Detlev Spangenberg

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Detlev Spangenberg (2016)

Detlev Spangenberg (* 10. April 1944 in Chemnitz) ist ein deutscher Politiker (AfD) und seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Zuvor war er von 2014 bis 2017 Abgeordneter des Sächsischen Landtags

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und erster Fluchtversuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detlev Spangenberg wurde in Chemnitz geboren und wuchs in Weimar auf. Mit zwölf Jahren war er Vollwaise; sein Vater starb 1948 in Kriegsgefangenschaft, die Mutter an Krebs. Er durchlief eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, arbeitete anschließend bei Planeta und machte sein Abitur in Meißen. Mit Freunden unternahm er 1969 einen Fluchtversuch über Ungarn und Jugoslawien. Er wurde von Grenzsoldaten auf jugoslawischem Gebiet gefasst und in der DDR wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts“ über ein Jahr lang inhaftiert, davon mehrere Monate in Untersuchungshaft bei der Staatssicherheit in Dresden. Nach seiner Freilassung arbeitete er als Kellner.[1][2]

Zweiter Fluchtversuch und Leben im Westen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. September 1980 unternahm Spangenberg einen zweiten Fluchtversuch. Unter Matratzen versteckt gelangte er in einem Möbeltransporter in die Bundesrepublik.[1] Er studierte von 1982 bis 1987 in Osnabrück und Koblenz Betriebswirtschaftslehre und erreichte den Abschluss als Diplom-Betriebswirt. Von 1987 bis 1992 arbeitete er in den Kreisverwaltungen des Westerwaldkreises in Montabaur und für den Märkischen Kreis in Lüdenscheid im Amt für Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit.

Wende und Rückkehr nach Sachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende und friedlichen Revolution kehrte er nach Sachsen zurück und war bis 1998 Prokurist und Geschäftsführer der städtischen Dresden Werbung und Tourismus GmbH. Von Januar bis Juni 1999 war er Geschäftsführer der städtischen Marketing und Tourismus GmbH in Osnabrück. In den Jahren 1999 bis 2002 arbeitete er als Geschäftsführer der kommunalen Altenberger Tourismus und Veranstaltungs GmbH. Anschließend war er bis 2008 in der Steuerberatung tätig.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detlev Spangenberg ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt in Radebeul.

Tätigkeit für die Stasi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Januar 2016 wurde durch einen Bericht der Freien Presse bekannt, dass Spangenberg während seines Militärdienstes zwischen 1964 und 1967 unter dem Decknamen „Bruno“ als Inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig war. Spangenberg absolvierte seinen Militärdienst bei der als hochsensiblen Sicherheitsbereich eingestuften Luftsicherung der Nationalen Volksarmee (NVA). Hier lieferte er mehrere Berichte über andere NVA-Soldaten an die DDR-Geheimpolizei.[3] Nach zunächst gelobter Zusammenarbeit wurde diese beim Ausscheiden Spangenbergs aus der NVA beendet, da die Hoffnungen des IM-Führungsoffiziers enttäuscht wurden.[4] Das geht aus Unterlagen des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen hervor, die – soweit vorhanden – über alle Abgeordneten nach jeder Wahl an den Sächsischen Landtag übermittelt werden.[3] Dem für die Auswertung der übersendeten Unterlagen zuständigen Bewertungsausschuss des Landtags gehört auch Spangenberg an.[3]

Spangenberg sagte der Sächsischen Zeitung, er kenne die Unterlagen nicht und habe niemandem geschadet. Spangenberg kritisierte zugleich das Bekanntwerden der Informationen; der Bewertungsausschuss sei zur Geheimhaltung verpflichtet.[5] Gegenüber der Bild äußerte Spangenberg, dass dies „doch schließlich alles schon 50 Jahre her“ sei.[6]

Die Landtagsfraktion der AfD Sachsen bestätigte am 6. Januar 2016 die Stasi-Mitarbeit Spangenbergs und kritisierte ebenfalls das Bekanntwerden der Informationen.[7]

Nach der Verfassung des Freistaates Sachsen kann eine Stasi-Tätigkeit zum Verlust des Abgeordnetenmandats führen.[5] Zudem mussten Mandatsträger der AfD versichern, nicht für die Stasi gearbeitet zu haben.[6] Die Zeit wies daraufhin, dass Spangenbergs Stasi-Tätigkeit politisch folgenlos blieb, – "ein Ausschluss aus der Fraktion hätte die AfD Sitze in Ausschüssen gekostet" (Die Zeit)[8].

Politisches Engagement, Mitgliedschaften und Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Bundestagswahl charakterisierte die Wochenzeitung Die Zeit Spangenberg innerhalb der AfD als „ultrarechts[8].

Detlev Spangenberg war von 1987 bis 2006 Mitglied der CDU in den Ortsverbänden Hagen und Radebeul.[9] Von 1997 bis 2007 war er ehrenamtlicher Richter beim Landesarbeitsgericht in Chemnitz.

Spangenberg trat 2008 bei der Kreistagswahl in Sachsen für die von dem ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Henry Nitzsche gegründete rechte Wählervereinigung „Arbeit-Familie-Vaterland“ an, die mit dem islamfeindlichen Slogan „Sachsenmut stoppt Moslemflut“ warb und die „Brechung der Parteienherrschaft“ verlangte.[10] Im Jahr 2010 war er Mitgründer des „Bündnisses für Freiheit und Demokratie“, das sich auf seiner Webseite unter anderem gegen eine multikulturelle Gesellschaft aussprach und eine Integration Deutschlands in die EU zutiefst ablehnte.[8]

Seit 2013 ist Spangenberg Mitglied der Partei Alternative für Deutschland. Er ist seit März 2015 Vorsitzender des Kreisverbandes Meißen und wurde 2014 in den Kreistag des Landkreises Meißen gewählt. Spangenberg war Direktkandidat bei der Landtagswahl für den Wahlkreis 39 (Meißen 3) und erhielt 11,8 % der Erststimmen. Er zog über die Landesliste in den Landtag ein.

Als ältester Abgeordneter war Spangenberg als Alterspräsident für die Eröffnung des 6. Sächsischen Landtages vorgesehen. Nach Medienberichten über seine Engagements für weitere rechte Organisationen erklärte die AfD Sachsen, sie habe von diesen früheren Verbindungen keine Kenntnis gehabt. Spangenberg trat das Amt nicht an, so dass der 6. Landtag vom CDU-Abgeordneten Svend-Gunnar Kirmes eröffnet wurde.[11][12]

Er kandidierte erfolgreich auf der Landesliste der AfD Sachsen für ein Mandat im 19. Bundestag.[8] Sein Landtagsmandat legte er im Dezember 2017 nieder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Detlev Spangenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Dieter Hanke: Der Rastlose, in: Sächsische Zeitung, 28. August 2014.
  2. Anne Hähnig, Martin Machowecz und Stefan Schirmer: Landtagswahl in Sachsen: Frauke und die 13 Zwerge. In: Zeit Online. 4. September 2014, abgerufen am 7. September 2014.
  3. a b c Tino Moritz: Stasi-Vorwürfe gegen AfD-Landtagsabgeordneten, in: Freie Presse, 5. Januar 2016.
  4. Hans-Wilhelm Saure: Sächsischer Landtagsabgeordneter Detlev Spangenberg (71): AfD-Mann spitzelte für die STASI. In: Bild, Regionalausgabe Dresden, 8. Januar 2016.
  5. a b Karin Schlottmann: AfD schweigt vorerst zu Stasi-Vorwürfen, in: Sächsische Zeitung, 6. Januar 2016.
  6. a b M. Deutschmann: Wirbel um sächsischen Landtagsabgeordneten: Spitzelte dieser AfD-Politiker für die Stasi? In: Bild online, 6. Januar 2016.
  7. AfD-Fraktion bestätigt Stasi-Verdacht gegen Abgeordneten, in: Die Welt, 6. Januar 2016.
  8. a b c d Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski: AfD-Fraktion: Rechts bis extrem im Bundestag. In: Die Zeit. 26. September 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 3. Oktober 2017]).
  9. https://www.landtag.sachsen.de/de/abgeordnete-fraktionen/abgeordnete/abgeordneter/1062
  10. Sabine am Orde, Konrad Litschko: AfD gibt erstes Amt zurück, in: taz, 3. September 2014.
  11. Gunnar Saft: CDU und SPD starten Koalitionsgespräche, in: Sächsische Zeitung, 24. September 2014.
  12. 6. Sächsischer Landtag hat sich konstituiert – Dr. Matthias Rößler im Amt des Landtagspräsidenten bestätigt, Pressemitteilung 79/2014 des Sächsischen Landtags vom 29. September 2014.