Desktop-Umgebung

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Übersicht über die populären Desktop-Umgebungen für Unix-artige Betriebssysteme

Eine Desktop-Umgebung (englisch desktop environment; desktop bedeutet wörtlich Schreibtischoberfläche) ist eine grafische Arbeits- bzw. Benutzerumgebung von Betriebssystemen in Form einer grafischen Shell (ein Eingabe-Ausgabe-System oder Mensch-Maschine-Schnittstelle), bei der die grafische Benutzeroberfläche die Schreibtischmetapher umsetzt. Die unterste (letzte/hinterste) Fensterebene wird dabei als Desktop oder Schreibtisch bezeichnet. Auf jener können geschlossene Dokumente (gespeichert in Dateien, zumeist mit Papier-Metaphern symbolisiert) abgelegt werden und über jener schweben Programm-Fenster, die den Schreibtisch teilweise oder ganz überdecken und geöffnete Dokumente darstellen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Desktop-Umgebung wurde vom Unternehmen Xerox entwickelt und mit dem Office-Computer Xerox Alto in den 1970ern verkauft.

1983 erschien mit dem Apple Lisa der erste Personal Computer, der über eine Maus und ein Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche verfügte. Im Jahr darauf folgte der Macintosh. Allesamt waren noch Schwarz-Weiß-Systeme. Im Jahr 1985 kamen der Atari ST (Januar) sowie der Amiga (Juli, später als Amiga 1000 bezeichnet) auf den Markt; beide hatten eine farbige Benutzeroberfläche. Im November desselben Jahres erschien dann Microsoft Windows – damals noch ein grafischer Aufsatz für das MS-DOS-Betriebssystem und ebenfalls farbig. 1987 brachte Apple den Macintosh II heraus; mit diesem konnte erstmals ein Farbbildschirm an einem Apple-Computer betrieben werden.

Im Juni 1993 wurde durch die Zusammenarbeit von Hewlett-Packard, IBM, Sun und den Unix System Laboratories (USL) mit dem proprietären Common Desktop Environment (CDE) quasi die Standard-Desktop-Umgebung für kommerzielle UNIX-Derivate geschaffen. CDE inspirierte zur Entwicklung anderer, freier Desktop-Umgebungen wie etwa Xfce (1996) und KDE (1997). Im März 2000 wurde das freedesktop.org-Projekt gegründet, ein gemeinnütziges Projekt in der Softwarebranche mit dem Ziel, die Interoperabilität und die gemeinsame Basis von Desktop-Umgebungen für das X Window System zu verbessern. CDE wurde 2012 letztlich unter der LGPL freigegeben.

Implementierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Desktop-Umgebung ist entweder vom Hersteller des Betriebssystems vorgegeben – wie bei Windows (Modern UI, Aero, Luna) oder macOS (Aqua) – oder kann vom Benutzer frei ausgewählt werden – wie bei Unix-, BSD-, Linux-Systemen etc.

Weit verbreitete Desktop-Umgebungen auf unixoiden Systemen sind Gnome, KDE Plasma, Xfce, Unity, LXDE, Cinnamon und MATE.[1] Eine weitere Umgebung bietet GNUstep, das sich die Wurzeln mit macOS teilt. Sie alle können auch parallel installiert werden. Weniger verbreitet ist beispielsweise die Amiga Workbench.

Ursprünglich beschrieb der Begriff Desktop Environment ein Framework aus Softwarebibliotheken, das Werkzeuge u. a. zur grafischen Wiedergabe von typischen Bedienelementen bereitstellt. Typische Bedienelemente sind zum Beispiel Fenster und deren Titelleisten, Schaltflächen, Mauszeiger, Menüs und anderen Steuerelementen. Durch Verwendung dieser Elemente durch mehrere Anwendungsprogramme erhält die grafische Benutzeroberfläche ein einheitliches Erscheinungsbild und Bedienkonzept. Man spricht auch von einem Look and Feel der Benutzeroberfläche.

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Bestandteile von Desktop-Umgebungen sind:

Nicht jede Desktop-Umgebungen hat alle diese Elemente. So kennt etwa Windows kein Dock und macOS weder Startmenü noch Taskleiste.

Typische Anwendungen, die zusammen mit der Desktop-Umgebung ausgeliefert werden, sind:

  • Dateimanager, der auch für den Umgang mit den Dateien „auf dem Desktop“ zuständig ist;
  • Texteditor sowie meist Anzeige‑/​Vorschau-Programme für Dokumente, Bilder, Audio‑/​Video-Dateien;
  • ggf. eine Terminalemulation, um das System jenseits der grafischen Benutzeroberfläche bedienen und konfigurieren zu können.

In der Regel müssen die mitgelieferten Anwendungen nicht verwendet werden; es können also Alternativen anderer Anbieter eingesetzt werden.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thorsten Leemhuis (heise open), 5. August 2012: Die Woche: Der Desktop zersplittert