Der standhafte Zinnsoldat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Erste Illustration von Vilhelm Pedersen (1850)

Der standhafte Zinnsoldat ist ein Kunstmärchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, das 1838 erstmals publiziert wurde.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Der kleine Zinnsoldat ist einer von fünfundzwanzig gleichartigen Zinnsoldaten, die alle aus einem alten Löffel gegossen wurden und von daher Brüder sind. Er hat als einziger nur ein Bein, weil er als letzte Figur gegossen wurde und das Zinn nicht mehr ausreichte. Dieses macht ihn aber nicht weniger tapfer als die anderen.

Er verliebt sich in die Papierpuppe einer Tänzerin, die ein Bein so hoch erhoben hat, dass es nicht erkennbar ist – er denkt, sie hätte nur ein Bein wie er selbst und ist der Meinung, dass sie beide gut zusammenpassen würden. Nachts beobachtet er unentwegt die Tänzerin, wird aber von einem Kobold ermahnt, dies sein zu lassen – denn dieser hat selbst ein Auge auf sie geworfen. Am nächsten Morgen fällt er aus dem Fenster – „vielleicht war es der Wind oder der Kobold, der das Fenster zuwarf“ – und wird von zwei Straßenjungen gefunden, die ihn in einem Zeitungspapierschiff im Rinnstein fahren lassen. Trotz der wilden Fahrt bleibt er standhaft und tapfer. Er trifft auf eine Wasserratte, die seinen Pass sehen will, kann ihr aber entkommen. Er fährt in den Kanal hinunter, das Boot kentert und er wird von einem Fisch verschlungen.

Dort drinnen ist es dunkel, aber der Zinnsoldat bleibt weiterhin standhaft. Plötzlich fährt es „wie der Blitz“ durch den Fisch, es wird hell und eine Stimme ruft: „Der Zinnsoldat!“. Der Fisch war gefangen und auf dem Markt verkauft worden – der standhafte Zinnsoldat ist wieder zu Hause angelangt. Dort wird er jedoch sogleich von dem Knaben grundlos in den Ofen geworfen. Ein Windstoß weht die Tänzerin ebenfalls in den Ofen, beide verbrennen, und am nächsten Tag findet das Dienstmädchen im Ofen ein kleines Herz aus Zinn sowie den verkohlten Stern der Tänzerin.

Bearbeitungen[Bearbeiten]

  • In Roy E. Disneys Musikfilm Fantasia 2000 (Fortsetzung von Walt Disneys Fantasia) wird das Märchen zum Klavierkonzert Nr. 2 in F-Dur op. 102 von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch nacherzählt bzw. vertont; allerdings wird dort der Schluss verändert: Zinnsoldat und Tänzerin verbrennen nicht im Kaminfeuer, sondern der Bösewicht zieht den Kürzeren.
  • Der britische Folksänger Donovan greift die Erzählung in seinem Lied "The Little Tin-Soldier" auf. Auch hier wird der Schluss verändert: Tänzerin und Soldat springen gemeinsam freiwillig ins Feuer.
  • Als Bilderbuch aus ungewöhnlicher Frosch-Perspektive präsentiert Jörg Müller die Geschichte des standhaften Zinnsoldaten. Die Geschichte wird in die Gegenwart versetzt, die Prinzessin ist eine Barbie-Puppe, die mit auf die Reise geht. Die Motive Papierschiffchen, Fahrt durch den Kanal mit Begegnung mit der Ratte und der Fisch, der die Reisenden verschluckt, werden aufgegriffen. Doch am Beginn der Reise steht ein Müllsack mit alten Spielsachen; die Reise geht übers Meer bis vor Afrika, wo der Fisch gefangen wird; die Befreiung aus dem Fischbauch findet in einer Fischfabrik statt und von dort geht es auf eine riesige Müllhalde. Gefunden werden die zwei Reisenden von einer Müllsammlerin, die sie an ihren Sohn weiterschenkt. Von diesem freudig empfangen erhalten sie von seinem Vater/Bruder ein Auto aus Müll gebastelt. Dieses kauft samt Insassen ein Tourist, der sie ins ethnologische Museum bringt. Dort stehen sie nach einer aufregenden Reise vereint in der stillen Glasvitrine.
  • In dem Musikvideo der Band Heisskalt zu ihrem Lied Gipfelkreuz findet eine Bearbeitung des Märchens in Stop-Motion Animation statt. In dem Film von Alex Schulz und Markus Arnold sind im Märchen erwähnte Ofen und Fenster allerdings zwei Schatztruhen. In die Truhe, die den Ofen symbolisiert, springen Zinnsoldat und Tänzerin freiwillig, als sie vor dem Kobold flüchten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Christian Andersen: Der standhafte Zinnsoldat („Den standhaftige tinsoldat“). Bertelsmann, München 1997, ISBN 3-570-12421-5.
  • Hans Christian Andersen: Der standhafte Zinnsoldat und andere Märchen (Hörbuch). Edition Jumbo, Hamburg 2005, ISBN 3-8337-1219-8 (1 CD).
  • Jörg Müller: Der standhafte Zinnsoldat Sauerländer, Bertelsmann 1996, ISBN 978-3794141005.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eventyr, fortalte for Børn. Ny Samling. Første Hefte. 1838. Märchen, erzählt für Kinder. Neue Sammlung. Erstes Heft. Reitzel, Kopenhagen 1838.