Der Widerspenstigen Zähmung

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Der Widerspenstigen Zähmung (Begriffsklärung) aufgeführt.
Der Widerspenstigen Zähmung von Charles Robert Leslie

Der Widerspenstigen Zähmung (engl. The Taming of the Shrew) ist der Titel eines Theaterstückes von William Shakespeare. Es spielt in der italienischen Stadt Padua und handelt von dem reichen Kaufmann Baptista und den Umständen der Heirat seiner beiden Töchter Bianca und Katharina.

In der modernen Shakespeare-Forschung wird allgemein angenommen, dass die Abfassung des Stückes, das mit Sicherheit zu der Gruppe der frühesten Komödien Shakespeares gehört, vor dem Jahr 1593, möglicherweise bereits 1592, abgeschlossen wurde. Eine genaue Datierung des Werkes bleibt jedoch so lange ungewiss, wie nicht die Beziehung zu der erstmals 1594 anonym veröffentlichten Komödie The Taming of a Shrew, die sowohl in der Handlungsstruktur als auch sprachlich-stilistisch an entscheidenden Stellen erheblich von The Shrew abweicht, eindeutig geklärt werden kann.[1][2]

Als erstes überliefertes Aufführungsdatum gilt aufgrund eines Eintrags in Henslowes Tagebuch zumeist der Juni 1594.[3] Der einzige authentische Text findet sich in der First Folio von 1623. Als Quelle für die Intrigenhandlung um Bianca und ihre drei Freier gilt die Komödie Supposes von George Gascoigne, der wiederum I Suppositi von Ludovico Ariosto zugrunde liegt.[4] Frühe Adaptionen und Übersetzungen belegen, dass das Stück zu Shakespeares Zeit sehr beliebt war. Die Rahmenhandlung um den betrunkenen Kesselflicker Schlau (Sly) lässt sich auf ein volkstümliches Motiv zurückführen, das bereits in den Märchen aus 1001 Nacht vorkommt.[5]

Aufgrund der misogynen Handlung wird das Werk heute vor allem unter dem Aspekt der frühneuzeitlichen Geschlechterpolitik gesehen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Prolog der Rahmenhandlung wird Schlau, ein stets betrunkener Kesselflicker, unsanft aus einer Gastwirtschaft entfernt, nachdem er randaliert hat. Er bleibt auf der Straße liegen und schläft ein. Ein Lord, der mit seinem Gefolge von der Jagd nach Hause zurückkehrt, sieht ihn liegen und nimmt ihn mit auf sein Schloss. Er will sich einen Spaß mit dem Mann erlauben. Als Schlau zu sich kommt, liegt er sauber gewaschen und parfümiert in einem reinen Bett, mit Dienerschaft um sich herum. Man redet ihm ein, er sei ein Lord, der 15 Jahre an einer Geisteskrankheit gelitten habe und nun zum Glück seiner Familie und der Dienerschaft wieder zu sich gekommen sei. Vor allem seine Frau – ein hübscher junger Diener, der flugs in Frauenkleider gesteckt wurde – sei nun glücklich, ihren Liebsten wieder bei sich zu wissen. Man redet Schlau ein, dass sein bisher gelebtes Leben nichts als ein Traum gewesen sei, bis er die Geschichte schließlich selbst glaubt. Als eine fahrende Theatertruppe auf das Schloss kommt, spielen ihm die Schauspieler auf Weisung des Lords die folgende Komödie vor.

Padua, der Ort der Handlung (Prato della Valle)

Ort der Handlung ist Padua. Lucentio verliebt sich in Bianca, die jüngere der beiden Töchter Baptistas. Doch hat Baptista bestimmt, dass er eine Heirat seiner jüngeren Tochter nicht erlauben werde, bevor seine ältere Tochter Katharina geheiratet hat. Um Bianca zu gewinnen, muss Lucentio deshalb nicht nur die Mitbewerber Hortensio und Gremio aus dem Weg räumen, sondern auch einen Ehemann für die widerspenstige Katharina, für die sich kein Mann interessiert, finden. Da trifft es sich, dass Petruchio, ein alter Bekannter Hortensios, auftaucht, und auf der Suche nach einer reichen Partie ist. Petruchio erweist sich in einem Wortgefecht als ebenbürtiger Gegner für Katharina und erklärt ihr, er werde sie heiraten, ob sie wolle oder nicht („will you, nill you, I will marry you“, II.i.263). Schließlich widerspricht Katharina nicht mehr, als Petruchio sagt: „kiss me Kate; we will be married o´Sunday“ (II.1.320). Zur Hochzeit kommt Petruchio demonstrativ zu spät und auffallend schlecht gekleidet. Anschließend nimmt er seine neue Ehefrau mit in sein Haus, wo er ihr alle Annehmlichkeiten des Wohlstands vorenthält, und zwar aus vorgeblicher Fürsorge für seine frisch Angetraute. Nach wenigen Tagen, in denen Petruchio sie zu zähmen versucht, muss sich Katharina geschlagen geben, woraufhin Petruchio einwilligt, sie anlässlich der Hochzeit Biancas nach Padua zu begleiten. Auf der Fahrt sagt Petruchio zur Mittagszeit, wie hell der Mond scheine; als Katharina erwidert, die Sonne scheine, weigert er sich, die Fahrt fortzusetzen, bis Katharina zugebe, dass es der Mond sei. Schließlich gibt Katharina nach, worauf Petruchio behauptet, es sei die Sonne.

Lucentio ist es derweil mit einigen Tricks gelungen, Biancas Herz und das Einverständnis ihres Vaters zu gewinnen. Nach dieser Hochzeit wetten die Männer auf einem Bankett, wessen Frau wohl am ehesten dem Ruf ihres Mannes gehorcht. Alle Gäste sind erstaunt, als sich Katharina als die Gehorsamste erweist. Das Stück endet mit einem Monolog der vormals Widerspenstigen, in dem sie ein Loblied auf die Unterwürfigkeit der Frauen singt.

Im Epilog der Rahmenhandlung der Originalversion ist Schlau, als die Aufführung beendet ist, wieder tief und fest eingeschlafen. Der Lord ordnet nun an, den Mann wieder auf die Straße vor das Lokal zu legen, wo er schließlich erwacht, um nach Hause zu seiner Frau zu torkeln, die ihm „die Leviten lesen“ wird.

Datierung der Textentstehung und Aufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite des Quarto aus dem Jahre 1631.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde über die Urheberschaft des Dramas intensiv diskutiert, weil eine inhaltlich zum Teil erheblich abweichende Fassung The Taming of a Shrew (TAS) von dem bekannten, 1623 in der ersten Gesamtausgabe Shakespeares (First Folio) The Taming of the shrew (TTS) abgegrenzt wurde (Albert H. Tolman). TAS erschien anonym 1594, 1596 und 1607 in drei Druckauflagen. Dem Tagebuch Philip Henslowes ist zu entnehmen, dass die früheste dokumentierte Aufführung am 13. Juni 1594, als the Tamynge of A Shrowe erfolgte. Das Verhältnis der beiden Texte – insbesondere die Frage, ob TAS nur eine Vorlage für TTS oder ein von Shakespeare selbst stammendes Werk ist – ist bis heute umstritten.

Bei der textvergleichenden Analyse beider Versionen (TAS und TTS) gelangte Tolman wegen der zahlreichen ähnlichen oder identischen Zeilen und Passagen zwischen TAS einerseits und Tamburlaine the Great bzw. Die tragische Historie vom Doktor Faustus andererseits zu der Ansicht, dass TAS von Christopher Marlowe konzipiert worden sein müsse. Diese These hat zur Marlowe-Theorie im Zusammenhang der Frage der William-Shakespeare-Urheberschaft beigetragen.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der klassischen deutschen Shakespeare-Ausgabe, der so genannten Schlegel-Tieck-Übersetzung, erschien Der Widerspenstigen Zähmung 1831 in der Übersetzung von Wolf Heinrich Graf von Baudissin. Neuere, zeitgemäße Übersetzungen gibt es u. a. von Erich Fried, Frank Günther und Anna Cron. Günther und Cron berücksichtigten die Originalfassung, die ursprünglich Robert Greene zugesprochen wird. In ihr erscheint die Rahmenhandlung mit dem betrunkenen Schlau nicht nur als Prolog, sondern auch als Epilog. Der Trinker erwacht vor dem Pub, aus dem man ihn zuvor hinausgeworfen hatte. Damit relativiert sich die „Zähmung“. Sie könnte ein Traum des betrunkenen Mannes sein.

Vertonungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfilmungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ballett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Choreograf John Cranko verarbeitete Shakespeares Komödie gemeinsam mit dem Komponisten Kurt-Heinz Stolze 1968 zu dem Ballett Der Widerspenstigen Zähmung, das am 16. März 1969 vom Stuttgarter Ballett im Großen Haus der Württembergischen Staatstheater uraufgeführt wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Textausgaben Deutsch
  • William Shakespeare: The Taming of the Shrew. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Deutsche Prosafassung, Anmerkungen, Einleitung und Kommentar von Thomas Rüetschi. Stauffenburg, Tübingen 1988, ISBN 3-86057-550-3.
  • William Shakespeare: Der widerspenstigen Zähmung. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2009 München, ISBN 978-3-423-12750-9.
Textausgaben Englisch
  • The Oxford Shakespeare. The Complete Works. 2. Auflage. Herausgegeben von John Jowett, William Montgomery, Gary Taylor und Stanley Wells. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-926718-9.
  • Harold James Oliver (Hrsg.): The Taming of the Shrew. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, 1984, ISBN 0-19-281440-0.
  • Barbara Hodgdon (Hrsg.): The Taming of the Shrew. The Arden Shakespeare : Third Series. Bloomsbury, London 2010, ISBN 978-1-903436-93-6.
Sekundärliteratur

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Der Widerspenstigen Zähmung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: The Taming of the Shrew – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ina Schabert. (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. 2009, S. 387.
  2. William Shakespeare: Der widerspenstigen Zähmung. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2009, S. 247. Vgl. der Problematik einer exakten Datierung des Werkes auch Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. 3. rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 90 f.
  3. Barbara Hodgdon (Hrsg.): The Taming of the Shrew. The Arden Shakespeare, Third Series. Methuen, London 2010, S. 16.
  4. Vgl. Michael Dobson, Stanley Wells: The Oxford Companion to Shakespeare. Oxford University Press, 2001, 2. rev. Auflage 2015, S. 343. Siehe auch Ina Schabert. (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. 2009, S. 387 f.
  5. Vgl. Ina Schabert. (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. 2009, S. 387 f.