Iława

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Iława
Wappen von Iława
Iława (Polen)
Iława
Iława
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Iława
Fläche: 21,88 km²
Geographische Lage: 53° 36′ N, 19° 34′ OKoordinaten: 53° 36′ 0″ N, 19° 34′ 0″ O
Höhe: 100 m n.p.m.
Einwohner: 33.375
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 14-200 bis 14-210
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NIL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 16: Dolna Grupa–GrudziądzEłk–Ogrodniki/Litauen
DW 521: Iława–Kwidzyn
DW 536: Iława–Sampława
Schienenweg: PKP-Linie 9: Warschau–Danzig
PKP-Linie 353: Toruń–Olsztyn
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 21,88 km²
Einwohner: 33.375
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1525 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2807011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Włodzimierz Ptasznik
Adresse: ul. Niepodległości 13
14-200 Iława
Webpräsenz: www.ilawa.pl



Iława Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i (deutsch Deutsch Eylau) ist Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im ehemaligen Westpreußen am Südende des Geserichsees, etwa 45 Kilometer südöstlich von Marienwerder (Kwidzyn) und 61 Kilometer südöstlich von Allenstein (Olsztyn).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch Eylau (Dtsch. Eylau) südöstlich von Marienwerder und nordöstlich von Graudenz auf einer Landkarte von 1908.
Rathaus
Pfarrkirche St. Marien

Die Wurzeln der Stadt reichen bis in das frühe Mittelalter zurück, als sich an ihrer Stelle eine altpreußische Siedlung befand. Im Zuge der Kolonisierung dieses Gebietes errichtete der Deutsche Orden auf der Geserich-Halbinsel einen Hof und eine Mühle. Als nächsten Schritt gründete dort der Christburger Ordens-Komtur Sieghard von Schwartzburg 1305 eine Siedlung, die mit der Handfeste von 1317 des Komturs Luther von Braunschweig Stadtrecht erhielt. In späteren Urkunden, so eine Bestätigung der Handfeste von 1338, wird der Name der Stadt in Lateinisch mit Ylavia und in Deutsch mit Ylaw oder Ylau angegeben. Aus dem im 15. Jahrhundert verwendeten lateinischen Namen Ylow theutonicalis entstand schließlich Deutsch Eylau.

Anfang des 14. Jahrhunderts hatte der Orden eine wahrscheinlich einflüglige Burg errichtet, die jedoch nur bis zum 18. Jahrhundert Bestand hatte. Bis 1340 unterstand Eylau der Komturei Christburg, danach wurde sie der neu eingerichteten Komturei Osterode zugeordnet. Der spätere Hochmeister des Deutschen Ordens, Heinrich von Plauen, war zuvor mehrere Jahre Ordenspfleger in Eylau. Erste wirtschaftliche Erfolge stellten sich ein, als die Stadt Brücken- und Wegezoll auf den vorbeiführenden Handelsrouten eintrieb, die eine langgestreckte Brücke über den Geserichsee passieren mussten.

Während des Dreizehnjährigen Städteriegs (1454–1466) schloss sich Eylau dem Preußischen Bund an, der sich mit Polen gegen den Deutschen Orden gestellt hatte. 1457 verkauften böhmische Söldner wegen ihres ausstehenden Lohns Burg und Stadt an Polen. Polnische Truppen besetzten Eylau, die jedoch nach wenigen Monaten von den Einwohnern wieder vertrieben wurden. Im Zuge des Reiterkrieges wurde die Stadt erneut von Polen besetzt, wurde aber nach wenigen Tagen vom Deutschen Orden zurückerobert. Anschließend war Deutsch Eylau an verschiedene Gläubiger verpfändet. Im 16. Jahrhundert hatte Eylau 70 Bürger, es wurden Landwirtschaft, Fischfang, Schifffahrt und die üblichen Handwerke betrieben.

Mit der Säkularisierung des Deutschen Ordens gelangte Eylau 1525 unter die Herrschaft des weltlichen Herzogtums Preußen. Nach den Verpfändungen im 16. Jahrhundert erwarb 1690 der preußische Kammerherr Ernst Graf Finck von Finckenstein Deutsch-Eylau mit allen Gerichtsbarkeiten, mit allen Höfen und Gebäuden, den Äckern, Wiesen, und Wäldern. 1706 vernichtete ein Großbrand zahlreiche Gebäude, unter ihnen das Rathaus und das Krankenhaus. Für den Wiederaufbau musste die Hilfe des inzwischen ins Leben gerufenen Königreiches Preußen in Anspruch genommen werden, doch kam er wegen der anschließenden Pestjahre zunächst nur schleppend voran. Einen wesentlichen Aufschwung nahm die Stadt, als das preußische Militär Deutsch Eylau 1719 zur Garnisonsstadt ernannte. Während des Siebenjährigen Krieges war Deutsch Eylau von 1758 bis 1762 von russischen Truppen besetzt. Am Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Stadt 1045 Einwohner.

Nach der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Deutsch Eylau dem neu gebildeten Kreis Rosenberg in Westpreußen zugeordnet. Die wirtschaftliche Entwicklung schritt voran. 1822 sicherte sich die Stadt zunächst durch Erbpacht die Erträge aus dem fischreichen Geserichsee, der 1845 endgültig in das Stadteigentum überging. 1860 wurde eine Verbindung zum Oberländischen Kanal geschaffen, mit der Eylau eine Schiffsverbindung bis nach Elbing erhielt. 1872 erfolgte der Anschluss an die Bahnlinie Thorn–Allenstein, und 1892 war die Chaussee nach Allenstein fertiggestellt. An der Wende zum 20. Jahrhundert hatten sich zahlreiche Fabriken angesiedelt, u. a. eine Eisengießerei, eine Maschinenfabrik und eine Zementfabrik. Mit der Eröffnung weiterer Bahnlinien nach Marienburg (1877) und Strasburg i. Wpr. (1902) entwickelte sich Eylau zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Deutsch Eylau eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Progymnasium und ein Amtsgericht.[2]

Nach dem Ersten Weltkrieg war im Versailler Vertrag bestimmt worden, dass u. a. in Gebieten Westpreußens eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich oder zu Polen stattzufinden habe. Die Abstimmung fand am 11. Juli 1920 statt, in Deutsch Eylau entschieden sich 95,3 Prozent der Stimmberechtigten für das Reich. Inzwischen hatte auch der Fremdenverkehr für die Stadt an Bedeutung gewonnen. Wegen ihrer reizvollen Lage am Geserichsee wurde sie Perle des Oberlandes genannt. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden 1939 12.772 Einwohner gezählt, von denen 81 Prozent evangelisch waren.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es in Eylau wegen seiner strategischen Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt im Januar 1945 zu heftigen Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee, wodurch schwere Zerstörungen entstanden. Am 23. Januar wurde die Stadt von einer Panzerbrigade der Roten Armee besetzt. Am 23. Mai 1945 wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Deutsch Eylau die Ortsbezeichnung Iława ein. Am Jahresende 1945 lebten noch 1138 Menschen in der Stadt. Soweit die deutsche Bevölkerung nicht geflohen war, wurde sie in der Folgezeit aus Deutsch Eylau vertrieben.

Der Geserichsee ist ein Zentrum des Wassersport-Tourismus.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1789 0 1.045 mit der Garnison (137 Personen, eine Schwadron Dragoner), sämtlich Deutsche[3]
1802 1.516 [4]
1810 1.374 [4]
1816 1.576 davon 1.297 Evangelische, 205 Katholiken und 74 Juden[4]
1821 1.492 [4]
1831 0 1.628 [5]
1871 03.472 darunter 2.800 Evangelische und 400 Katholiken (60 Polen)[6]
1875 03.832 [7]
1880 04.126 [7]
1890 05.701 davon 902 Katholiken und 134 Juden[7]
1900 08.074 mit der Garnison (Stab der 72. Infanteriebrigade, zwei Infanteriebataillone Nr. 59, ein Infanteriebataillon Nr. 152, drei Schwadronen Kürassiere Nr. 5 und zwei Abteilungen Feldartillerie Nr. 35), meist Evangelische[2]
1910 10.087
1925 11.242 davon 9.377 Evangelische, 1.581 Katholiken, 26 sonstige Christen und 110 Juden[7]
1933 12.836 davon 10.731 Evangelische, 1.947 Katholiken, drei sonstige Christen und 84 Juden[7]
1939 12.772 davon 10,347 Evangelische, 1.911 Katholiken und 320 sonstige Christen (keine Juden)[7]
1943 13.691 [8]
1945 1.138
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner
1960 12.029

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche der Stadt wurde von 1317 bis 1325 im Stil der Backsteingotik anstelle einer Kapelle, die dem Heiligen Nicolaus geweiht war, errichtet und der Heiligen Maria geweiht. Zwischen 1548 und 1550 wurden Erweiterungen vorgenommen, so der Anbau des Kirchturms, der mit seinem landschaftstypischen Staffelgiebel an die Nordseite des Chors angeschlossen wurde. Ein nördlicher Anbau wurde 1642 und die Vorhalle im Westen 1904 angefügt. Der im Rokokostil von Johan Heinrich Selcke aus Riesenburg bei Rosenburg geschaffene Hauptaltar entstand 1740. Das 1790 eingefügte Altargemälde schuf der Berliner Maler Bernhard Rode. Ein aus Holz geschnitztes Kruzifix stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, der Altarleuchter aus Bronze wurde im 15. Jahrhundert geschaffen. Bei Bauarbeiten 1975 wurden Wandmalereien aus der Anfangszeit des Gebäudes gefunden.

Das Rathaus wurde in den Jahren 1910 bis 1912 im neobarocken Stil erbaut. Es ist ein dreiflügliger Bau mit offenem Vorhof zur Straße. Der Mitteltrakt trägt einen viereckigen Turm mit barocker Haube. Zwischen den beiden Seitenrisaliten befinden sich in der ersten Etage die drei hohen Fenster des Sitzungssaals. An den Seitenflügeln sind jeweils Arkaden vorgebaut.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Iława ist Verwaltungssitz der Landgemeinde Iława, gehört ihr aber als eigenständige Stadtgemeinde nicht an. Die Landgemeinde zählt auf einer Fläche von 423,55 km² 11.703 Einwohner (30. Juni 2005).

Hauptartikel: Iława (Landgemeinde)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 495–497.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 9–10, Nr. 6.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 435–436, Nr. 42.
  • Georg Gerullis: Die altpreußischen Ortsnamen. Geschichtlich und sprachlich behandelt. de Gruyter, Berlin u. a. 1922, S. 40.
  • Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Ost- und Westpreußen. Unveränderter Neudruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X (Kröners Taschenausgabe 317).
  • Maria Biolik: Zuflüsse zur Ostsee zwischen unterer Weichsel und Pregel. = Nazwy wodne dopływów Bałtyku między dolną Wisłą a Pregołą. Steiner-Verlag Wiesbaden, Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05521-5, S. 12 (Hydronymia Europaea).
  • Georg Hermanowski, Heinz Georg Podehl: Ostpreußen-Lexikon. Geographie, Geschichte, Kultur. Lizenzausgabe. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-186-4.
  • Rozalia Przybytek: Ortsnamen baltischer Herkunft im südlichen Teil Ostpreußens. = Nazwy miejscowe pochodzenia bałtyckiego w południowej części Prus Wschodnich. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06449-4, S. 86 (Hydronymia Europaea Sonderband 1).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Iława – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 4, Leipzig und Wien 1906, S. 755.
  3. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 9–10, Nr. 6.
  4. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 274–275, Ziffer 143.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 435, Nr. 42.
  6. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 49–50, Ziffer 3.
  7. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Rosenberg (2006).
  8. Ernst Bahr: Deutsch Eylau. In: Handbuch der historischen Stätten. Ost- und Westpreußen. Unveränderter Neudruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X (Kröners Taschenausgabe 317), S. 37–38.