Der Nussknacker

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Schneeflocken-Walzer, Aufführung von Rick Dikeman 1981

Der Nussknacker (russisch Щелкунчик, Shchelkunchik Audio-Datei / Hörbeispiel hören?/i) ist ein ursprünglich russisches Ballett in zwei Akten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Das Weihnachtsmärchen, auf welches das Ballett zurückgeht, Nußknacker und Mausekönig, schrieb E. T. A. Hoffmann im Jahr 1816. Alexandre Dumas’ verkindlichte Version davon wurde um 1892 erstmals von Tschaikowski vertont und ist bis heute eines der populärsten Ballette. Es wird von vielen Theatern und Opernhäusern regelmäßig aufgeführt, meist entsprechend in der Zeit um Weihnachten.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt des Balletts steht das Mädchen Clara (im russischen Original Mascha). Sie ist die Tochter der wohlhabenden Familie Stahlbaum. An Weihnachten kommt ihr Patenonkel Droßlmeier zur großen Bescherung vorbei. Er ist Uhrmacher und Erfinder und beeindruckt die gesamte Familie mit aufziehbaren Figuren. Diese können musizieren und sogar tanzen. Nach der Darbietung hat Droßlmeier noch eine kleine Überraschung aufgespart: ein prächtiger Nussknacker in preußischer Uniform. Sehr zu Claras Bestürzung beschädigt ihr Bruder Fritz den Nussknacker und erbost nimmt sie ihm das Spielzeug weg. In der Nacht träumt sie von einer Schlacht zwischen den vom Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten und dem Heer des Mäusekönigs. Als es für den Nussknacker schlecht aussieht, ergreift Clara einen Pantoffel und wirft ihn dem Mäusekönig an den Kopf. Dieser bleibt darauf hin tot zurück und der Nussknacker verwandelt sich in einen jungen, hübschen Prinzen.

Der Nussknacker erzählt Clara, dass er vor langer Zeit von der Mutter des Mäusekönigs aus Bosheit in eine hässliche Holzpuppe verwandelt worden war. Erst wenn sich ein unschuldiges Kind aufrichtig um ihn sorge und der Nussknacker den bösen Mäusekönig bezwingen würde, dann bekäme der Prinz seine menschliche Gestalt zurück. Claras mutige Aktion und der Tod des Mäusekönigs haben diese Bedingung nun endlich erfüllt. Dankbar und erleichtert bietet der Nussknacker an, Clara ins Reich der Zuckerfee (abweichend auch Reich der Süßigkeiten genannt) mitzunehmen, wo er von der Zuckerfee erwartet würde. Clara ist begeistert und nimmt freudestrahlend an. Die Zuckerfee ist nicht minder erleichtert und erfreut, den Nussknacker wiederzusehen. Aus Freude – und um Clara ihre Dankbarkeit zu erweisen – veranstaltet die Zuckerfee ein fantastisches Fest, bei dem verschiedenste Tänzer und Akrobaten aus aller Herren Länder spektakuläre Auftritte haben. Russische Tänzer tanzen den Trepak, arabische Bauchtänzerinnen treten auf, Tanzende Rohrflöten und eine Gruppe chinesischer Akrobaten erscheinen und vieles mehr. Jedes Land überreicht Clara dabei jeweils traditionelle Leckereien und Getränke. Zum krönenden Abschluss tanzen Nussknacker und Zuckerfee einen eleganten Walzer. Danach reist Clara in einem Rentierschlitten wieder nach Hause, wo sie sich in ihr Bettchen zurück schleichen kann, ohne dass Familie und Geschwister etwas davon merken.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschaikowski wurde zu diesem Werk durch ein Theaterstück angeregt, das sein Bruder Modest für die Kinder seiner Schwester geschrieben hatte. Tschaikowski erzählte Marius Petipa von diesem Familientheater, der daraufhin ein Libretto verfasste. Petipa wollte ursprünglich auch die Choreographie übernehmen, überließ sie dann aber krankheitsbedingt Lew Iwanow. Das Werk wurde am 18. Dezember 1892 zum ersten Mal im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg in der Choreographie von Iwanow und der Ausstattung durch den Operndirektor Iwan Wsewoloschski aufgeführt, weniger als ein Jahr vor Tschaikowskis Tod.

Von Iwanows Original verblieben vor allem der Pas de deux der Zuckerfee und ihres Kavaliers. Die offene Dramaturgie des Balletts sowie seine Verbindung von märchenhaften und dekorativen Momenten forderten immer wieder zu neuen Choreographien heraus: zum Beispiel von Fedor Lopuchow (1928), Wassili Wainonen (1934), Nicholas Sergejew (1934), George Balanchine (1954), Juri Grigorowitsch (1966), Rudolf Nurejew (1968), John Neumeier (1971), Heinz Spoerli (1980), Jochen Ulrich, Günter Pick und Christian Spuck.

Besetzung und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orchesterbesetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchester ist romantisch besetzt:

3 Flöten (2. und 3. auch Piccolo), 3 Oboen (3. Englischhorn), 3 Klarinetten (1. und 2. in A und B, 3. Bassklarinette), 2 Fagotte, 4 Hörner in F, 2 Trompeten in A und B, 3 Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagwerk (3 Spieler: Becken, große Trommel, Tamtam, Triangel, Tamburin, Kastagnetten, Ratsche[1], Glockenspiel), Celesta[2], 2 Harfen, Streicher.

Im ersten Bild tritt im „Tanz des Großvaters“ eine Bühnenmusik aus spielenden Kindern auf, die mit obligater Spielzeugtrompete und -Trommeln[3] sowie mit Spielzeugbecken sowie Kuckucks- und Wachtelflöten (in C-Dur) ad libitum besetzt ist.[4] Außerdem ertönt ein Schuss.

Im zweiten Bild singt im „Schneewalzer“ ein zweistimmiger Frauen- oder Kinderchor[5] eine Vokalise hinter der Bühne.

Bemerkenswert ist der solistische Einsatz der Celesta: Der „Tanz der Zuckerfee“ im zweiten Akt ist eine der ersten Kompositionen, die das Instrument als Teil des Sinfonieorchesters verwenden und bis heute das bekannteste Stück des klassischen Repertoires für Celesta.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ballett ist die musikalische Darstellung märchenhafter Einzelszenen. Neben der Ouvertüre hat das Werk nur zwei Akte.

  • Ouvertüre
  • 1. AktErstes Bild
    • 1. Weihnachtsfeier. Schmücken und Erleuchten des Weihnachtsbaumes
    • 2. Marsch der Zinnsoldaten
    • 3. Kleiner Galopp der Kinder und Auftritt der Eltern
    • 4. Droßelmeiers Bescherung
    • 5. Großvatertanz
    • 6. Clara und der Nussknacker
    • 7. Schlacht der Mäuse und Pfefferkuchen-Soldaten
  • Zweites Bild
    • 8. Im Tannenwald
    • 9. Schneeflocken-Walzer
  • 2. AktDrittes Bild

Die Nussknacker-Suite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Ballett abgeleitete Suiten wurden sehr populär. Es gibt verschiedene Versionen dieser Suiten, bei denen Reihenfolge und verwendete Sätze variieren, darunter eine Version von Tschaikowski selbst (op. 71a). Eine Version wurde in Walt Disneys Fantasia benutzt.

Ein Aufbau im Einzelnen:

    Ouverture miniature
    • Ouverture miniature: Allegro giusto, 2/4 Takt, B-Dur
    • Danses caractéristiques
      • Marche: Tempo di marcia viva, 4/4 Takt, G-Dur
      Danse de la Fée Dragée (Tanz der Zuckerfee)
      • Danse de la Fée Dragée (Tanz der Zuckerfee): Andante non troppo, 2/4 Takt, e-moll
      • Danse russe Trepak (Russischer Tanz): Tempo di Trepak, molto vivace, 2/4 Takt, G-Dur
      • Danse arabe (Arabischer Tanz): Allegretto, 3/8 Takt, g-moll
      • Danse chinoise (Chinesischer Tanz): Allegro moderato, 4/4 Takt, B-Dur
      • Danse des mirlitons (Tanz der Rohrflöten): Moderato assai, 2/4 Takt, D-Dur
    • Valse des fleurs (Blumenwalzer): Tempo di Valse, 3/4 Takt, D-Dur

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Zeichentrickfilm „Der Nussknackerprinz“ 1990 von Paul Schibli
  • Ein sowjetischer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1973 mit dem Titel Щелкунчик (Schtschelkuntschik, „Der Nussknacker“) verwendet die Musik des Ballettstücks als Untermalung der wortlosen Handlung.
  • Der computeranimierte US-amerikanische Film Barbie and the Nutcracker von 2001 (Lions Gate Films) und der kanadische Zeichentrickfilm The Nutcracker Prince (74 Minuten Spielzeit) arbeiten die Suite ebenfalls in ihre Handlung ein.
  • Der 2009 durch den russischen Theaterregisseur Andrei Kontschalowski inszenierte britische Film Der Nussknacker orientiert sich ebenfalls an der Handlung des Balletts sowie der literarischen Vorlage von E.T.A. Hoffmann, weicht im Detail aber in vielen Punkten ab.
  • Im November 2018 kam der US-amerikanische Fantasyfilm Der Nussknacker und die vier Reiche ins Kino.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Koegler, Helmut Günther: Reclams Ballettlexikon, Stuttgart, Reclam, 1984, ISBN 3-15-010328-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Der Nussknacker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Dieses Instrument ist dasselbe, das in den Spielzeugsinfonien von Haydn und Romberg verwendet wird. Es ist in fast jedem Musikgeschäft erhältlich.“
  2. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Wo eine Celesta nicht verfügbar ist, kann die Stimme auf dem Klavier gespielt werden.“
  3. Die Partitur enthält folgende Anmerkungen: „Die Instrumente sind identisch mit denen, die in Pique-Dame (1. Szene) verwendet werden. Zwei oder mehr Kinderspielzeugtrommeln sollten auf der Bühne verwendet werden. Der ausführende Trommler sollte keine kleine Trommel, sondern eine Kindertrommel (tambour d’enfant) verwenden.“
  4. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Zusätzlich zu den beiden in der Partitur bereits genannten Instrumenten […] können die Kinder Instrumente, die typischerweise mit Kindersinfonien in Verbindung gebracht werden, zum Beispiel eine Kuckucks- oder Wachtelflöte, Becken usw.“
  5. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Ein Chor aus 24 Frauen- oder Kinderstimmen. Der Chor sollte aus zwölf Sopran- und zwölf Altstimmen bestehen. Zwar wäre es erstrebenswerter, die Stimmen von Kirchenchorjungen zu haben, werden vierundzwanzig geschulte Frauenstimmen, die aus dem Opernchor ausgewählt werden, genügen.“