Deutscher Krieg

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Der Deutsche Krieg von 1866 war die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Deutschen Bund unter Führung Österreichs einerseits und Preußen sowie dessen Verbündeten andererseits. Zu diesen Verbündeten gehörten außer deutschen Staaten auch Italien. Der Konflikt war der zweite der so genannten deutschen Einigungskriege nach dem vorangegangenen Deutsch-Dänischen und vor dem 1870/71 folgenden Deutsch-Französischen Krieg.

Der Sieg Preußens und seiner Verbündeten hatte die Auflösung des Deutschen Bundes zur Folge, den Preußen schon im Vorfeld wegen des angeblichen Bruchs der Bundesverfassung durch Österreich als erloschen betrachtet hatte. An seine Stelle trat der Norddeutsche Bund unter preußischer Führung, die Vorstufe des 1871 gegründeten Deutschen Reichs. Damit zeichnete sich die Verwirklichung der sogenannten kleindeutschen Lösung ab, einer nationalen Einigung Deutschlands ohne Österreich.

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist der Ausdruck Deutscher Krieg die gängigste Bezeichnung in der Geschichtswissenschaft. Außerhalb Deutschlands wird der Krieg oft als Preußisch-Österreichischer Krieg bezeichnet. Weitere historische oder alternative Bezeichnungen sind Preußisch-Deutscher Krieg,[1] Einigungskrieg, Siebenwöchiger Krieg, Deutsch-Deutscher Krieg, Deutscher Bundeskrieg, Deutscher Bruderkrieg und Deutsch-Österreichischer Krieg.

Die „korrekte“ Bezeichnung hängt auch von der Einschätzung des Konfliktes ab. Aus Sicht Österreichs und seiner Verbündeten hatte Preußen Bundesrecht gebrochen, wogegen im Bundesbeschluss vom 14. Juni Maßnahmen getroffen wurden. Nicht dem Namen, aber der Sache nach sei es eine Bundesexekution gegen Preußen gewesen. Aus preußischer Sicht war der Bundesbeschluss rechtswidrig und führte zur Auflösung des Bundes. Der anschließende Krieg sei daher nach völkerrechtlichen Maßstäben wie ein internationaler Konflikt zu bewerten.

Trotz der Beteiligung des Deutschen Bundes als Kriegspartei behauptete keine Seite, es handele sich um einen „Bundeskrieg“ im Rechtssinn. Das wäre ein Krieg des Bundes gegen einen fremden Angreifer gewesen, der nicht Mitglied des Deutschen Bundes war. An dem Ausdruck „deutsch“ im Begriff Deutscher Krieg lässt sich beanstanden, dass nicht nur Deutsche und auch nicht nur deutsche Staaten daran beteiligt waren. Das Bundesgebiet war nicht mit den Gebieten deckungsgleich, in denen ausschließlich oder überwiegend Deutsche lebten. Außerdem war Italien, das aufgrund des Preußisch-Italienischen Allianzvertrags mit Preußen verbündet war, an den Kriegshandlungen beteiligt. Die direkte Auseinandersetzungen Italiens mit Österreich wird allerdings in Abgrenzung zum zeitgleichen Deutschen Krieg auch als Dritter Italienischer Unabhängigkeitskrieg bezeichnet.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursachen für den Krieg lagen in der österreichisch-preußischen Auseinandersetzung um die Führungsrolle im Deutschen Bund (Deutscher Dualismus). Bereits in der Herbstkrise 1850 wäre es beinahe zu einem Krieg zwischen den beiden Hauptmächten im Bund gekommen. Vor dem Hintergrund der führenden Rolle Preußens im Deutschen Zollverein unter Ausschluss Österreichs, der wirtschaftlichen Prosperität, aber auch der in reaktionären Kreisen geschätzten preußischen Militärtradition boten sich Anreize, die endgültige Entscheidung der Machtfrage zu suchen. Vorwand des Krieges 1866 war der Streit um die Verwaltung der Herzogtümer Schleswig und Holstein nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges.

Die Aussichten auf einen Sieg standen 1866 zudem für Preußen günstig, denn Österreich befand sich in einer schweren Finanzkrise und hatte seit seiner am Petersburger Zarenhof als undankbar empfundenen Haltung im Krimkrieg ein schwieriges Verhältnis zu Russland. Dies ließ trotz der familiären Beziehungen des Zarenhauses zu den pro-österreichischen Dynastien in Darmstadt und Stuttgart eine militärische Hilfeleistung unwahrscheinlich werden. Zudem bestanden Verstimmungen über das Ende der innerdeutschen Stabilität. Die Alvenslebensche Konvention von 1863 hatte Preußen bereits das Vertrauen des Zaren eingebracht, während Österreich Russlands gewaltsame Unterdrückung der Polen kritisiert hatte. St. Petersburg war zudem wegen innerer Probleme gebunden und nahm vor Kriegsausbruch nur mit erfolglosen Deeskalationsversuchen Einfluss auf das Geschehen.

Großbritanniens Interessen berührte der drohende Krieg wenig. London setzte sich mit mäßigem Engagement für eine Friedensinitiative der nichtdeutschen Großmächte ein, jedoch gelang es Berlin, das in Bezug auf seine Deutschlandpolitik viel aktivere Frankreich zum Ausscheren zu bewegen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck hatte die Pariser Bemühungen um eine Veränderung des territorialen Status quo für seine Zwecke genutzt. Er hatte beim französischen Kaiser Napoléon III. bei der Begegnung in Biarritz (3. September 1865) Hoffnungen auf Gebietserwerb (Wallonien/Luxemburg) geweckt, machte sich aber nicht von ihm abhängig, da er die Option einer Verhandlungslösung mit Österreich vorerst bewahrte. So gewährte Paris die Neutralität zu Bismarcks Bedingungen und musste sich später (vergeblich) selbst um Grenzverschiebungen kümmern, während Berlin nicht zu aktiver Förderung verpflichtet sein sollte.

Bismarck konnte außerdem das mit Frankreich freundschaftlich verbundene Italien für seine Pläne gewinnen, da dieses Venetien beanspruchte, das zu Österreich gehörte. Ein auf Druck Frankreichs unterbreitetes Angebot Österreichs, dieses Gebiet freiwillig abzutreten, kam zu spät: Am 8. April 1866 hatten Preußen und Italien bereits ein auf drei Monate befristetes geheimes Angriffsbündnis gegen Österreich geschlossen, durch das Preußen gegen Artikel XI (und die allgemein gehaltenen Art. III in Verbindung mit Art. II) der Deutschen Bundesakte verstieß. Österreich wiederum schloss einen Geheimvertrag mit Frankreich und stellte ihm ein französisch dominiertes Rheinland in Aussicht.

Mit dem Plan einer Bundesreform vom 10. Juni, die den Gesandtenkongress unter österreichischem Vorsitz durch ein gewähltes Parlament ersetzen sollte, zielte die preußische Regierung propagandistisch auf die Gewinnung der Nationalbewegung. Der Preußische Verfassungskonflikt belastete das Verhältnis zum preußenfreundlichen, evangelisch dominierten Deutschen Nationalverein jedoch schwer.

Um die Streitigkeiten auf bundesrechtlicher Basis auszutragen und mehr Rückhalt unter den Bundesstaaten zu erhalten, wandte sich Österreich am 1. Juni 1866 an den Bundestag des Deutschen Bundes und stellte ihm im Einklang mit der Bevölkerung die Entscheidung über die Zukunft Holsteins anheim. Das Herzogtum stand zwar unter österreichischer Verwaltung, Österreich duldete aber zum Verdruss Preußens die Nebenregierung des Herzogs Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein und entschloss sich in Übereinstimmung mit ihm zur Einberufung der holsteinischen Ständeversammlung. Preußen betrachtete dieses Vorgehen als Bruch der Gasteiner Konvention, in der Preußen und Österreich 1865 ihre Einflusssphären im sogenannten Kondominium (gemeinsame Territorialherrschaft) Schleswig-Holstein aufgeteilt und ihre Politik festgelegt hatten.

Am 9. Juni marschierten preußische Truppen in Holstein ein, worauf Österreich die Mobilisierung von Bundestruppen zwecks einer Bundesexekution wegen verbotener Selbsthilfe Preußens beim Bundestag beantragte. Ob Preußen wirklich militärisch zur Einhaltung der Bundesverpflichtungen gezwungen werden sollte, blieb offen. Am 14. Juni stimmte der Bundestag dem Antrag mehrheitlich zu[2] und ernannte bald darauf Karl von Bayern zum Bundesfeldherrn. Preußen behauptete, dies sei ein Bruch der Bundesverfassung, und erklärte den Bund für aufgelöst. Die formelle Selbstauflösung folgte nach der Niederlage parallel zum Prager Frieden am 23. August 1866 in Augsburg.

Bündnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bündnisse des Krieges
  • Preußen
  • Preußische Verbündete
  • Österreich
  • Österreichische Verbündete
  • Neutrale Staaten des Deutschen Bundes, Liechtenstein
  • Umstrittene Gebiete (Schleswig-Holstein).
Übersicht über die Staaten des Deutschen Bundes

Preußens Verbündete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußens größter Verbündeter war Italien, hinzu kamen die Großherzogtümer Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin, die Freien Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck, die zusammen die 13. Division Goeben stellten, das Herzogtum Braunschweig, das Herzogtum Sachsen-Altenburg, dessen Truppen in den Reservearmeekorps an den Kämpfen teilnahmen, das Herzogtum Anhalt, dessen Truppen in der Reserve keine Kampfhandlungen hatten, das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha und das Fürstentum Lippe, deren Soldaten an den Kämpfen im Mainfeldzug beteiligt waren, und das Fürstentum Waldeck-Pyrmont, das keine eigenen Truppen hatte. Hinzu kam das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, das sich Preußen wie manch andere Kleinstaaten nur unfreiwillig angeschlossen und infolge einer verzögerten Mobilmachung keine Truppen im Kampf hatte.

Im Laufe des Krieges kamen einige anfangs neutrale Staaten hinzu. Am 26. Juni 1866 stellte sich das Fürstentum Reuß jüngere Linie auf Preußens Seite. Am 5. Juli folgte das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Erst nach Ende der Kampfhandlungen schlossen am 18. August das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt und das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen ein Bündnis mit Preußen. Am selben Tag wechselte das Fürstentum Schaumburg-Lippe die Seiten.

Deutscher Bund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem von Österreich geführten Deutschen Bund gehörten neben diesem die Königreiche Sachsen, Bayern und Hannover (schied am 29. Juni 1866 aus) mit ihren eigenen Armeen an. Der König Ludwig II. von Bayern wollte in dem sich anbahnendem Krieg zwischen Preußen und Österreich um die Führung in Deutschland neutral bleiben und sein Land aus dem direkten Kriegsgeschehen heraushalten. Österreich bestand aber auf der Einhaltung der im Deutschen Bund vereinbarten Bündnispflichten. Bayern und sein König lavierten zunächst zwischen Neutralitätswunsch und Bündnispflicht.[3]

Das Königreich Württemberg, das Großherzogtum Hessen, das Großherzogtum Baden, das Herzogtum Sachsen-Meiningen, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt bildeten aus ihren Truppen das Bundeskorps.

Das Fürstentum Liechtenstein unterstützte mit seinem Truppenkontingent ohne Feindberührung die österreichische Armee gegen Italien. Ohne dass es mit Preußen zu einer Regelung kam, schied es 1866 mit Ende des Bundes wegen seiner geographischen Lage aus Deutschland aus, war aber nachher eng an Österreich gebunden.[4] Das Großherzogtum Luxemburg, das wie das seit 1839 bundesangehörige Herzogtum Limburg vom niederländischen König regiert wurde, der kein Interesse an riskanter Parteilichkeit hatte, blieb neutral. Nach dem Krieg gehörte das durch seinen Provinzstatus relativ unbedeutende Limburg nur noch zu den Niederlanden. Die Londoner Konferenz erklärte 1867 Luxemburg für souverän und immerwährend neutral. Luxemburg blieb im Deutschen Zollverein.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Kriegerdenkmal Friedhof Neurode
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Gefallene Soldaten aus dem Jahre 1866 fanden ihre letzte Ruhestätte in Neurode


Am 11. Mai 1866 unterschrieb Ludwig II. den Mobilmachungsbefehl, womit Bayern als Mitglied des Deutschen Bundes auf Seiten Österreichs in den Deutschen Krieg zwischen Österreich und Preußen eintrat. Gleichzeitig wurde Österreich aber auf preußischen Druck die Nutzung der strategisch wichtigen Eisenbahnlinie Regensburg–Pilsen–Prag verweigert.[5]

Nach kampflosem Einmarsch preußischer Verbände in das Königreich Sachsen rückte die preußische 1. Armee unter Prinz Friedrich Carl am 23. Juni über Seidenberg und Zittau, die Elbarmee unter General Herwarth von Bittenfeld über Waltersdorf und Schluckenau in das habsburgische Königreich Böhmen ein. Am 26. Juni kam es zu ersten größeren Gefechten bei Hühnerwasser (Kuřívody), Sichrow, Turnau (Turnov) und der Schlacht bei Podol zwischen verschiedenen Einheiten der preußischen 1. Armee und der Elbarmee auf der einen und dem I. Österreichischen sowie dem Sächsischen Korps auf der anderen Seite. Tags darauf überschritt die preußische 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm über mehrere Pässe das Riesengebirge, wobei es zu den Gefechten bei Nachod und bei Trautenau kam. Das letztere Treffen war das einzige des gesamten Krieges, das für die österreichischen Truppen siegreich verlief. Am 28. Juni wurden die Österreicher in der Schlacht bei Skalitz und Soor sowie der Schlacht bei Münchengrätz besiegt.

Die Anmarschrichtungen der Preußen auf Königgrätz

Schließlich fand am 29. Juni die Schlacht bei Gitschin zwischen der preußischen 1. Armee und dem zurückgezogenen österreichischen I. sowie dem Sächsischen Korps statt, im Osten kam es zu den Gefechten von Königinhof und Schweinschädel (Svinišťany). Nach diesen letztgenannten Begegnungen verloren beide Armeen die Fühlung zueinander, erst am 2. Juli wurde die Aufstellung der Österreicher und Sachsen nordwestlich von Königgrätz aufgeklärt.

Preußische Truppen aus Minden und Hamburg (in der Stadtrepublik waren sie regulär stationiert) wurden von der Armee des Königreichs Hannover am 27. Juni 1866 bei Langensalza geschlagen. Die Hannoveraner mussten aber auf Grund ihrer hohen Verluste, des fehlenden Nachschubs und der mittlerweile großen zahlenmäßigen Überlegenheit der Preußen am 29. Juni 1866 kapitulieren. Noch heute erinnert ein Denkmal im Zentrum Mindens an den Sieg bei Langensalza. Die preußischen Verbündeten griffen Kassel und Frankfurt am Main an, während der rechte Flügel der preußischen Mainarmee überraschend vor den Toren Nürnbergs auftauchte.

Im Süden hatte Österreich inzwischen am 24. Juni 1866 die italienische Armee unter General Alfonso La Marmora bei Custozza geschlagen. Die österreichische Adriaflotte unter Wilhelm von Tegetthoff siegte bei der Insel Lissa (Vis) am 20. Juli über die überlegene italienische Flotte. Es war wohl eine der letzten Marineschlachten, die durch die Rammtaktik gewonnen wurde. Die Notwendigkeit aber, die Truppen auf zwei Fronten zu verteilen, war neben der im Vergleich zu Preußen rückständigen Waffentechnik einer der Hauptgründe für die letztendliche Niederlage Österreichs – und damit formal des Deutschen Bundes. Preußen hatte die 4-Pfünder-Feldkanone C/64. Diese war deutlich leichter und mobiler als die Sechspfünder (C/61 und deren Nachfolgerin C/64), konnte bis zu 10 Schuss pro Minute abfeuern, hatte eine große Höchstschussweite (Granate) von 3450 m und eine gute Treffgenauigkeit.

Die Entscheidung fiel schließlich in der Schlacht bei Königgrätz: Die vereinigten preußischen Armeen gewannen am 3. Juli 1866 bei Königgrätz in Böhmen unter der persönlichen Führung König Wilhelms von Preußen gegen Österreich. Preußischer Generalstabschef war Helmuth Graf von Moltke, der geistige Vater des gesamten preußischen Aufmarsches (siehe auch Strategische Bahn). Auf österreichischer Seite ruhten die Hoffnungen zum Großteil auf dem als militärisches Genie geltenden Oberbefehlshaber Ludwig von Benedek, denn Preußen war in dieser Schlacht Österreich zahlenmäßig leicht (221.000 zu 215.000)[6] und auch technisch überlegen. Benedek hatte zuvor versucht, das Amt des Oberbefehlshabers der Nordarmee abzulehnen, da er auf dem böhmischen Schauplatz keinerlei Erfahrung hatte und sich die Nordarmee in einem äußerst desolaten Zustand befand, was auch die Schlacht mitentscheiden sollte. Nach der Schlacht bei Königgrätz wurde er seines Amtes enthoben und vor ein Kriegsgericht gestellt. Das Verfahren wurde jedoch auf kaiserlichen Druck eingestellt und Benedek befohlen, bis an sein Lebensende über die Schlacht zu schweigen, woran er sich auch hielt. Helmuth von Moltke hatte sich entschieden, das preußische Heer in drei getrennten Armeen marschieren zu lassen. Zunächst eröffneten die Elbarmee unter Leitung von Eberhard Herwarth von Bittenfeld und die 1. Armee unter Leitung von Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen die Kampfhandlungen gegen die österreichische Armee, die nördlich der Festung Königgrätz Stellung bezogen hatte. Die preußischen Angriffe konnten trotz hoher Verluste zunächst keine nennenswerten Erfolge erzielen, sodass die schlachtentscheidende Rolle der 2. Armee unter Leitung des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm zufiel, die sich in Gewaltmärschen dem Schlachtfeld näherte. Der Kronprinz entschied sich für einen Flankenangriff auf die kaiserlichen Streitmächte, um die beiden anderen preußischen Armeen zu entlasten. Dabei gelang es ihm, die Höhe von Chlum zu besetzen, von der aus seine Artillerie ein verheerendes Flankenfeuer gegen die österreichische Armee eröffnen konnte. Die letzte Schlacht fand schließlich im Mainfeldzug am 26. Juli 1866 bei Uettingen statt, in der Preußen über die Bayerische Armee siegte. Mit dem Gefecht bei Blumenau am letzten Tag des Krieges wendeten die Österreicher noch die Besetzung Pressburgs durch preußische Truppen ab.

Insgesamt kämpften auf Seiten des Deutschen Bundes ca. 600.000, für Preußen und seine deutschen Verbündeten rund 500.000 und für das Königreich Italien etwa 300.000 Soldaten. Durch die Allgemeine Wehrpflicht glich Preußen den Nachteil aus, dass das Land nur ungefähr die Hälfte der Einwohnerzahl des habsburgischen Vielvölkerstaates aufwies. Nach den jeweiligen Generalstabswerken betrugen die Verluste auf den böhmisch-mährischen, niederösterreichischen und ungarischen Kriegsschauplätzen im Einzelnen:

  • Österreich: 1.313 Offiziere, davon 330 gefallen, und 41.499 Mann, 5.328 gefallen
  • Sachsen: 55 Offiziere, davon 15 gefallen, sowie 1.446 Mann, davon 120 gefallen
  • Preußen: 359 Offiziere, davon 99 gefallen, sowie 8.794 Mann, davon 1.830 gefallen

Die Streitkräfte Preußens, Italiens und ihrer Alliierten hatten insgesamt etwa 37.000 Tote und Verwundete zu beklagen, deutlich weniger als ihre Kontrahenten.

Ausgang und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Preußische Staat nach den Annexionen von 1866.
Orange: Altpreußen
Blau: Hannover
Gelb: Kurhessen
Grün: Nassau
Rosa: Schleswig-Holstein
Violett: Herzogtum Lauenburg, schon durch den Gasteiner Vertrag 1865 an Preußen gefallen

Um einer französischen oder russischen Intervention zuvorzukommen, drängte Bismarck den preußischen König dazu, den Sieg nicht voll auszunutzen, sondern einen schnellen Frieden zu schließen. Der Ministerpräsident benötigte viel Überzeugungskraft, um Wilhelm – trotz dessen nur mühsam überwundenen ursprünglichen Gegnerschaft zu den Angriffsplänen – davon abzubringen, Österreich harte Friedensbedingungen zu diktieren und in Wien als Sieger einzuziehen.

Der entscheidende Schritt zur Beendigung des Krieges gelang am 26. Juli 1866 im durch den französischen Kaiser Napoléon III. vermittelten Vorfrieden von Nikolsburg, nachdem Österreich in der Hauptsache (Austritt aus der gesamtdeutschen Politik) nachgegeben hatte, zumal seine militärische Lage aussichtslos war. Der Vorfrieden wurde später im Frieden von Prag mit Preußen bestätigt und zudem der Frieden von Wien mit Italien geschlossen.

Italien gewann Venetien auf indirektem Wege, da Österreich es während des Krieges formell an Frankreich zur anschließenden Weitergabe an den Gegner abgetreten hatte. Preußen annektierte zum 1. Oktober die souveränen Bundesglieder Hannover, Nassau, Hessen-Kassel und die Freie Stadt Frankfurt. Das Großherzogtum Hessen-Darmstadt musste das Hessische Hinterland und die ehemalige Landgrafschaft Hessen-Homburg an Preußen abtreten, Bayern das Bezirksamt Gersfeld in der Rhön, das Bezirksamt Orb und die Exklave Kaulsdorf in Thüringen. Dadurch erlangte Preußen die Landverbindung zwischen seinen westlichen und östlichen Provinzen. Außerdem ließ es sich im Prager Frieden von Österreich die vollständigen Rechte an Schleswig und Holstein übertragen.

Grenzen Europas nach dem Krieg (1867)              Grenze des Norddeutschen Bundes

Ebenfalls in den Friedensschlüssen setzte Preußen die Anerkennung durch, dass der Deutsche Bund als aufgelöst anzusehen sei. Durch die Augustverträge schloss es ein Militärbündnis in Norddeutschland und bereitete die Gründung des Norddeutschen Bundes als Bundesstaat vor. Unabhängig blieben vorerst die süddeutschen Staaten: das Königreich Bayern, das Königreich Württemberg, das Großherzogtum Baden (auf Drängen Frankreichs anerkannt) und partiell das Großherzogtum Hessen, das dank russischer Fürsprache mit einigen kleinen Gebietsabtretungen davonkam. Dessen Provinz Oberhessen wurde wie das Königreich Sachsen in den Norddeutschen Bund integriert und nicht annektiert. Die Realisierung des im Frieden von Prag vorgesehenen Südbunds vom Main bis zum Bodensee scheiterte, da Bismarck sie untergrub und die südwestdeutschen Regierungen eine bayerische Dominanz ablehnten. Im Friedensvertrag nach der Niederlage verpflichtete sich Bayern, eine Kriegsentschädigung von 30 Millionen Gulden an Preußen zu zahlen. Das war ein vergleichsweise geringer Betrag, wenn man berücksichtigt, dass etwa die Bürger der Freien Stadt Frankfurt am Main eine ähnlich hohe Summe aufbringen mussten wie das Königreich, auch die Gebietsverluste blieben gering.[3]

In Bayern machte man für die Niederlage vor allem die Minister und die militärische Führung verantwortlich, aber die bayerische Armee befand sich zu Kriegsbeginn in einem desolaten Zustand. Ausrüstung und Organisation waren seit Jahrzehnten vernachlässigt worden. Das lag auch am politischen Kurs seines Monarchen.[3] Im Rahmen des Schutz- und Trutzbündnisses unterstellte Bayern, wie die anderen süddeutschen Staaten, für den Bündnisfall seine Armee dem preußischen Oberbefehl. Dies schränkte Bayerns außenpolitischen Spielraum schmerzlich ein.[5]

Die Verdrängung Österreichs aus der gesamtdeutschen Politik erwies sich im Nachhinein als beständig, auch wenn sich Kaiser Franz Joseph I. einstweilen nicht damit abfand. Zudem erzielte Bismarck aufgrund der Begeisterung einen großen innenpolitischen Erfolg, besonders da ihm bezüglich des Regierens ohne gesetzmäßigen Haushalt nachträglich vom preußischen Abgeordnetenhaus Straffreiheit zugebilligt wurde (Annahme der Indemnitätsvorlage). Der Streit über diese Frage spaltete die oppositionelle Deutsche Fortschrittspartei.

Die bis dahin guten Beziehungen zwischen Frankreich und Preußen verschlechterten sich durch den Sieg Preußens nachhaltig. Der französische Kaiser Napoléon III. hatte eigentlich geplant, für seine Vermittlung territoriale Belohnungen zu bekommen (linkes Rheinufer), wurde aber von der Geschwindigkeit des Kriegsablaufs überrascht und kam mit seinen Forderungen zu spät. In Frankreich entstand daraufhin der Ruf nach „Rache für Sadowa“ (ein Ort der Schlacht bei Königgrätz). Da die Außenpolitik Napoléons III. ähnlich wie die preußische auf territoriale Expansion ausgelegt war, bedeutete die Nichterfüllung dieser (für Frankreichs Einfluss in Deutschland eher kontraproduktiven) Ambitionen eine Enttäuschung, die letztlich zur Achse Paris–Wien führte. Der vormals sächsische Ministerpräsident Friedrich Ferdinand von Beust konnte sich als Außenminister und späterer Reichskanzler der neuen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit seiner Allianzpolitik nicht gegen Bismarcks raffiniertes Kalkül durchsetzen.

Im Rahmen der Friedensvertragsverhandlungen verbündeten sich Bayern, Baden und Württemberg (das südlich der Mainlinie noch unabhängige Hessen-Darmstadt erst im Zuge der Luxemburgkrise) mit Preußen in Schutz- und Trutzbündnissen – die Basis für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Preußen weitete dann durch Indienstnahme des Nationalgefühls, russischer Rückendeckung und der Wirtschaftseinheit seinen Machtbereich auf die süddeutschen Staaten im Deutschen Zollverein aus, so dass es schließlich am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles zur Reichsgründung kam.[7] Von Russland und Ungarn an einem militärischen Eingriff zugunsten Frankreichs gehindert, zog der Kaiser von Österreich es vor, als deutscher Fürst zu handeln, woraus sich eine zunehmend wohlwollende Neutralität entwickelte und die spätere Allianz mit dem Deutschen Reich (Zweibund) möglich wurde.

Übersicht über Friedensverträge und Annexionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesstaat Waffenruhe Waffenstillstand (W)/Kapitulation (K) Friedensvertrag (F)/Annexion (A) Bemerkungen
Osterreich KaisertumKaisertum Österreich Kaisertum Österreich 22. Juli 1866 26. Juli 1866 Vorfrieden von Nikolsburg (W) 23. August 1866 Prager Frieden (F) Verzicht auf Schleswig und Holstein; Anerkennung der preußischen Vorherrschaft in Norddeutschland; 20. Mio Taler Kriegsentschädigung[8]
Königreich BayernKönigreich Bayern Königreich Bayern 27. Juli 1866 28. Juli 1866 (W) 22. August 1866 (F) kleinere Gebietsverluste;[9] 30 Mio. Gulden Kriegsentschädigung
Königreich HannoverKönigreich Hannover Königreich Hannover 29. Juni 1866 (K) 20. September 1866 (A) Annexion durch preußisches Gesetz
Königreich SachsenKönigreich Sachsen Königreich Sachsen 21. Oktober 1866 Beitritt zum Norddeutschen Bund
WurttembergKönigreich Württemberg Königreich Württemberg 1. August 1866 (W) 13. August 1866 8 Mio. Gulden Kriegsentschädigung
Kurfürstentum HessenKurfürstentum Hessen Kurfürstentum Hessen 20. September 1866 (A) Annexion durch preußisches Gesetz
BadenGroßherzogtum Baden Großherzogtum Baden 29. Juli 1866 3. August 1866 (W) 17. August 1866 6 Mio. Gulden Kriegsentschädigung
Flagge Großherzogtum Hessen ohne Wappen.svg Großherzogtum Hessen 1. August 1866 (W) Friedensvertrag vom 3. September 1866 3 Mio. Gulden Kriegsentschädigung; Gebietsverluste[10], Gebietsgewinne;[11] mit der Provinz Oberhessen Beitritt zum Norddeutschen Bund
Herzogtum NassauHerzogtum Nassau Herzogtum Nassau 20. September 1866 (A) Annexion durch preußisches Gesetz
Flagge Fürstentum Reuß ältere Linie.svg Reuß ältere Linie 26. September 1866 Beitritt zum Norddeutschen Bund
Flagge Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha (1826-1911).svg Sachsen-Meiningen 8. Oktober 1866 Beitritt zum Norddeutschen Bund[12]
Flagge Fürstentum Schaumburg-Lippe.svg Schaumburg-Lippe 18. August 1866[13] Beitritt zum Norddeutschen Bund
Flag of the Free City of Frankfurt.svg Freie Stadt Frankfurt 20. September 1866 (A) Annexion durch preußisches Gesetz

Faktoren des preußischen Erfolgs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der preußische Sieg war auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Genannt wird etwa die einheitliche Kommandostruktur der preußischen Armee mit ihrem Generalstab unter Moltke. Dieser strebte im Sinne eines „absoluten Krieges“, wie ihn der Militärtheoretiker Carl von Clausewitz (1780–1831) skizziert hatte, eine Vernichtung der feindlichen Truppen an. Zu diesem Zweck setzte er zur Dislozierung seiner Truppen mit großem Geschick die Eisenbahn ein, wie es kurz zuvor erstmals im amerikanischen Bürgerkrieg beobachtet worden war.[14] Auch das taktische Geschick bzw. Feuerdisziplin und Manövererfahrung der preußischen Soldaten sowie ihr höherer Bildungsstand spielten eine Rolle – in Preußen war die allgemeine Schulpflicht bereits 1717 eingeführt worden. Von erheblicher Bedeutung war nicht zuletzt das Zündnadelgewehr, das es den Preußen erlaubte, dreimal so schnell zu schießen wie mit einem herkömmlichen Karabiner. Damit konnten auch numerisch unterlegene Infanterieverbände eine bis dahin unerreichte Feuerkraft entfalten.[15] Alle Staaten, die nicht bereits Zündnadelgewehre hatten, änderten entweder die vorhandenen Vorderlader in Zündnadelgewehre um (wie z. B. Württemberg) oder nahmen andere Systeme zur Hinterladung an (wie Bayern, das das Gewehr M/1858 zum Podewils-Gewehr Infanteriegewehr M/1858/67 umänderte). Auch große Staaten wie England, das noch 1866 die Umänderung der Enfield Rifled Musket zur Snider-Enfield Rifle annahm oder Frankreich, das sowohl die Umänderung a la tabatière als auch das Chassepotgewehr zur Ordonnanz annahm, wurden von dieser Welle erfasst. Schon am 3. August 1866 wurde gemeldet, dass Österreich die Umänderung in das Hinterladungssystem nach Lindner annehme.[16]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Fünf preußische Feldherren – illustriert, in Die Gartenlaube (1866), Heft 30, S. 475–477

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutscher Krieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Deutscher Krieg – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie Brockhaus 1867, S. 88.
  2. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09354-X, S. 782.
  3. a b c Zweites Deutsches Fernsehen: Die Deutschen: Ludwig II.: Der Deutsche Krieg. In: zdf.de. 7. Dezember 2010, abgerufen am 8. Mai 2015.
  4. lie:zeit-Redaktion: Sonderausstellung: «1866: Liechtenstein im Krieg – Vor 150 Jahren». In: lie:zeit. , abgerufen am 25. Februar 2017.
  5. a b Die Deutschen II – Dokumentarreihe in zehn Folgen (Memento vom 10. August 2014 im Internet Archive)
  6. Eric Dorn Brose: German history, 1789–1871. From the Holy Roman Empire to the Bismarckian Reich. Berghahn, Providence 1997, ISBN 1-57181-056-0, S. 342.
  7. Klaus Hildebrand: Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler 1871–1945. DVA, Stuttgart 1995, ISBN 3-421-06691-4, S. 13.
  8. Eigentlich 40 Millionen Taler. Österreich wurden 15 Millionen, die ihm noch gemäß dem Frieden von Wien aus dem Deutsch-Dänischen Krieg zustanden, sowie 5 Millionen an freier Verpflegung für die preußischen Besatzungstruppen zugestanden.
  9. Bezirksamt Gersfeld; Bad Orb; Exklave Kaulsdorf (Saale)
  10. Hessisches Hinterland und Landgrafschaft Hessen-Homburg
  11. Gebietsgewinne: Rumpenheim und Amt Dorheim (beides: ehemals Kurhessen).
  12. Durch Preußen erzwungener Rücktritt von Herzog Bernhard II. zugunsten seines Sohnes Georg II.; Abtretung des Dorfes Abtlöbnitz an Preußen.
  13. s. Deutsche-Schutzgebiete.de: Fürstentum Schaumburg-Lippe
  14. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1845/49–1914. C.H. Beck, München 1995, S. 294.
  15. Heinrich Lutz: Zwischen Habsburg und Preußen. Deutschland 1815–1866. Siedler, Berlin 1994, S. 460.
  16. Henry Drapsky: Die Umänderung der österreichischen Vorderladungs- in Hinterladungs-Gewehre. In: Polytechnisches Journal. 182, 1866, S. 280–283.