Der Nussknacker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schneeflocken-Walzer, Aufführung von Rick Dikeman 1981

Der Nussknacker (russisch Щелкунчик, Schtschelkuntschik Audio-Datei / Hörbeispiel hören?/i) ist ein Ballett in zwei Akten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Nußknacker und Mausekönig schrieb E. T. A. Hoffmann. Alexandre Dumas’ Version wurde später von Pjotr Iljitsch Tschaikowski vertont und ist eines der populärsten Ballette. Es wird von vielen Theatern und Opernhäusern regelmäßig – meist in der Zeit um Weihnachten – aufgeführt.

Der Komponist wurde zu diesem Werk durch ein Theaterstück angeregt, das sein Bruder Modest für die Kinder seiner Schwester geschrieben hatte. Tschaikowski erzählte Marius Petipa von diesem Familientheater, der daraufhin ein Libretto verfasste. Petipa wollte ursprünglich auch die Choreographie übernehmen, überließ sie dann aber krankheitsbedingt Lew Iwanow. Das Werk wurde am 18. Dezember 1892 zum ersten Mal im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg in der Choreographie von Iwanow und der Ausstattung durch den Operndirektor Iwan Wsewoloschski aufgeführt, weniger als ein Jahr vor Tschaikowskis Tod.

Von Iwanows Original verblieben vor allem der Pas de deux der Zuckerfee und ihres Kavaliers. Die offene Dramaturgie des Balletts sowie seine Verbindung von märchenhaften und dekorativen Momenten forderten immer wieder zu neuen Choreographien heraus: zum Beispiel von Fedor Lopuchow (1928), Wassili Wainonen (1934), Nicholas Sergejew (1934), George Balanchine (1954), Juri Grigorowitsch (1966), Rudolf Nurejew (1968), John Neumeier (1971), Heinz Spoerli (1980), Jochen Ulrich, Günter Pick und Christian Spuck.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt des Balletts steht Clara, im russischen Original Mascha. Sie bekommt am Weihnachtsabend von ihrem Patenonkel Droßelmeier einen Nussknacker geschenkt. In der Nacht träumt sie von einer Schlacht der vom Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten gegen das Heer des Mäusekönigs. Mit ihrer Hilfe siegt der Nussknacker, der sich danach in einen Prinzen verwandelt und mit ihr in das Reich der Süßigkeiten reist. Dabei geht es über den Tannenwald zum Schloss Zuckerburg, wo die dort residierende Zuckerfee zu Ehren ihrer Gäste ein Fest veranstaltet. Zuletzt erwacht Clara aus ihrem Traum.

Besetzung und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orchesterbesetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchester ist romantisch besetzt:

3 Flöten (2. und 3. auch Piccolo), 3 Oboen (3. Englischhorn), 3 Klarinetten (1. und 2. in A und B, 3. Bassklarinette), 2 Fagotte, 4 Hörner in F, 2 Trompeten in A und B, 3 Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagwerk (3 Spieler: Becken, große Trommel, Tamtam, Triangel, Tamburin, Kastagnetten, Ratsche[1], Glockenspiel), Celesta[2], 2 Harfen, Streicher.

Im ersten Bild tritt im „Tanz des Großvaters“ eine Bühnenmusik aus spielenden Kindern auf, die mit obligater Spielzeugtrompete und -Trommeln[3] sowie mit Spielzeugbecken sowie Kuckucks- und Wachtelflöten (in C-Dur) ad libitum besetzt ist.[4] Außerdem ertönt ein Schuss.

Im zweiten Bild singt im „Schneewalzer“ ein zweistimmiger Frauen- oder Kinderchor[5] eine Vokalise hinter der Bühne.

Bemerkenswert ist der solistische Einsatz der Celesta: Der „Tanz der Zuckerfee“ im zweiten Akt ist eine der ersten Kompositionen, die das Instrument als Teil des Sinfonieorchesters verwenden und bis heute das bekannteste Stück des klassischen Repertoires für Celesta.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ballett ist die musikalische Darstellung märchenhafter Einzelszenen. Neben der Ouvertüre hat das Werk nur zwei Akte.

  • Ouvertüre
  • 1. AktErstes Bild
    • 1. Weihnachtsfeier. Schmücken und Erleuchten des Weihnachtsbaumes
    • 2. Marsch der Zinnsoldaten
    • 3. Kleiner Galopp der Kinder und Auftritt der Eltern
    • 4. Droßelmeiers Bescherung
    • 5. Großvatertanz
    • 6. Clara und der Nussknacker
    • 7. Schlacht der Mäuse und Pfefferkuchen-Soldaten
  • Zweites Bild
    • 8. Im Tannenwald
    • 9. Schneeflocken-Walzer
  • 2. AktDrittes Bild

Die Nussknacker-Suite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Ballett abgeleitete Suiten wurden sehr populär. Es gibt verschiedene Versionen dieser Suiten, bei denen Reihenfolge und verwendete Sätze variieren, darunter eine Version von Tschaikowski selbst (op. 71a). Eine Version wurde in Walt Disneys Fantasia benutzt.

Ein Aufbau im Einzelnen:

    Ouverture miniature
    • Ouverture miniature: Allegro giusto, 2/4 Takt, B-Dur
    • Danses caractéristiques
      • Marche: Tempo di marcia viva, 4/4 Takt, G-Dur
      Danse de la Fée Dragée (Tanz der Zuckerfee)
      • Danse de la Fée Dragée (Tanz der Zuckerfee): Andante non troppo, 2/4 Takt, e-moll
      • Danse russe Trepak (Russischer Tanz): Tempo di Trepak, molto vivace, 2/4 Takt, G-Dur
      • Danse arabe (Arabischer Tanz): Allegretto, 3/8 Takt, g-moll
      • Danse chinoise (Chinesischer Tanz): Allegro moderato, 4/4 Takt, B-Dur
      • Danse des mirlitons (Tanz der Rohrflöten): Moderato assai, 2/4 Takt, D-Dur
    • Valse des fleurs (Blumenwalzer): Tempo di Valse, 3/4 Takt, D-Dur

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Zeichentrickfilm „Der Nussknackerprinz“ 1990 von Paul Schibli
  • Ein sowjetischer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1973 mit dem Titel Щелкунчик (Schtschelkuntschik, „Der Nussknacker“) verwendet die Musik des Ballettstücks als Untermalung der wortlosen Handlung.
  • Der computeranimierte US-amerikanische Film Barbie and the Nutcracker von 2001 (Lions Gate Films) und der kanadische Zeichentrickfilm The Nutcracker Prince (74 Minuten Spielzeit) arbeiten die Suite ebenfalls in ihre Handlung ein.
  • Der 2009 durch den russischen Theaterregisseur Andrei Kontschalowski inszenierte britische Film Der Nussknacker orientiert sich ebenfalls an der Handlung des Balletts sowie der literarischen Vorlage von E.T.A. Hoffmann, weicht im Detail aber in vielen Punkten ab.
  • Im November 2018 kam der US-amerikanische Fantasyfilm Der Nussknacker und die vier Reiche ins Kino.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Koegler, Helmut Günther: Reclams Ballettlexikon, Stuttgart, Reclam, 1984, ISBN 3-15-010328-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Der Nussknacker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Dieses Instrument ist dasselbe, das in den Spielzeugsinfonien von Haydn und Romberg verwendet wird. Es ist in fast jedem Musikgeschäft erhältlich.“
  2. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Wo eine Celesta nicht verfügbar ist, kann die Stimme auf dem Klavier gespielt werden.“
  3. Die Partitur enthält folgende Anmerkungen: „Die Instrumente sind identisch mit denen, die in Pique-Dame (1. Szene) verwendet werden. Zwei oder mehr Kinderspielzeugtrommeln sollten auf der Bühne verwendet werden. Der ausführende Trommler sollte keine kleine Trommel, sondern eine Kindertrommel (tambour d'enfant) verwenden.“
  4. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Zusätzlich zu den beiden in der Partitur bereits genannten Instrumenten [...] können die Kinder Instrumente, die typischerweise mit Kindersinfonien in Verbindung gebracht werden, zum Beispiel eine Kuckucks- oder Wachtelflöte, Becken usw.“
  5. Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Ein Chor aus 24 Frauen- oder Kinderstimmen. Der Chor sollte aus zwölf Sopran- und zwölf Altstimmen bestehen. Zwar wäre es erstrebenswerter, die Stimmen von Kirchenchorjungen zu haben, werden vierundzwanzig geschulte Frauenstimmen, die aus dem Opernchor ausgewählt werden, genügen.“