Der Nussknacker

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Der Nussknacker (Begriffsklärung) aufgeführt.
Russische Briefmarken von 1992 zum 100. Jahrestag der Uraufführung der Nussknackersuite
Schneeflocken-Walzer, Aufführung von Rick Dikeman 1981

Der Nussknacker (russisch Щелкунчик, Schtschelkuntschik) ist ein Ballett in drei Akten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Nußknacker und Mausekönig wurde von E. T. A. Hoffmann geschrieben. Alexandre Dumas’ Version der Geschichte wurde später von Pjotr Iljitsch Tschaikowski vertont und zu einem der populärsten Ballette. Es wird von vielen Theatern und Opernhäusern regelmäßig – meist um die Weihnachtszeit herum – aufgeführt.

Der Komponist wurde zu diesem Werk durch ein Theaterstück angeregt, das sein Bruder Modest für die Kinder seiner Schwester geschrieben hatte. Tschaikowski erzählte Marius Petipa von diesem Familientheater, der daraufhin ein Libretto verfasste. Petipa wollte ursprünglich auch die Choreographie übernehmen, überließ diese dann aber krankheitsbedingt Lew Iwanow. Das Werk wurde am 18. Dezember 1892 zum ersten Mal im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg in der Choreographie von Iwanow und der Ausstattung durch den Operndirektor Iwan Wsewoloschski aufgeführt, weniger als ein Jahr vor Tschaikowskis Tod.

Von Iwanows Original verblieben vor allem der Pas de deux der Zuckerfee und ihres Kavaliers. Die amorphe Dramaturgie des Balletts begünstigte das Entstehen immer neuer Inszenierungs-Konzepte, so von Fedor Lopuchow (1928), Wassili Wainonen (1934), Nicholas Sergejew (1934), George Balanchine (1954), Juri Grigorowitsch (1966), Rudolf Nurejew (1968), John Neumeier (1971) und Heinz Spoerli (1980).

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt des Balletts steht Clara, im russischen Original Mascha. Sie bekommt am Weihnachtsabend von ihrem Patenonkel Droßelmeier einen Nussknacker geschenkt. Als sie sich hinlegt, schläft sie ein und träumt von einer Schlacht der vom Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten gegen das Heer des Mäusekönigs. Mit ihrer Hilfe siegt der Nussknacker, der sich danach in einen Prinzen verwandelt und mit ihr in das Reich der Süßigkeiten reist. Dabei geht es über den Tannenwald zum Schloss Zuckerburg, wo die dort residierende Zuckerfee zu Ehren ihrer Gäste ein Fest veranstaltet. Zuletzt erwacht Clara aus ihrem Traum.

Aufbau des Balletts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ballett ist die musikalische Darstellung märchenhafter Einzelszenen. Neben der Ouvertüre hat das Werk drei Akte.

  • Ouvertüre
  • 1. AktErstes Bild
    • 1. Weihnachtsfeier. Schmücken und Erleuchten des Weihnachtsbaumes
    • 2. Marsch der Zinnsoldaten
    • 3. Kleiner Galopp der Kinder und Auftritt der Eltern
    • 4. Droßelmeiers Bescherung
    • 5. Großvatertanz
      • a) die Puppe
      • b) der Narr
      • c) der Mohr
    • 6. Tanz der Erwachsenen
  • 2. Aktzweites Bild
    • 7. Mascha geht zu Bett
    • 8. Schlacht der Mäuse und Pfefferkuchen-Soldaten
    • 9. Eingreifen vom Nussknacker und Rettung durch Mascha
    • 10. Verwandlung des Nussknackers in einen Prinzen
  • drittes Bild
    • 11. Im Tannenwald
    • 12. Schneeflocken-Walzer (Schneesturm)
  • 3. Aktviertes Bild
    • 13. Im Zauberschloss von Zuckerburg
    • 14. Divertissement
      • a) Schokolade — Spanischer Tanz (Bolero)
      • b) Kaffee — Arabischer Tanz
      • c) Tee — Chinesischer Tanz
      • d) Trepak — Russischer Tanz
      • e) Tanz der Rohrflöten — Pas de trois
      • f) Mutter Gigoen und die Polichinelles
    • 15. Blumenwalzer
    • 16. Pas de deux
    • 17. Finale und Apotheose
    • 18. Erwachen Maschas aus dem Traum

Die Nussknacker-Suite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Ballett abgeleitete Suiten wurden sehr populär. Es gibt verschiedene Versionen dieser Suiten, bei denen Reihenfolge und verwendete Sätze variieren, darunter eine Version von Tschaikowski selbst (op. 71a). Eine Version wurde in Walt Disneys Fantasia benutzt.

Ein Aufbau im Einzelnen:

  • Ouverture miniature: Allegro giusto, 2/4 Takt, B-Dur
  • Danses caractéristiques
  • Marche: Tempo di marcia viva, 4/4 Takt, G-Dur
  • Danse de la Fée Dragée (Tanz der Zuckerfee): Andante non troppo, 2/4 Takt, e-moll
  • Danse russe Trepak (Russischer Tanz): Tempo di Trepak, molto vivace, 2/4 Takt, G-Dur
  • Danse arabe (Arabischer Tanz): Allegretto, 3/8 Takt, g-moll
  • Danse chinoise (Chinesischer Tanz): Allegro moderato, 4/4 Takt, B-Dur
  • Danse des mirlitons (Tanz der Rohrflöten): Moderato assai, 2/4 Takt, D-Dur
  • Valse des fleurs (Blumenwalzer): Tempo di Valse, 3/4 Takt, D-Dur

Animationsfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein sowjetischer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1973 mit dem Titel Щелкунчик (Schtschelkuntschik, „Der Nussknacker“) verwendet die Musik des Ballettstücks als Untermalung der ansonsten textlosen Handlung.
  • Der computeranimierte US-amerikanische Film Barbie and the Nutcracker von 2001 (Lions Gate Films) und der kanadische Zeichentrickfilm The Nutcracker Prince (74 Minuten Spielzeit) arbeiten die Suite ebenfalls in ihre Handlung ein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Koegler, Helmut Günther: Reclams Ballettlexikon, Stuttgart, Reclam, 1984, ISBN 3-15-010328-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Der Nussknacker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien