • Stefan Jonsson: Subject Without Nation. Robert Musil and the History of Modern Identity. Duke University Press, Durham and London, 2000. ISBN 0-822-32551-9
  • Ernst Kaiser, Eithne Wilkins: Robert Musil. Eine Einführung in das Werk. Kohlhammer, Stuttgart 1962 (Sprache und Literatur 4, ISSN 0584-9446).
  • Martin Menges: Abstrakte Welt und Eigenschaftslosigkeit. Eine Interpretation von Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften unter dem Leitbegriff der Abstraktion. Frankfurt am Main 1982.
  • Inka Mülder-Bach: Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Ein Versuch über den Roman. Carl Hanser Verlag, 2013, ISBN 978-3-446-24408-5.
  • Barbara Neymeyr: Psychologie als Kulturdiagnose. Musils Epochenroman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2005. ISBN 3-8253-5056-8 (Zugleich: Freiburg i. Br., Habil.-Schr., 2000, Teil I).
  • Burton Pike: Robert Musil. An introduction to his work. Cornell University Press, Ithaca NY 1962.
  • Burton Pike, David S. Luft (Hrsg.): Robert Musil. Precision and Soul. Essays and Addresses. University of Chicago Press, Chicago IL 1990, ISBN 0-226-55408-2.
  • Richard David Precht: Die gleitende Logik der Seele. Ästhetische Selbstreflexivität in Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1996.
  • Wolfdietrich Rasch: Über Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Göttingen 1967.
  • Marie-Luise Roth: Robert Musil, Ethik und Ästhetik. Zum theoretischen Werk des Dichters. List, München 1972, ISBN 3-471-66526-9.
  • Ulrich Schelling: Identität und Wirklichkeit bei Robert Musil. Zürich und Freiburg i. Br. 1968.
  • Joseph P. Strelka: Robert Musil. Perspektiven seines Werks. Frankfurt am Main 2003.
  • Brigitta Westphal: Musil-Paraphrasen. Eine künstlerische Auseinandersetzung mit Musils „Mann ohne Eigenschaften“. = Musil paraphrases. An Artist's Approach to Musils „Man without Qualities“. Band 2. Mit Illustrationen von Brigitta Westphal und einem Vorwort von Karl Corino. Peter Lang, Bern 1999, ISBN 3-906761-90-8.
  • Roger Willemsen: Robert Musil. Vom intellektuellen Eros. Piper, München u. a. 1985, ISBN 3-492-05208-8 (Serie Piper 5208 „Porträt“).
  • Norbert Christian Wolf: Kakanien als Gesellschaftskonstruktion. Robert Musils Sozialanalyse des 20. Jahrhunderts (= Literaturgeschichte in Studien und Quellen. Bd. 20). Böhlau, Köln u. a. 2011, ISBN 978-3-205-78740-2 (Zugleich: Berlin, Freie Univ., Habil.-Schr., 2009).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eingeführt wird diese ironisierende Bezeichnung im 8. Kapitel des ersten Werkteils. Das darin anklingende griechische Wort κακός (kakós), dt. = schlecht, kann als negative Wertung Musils verstanden werden.
  2. „Steigend kommt man immer wieder an den gleichen Punkten vorbei, dreht sich über dem vorgezeichneten Grundriß im Leeren. Wie eine Wendeltreppe.“ (Robert Musil: Gesammelte Werke. Herausgegeben von Adolf Frisé. Prosa und Stücke, Kleine Prosa, Aphorismen, Autobiographisches, Essays und Reden. Kritik. Reinbek 1978, S. 402. Zitiert nach Corino 2003, S. 51.)
  3. Corino 2003, S. 23 und 31 f.
  4. Corino 2003, S. 53.
  5. Der Mann ohne Eigenschaften. Bd. 1. Hrsg. von Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg 1978, S. 77. Corino 2003, S. 403.
  6. Der Mann ohne Eigenschaften. Bd. 1. Hrsg. von Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg 1978, S. 462. Corino 2003, S. 417.
  7. Robert Musil: Briefe 1901–1942. Hrsg. von Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg 1981, S. 510. Zitiert nach Pfohlmann 2012, S. 103.
  8. Oliver Pfohlmann: Robert Musil. Reinbek bei Hamburg 2012, S. 103.
  9. Oliver Pfohlmann: Robert Musil. Reinbek bei Hamburg 2012, S. 107. „Auch im Winter 1927/28 soll Musil tagelang rauchend um seinen Schreibtisch geschlichen sein. Ohne therapeutische Hilfe hätte er den ersten Band seines Romans nicht abschließen können, gestand der Dichter später selbst. […] Sein Problem war, sich unter den vielen möglichen sprachlichen Ausgestaltungen seiner Gedanken für eine definitive zu entscheiden.“ (ebenda)
  10. Oliver Pfohlmann: Robert Musil. Reinbek bei Hamburg 2012, S. 68.
  11. „Bei allem Unbestimmten und nicht Festlegbaren, Gedankenexperimenten, Zwei- und Mehrdeutigkeiten, die Musil beschäftigten, gibt es aber, so scheint mir, eine Konstante in seiner Auseinandersetzung mit der Politik, die auch eine Richtschnur seines Schreibens wurde“, schreibt Klaus Amann: „Musil bestimmte seinen politischen und seinen literarischen Standort implizit und explizit dadurch, dass er nicht noch einmal in die Falle des Affekts tappen, nicht noch einmal jener ‹Krankheit› von 1914 verfallen wollte.“ (Amann 2007, S. 42.)
  12. Amann 2007, S. 8.
  13. Amann 2007, S. 33.
  14. Hochstätter 1972, S. 78f.
  15. Der Mann ohne Eigenschaften. Bd. 1, S. 150.
  16. Schelling 1968, S. 19.
  17. Rasch 1967, S. 79.
  18. Der Mann ohne Eigenschaften. Bd. 1, S. 650. „Die Passage hat kanonische Geltung erlangt. Sie gilt als ein Beleg für den ‚Zerfall der großen Erzählung’ als erzählerisches Bekenntnis Musils und als narratologische Bilanz des Romans.“ (Mülder-Bach 2013, S. 375)
  19. Amann 2007, S. 42. „Sein Movens ist der Zweifel und sein Stachel das Fragezeichen, und das bedeutet für das Schreiben ständige Revision und neues Ansetzen.“ (ders. 2007, S. 32)
  20. Precht 1996, S. 37. „Nicht nur eröffnet solch ein Held einen unübersehbaren Freiraum der Rezeption, eine vom Leser in Ulrichs Perspektive vollzogene unausgesetzte Relativierung der faktischen Welt. […] In der ästhetischen Aktualisierung der freien Disponibilität von Ulrichs Romanleben, einem Leben als Lektüre, avanciert der Leser selbst zum Helden des Romans.“ (ders. 1996 ebenda)
  21. Schelling 1968, S. 63. „Der Ausdruck ist vorzüglich, auf hintergründige Weise gescheit und in seiner Unauffälligkeit voller Charme, vieles bedeutend und zugleich von ironischer Laune durchheitert – ein Musilsches Machtwort! […] Die dritte Person wird in Abstand gehalten. Was Seinesgleichen ist und was Seinesgleichen tut, berührt uns nicht.“ (ders. 1968, S. 40.)
  22. Precht 1996, S. 15.
  23. Hochstätter 1972, S. 103f.
  24. Der Mann ohne Eigenschaften, hrsg. Von Adolf Frisé, 6. Aufl. Hamburg 1965, S. 1603. Zitiert nach Hochstätter 1972, 106f.
  25. Hochstätter 1972, S. 107.
  26. Rasch 1967, S. 101.
  27. Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 32. Zitiert nach Strelka 2003, S. 77.
  28. Schelling 1968, S. 74.
  29. Rasch 1967, S. 100f.
  30. Hochstätter 1972, S. 102.
  31. Schelling 1968, S. 74.
  32. Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 16.
  33. Hochstätter 1972, S. 6f.
  34. Rasch 1967, S. 99.
  35. Menges: 1982, S. 12 und 104.
  36. Rasch 1967, S. 102.
  37. Fuder 1979, S. 75.
  38. Hochstätter 1972, S. 127f. Mülder-Bach bemerkt in diesem Zusammenhang: „Als Methode aber wird das Analogisieren zu einer Gratwanderung, bei dem der Absturz in die Beliebigkeit droht. Das Problem steckt nach Musils Überzeugung allerdings in der Sache selbst und ist nicht dadurch zu lösen, daß man es gar nicht erst konfrontiert.“ (Mülder-Bach 2013, S. 236)
  39. Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 9.
  40. Precht 1996, S. 47.
  41. Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 9.
  42. Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 10.
  43. Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 11.
  44. Mülder-Bach 2013, S. 20. „In einer beispiellosen sprachlichen Kompression wird eine phantastische Bahn beschrieben, welche die Fiktion einer Welt zugleich einsetzt, aussetzt und fortsetzt.“ (ebenda)
  45. Fuder 1979, S. 54. „Die Zuordnung von Möglichkeitssinn und Gefühl als möglichen Bestimmungsgrund von Wirklichkeit ist späterhin wesentliches Reflexionsthema in den Aufzeichnungen Ulrichs, als Problem gibt Musil sie schon im Eingangskapitel.“ (ebenda, S. 63)
  46. Rasch 1967, S. 107.
  47. Mülder-Bach schreibt: „ein kleiner semantischer Unfall, ein Witz, in dem ein notabile mit einem nihil sequitur kollidiert.“ (Mülder-Bach 2013, S. 67)
  48. Mülder-Bach 2013, S. 59.
  49. Mülder-Bach 2013, S. 66.
  50. Lothar Georg Seeger: Die Demaskierung der Lebenslüge. Eine Untersuchung zur Krise der Gesellschaft in Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“, Bern und München1969, S. 107.
  51. Rasch 1967, S. 108.
  52. „Sobald es ihm gelegen kommt, kann Musil neue Bezüge nach Belieben anspinnen, ohne an irgendeine psychologische Folgerichtigkeit gebunden zu sein. Ironie und Reflexion haben die Menschen zu Figuren neutralisiert, die Substanz ihres Wesens aufgezehrt und wirken nun als Katalysatoren dieser Chemie der Figuren.“ (Schelling 1968, S. 51)
  53. Strelka 2003, S. 54.
  54. „Von hier aus sind sie zu verstehen, erst in zweiter Linie von ihrer Rolle in den romanhaften Vorgängen aus, die stets sekundär ist, so wie die Vorgänge überhaupt eine sekundäre Schicht des Romans bilden.“ (Rasch 1967, S. 109)
  55. Thomas Pekar: Robert Musil zur Einführung. Hamburg 2007. 1997, S. 118
  56. „Für das Projekt einer poetischen Enzyklopädie bedeutet dies, daß die im Text auftretenden Romanfiguren in eine eigentümliche Zwischenposition geraten. Denn erweisen sich die Personen getreu des idiographischen Anspruchs als stupide Sprachrohre jener Zeitideologien, die sie repräsentieren, so reduziert sich ihre Plastizität auf ein Minimum, was bedeutet, daß sie als Illusionsvorgaben unbrauchbar werden. Andererseits besteht die Notwendigkeit, daß ihr persönliches Profil bestimmte schematisch vorgegebene Grenzen nicht sprengt, denn dann verlieren sie ihre zeittypische Verbindlichkeit.“ (Precht 1996, S. 146)
  57. Precht 1996, S. 174.
  58. Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 47.
  59. Kapitel 40: „Ein Mann mit allen Eigenschaften, aber sie sind ihm gleichgültig. Ein Fürst des Geistes wird verhaftet, und die Parallelaktion erhält ihren Ehrensekretär.“ (Der Mann ohne Eigenschaften 1976, Band 1, S. 151–162)
  60. „Als wandernder Blickpunkt dynamisiert die ‚Funktion‘ Ulrich das Textgeschehen und konfrontiert den Leser mit einer Vielzahl von Positionen, Reflexionen und Situationen. Selbstdisponierbarkeit und freie Inszenierungs-Verfügbarkeit stehen so im Dienst einer universalen Vermittlungs- und Verbindungsstrategie, bei der die einzelnen ausgebreiteten Repertoire-Elemente des Textes immer neue Zusammenhänge ausbilden, in denen sich der (Lebens-) Text des Helden im unausgesetzten Rochieren zwischen den Perspektiven als ein ausschließlich konjunktivischer formuliert.“ (Precht 1996, S. 243f.)
  61. Thomas Pekar: Robert Musil zur Einführung. Hamburg 2007. 1997, S. 120; Corino 2003, S. 843–846.
  62. Hierfür war Djavidan Hanum Musils Inspirationsquelle (Corino 2003, S. 847–850).
  63. Für die Figur der Diotima orientierte Musil sich hauptsächlich an Eugenie Schwarzwald (Corino 2003, S. 860–863).
  64. Hermann Schwarzwald, der Ehemann Eugenies, war die reale Person, die Musil in diesem Fall als Folie nutzte (Corino 2003, S. 864).
  65. „...er wurde überrascht von dem weit verbreiteten Weltverbesserungsbedürfnis, das von der Wärme einer großen Gelegenheit ausgebrütet wird wie Insekteneier bei einem Brand. Damit hatte Se. Erlaucht nicht gerechnet; er hatte sehr viel Patriotismus erwartet, aber er war nicht vorbereitet auf Erfindungen, Theorien, Weltsysteme und Menschen, die von ihm Erlösung aus geistigen Kerkern verlangten.“ (Der Mann ohne Eigenschaften. Bd. 1. Hrsg. von Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg 1978, S. 141) Als Vorlagen für diese Figur dienten Musil Franz von Harrach und Aloys von Liechtenstein (Corino 2003, S. 850).
  66. Arnheim steht für Walther Rathenau, den Musil 1914 persönlich kennengelernt hatte; der Namen für die Figur deutet auf den Baron Arnheim in Oscar Wildes Komödie Ein idealer Gatte hin. (Precht 1996, S. 171f.; Corino 2003, S. 870).
  67. Für Rachel sind die lebendigen Vorlagen laut Corino im Haushalt der Schwarzwalds zu verorten (Corino 2003, S. 868f.); Angelo Soliman war eine aus der Sklaverei in die Dienste des Prinzen Lobkowitz gelangte reale Person des 18. Jahrhunderts, die Musil zu Arnheims Diener machte (Corino 2003, S. 876f.).
  68. Max Becher war die reale Person hinter dieser Figur und einer von Musils militärischen Ausbildern, mit dem er bis zur Emigration aus Österreich 1938 guten Kontakt unterhielt. (Corino 2003, S. 901–903) Das weitere Schicksal der Musil-Figur General Stumm von Bordwehr wird von Wilhelm Muster in Die Hochzeit der Einhörner (1981) ausgesponnen.
  69. Thomas Pekar: Robert Musil zur Einführung. Hamburg 2007. 1997, S. 155.
  70. Als Tatsachenhintergrund diente Musil der Mord an der Gelegenheitsprostituierten Josefine Peer durch Christian Voigt in der Nacht vom 13. auf den 14. August 1910. „In der Tat zeigt sich, daß Musil in seinen Moosbrugger-Kapiteln ganz wenig erfunden und sich auf die Journalisten gestützt habe, die im Gerichtssaal anwesend waren.“ (Corino 2003, S. 882)
  71. Thomas Pekar: Robert Musil zur Einführung. Hamburg 2007. 1997, S. 144–148.
  72. Der tatsächliche Jugendfreund Musils hieß Gustav Donath; seine psychiatrisch erkrankende Frau war Alice Donath, Tochter des Malers Hugo Charlemont. (Corino 2003, S. 293)
  73. „Aber da es das Unglück gewollt hatte, daß sich im Verlauf dieser Ehe die Zeitstimmung von den alten, Leo Fischel günstigen Grundsätzen des Liberalismus, den großen Richtbildern der Freigeistigkeit, der Menschenwürde und des Freihandels abwandte, und Vernunft und Fortschritt in der abendländischen Welt durch Rassentheorien und Straßenschlagworte verdrängt wurden, so blieb auch er nicht unberührt davon.“ (Der Mann ohne Eigenschaften. Bd. 1. Hrsg. von Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg 1978, S. 204) Die Personenvorlagen für die Familie Fischel sind wiederum unter den nach dem Ersten Weltkrieg wie Musil selbst zunächst bei Eugenie und Hermann Schwarzwald Untergekommenen zu vermuten. (Corino 2003, S. 891f.)
  74. In dieser Figur spiegelt sich Musils innere Auseinandersetzung mit Georg Kerschensteiner. (Corino 2003, S. 904–907)
  75. Musil hat sich bei dieser Figur ohne eingehende Kenntnis der Person, wie Corino anmerkt, an Friedrich Wilhelm Foerster abgearbeitet. (Corino 2003, S. 907–911)
  76. Zitiert nach Precht 1996, S. 258.
  77. „Ein Roman, der sich in eine Vielzahl kleinerer Sinnabschnitte untergliedert, stiftet zahlreiche Bezugsmöglichkeiten verschiedener thematischer Komplexe untereinander; zugleich modelliert jedes einzelne Kapitel eine eigene Verweisungsrelation auf den in der Überschrift resümierten Text. […] In pragmatischer Hinsicht bringt die Zerlegung des Erzählgeschehens in die Ansichtenmannigfaltigkeit einzelner Kapitel den Vorteil mit sich, auf eine Unzahl an Überleitungssätzen, epischen Verbindungsfloskeln verzichten zu können, die dort gesicherte Zuordnungen andeuteten, wo der Roman bewußt gegen jede Eindeutigkeit und Einlinigkeit sowohl syntagmatischer wie paradigmatischer Verbindungen anschreibt.“ (Precht 1996, S. 263)
  78. Precht 1996, S. 279f. und 287.
  79. Robert Musil: Tagebücher. Band 1, herausgegeben von Adolf Frisé, Hamburg 1976, S. 973. Zitiert nach Amann 2007, S. 32.
  80. Precht 1996, S. 151.
  81. Robert Musil: Tagebücher. Band 1, herausgegeben von Adolf Frisé, Hamburg 1976, S. 643. Zitiert nach Amann 2007, S. 32.
  82. Schelling 1968, S. 14.
  83. Mülder-Bach 2013, S. 266. „Dieses zugleich verbindende und trennende tertium ist sprachlich ein denkbar unscheinbares Wesen. Es ist nicht mehr als das Bindewörtchen »und«. In der geläufigen Abkürzung »k.u.k.« schrumpft es zwar auf ein bloßes »u.«, doch weicht es auch hier nicht von seinem Platz oder Plätzchen »dazwischen«.“ (Mülder-Bach 2013, S. 270)
  84. Mülder-Bach 2013, S. 448; Der Mann ohne Eigenschaften. Band 2, 1978, S. 1104.
  85. Rasch 1967, S. 95.
  86. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 233f.
  87. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 449.
  88. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 448f.
  89. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 360f.
  90. Schelling 1968, S. 38 f.
  91. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 445.
  92. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 483. „Diese Aporie zwischen geschichtlicher Intention und dem tatsächlichen Geschehen macht den unaufhebbaren Widerspruch in der Parallelaktion aus. Die Paradoxie, daß etwas im Zeichen des Fortschritts geschieht und zugleich sein Gegenteil hervorbringt, findet in Musils Formulierung des »Seinesgleichen geschieht« ihren angemessenen Ausdruck.“ (Fuder 1979, S. 73)
  93. Corino hebt hervor, dass der Musil als lebendige Vorlage für Stumm von Bordwehr dienende Max Becher sechs Semester Philosophie an der Universität Wien studiert hat, „gewiß ungewöhnlich für einen Generalstäbler und vielleicht bezeichnend für seinen ehrgeizigen Versuch, »Ordnung in den Zivilverstand« zu bringen (MoE 370)“. (Corino 2003, S. 902)
  94. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 341 f.
  95. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 179 f. „Der General hatte schon vorher in seiner naiven Art hinter die Masken geschaut und mit der Devise »Si vis pacem para bellum« (180) den Friedenswillen der Parallelaktion korrekterweise mit dem Kriegswillen, der sich hinter den vorgegebenen Absichten verbirgt, identifiziert. Er ist es auch, der später in der der pazifistischen Idee, mit der der junge Dichter Feuermaul die Parallelaktion in seinen Bann schlägt, das im Entstehen begriffene große Ereignis unmittelbar mit dem Krieg in Verbindung setzt.“ (Lothar Georg Seeger: Die Demaskierung der Lebenslüge. Eine Untersuchung zur Krise der Gesellschaft in Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“, Bern und München1969, S. 132)
  96. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 371 f.
  97. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 373 f.
  98. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 374.
  99. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 379 f.
  100. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 977.
  101. Der Mann ohne Eigenschaften. Band 1, 1978, S. 981.
  102. in: Paradigm lost: Über die ethische Reflexion der Moral. Niklas Luhmanns Herausforderung an die Philosophie
  103. Hartmut Böhme: Fetischismus und Kultur – Eine andere Theorie der Moderne, Rowohlt, ISBN 978-3499556777, S. 146
  104. a b Jan Herchenröder: Beschreibungen der modernen Gesellschaft in Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“, Magisterarbeit, Freie Universität Berlin, GRIN Verlag, 1999, ISBN 978-3638505086.
  105. BR Hörspiel Pool-Musil, Der Mann ohne Eigenschaften. Remix