Der kleine Häwelmann

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Der kleine Häwelmann ist ein Märchen von Theodor Storm, das er im Jahr 1849 für seinen Sohn Hans schrieb. Häwelmann ist niederdeutsch und bezeichnet ein kleines Kind, das übertriebene Aufmerksamkeit für sich fordert.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lesung des Märchens, LibriVox 2006

Zu Beginn des Märchens findet sich ein kleines Gedicht als Motto. Es bezeichnet den kleinen „Häwelmann“ als den Sonnenschein der Familie und steht damit ein wenig im Kontrast zur nachfolgenden Geschichte, in der sich der Kleine als aufsässiger, ungeduldiger Bursche zeigt, der nicht schlafen will.

Der kleine Häwelmann kann nicht einschlafen. Seine Mutter im großen Bett daneben rollt ihn noch in seinem Rollenbettchen ein wenig im Halbschlaf hin und her, aber dann schläft sie fest ein. Der kleine Häwelmann ist aber immer noch munter. Der Mond schaut durch das Fenster und sieht, wie er sich aus seinem Nachthemd ein Segel gebaut hat und mit seinem Rollenbett im Zimmer umherrollt.

Als er drei Mal die Reise gemacht hatte, guckte der Mond ihm plötzlich ins Gesicht. „Junge“, sagte er, „hast du noch nicht genug?“
„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Mach mir die Tür auf! Ich will durch die Stadt fahren; alle Menschen sollen mich fahren sehen.“
„Das kann ich nicht“, sagte der gute Mond; aber er ließ einen langen Strahl durch das Schlüsselloch fallen; und darauf fuhr der kleine Häwelmann zum Hause hinaus.

In der Stadt schlafen aber alle und das ist ihm zu langweilig. Darum will er in den Wald zu den Tieren. Im Wald schlafen aber die Tiere auch, außer Hinze, einem kleinen Kater, der von Ast zu Ast springt und „illuminiert“, das heißt mit seinen funkelnden Augen die Sterne imitiert. Doch Häwelmann ist es auch hier langweilig, und er ruft wieder „mehr, mehr!“

Der kleine Häwelmann fährt schließlich bis zum Ende der Welt und mitten in die Sterne am Himmel hinein, so dass etliche vom Himmel fallen; dem Mond rollt er frech über die Nase. Das ärgert den Mond so sehr, dass er sein Licht auslöscht und nun auch die Sterne schlafen gehen. Häwelmann fährt weiter umher, bis schließlich die Sonne aufgeht und ihn ins Meer wirft.

Jetzt darf das Kind, dem das Märchen erzählt wurde, fragen:

Und dann?
Ja und dann? Weißt du nicht mehr? Wenn ich und du nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen hätten, so hätte er doch leicht ertrinken können!

Kommentar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese kleine Geschichte ist eine für Kinder konzipierte Märchenerzählung im damals überall anzutreffenden Stil des Kunstmärchens. Sie wurde 1926 als Bilderbuch mit Bildern der Kinderbuchillustratorin Else Wenz-Viëtor im Stalling-Verlag Oldenburg neu publiziert und damit eigentlich erst einem größeren Publikum bekannt. Die Illustrationsarbeit Wenz-Viëtors gilt als eine ihrer besten.

Über den plötzlichen Schluss bemerkt Emil Müller Samswegen in einer Rezension zu Storms Novellenband In der Sommer-Mondnacht (1860):

Das Kindermärchen „Der kleine Häwelmann“ endlich dürfte vollständig genügen, wenn der Schluß nur irgendeine Pointe böte. Den Helden indeß ins Wasser fallen zu lassen und sich dann an die Leser wenden und sagen: „Wären ich und du nicht gekommen und hätten den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen, so hätte er doch leicht ertrinken können“: – das mag für Kinder ausreichen, scheint uns aber eine Methode, bei der man gar leicht zum Schreiben ins Blaue hinein gelangen kann.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emil Müller Samswegen in: Blätter für literarische Unterhaltung, Nr 41. 1860, S. 760 (online). Rezension zu: Theodor Storm: In der Sommer-Mondnacht. Schindler, Berlin 1860

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]