Der Pfarrer von Wakefield

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Thomas Rowlandson Dr. Primrose, Pfarrer von Wakefield

Der Pfarrer von Wakefield (engl. The Vicar of Wakefield. A Tale. Supposed to Be Written by Himself) ist der einzige Roman des irischen Autors Oliver Goldsmith. Geschrieben hat er ihn zwischen 1761 und 1762. 1766 wurde der Roman in einer zweibändigen Ausgabe erstmals veröffentlicht.

Der im 18. und 19. Jahrhundert überaus erfolgreiche Roman hat die literarische Tradition in Großbritannien nachhaltig geprägt. Zitiert wird er u.a. in Emma von Jane Austen, David Copperfield und Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens, Middlemarch von George Eliot, Frankenstein von Mary Shelley, The Professor und Villette von Charlotte Brontë, Little Women von Louisa May Alcott, in Vie de Henri Brulard von Stendhal sowie von Johann Wolfgang von Goethe in Die Leiden des jungen Werther und in Dichtung und Wahrheit und von Arthur Schopenhauer in Die Kunst, Recht zu behalten.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charakter Details
Reverend Dr. Charles Primrose Erzähler, Pfarrer
Deborah Primrose Ehefrau von Dr. Primrose
George Primrose altester Sohn der Familie Primrose, ehemaliger Oxfordstudent, später Ehemann von Arabella Wilmot
Olivia Primrose alteste Tochter der Familie Primrose, später Ehefrau von Ned Thornhill
Sophia jüngste Tochter der Familie Primrose, später Ehefrau von Sir William Thornhill
Moses zweitältester Sohn der Familie Primrose, soll einmal Geschäftsmann werden
Dick und Bill die beiden jüngsten Kinder der Familie Primrose
Ned Thornhill Neffe von Sir William Thornhill, Frauenheld und versuchter Polygamist, später Ehemann von Olivia
Sir William Thornhill, Mr. Burchell wohlhabender Grundbesitzer, der sich als Vagabund ausgibt, später Ehemann von Sophia

Übersicht über die Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Mulready: Der Kauf des Hochzeitskleides

Im ersten Kapitel wird dem Leser das harmonische Leben der Familie Primrose präsentiert, die als gastfreundlich vorgestellt werden. Ehefrau und Kinder werden bekanntgemacht.

Im nächsten Kapitel geht der Ton weiter. Primrose erzählt von Altruismus und Monogamie. Der älteste Sohn, George, wirbt um Arabella Wilmot. Weiter geht es mit Hochzeitsvorbereitungen. Ein Konflikt entspinnt sich, als sich ein Gespräch mit dem Vater der Braut über Monogamie ergibt. Schließlich platzt auch aus finanziellen Verlusten die Hochzeit zwischen George und Arabella.

Das dritte Kapitel beginnt mit der ersten Zeit nach der Verarmung. George wird in die Stadt entsendet und Pfarrer Primrose verlässt die Gemeinde. Während des Umzugs lernen sie Mr. Burchell kennen, der sie fortan begleitet. Buchell erzählt vom Grundbesitzer Sir William Thornhill, in dessen Gebiet die Primroses ziehen. Am Ende des Kapitels rettet er Sophia vor dem Ertrinken.

Zu Beginn des Folgekapitels ist die Familie in der neuen Nachbarschaft angekommen. Reverend Dr. Charles Primrose verdingt sich als Farmer, Familienvater und Prediger. Alle Familienmitglieder erscheinen in übertrieben prächtigen Gewändern zum Kirchgang.

Das fünfte Kapitel beginnt bei einem Picknick im Freien. Sie lernen Thornhill kennen, der Teil eines vorbeiziehenden Jägertrupps ist. Die Frauen erhoffen sich eine segensreiche Verbindung.

Im nächsten Kapitel lässt Mr. Burchell sein Interesse für Sophia erkennen und auch Sophia, so muss Primrose feststellen, scheint verliebt in Burchell. Primrose setzt sich durch und verhindert, dass die Frauen eitel Make-up auftragen.

Im Kapitel 7 besuchen Thornhill und Bekannte die Primroses. Burchell erzählt, dass Thornhill jetzt mit Arabella Willmot liiert ist. Tochter Olivia beginnt Gefallen an Thornhill zu finden. Die Gesellschaft mach sich über den zweitältesten Sohn Moses lustig.

Im achten Kapitel erkennt der Leser, dass Burchell Sophia, die jüngste Tochter, mag. Es werden Gedichte vorgetragen und Sophia flüchtet sich zum Schutz in Burchells Arme. Thornhills Kaplan mag Sophia. Es wird eine Einladung zu Thornhills Mondlichtball ausgesprochen. Überraschend weißt Burchell Sophia zurück.

In diesem Kapitel findet der angekündigte Ball statt. Londoner Damen bestätigen, dass es Primroses Töchtern an kultivierenden Lebens in London mangelt. Ned Thornhill spielt auf eine Verbindung mit Olivia an.

Im zehnten Kapitel ignoriert die Familie Belehrungen und Prinzipien. Eine Zigeunerin prophezeit, dass Olivia einen Esquire und Sophia einen Lord heiraten wird. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht die Familie glücklich. Sie plant einen Kirchgang in anständiger Kleidung und mit Kutsche. Familienoberhaupt Primrose geht vor zur Kirche und die restliche Familie erscheint zu spät zum Gottesdienst.

Im folgenden Kapitel findet die Weihnachtsfeier statt. Londoner Damen sehen Primroses Töchter bei einem unkultivierten Spiel. Doch die Bekanntschaft mit den Damen verbessert sich, sogar soweit, dass die Aussicht auf ein Leben in London für die Tochter ins Gespräch kommt. Burchell verhält sich schlecht in der Gegenwart der Londoner Damen.

E. Frére: Dr. Primrose wütend nach Olivias Verschwinden (Kap. 17)

In Kapitel 12 wird Moses zum Verkauf eines Pferds fortgeschickt und dabei betrogen. Im Ort geht das Gerücht um, dass Olivia Thornhill heiraten wird. Burchell warnt die Familie vor den Damen aus London, wodurch es zu einem Konflikt mit Burchell kommt.

Kapitel 13 erzählt eine Geschichte vom Zwerg und vom Riesen, die zusammen Abenteuer bestehen. Burchell ist dagegen, dass die Töchter nach London gehen.

Im Folgekapitel soll Primrose das letzte Pferd verkaufen, um Geld für das Aussehen seiner Töchter zu erwirtschaften. Zunächst will niemand das Pferd kaufen, schließlich findet sich doch ein Käufer. Doch der Scheck sollte später platzen. Die Töchter ihrerseits können wegen eines negativen Berichts über die Familie nicht nach London reisen.

Der negative Bericht entpuppt sich im 15. Kapitel als Brief von Burchell. Die Familie plant, Burchell beim nächsten Besuch damit zu konfrontieren. Das nächste Zusammentreffen beginnt zu nächst freundlich, bis man ihn zur Rede stellt.

Kapitel 16 berichtet, dass Thornhills Besuche häufiger werden. Die Hoffnung auf eine Verbindung zwischen Olivia und Thornhill steigt. Es wird ein Familienporträt mit Thornhill erstellt. Deborah will Thornhill dazu bringen, Olivia einen Antrag zu machen.

Im letzten Kapitel kommt es zum Wendepunkt. Olivia willigt ein, wenn Thornhill ihr nicht bald einen Antrag macht, Farmer William zu heiraten. Doch Thornhill reagiert nicht darauf, dass Farmer William gegen ihn ausgespielt wird. Primrose ist erfreut, dass er glücklich alt werden kann. Olivia erregt Wut, indem sie mit einem unbekannten Liebhaber wegläuft. Primrose macht sich auf, um sie zu finden.

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ich-Erzähler und Protagonist Dr. Charles Primrose schildert im Rückblick, wie es zum Abstieg und Aufstieg seiner Familie kam. Da der rückblickende Erzähler mehr Wissen über das Geschehen hat als die Figur selbst im Moment des Erlebens, kann er dem Leser immer wieder Hinweise zum weiteren Verlauf der Handlung geben. Die Perspektive des Erzählers ist auf Dr. Primrose begrenzt, so dass der Leser nur erfährt, was Primrose denkt oder vermutet.

Die Ich-Erzählsituation wird mehrfach von nicht narrativen Elementen durchbrochen, so z.B.: Ballade[1]; Gespräch über die sich verändernde Welt (S. 62), Allegorie über Schuld und Schande (S. 68f.), Klagelied (S. 76f.), Allegorie über das Wandeln durch das finstere Tal des Elends (S. 82f.), Primroses Monolog über Freiheit, Politik, Reichtum, Handel und Monarchie(S. 85–88), Unterhaltung mit Mitgliedern der Theatergruppe über den gegenwärtigen Geschmack (S. 83f.), Predigt im Gefängnis über Bestrafung, (S. 133f.), Matildas Tragödie (S. 115–117), Geschichte vom Riesen und vom Zwerg (S. 57f.).

Des Weiteren gibt es mehrere kurze Binnenerzählungen, die in indirekten Rede aus der Perspektive anderer Charaktere erzählt werden. Dementsprechend schildert George von seinem Verbleib und Sophia und Olivia von ihren Entführungen.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Vicar of Wakefield (1910), Filmstill

Aus den Anfängen des Kinos gibt es eine Reihe von Stummfilmen in unterschiedlicher Länge. Die letzte Verfilmung des Romans in der Reihe stammt von Ernste C. Warde und ist ein vollständiger Spielfilm von 90 min. Länge.

  • The Vicar of Wakefield, Regie Theodore Marston, 1910 [2]
  • The Vicar of Wakefield, Regie Frank Powell, 1912
  • The Vicar of Wakefield, Regie Frank Wilson, 1913
  • The Vicar of Wakefield, Regie John Douglas, 1913
  • The Vicar of Wakefield, Regie Fred Paul, 1916
  • The Vicar of Wakefield, Regie Ernest C. Warde, 1917

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Vicar of Wakefield. A Tale, Supposed to be written by Himself. 2 Bde. London: Collins 1766.
  • The Vicar of Wakefield. With illustrations by Hugh Thomson. Hertfordshiere: Wordsworth 1998. ISBN 1-85326747-3
deutsche Übersetzungen
  • Der Landpriester von Wakefield. Ein Märchen, das er selbst soll geschrieben haben. Übersetzung Johann Gottfried Gellius. [Deutsche Erstausgabe]. Leipzig: Weidmann u. Reich 1767
  • Der Landprediger von Wakefield. Eine Erzählung. Übersetzt von Ernst Susemihl. Mit Illustrationen von Ludwig Richter. Berlin: A. Hofmann & Comp. 1853.
  • Der Landpfarrer von Wakefield. Aus d. Engl. von Ilse Buchholz. Nachwort: Eberhard Brüning. Mit Holzstichen von Andreas Brylka. Leipzig: Dieterich 1959. (Sammlung Dieterich. 112.)
  • Der Landpfarrer von Wakefield. Aus dem Englischen von Otto Weith. Stuttgart: Reclam 1971.
  • Der Vikar von Wakefield. Neubearbeitet von Linus Kefer. Mit 40 Illustrationen von Alfred Kubin. Wien, Stuttgart: Wancura 1977.
  • Der Pfarrer von Wakefield. Eine angeblich von ihm selbst verfaßte Geschichte. Aus d. Engl. übertr. von Andreas Ritter. Nachw. von David Wells. Mit 10 Ill. von Tony Johannot. Zürich: Manesse-Verl. 1985. ISBN 978-3-717-51692-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle Belege aus: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield. Oxford University Press, Oxford 2008, Hier S. 35–40.
  2. Vollständige Fassung, deutsch synchronisiert, youtube, abgerufen am 7. September 2017