Funke Mediengruppe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Derwesten.de)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA
Logo
Rechtsform GmbH & Co. KGaA
Sitz Essen, Deutschland
Leitung Manfred Braun, Michael Wüller
Mitarbeiter 6.000 (2014)[1]
Umsatz 1,322 Mrd. Euro (2015)[2]
Branche Massenmedien
Website www.funkemedien.de

Logo der ehemaligen WAZ-Mediengruppe

Die Funke Mediengruppe mit Sitz in Essen ist ein Medienkonzern mit Beteiligungen an gedruckten und elektronischen Medien in Deutschland, Österreich und Kroatien. Sie verlegt Tageszeitungen, Publikums- und Fachzeitschriften, Anzeigenblätter sowie Kundenzeitschriften und besitzt mehrere Großdruckereien zu deren Herstellung. Ferner betreibt sie Lokalradios und Internet-Angebote. Das größte Geschäftsfeld der Gruppe ist die regionale Berichterstattung, bei der in einer Region unterschiedliche Medien parallel betrieben und teilweise verknüpft werden. Als zweiten Schwerpunkt gibt die Gruppe Frauen- und Programmzeitschriften an.[3]

Die Funke Mediengruppe besteht aus einer Vielzahl verschachtelter Unternehmen, in denen die einzelnen Medien und Betriebsteile formalrechtlich unabhängig geführt werden. Laut Geschäftsbericht erwirtschaftete der Konzern im Jahr 2015 mit einem Umsatz von 1,322 Mrd. Euro einen Verlust von 5,6 Mio. Euro. Damit ist er einer der größten Verlagskonzerne Deutschlands. 617,4 Mio. Euro des Umsatzes entfallen auf das Zeitungsgeschäft, 389,3 Mio. Euro auf die Zeitschriften, 172,2 Mio. Euro auf die Anzeigenblätter und 39,3 Mio. Euro auf digitale Medien.[2]

Der Medienkonzern entstand aus der 1948 gegründeten Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Nach Aufkäufen anderer Zeitungen firmierte das Unternehmen ab 1976 als Zeitungsgruppe WAZ, nach weiterer Expansion in die elektronischen Medien ab 1997 als WAZ Mediengruppe. 2013 wurde nach dem Ausscheiden der Eigentümerfamilie Brost der Konzernname auf die verbleibende Eigentümerfamilie Funke geändert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Expansion als WAZ-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründer der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung waren Erich Brost und Jakob Funke. Beide verfügten über jeweils 50 Prozent der Gesellschaftsanteile. Durch Aufkauf kleinerer Konkurrenztitel im ursprünglichen Verbreitungsgebiet hat sich die WAZ bereits in den 1970er Jahren eine wirtschaftliche Monopolstellung in vielen Städten des Ruhrgebiets gesichert. Durch journalistisch unabhängige Weiterführung der aufgekauften Zeitungen hielt der Konzern gleichzeitig die publizistische Vielfalt weitgehend aufrecht; ein Konzept, das als „WAZ-Modell“ bekannt und in vielen anderen Regionen nachgeahmt wurde.

Die WAZ-Mediengruppe veröffentlichte keine Geschäftszahlen, galt aber in der Branche über Jahrzehnte als eines der renditestärksten Medienunternehmen Deutschlands. Aus den hohen Gewinnen im Kerngebiet finanzierte das Unternehmen eine große Zahl von Aufkäufen von gedruckten Medien sowie Neugründungen vor allem im privaten Rundfunk und von Internet-Medien. Die Expansion von einer Regionalzeitung zum nationalen und später internationalen Medienkonzern wurde von dem jahrzehntelang amtierenden, in der Medienbranche sehr bekannten Geschäftsführer-Duo Erich Schumann, Bevollmächtigter der Brost-Seite, sowie Günther Grotkamp, Bevollmächtigter der Funke-Seite, geleitet.[4]

Eigentümerwechsel zur Funke-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod der beiden Gründer wurden die jeweiligen Anteile auf eine Reihe von Erben aufgeteilt: Die Anteile Jakob Funkes erbten 1975 die Töchter Petra Grotkamp, Gisela Holthoff, Renate Schubries und Ute de Graffenried. Nachdem sich Tochter Ute 1989 auszahlen ließ, gehörte den drei verbleibenden Töchtern je ein Drittel der Funke-Familiengesellschaft. Die Anteile Gisela Holthoffs erbte 2011 ihr Adoptivsohn Stephan Holthoff-Pförtner, ein bekannter Rechtsanwalt und Unternehmer, der lange Zeit Sprecher der Funke-Seite war.[5] Die Anteile Erich Brosts erbten 1995 zu 60 Prozent seine Witwe Anneliese Brost sowie zu 40 Prozent der von Brost 1985 adoptierte langjährige Geschäftsführer Erich Schumann. Nach dem Tod von Schumann (2007) und Anneliese Brost (2010) gingen die Anteile der Brost Verwaltungs-GmbH auf die drei Enkel von Erich Brost über.

Die Unternehmensanteile blieben zu jeweils 50 Prozent in zwei Verwaltungsgesellschaften gebündelt. Daher konnten die Familienmitglieder nur gemeinsam agieren und die beiden Familiengruppen nur einvernehmlich entscheiden. Änderungen an diesem Modell waren dadurch erschwert, dass eine WAZ-Beteiligung ohne Zustimmung der Miteigner nicht an Dritte verkauft, sondern nur an Familienangehörige weitergegeben werden konnte. Weil keine einfachen Mehrheitsentscheidungen möglich waren, wurden Meinungsunterschiede sowohl zwischen den als auch innerhalb der Eigentümerfamilien in lang andauernden Konflikten ausgetragen. Unter anderem gab es 2006 Streit zwischen den Gesellschaftern um die Ausschüttung des hohen Erlöses aus dem Verkauf der RTL-Beteiligung.[6]

Mit dem Ziel, diese Konstellation zu ändern, hatte Anneliese Brost 2008 geheime Verträge mit Stephan Holthoff-Pförtner abgeschlossen, in denen unter anderem eine Kaufoption für die Holthoff-Anteile enthalten war. Petra Grotkamp versuchte gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem langjährigen Geschäftsführer Günther Grotkamp, mit juristischen Mitteln die Teilung der Funke-Familiengesellschaft zu verhindern.[7] Nach dem Tod von Anneliese Brost unterbreitete Petra Grotkamp ihrerseits den Brost-Enkeln ein Kaufangebot, das diese mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 annahmen. Danach gehörten Petra Grotkamp zwei Drittel der Unternehmensanteile.[8] Damit endete nach 63 Jahren die Aufteilung auf zwei Eigentümerfamilien. Ab März 2013 verwendete der Medienkonzern ohne gesonderte Mitteilung den Namen Funke Mediengruppe.[9] Im Juni 2013 schließlich nahm der Konzern eine neue Rechtsform an und firmiert nun als Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA.[10] Im September 2017 gab Petra Grotkamp bekannt, dass sie ihre Eigentumsanteile zu gleichen Teilen an ihre drei Kinder Julia Becker, Nora Marx und Niklas Jakob Wilcke übertragen hat, und dass Julia Becker ab 1. Januar 2018 dem Aufsichtsrat vorsitzen soll.[11]

Übernahme der Springer-Regionalzeitungen und -Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Mai 2014 übernahm die Funke Mediengruppe von der Axel Springer SE für einen Kaufpreis von 920 Millionen Euro deren regionale Tageszeitungen Hamburger Abendblatt, Bergedorfer Zeitung und Berliner Morgenpost, außerdem die Programmzeitschriften Hörzu, TV Digital, Funk Uhr, Bildwoche, die zwei und TV Neu sowie die Frauenzeitschriften Bild der Frau und Frau von Heute. Mit der Zeitschrift übernahm Funke auch den von der Hörzu seit 1965 jährlich vergebenen Preis „Goldene Kamera“.[12] Um Auflagen des Bundeskartellamtes zur Genehmigung der Übernahme zu erfüllen, musste der Konzern die Programmzeitschriften Funk Uhr, Bildwoche, die zwei und TV Neu unverzüglich wieder abgeben.[13]

Durch den Zukauf vergrößerte die Funke-Gruppe ihr Kerngeschäft mit gedruckten Medien erheblich. Der Umsatz des gesamten Konzerns stieg innerhalb von zwei Jahren um mehr als 40 Prozent – von 929 Mio. Euro im Jahr 2013 auf 1,322 Mrd. Euro im Jahr 2015.[2]

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsführer sind Manfred Braun[14] und Michael Wüller. Thomas Ziegler zeichnete von August 2012 bis Dezember 2014 verantwortlich für den Bereich Personal, Finanzen & Dienstleistungen.[15] Bereits zu gemeinsamen Zeiten der beiden Gründerfamilien wurde Christian Nienhaus seitens der Familie Funke zum Geschäftsführer berufen.[16] Für die Brost-Seite war Bodo Hombach von 2002 bis Januar 2012 als Geschäftsführer tätig, seit Juli 2008 gemeinsam mit Nienhaus. Zum Jahresende 2007 wurde als zweite Führungsebene eine neunköpfige Geschäftsleitung eingerichtet, die mit aufgeteilten Verantwortungsbereichen dem Vorstand von Aktiengesellschaften ähnelt.[17]

Gedruckte Medien in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tageszeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Druckerzeugnisse der Funke Mediengruppe

Die Funke Mediengruppe besitzt in Deutschland mit Eigentumsmehrheit oder als großer Minderheitsgesellschafter dreizehn Tageszeitungstitel: die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung und die Westfälische Rundschau in Essen, die Westfalenpost in Hagen, den Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung, die Thüringer Allgemeine in Erfurt, die Ostthüringer Zeitung in Gera, die Thüringische Landeszeitung in Weimar, die Braunschweiger Zeitung, den Harz Kurier in Osterode am Harz, das Hamburger Abendblatt und die Bergedorfer Zeitung in Hamburg sowie die Berliner Morgenpost. Durch den Austausch oder die gemeinsame Produktion von Inhalten sind die Titel zu erheblichen Teilen inhaltsgleich. Die Tageszeitungen machen fast die Hälfte des Konzern-Umsatzes aus.

In den siebziger Jahren kaufte der Verlag der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) im Ruhrgebiet die kleineren Konkurrenzzeitungen Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ), Westfälische Rundschau (WR) sowie Westfalenpost (WP) auf und fasste sie in der Zeitungsgruppe WAZ zusammen. Mit den aufgekauften Titeln verfuhr der Verlag auf innovative Weise: Das Verlagsgeschäft wurde zusammengelegt und die Anzeigenteile waren in jedem Lokalgebiet identisch. Gleichzeitig blieben sowohl die Haupt- als auch die Lokalredaktionen der aufgekauften Zeitungen erhalten und publizierten weiterhin eigenständig. Damit vermied das Unternehmen Abonnementkündigungen durch das Verschwinden von Traditionszeitungen und konnte Konflikte mit der Fusionskontrolle minimieren. Diese Kombination eines wirtschaftlichen Monopols mit publizistischem Wettbewerb innerhalb eines Unternehmens wurde als „WAZ-Modell“ bekannt. Es erwies sich vor allem durch die Durchsetzung hoher Preise im Anzeigenmarkt als sehr erfolgreich und wurde später von anderen Verlagen nachgeahmt.[18]

Nach der Wende erwarb die Zeitungsgruppe WAZ 1990 Anteile an drei zuvor DDR-Parteien gehörenden Regionalzeitungen in Thüringen, der Thüringer Allgemeinen (TA), der Ostthüringer Zeitung (OTZ) und der Thüringischen Landeszeitung (TLZ). In der Zeitungsgruppe Thüringen wurde das Modell aus dem Ruhrgebiet nachgebildet. Wie auch bei der Beteiligung am Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung (IKZ) verzichtete der Konzern zum Teil aus kartellrechtlichen Gründen auf den Erwerb der Unternehmensmehrheit, solange er als großer Minderheitsgesellschafter de facto die wirtschaftliche Leitung hatte und die Titel in seinen Verbund eingliedern konnte. 2006 erwarb der Konzern den Harz Kurier von der Jungfer Druckerei und Verlag, 2007 die benachbarte Braunschweiger Zeitung von der Verlegerfamilie Voigt und der NORD/LB. 2014 folgte die Übernahme aller drei Regionalzeitungen des Springer-Konzerns.

Bei allen deutschen Tageszeitungen geht seit über zwei Jahrzehnten die Zahl der Käufer stark zurück. Bei den Funke-Titeln fällt dieser Rückgang zum Teil überdurchschnittlich aus. Im Ruhrgebiet liegt der jährliche Auflagenrückgang mit 4 bis 5 Prozent doppelt so hoch wie der Marktdurchschnitt.[19] Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 54,7 Prozent gesunken.[20] Zusammen verloren die Zeitungen 624.287 Käuferinnen und Käufer und verkaufen nur noch 517.849 Exemplare.[21] In Thüringen fällt der Rückgang sehr ähnlich aus, um 264.738 auf 239.005 Exemplare.[22] Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 52,6 Prozent gesunken.[23]


Entwicklung der verkauften Auflage[24]

Funke-Tageszeitungen Nordrhein-Westfalen


Entwicklung der verkauften Auflage[25]

Funke-Tageszeitungen Thüringen

Auf die Rückgänge bei den verkauften Auflagen sowie durch die Internet-Konkurrenz auch im Anzeigengeschäft reagierte die Konzernleitung 2008 mit der ausdrücklichen Abkehr vom „WAZ-Modell“.[26] Nach und nach wurden Teilredaktionen zusammengelegt und damit auch die publizistischen Inhalte der Zeitungstitel schrittweise vereinheitlicht.[27]

In den folgenden Jahren wurden fortwährend weitere Stellen eingespart.[28] Im Januar 2013 wurde die gesamte Redaktion der Westfälischen Rundschau in Dortmund geschlossen und die meisten Redakteure entlassen. Die zugehörige Verlagsgesellschaft stellte im September 2014 einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.[29] Die Zeitung existiert seitdem als bloßer Titel weiter, Mantel und Lokalausgaben werden mit den Inhalten der anderen Konzernzeitungen gefüllt.

Nach Kauf der Springer-Regionalzeitungen wurde die Vereinheitlichung auf alle Titel des Konzerns ausgeweitet. 2015 wurde für alle dreizehn Tageszeitungen eine gemeinsame überregionale Redaktion in Berlin eingerichtet, die unter dem Namen Funke-Zentralredaktion auftritt.[30] Die eigenständigen Redaktionen der einzelnen Zeitungen wurden nach und nach geschlossen, ebenso die zuvor eingerichtete Zentralredaktion für Nordrhein-Westfalen in Essen.[31]

Wochenzeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Sitz des Konzerns in Essen besitzt die Funke Mediengruppe eine selten gewordene Medienform: zwei lokale Kauf-Wochenzeitungen. Die traditionsreichen Werdener Nachrichten und die Borbecker Nachrichten für bestimmte Stadtbezirke von Essen wurden bereits 1850 und 1949 gegründet, lange vor der Verbreitung kostenloser wöchentlicher Anzeigenblätter. Über Jahrzehnte vermied die WAZ-Gruppe Konkurrenzhandlungen und gab nur in diesen beiden Stadtbezirken keine kostenlosen Anzeigenblätter heraus. Ende der neunziger Jahre beendete der Konzern diese Politik. Innerhalb von zwei Jahren verkaufte der Besitzer die beiden Titel an den Konzern, der sie seitdem weiterführt.[32]

Anzeigenblätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verbund aus der Westdeutschen Verlag- und Werbegesellschaft (WVW, 100-prozentige Funke-Tochter) und der Ostruhr-Anzeigenblattgesellschaft (ORA, 50 Prozent Funke-, 50 Prozent Ruhr Nachrichten-Tochter) gibt kostenlos verteilte Anzeigenblätter mit 76 Titeln heraus und ist Marktführer im Ruhrgebiet. Mit über 5 Millionen wöchentlich verteilten Exemplaren gehören die WVW/ORA Anzeigenblätter zu den bedeutendsten lokalen Medien. Zwei Drittel der Titel erscheinen immer mittwochs und auch samstags, zusammen mit der Einkaufaktuell der Deutschen Post AG.

Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Publikumszeitschriften des Konzerns sind im Gong Verlag und in der Funke Women Group organisiert, die beide in Ismaning angesiedelt sind. Die Gesamtauflage aller Titel beträgt an die 5 Millionen Exemplare wöchentlich. Die bekanntesten sind Gong, Bild+Funk, Hörzu, Bild der Frau, TVdirekt, Die Aktuelle, Das Goldene Blatt und Echo der Frau. Im Reiner H. Nitschke Verlag und der Verlagsgruppe Bahn GmbH gibt die Funke Mediengruppe eine breite Palette von Fachzeitschriften heraus. Mitte März 2008 erwarb die Funke-Gruppe vom Verlag Gruner + Jahr die Frauenzeitschrift Frau im Spiegel.[33] Im März 2012 trennt sich die Funke Mediengruppe von dem Modellbauverlag und Branchenführer VTH-Verlag für Technik und Handwerk GmbH mit Sitz in Baden-Baden.

Buchverlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2007 ist der Konzern auch ins Buchgeschäft eingestiegen und hat den Essener Klartext Verlag gekauft. Der Klartext Verlag ist seit Jahren Partner des Konzerns und vertreibt Bücher mit regionalen Themen.

Elektronische Medien in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beteiligung am Fernsehsender RTL wurde 2005 an Bertelsmann verkauft. Im Juni 2008 übernahm die Funke-Gruppe 24,9 % der Anteile am Fernsehsender NRW.TV.[34]

Radio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Funke Mediengruppe besitzt Mehrheitsbeteiligungen bei Radio Duisburg, Radio Essen, Radio Bochum, Radio Mülheim, Radio Oberhausen, Radio Emscher Lippe, Radio K.W., 90.8 Radio Herne, 107.7 Radio Hagen, Radio Ennepe Ruhr und Radio Sauerland. Außerdem ist sie an Radio 91.2, Radio Siegen und Antenne Düsseldorf beteiligt.[35]

Digital[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 gründete die Funke Mediengruppe gemeinsam mit der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Ippen Verlagsgruppe die ISA GmbH & Co. KG. Dieses Unternehmen ist auf Anzeigenportale im Internet spezialisiert und betreibt unter anderem die Portale immowelt.de, stellenanzeigen.de, markt.de, motoso.de und trauer.de. Die ISA GmbH & Co. KG firmiert seit Mai 2008 als markt.gruppe GmbH & Co. KG.

Seit 2007 betreibt die Funke-Gruppe das regional ausgerichtete Onlineportal DerWesten.de. Chefredakteurin war von Oktober 2007 bis Dezember 2009 Katharina Borchert, die als Geschäftsführerin zu Spiegel Online wechselte. Ihr Nachfolger war Ulrich Reitz, ebenfalls Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, der am 10. Dezember 2010 von Thomas Kloß abgelöst wurde.[36] Das Internetangebot bündelt die Zeitungen der Verlagsgruppe. Ergänzt wird das Angebot um verschiedene sog. Web-2.0-Elemente. Im Internet-Portal DerWesten.de arbeitete die Funke-Gruppe als erster Verlag mit dem WDR und damit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusammen.[37] Am 20. Oktober gab Reitz auf den Münchener Medientagen bekannt, das Portal ab 2012 zugunsten von Portalen für die einzelnen Zeitungstitel einzustellen.[38][39] Die Adresse derwesten.de soll jedoch neben diesen erhalten bleiben. Auf dem Onlineangebot selbst wird dies als Relaunch bezeichnet.[40]

Ende 2010 übernahm die Funke Mediengruppe verschiedene Gesundheitsportale, u. a. lifeline.de, von Springer Medizin. Zum Angebot zählt neben Gesundheits-Meldungen die kostenfreie Fragefunktion an Fachärzte. Zur Lifeline-Familie gehören außerdem qualimedic, gesundheitsberatung sowie 9monate und Special-Interest-Portale wie scheidenpilz.com.[41]

Als Zentrum des Digitalgeschäfts wurde im März 2014 eine neue Entwicklungseinheit von Funke Digital in Berlin eröffnet. Aufgabe dieser ist es, gemeinsam mit den Digital-Abteilungen an den anderen Konzern-Standorten, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und neue Produkte für die gesamte Mediengruppe zu konzipieren.[42] Die Funke Digital GmbH unter der Leitung von Stephan Thurm und Jochen Herrlich[43] hat drei Ziele: 1) Ausbau der verlagseigenen Digitalangebote, 2) Inkubation von neuen Modellen sowie 3) Zukauf von digitalen Unternehmen. Seither wurden Joblocal, Absolventa und Azubiyo[44] erworben, darüber hinaus wurden Beteiligungen an Winlocal, Inventorum und Zoomsquare getätigt.

Im August 2014 wurde mit der App Mit Picke die mobile Sportberichterstattung gestartet. Beiträge der Funke-eigenen Sportredaktionen von Tageszeitungen sowie Reviersport werden mit verlagsfremden Medienmeldungen sowie Tweets und ausgewählten Blogbeiträgen kombiniert.[45]

Medien in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigentumsverhältnisse Mediaprint

Die Funke Mediengruppe hält in Österreich Anteile am Boulevardblatt Kronen Zeitung sowie am Kurier, deren Marketing und Verbreitung über die gemeinsame Tochter Mediaprint abgewickelt wird.

Seit der Beteiligung an der österreichischen Kronen Zeitung kam es mehrfach zu Streitigkeiten zwischen der damaligen WAZ-Gruppe und dem vormaligen Alleineigentümer Hans Dichand, denen je die Hälfte des Blatts gehört. Anlässlich der Ernennung seines Sohns Christoph Dichand durch den in Österreich umstrittenen Altverleger im Jahr 2001 ohne Einverständnis des Partners kam es zum offenen Bruch. Die WAZ-Gruppe wehrte sich gegen diese Entscheidung und setzte mit Michael Kuhn einen zweiten Chefredakteur durch,[46] den Dichand nach weiteren Auseinandersetzungen schließlich 2006 im Alleingang fristlos kündigte. Seitdem versuchen beide Seiten, ihre Vorstellungen von der Leitung des Verlags und der Zeitung vor Gericht durchzusetzen; aufgrund der gesellschaftsrechtlichen Pattsituation aber bislang ohne nachhaltigen Erfolg.[47]

Im Rahmen dieser Auseinandersetzung warf Dichands anderer Sohn Michael der WAZ-Gruppe vor, in Kroatien mit der „organisierten Wirtschaftskriminalität“ zusammenzuarbeiten und den Versuch der „Monopolisierung“ und „Teutonisierung“ des kroatischen Zeitungsmarktes zu unternehmen. Die WAZ ging erfolgreich gerichtlich gegen diese Vorwürfe vor. Michael Dichand griff außerdem den damaligen Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, Bodo Hombach, persönlich an, mit dem Vorwurf, dieser habe „sich ein Häuschen vom Energiekonzern VEBA […] finanzieren lassen, also von der Atomlobby“. Dagegen setzte sich Hombach ebenfalls mit einer Klage zur Wehr. Das Landgericht Hamburg untersagte im Juli 2007 diese und weitere Äußerungen ausdrücklich, da Dichand seine Behauptungen nicht belegen konnte.[48] Die von Dichand eingelegte Berufung wies das Oberlandesgericht Hamburg Anfang Januar 2008 zurück. Dichand legte dagegen wiederum Beschwerde beim Bundesgerichtshof ein und verlor auch hier, womit er letztinstanzlich seine Behauptungen nicht wiederholen darf.[49]

Medien in Osteuropa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1990er-Jahre engagierte sich die Gruppe erstmals auf dem osteuropäischen Markt und besaß mehrere Print-Beteiligungen in Ungarn, Kroatien (siehe Europapress Holding), Serbien und Mazedonien. Ende 2007 gab der Konzern den Kauf der russischen Regionalzeitung Sloboda bekannt und bezeichnete ihn als „Startpunkt für weitere Engagements“. Im August 2010 gab Hombach bekannt, dass sich der Konzern aus Serbien und Rumänien zurückziehen wird und nach Käufern mit hohen Angeboten sucht.[50] Diesem Rückzug gingen vergebliche Versuche voraus, zunächst auf gewöhnlichem Weg einige serbische Zeitungen aufzukaufen, später fiel man auf fragwürdige Mittelsmänner wie Stanko Subotić herein. Dieser wurde von Interpol beschuldigt, Geldwäsche zu betreiben und in Südosteuropa Zigarettenschmuggel organisiert zu haben.[50] Anfang 2012 zog sich die Funke Mediengruppe aus Mazedonien, in welches sie 2003 eingestiegen sind, zurück und verkaufte die Tageszeitungen Dnevnik, Utrinski Vesnik und Vest.[51] Das Ungarische Zeitungs- und Druckhaus PLT (Pannon Lapok Tarsasaga) in Veszprém wurde 2016 an VCP (Vienna Capital Partners) verkauft.

Druckhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Funke Mediengruppe betreibt zwei Druckhäuser in Nordrhein-Westfalen. Sie liegen in Essen in der Nähe des Hauptbahnhofes und in Hagen-Bathey. In Essen befinden sich sieben und in Hagen neun Rotationsdruckmaschinen. Weitere Druckzentren des Konzerns stehen in Braunschweig, Hamburg und Erfurt.

Mobilfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo

Unter der Marke wir mobil bot die Funke Mediengruppe auch Mobilfunkverträge an.[52] Damit wurde ein Geschäftsfeld erschlossen, bei dem über die mobile Datennutzung des digitalen Contents Vertriebserlöse erzielt werden – analog zum klassischen Verlagsmodell im Einzelverkauf Prepaid und im Abo (Postpaid-Vertrag). In dem gruppenweiten Modell vertrieb das Unternehmen von 2009 bis Oktober 2016[53] verschiedene Mobilfunktarife, die dem Kunden kostenlosen, bzw. vergünstigten Zugriff auf Digitalprodukte der Funke Mediengruppe gewährten.[54] Umgekehrt erhielten Print-Abonnenten besondere Vorteile auf das wir mobil-Produktportfolio.[55] Realisierendes Mobilfunkunternehmen und Partner war die E-Plus in Düsseldorf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Formatt-Institut: Lokaljournalismus in NRW – Situation und Ausblick. Dortmund, Juni 2012 (online, Gutachten im Auftrag der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen).
  • Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen: Struktur und publizistische Qualität im lokalen Medienmarkt NRW. Bericht der LfM zur Medienkonzentration 2012. Düsseldorf, Januar 2013 (PDF; 2,9 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.funkemedien.de: funkemedien.de,
  2. a b c 1,3 Milliarden Umsatz, 5,6 Millionen Fehlbetrag In: Meedia.de, 10. März 2017.
  3. Eigenangabe des Konzerns Internetseite der Funke Mediengruppe, eingesehen Juli 2017.
  4. WAZ – Phantom von der Ruhr (Memento vom 14. Februar 2007 im Internet Archive) In: Financial Times Deutschland, 2. September 2002.
  5. Skurrile Erbregelung bei der WAZ-Gruppe: Verlagsgesellschafter adoptiert eigenen Kollegen In: Spiegel Online, 16. Januar 2013.
  6. Los, Kohle her! In: Manager-Magazin, Ausgabe 4/2006.
  7. Krise bei der WAZ-Gruppe! In: Die Tageszeitung, 23. Juni 2011.
  8. Medienkonzern im Umbruch: Der WAZ-Verkauf ist besiegelt In: Spiegel Online, 24. Januar 2012.
  9. Verwirrend: WAZ-Gruppe heißt nun offenbar Funke Mediengruppe In: DWDL.de, 7. März 2013.
  10. Funke Mediengruppe mit neuer Rechtsform In: derwesten.de, 27. Juli 2013.
  11. Generationswechsel bei Funke: Julia Becker wird neue Verlegerin In: Kress News, 13. September 2017.
  12. Meldung der FAZ vom 30. April 2014 (Memento vom 12. Mai 2014 im Internet Archive), Heise Online: Axel Springer stößt Regionalzeitungen, Programm- und Frauenzeitschriften ab. 25. Juli 2013; abgerufen am 25. Juli 2013.
  13. Funke muss Zeitschriften verkaufen In: Handelsblatt, 23. Januar 2014.
  14. Manfred Braun, in: Internationales Biographisches Archiv 47/2013 vom 19. November 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  15. Funke Mediengruppe schafft drei Ressorts: Das Digitale wandert in Zieglers Revier kress.de, 8. Oktober 2013.
  16. Neue Gesprächigkeit – WAZ wird öffentlich In: Die Tageszeitung, 16. Dezember 2007.
  17. WAZ Mediengruppe setzt auf modernere Führungsstruktur (MS Word; 396 kB), Pressemitteilung der WAZ Mediengruppe, 14. Dezember 2007.
  18. Das Supersparmodell: Wie die WAZ-Gruppe ihre Zeitungen auf Gewinn trimmt In: Manager Magazin 4. Dezember 1998.
  19. WAZ-Gruppe: Nach den Zechen sterben die Zeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Januar 2013.
  20. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  21. laut IVW, drittes Quartal 2017, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  22. laut IVW, drittes Quartal 2017, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  23. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  24. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  25. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  26. Die Synergie-Sucher: WAZ-Modell wird begraben In: Die Tageszeitung, 22. Juni 2008.
  27. Das WAZ-Modell bricht auf In: Medium Magazin Ausgabe 7/2008.
  28. Was wird aus der WAZ?, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. April 2013
  29. Funkes Zeitungszombie rutscht in die Insolvenz In: DWDL.de, 26. September 2014
  30. Zu Besuch in der Funke-Zentralredaktion, Meedia.de, 21. September 2015.
  31. Zentralredaktion für Funke Mediengruppe In: Die Tageszeitung, 13. Mai 2015
  32. Die Werdener Nachrichten feiern 150. Geburtstag In: Neue Ruhr Zeitung Essen, 1. September 2000
  33. Frau im Spiegel (PDF; 27 kB), WAZ-Pressemitteilung WAZ, 19. März 2008.
  34. WAZ-Mediengruppe steigt bei NRW.TV ein (Memento vom 18. September 2008 im Internet Archive)
  35. Geschäftsfelder – Radio funkemedien.de
  36. DerWesten: Personalie: Thomas Kloß ist neuer Chefredakteur Online, 10. Dezember 2010.
  37. Robin Meyer-Lucht: Zehn Argumente gegen den Netzklüngel In: Spiegel Online, 11. März 2008.
  38. WAZ gibt Portal „Der Westen“ auf In: Ruhrbarone.de, 20. Oktober 2011.
  39. Der Westen: WAZ stärkt Online-Auftritte der Regionalzeitungen. In: Horizont.
  40. WAZ Mediengruppe entwickelt DerWesten weiter In: DerWesten.de, 20. Oktober 2011.
  41. Herzlich Willkommen auf den Seiten der QualiMedic!. In: qualimedic.de.
  42. Funke Digital: Essener entwickeln Digitales in Berlin, wuv.de, 7. März 2016
  43. Jochen Herrlich führt Funke Digital mit Stephan Thurm. Abgerufen am 7. September 2016.
  44. Werben & Verkaufen: W&V: Funke kauft Online-Jobbörse Azubiyo. In: www.wuv.de. Abgerufen am 7. September 2016.
  45. „Mit Picke.“: Funke Mediengruppe erzählt Geschichten rund um den Fußball in innovativem Format. In: funkemedien.de.
  46. Die Dichands- Krieg um die Krone (Memento vom 18. Januar 2012 im Internet Archive) In: Falter.at, 5. November 2003.
  47. Um Kopf und Krone – Hans Dichands unerbittlicher Zeitungskrieg In: Die Zeit, 9. Februar 2006.
  48. Gerichtsurteil: Hombachs Triumph In: Der Tagesspiegel, 20. August 2007.
  49. WAZ-Manager Hombach gewinnt Verfahren gegen Michael Dichand In: Der Standard, 23. September 2008.
  50. a b Vom Strohmann gelinkt In: Der Spiegel, Ausgabe 32/2010, 9. August 2010.
  51. derStandard.at vom 13. Januar 2012: schließt Balkan-Rückzug ab
  52. WAZ mischt im Mobilfunkmarkt mit. In: HORIZONT.
  53. Thorsten Neuhetzki: WIR Mobil macht Schluss: Auch Bestandskunden müssen gehen. In: teltarif.de. 5. August 2016; abgerufen am 15. September 2017.
  54. Werben & Verkaufen: W&V: WAZ steigt in den Mobilfunkmarkt ein. In: wuv.de.
  55. wir mobil All Net Flat: 4 Gratismonate für WAZ-Abonnenten. In: Allnet Flatrate Vergleich.