Dermot Bradley

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Dermot Bradley (* 26. Januar 1944 in Dublin[1]; † 19. Dezember 2009 in Nordwalde[2]) war ein irischer Militärhistoriker, Autor und langjährig Funktionsträger der deutschen Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e. V. (GfW).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dermot Bradley stammte aus Irland und war das älteste Kind eines Staatsbediensteten; er hatte drei jüngere Geschwister. Er besuchte zunächst das Oatlands College in Stillorgan. An der Universität Dublin studierte er von 1964 bis 1967 die Fächer Germanistik sowie Geschichtswissenschaft und schloss das Studium mit Diplom-Staatsexamen ab. Seinen Militärdienst leistete er bei der irischen Armee im South County Battalion der F.C.A. ab.[3] Bradley war seit 1968 Reserveoffizier der irischen Armee.[4]

Bereits in seiner Jugend begann er sich für Deutschland und Militär zu interessieren.[3] Die deutsche Sprache begann er während Ferienaufenthalten in Deutschland zu erlernen.

Seit 1962 verbanden ihn auch Kontakte zu den Generälen der Wehrmacht Walther Wenck und Walther Nehring. Nehring und Wilhelm Bittrich, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, traf er 1965 auch persönlich.[5] In diesem Zusammenhang begann er aufgrund seines Interesses an den Biografien deutscher Generäle Dokumente und Gegenstände aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu sammeln.[3]

Nach dem Studium übersiedelte Bradley nach Deutschland, wo er ab 1967 als Lehrer für Geschichte, Englisch und Politik u.a. am Overberg-Kolleg in Münster tätig wurde.[4][3][6] An der Universität Münster setzte er seine Studien fort und wurde dort 1976 im Fachgebiet Militärwissenschaft mit einer Arbeit über Heinz Guderian zum Dr. phil. promoviert.[3] Sein Doktorvater war Werner Hahlweg. Das Vorwort zur Dissertation schrieb Nehring, der anmerkte, Bradley sei „der wohl beste Kenner der Generale geworden, die in den 60er Jahren oder später noch lebten“.[5] Er befasste sich schließlich als Autor und Lektor mit militärhistorischen Themen.[7] Bradley, der regelmäßig in seine Heimat Irland zurückkehrte, hielt in zweijährigen Abständen bei der Military History Society of Ireland von 1988 bis Ende der 1990er Jahre Vorträge mit Deutschlandbezug. Ab 1998 gehörte er dem Rat der Military History Society of Ireland an.[3]

Als Funktionär der GfW war er von 1976 bis 2000 Sektionsleiter in Münster und von 1991 bis 2000 zugleich Landesvorsitzender von Nordrhein-Westfalen (NRW). Zum Ehrenlandesvorsitzenden der GfW in NRW wurde er 2001 gewählt.[7]

Ab den 1990er Jahren litt Bradley an der Parkinson-Krankheit.[3] Er starb am 19. Dezember 2009 nach langer Krankheit und wurde auf dem Zentralfriedhof in Münster beigesetzt.[2]

Publizistische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bradley verfasste zahlreiche Bücher zur deutschen Militärgeschichte, wie beispielsweise das mehrteilige Werk Die Generale des Heeres 1921–1945, zusammen mit Karl Friedrich Hildebrand und Markus Brockmann, die er sämtlich im Osnabrücker bzw. Bissendorfer Biblio Verlag veröffentlichte.

Zusammen mit Richard Schulze-Kossens, vormals zeitweiliger Adjutant von Adolf Hitler sowie Joachim von Ribbentrop, war Bradley 1984 Herausgeber des Tätigkeitsbericht des Chefs des Heerespersonalamtes General der Infanterie Rudolf Schmundt. 1.10.1942–29.10.1944. Fortgeführt von Wilhelm Burgdorf, der ebenfalls im Biblio-Verlag Osnabrück erschien. Er war Mitherausgeber von Mars – Jahrbuch für Wehrpolitik und Militärwesen, das im Biblio Verlag erschien.[8]

Mit Hansgeorg Model, dem Sohn des deutschen Generalfeldmarschalls Walter Model und Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr, gab er eine Dokumentation über dessen Leben heraus. Sie erschien zum 100. Geburtstag Models und enthielt überwiegend Dokumente wie Versetzungsverfügungen, Befehle oder Briefe.[9]

Bradley publizierte auch im Deutschen Soldatenjahrbuch, zum Beispiel in den Jahren 1996, 1997, 1998, 1999 und 2000/1.

1986 hielt Bradley auf der Jahreshauptversammlung der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) den Vortrag Legenden und Fälschungen in der neueren deutschen Militärgeschichte.[10]

Neben der deutschen Militärgeschichte publizierte Bradley auch über Terrorismus und Guerilla-Krieg im Nordirlandkonflikt, so in „Die historischen Wurzeln der Guerilla und des Terrorismus in Nordirland“ (in Rolf Tophoven: Politik durch Gewalt, 1976) und „Irland – nach 830 Jahren findet die Tragödie kein Ende. Guerilleros und Terroristen in Nordirland (Stand 1. November 1999)“ (in: Mars, 2000).

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruno Thoß vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) nannte Die Generale des Heeres 1921–1945 eine „zuverlässige Datensammlung“ und kam zu einer „durchgängig positive[n] Einschätzung“: Es handele sich um eine „für Militärhistoriker zentrale Reihe zur Personen- und Strukturgeschichte der deutschen Generalität“. Aus „sozialhistorischer Sicht“ sei aber die Frage aufzuwerfen, ob man „nicht auch Angaben zum weiteren nichtmilitärischen Werdegang“ des Personenkreises nach 1945 machen könne.[11] Für Rüdiger Wenzke (MGFA) und Klaus Froh seien die Bände der durch Bradley herausgegebenen Reihe, Deutschlands Generale und Admirale, „umfangreich[] und sorgfältig recherchiert[]“.[12]

Reinhard Stumpf (MGFA) bezeichnete die von Bradley herausgegebenen Tätigkeitsberichte General Schmundts als „wissenschaftlich anspruchsloses, aber für die Forschung wichtiges und hervorragend ausgestattetes Buch“. Stumpf bedauerte, man erfahre aus der Edition nicht, dass Schmundt „Hitler gegenüber völlig kritiklos war“. Die Schmundt-Tagebücher hätten eine „kritische Edition durch einen Personalfachmann verdient“; bis diese vorliege, könne die „opulente Faksimileedition durchaus als Ersatz dienen“, so Stumpf.[13]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor
Herausgeber
  • Deutschlands Generale und Admirale. Biblio-Verlag, Osnabrück.
  • Quellenstudien zur politischen Geschichte. Biblio-Verlag, Osnabrück, ISBN 3-7648-1481-0.
  • Soldatenschicksale des 20. Jahrhunderts als Geschichtsquelle. Biblio-Verlag, Osnabrück, ISBN 3-7648-1167-6.
  • zusammen mit Hans Bleckwenn: Günther Voigt und Günter Wegner: Deutschlands Heere bis 1918. Ursprung und Entwicklung der einzelnen Formationen. Biblio-Verlag, Osnabrück, ISBN 3-7648-1199-4.
  • zusammen mit Johann Christoph von Allmayer-Beck, Hans Bleckwenn, Charles B. Burdick, Othmar Hackl, Werner Hahlweg und Walter Schaufelberger: Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Biblio-Verlag, Osnabrück.
  • zusammen mit Ulrich Marwedel: Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Eine Festschrift für Werner Hahlweg, Professor für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977 (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktsforschung. Band 15). Biblio-Verlag, Osnabrück 1977, ISBN 3-7648-1094-7.
  • zusammen mit Heinz-Ludger Borgert und Wolfram Zeller: Mars – Jahrbuch für Wehrpolitik und Militärwesen. ISSN 1430-581X 5 Bände. Biblio-Verlag, Osnabrück 1995–2000, ISBN 3-7648-2451-4.
  • zusammen mit Hansgeorg Model: Generalfeldmarschall Walter Model (1891-1945). Dokumentation eines Soldatenlebens. Biblio-Verlag, Osnabrück 1990, ISBN 3-7648-1785-2.
  • zusammen mit Richard Schulze-Kossens: Tätigkeitsbericht des Chefs des Heerespersonalamtes General der Infanterie Rudolf Schmundt. 1. 10. 1942 – 29. 10. 1944 / fortgeführt von Wilhelm Burgdorf. Mitverfasser Gerd Heuer. Biblio-Verlag, Osnabrück 1984, ISBN 3-7648-1292-3.
Bearbeiter
  • Günter Wegmann (Hrsg.): Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teilweise bearbeitet von Dermot Bradley. Biblio-Verlag, Osnabrück, ISBN 3-7648-1779-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kenneth Ferguson: Obituary. Dr. Dermot Bradley. * 26.1.1944; † 19.12.2009. In: The Irish Sword. The journal of the Military History Society of Ireland. Band 26, 2009, ISSN 0021-1389, S. 473–474.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verband der Historiker Deutschlands, Verband Österreichischer Historiker und Geschichtsvereine, Allgemeine Geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz: Vademekum der Geschichtswissenschaften. Verbände, Organisationen, Gesellschaften, Vereine, Institute, Seminare, Lehrstühle, Bibliotheken, Archive, Museen, Dienststellen und Ämter sowie Historiker in Deutschland, Österreich und der Schweiz (= VGW, 4. Ausgabe 2000/01). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07672-7, S. 315 (books.google.de Teilansicht).
  2. a b Traueranzeige. In: Westfälische Nachrichten. 23. Dezember 2009. Abgerufen am 7. Juli 2012.
  3. a b c d e f g Kenneth Ferguson: Obituary. Dr. Dermot Bradley. * 26.1.1944; † 19.12.2009. In: The Irish Sword. The journal of the Military History Society of Ireland. Band 26, Dublin 2008, S. 473 f.
  4. a b Rolf Tophoven (Hrsg.): Politik durch Gewalt. Guerilla und Terrorismus heute (= Beiträge zur Wehrforschung, Band 25). Wehr & Wissen Verlagsgesellschaft, Koblenz 1976, ISBN 3-8033-0242-0, S. 106.
  5. a b militaria-biblio.de: Soldatenschicksale des 20. Jahrhunderts als Geschichtsquelle (Memento vom 23. Januar 2004 im Internet Archive)
  6. Europäische Wehrkunde. Band 31, 1982, S. 169.
  7. a b c d Nachruf (PDF; 128 kB) von Claire Marienfeld-Czesla als Präsidentin der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e. V. (GfW) vom Dezember 2009. Abgerufen am 7. Juli 2012.
  8. militaria-biblio.de: Mars - JAHRBUCH FÜR WEHRPOLITIK UND MILITÄRWESEN (Memento vom 2. November 2004 im Internet Archive)
  9. Gustav-Adolf Casper: Rezension zu: Hansgeorg Model, Dermot Bradley, Generalfeldmarschall Walter Model (1891–1945). In: Militärgeschichtliche Mitteilungen. 51, 1992, ISSN 0026-3826, S. 582 f.
  10. Kurzfassung von: Dermot Bradley: Legenden und Fälschungen in der neueren deutschen Militärgeschichte. In: Das Ritterkreuz. Mitteilungsblatt der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger e.V. 4/1986, S. 2f.
  11. Bruno Thoß: Rezension zu: Dermot Bradley, Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Rövekamp, Die Generale des Heeres 1921–1945. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 53, 1994, ISSN 0026-3826, S. 562 f.
  12. Klaus Froh, Rüdiger Wenzke: Vorbemerkung der Autoren. In: Ders.: Die Generale und Admirale der NVA: Ein biographisches Handbuch. Hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt. 5. durchgesehene Auflage, Ch. Links, Berlin 2007, ISBN 978-3-86153-438-9, S. IX, Fn. 1.
  13. Reinhard Stumpf: Rezension zu: Tätigkeitsbericht des Chefs des Heerespersonalamtes General der Infanterie Rudolf Schmundt. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen. 51, 1992, ISSN 0026-3826, S. 578 f.