Deutsche Akademie Rom Villa Massimo

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Logo der Villa Massimo
Das Haupthaus der Villa Massimo

Die Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, kurz Villa Massimo (italienisch Accademia Tedesca Roma Villa Massimo) ist eine Kultureinrichtung der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Rom.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges Logo der Villa Massimo

Die Villa Massimo wurde von 1910 bis 1914 von dem Berliner Unternehmer und Mäzen Eduard Arnhold (1849–1925) erbaut, der sie zusammen mit dem Stiftungskapital von 680.000 Mark im Jahr 1913 dem preußischen Staat schenkte. In diesem Jahr konnten die ersten Träger des Rompreises aufgenommen werden.[1]

Mit dem „Rompreis“ sollte vor allem jungen Künstlern (bis etwa 32 Jahre alt) ein kostenfreier neunmonatiger Aufenthalt ermöglicht werden. Ältere Künstler konnten sich auch bewerben, mussten aber die Kosten von damals 250 Reichsmark als „Studiengäste“ selbst tragen. Die Mitglieder des Senats der Preußischen Akademie der Künste entschieden über die Empfehlung an das Preußische Kulturministerium, das die eigentliche Entscheidung für den Erhalt des Stipendiums traf.[2]

Kurz nach der Gründung musste die Akademie durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden Konfiszierung im Jahre 1915 schließen. Die Wiederöffnung erfolgte nach der Rückgabe des Anwesens im Jahre 1928. Herbert Gericke, damals Professor an der Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin, der mit einer Enkelin Arnholds verheiratet war, wurde als Direktor bis 1938 und von 1956 bis 1965 eingesetzt.[3] Von 1938 bis 1939 leitete Fred C. Willis die Akademie[3] und ab 1939 führte diese der Bildhauer Hans Stangl (1888–1963). Von 1942 bis Mitte 1943 wurde die Anlage Sitz und Offizierskasino der Luftwaffe der Wehrmacht. Im Kriegsjahr 1943 wurde die Villa Massimo beschlagnahmt, war bis 1956 geschlossen, und unterlag der Sequesterverwaltung der Alliierten.

Akademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stipendium gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen Deutschlands für herausragende Künstler in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik (Komposition) und Architektur. Die Studienaufenthalte umfassen einen Verbleib von zehn Monaten in der Villa Massimo oder drei Monaten in die südöstlich von Rom in Olevano Romano gelegenen Casa Baldi.[4] Dort können sie als Stipendiaten in zehn Ateliers (Casa Baldi: zwei) kostenfrei wohnen und arbeiten. Außerdem erhalten die Künstler für den Zeitraum des Stipendiums monatlich 2.500 Euro. Ein wichtiger Gedanke während des Aufenthalts ist die gegenseitige Anregung. Die Akademie richtet jedes Jahr zahlreiche Konzerte, Exkursionen, Lesungen sowie Symposien aus und präsentiert die Werke der Künstler in verschiedenen Ausstellungsformaten. Die Stipendiaten der Akademie der Künste Berlin, die in der Villa Serpentara ebenfalls in Olevano Romano untergebracht sind, werden ebenfalls von der Villa Massimo betreut und sind in alle Aktivitäten der Deutschen Akademie Rom einbezogen. Der Direktor der Akademie ist seit 2002 Joachim Blüher.

Casa Baldi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Stipendium der Deutschen Akademie Rom zählen auch die dreimonatigen Aufenthalte in der Casa Baldi in Olevano Romano. Olevano Romano ist ein Bergstädtchen, das etwa eine Stunde süd-östlich von Rom liegt. Das Stipendium hat den gleichen Stellenwert ist aber durch die besondere Lage des Ortes und der kürzeren Dauer des Aufenthalts von grundsätzlich anderem Charakter als das der Villa Massimo.[5] Dieses Stipendium besticht durch die Abgeschiedenheit, aber auch durch den Kontakt zu den Bewohnern Olevanos. Besonders durch die Veranstaltungen der Künstler, die von der Stadt Olevano unterstützt werden, kommt es immer wieder zu internationalen Begegnungen.[5] Zudem nehmen die Stipendiaten der Casa Baldi an den Veranstaltungen und Aktivitäten der Villa Massimo teil.

Villa Serpentara[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Villa Serpentara befindet sich ebenfalls in Olevano Romano, in Nachbarschaft zu der Casa Baldi, und bietet Künstlerinnen und Künstlern, die von der Akademie der Künste in Berlin entsandt werden, einen dreimonatigen Aufenthalt.[5] Die Deutsche Akademie Rom Villa Massimo verwaltet das Anwesen und unterstützt die Stipendiaten bei ihren Projekten. Darüber hinaus werden die Stipendiaten aufgrund der Ähnlichkeit des Stipendiums und des intensiven künstlerischen und menschlichen Austausches unter den Stipendiaten in die Aktivitäten der Villa Massimo mit einbezogen.[5]

Bekannte Stipendiaten und Studiengäste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe: Liste der Stipendiaten der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Kreation einer deutschen Akademie im Norden Roms 1910–1914 auf villamassimo.de (abgerufen am 14. Februar 2016)
  2. Jobst Knigge: Der Auswahlprozess für Stipendiaten und Studiengäste. In: Jobst Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933–1943. Kampf um künstlerische Unabhängigkeit. Humboldt-Universität, Berlin 2013, S. 13f. (online, PDF; 26,3 MB)
  3. a b Die Direktoren der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo auf villamassimo.de (abgerufen am 1. März 2016)
  4. Villa Massimoauf villamassimo.de, abgerufen am 19. Januar 2016
  5. a b c d Informationen auf villamassimo.de (abgerufen am 24. Januar 2017)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849–1925). Eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. Akademie, Berlin 2002, ISBN 3-05-003748-2.
  • Michael Matheus (Hrsg.): Deutsche Forschungs- und Kulturinstitute in Rom in der Nachkriegszeit. Niemeyer, Tübingen 2007, ISBN 3-484-82112-4 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts, 112).
  • Angela Windholz: Villa Massimo. Zur Gründungsgeschichte der Deutschen Akademie in Rom und ihrer Bauten. Imhof, Petersberg 2003, ISBN 3-935590-93-8.
  • Angela Windholz: Die Deutsche Akademie Rom - Villa Massimo, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2009, ISBN 978-3-89870-606-3.
  • Joachim Blüher (Hrsg.): Villa Massimo – Deutsche Akademie Rom 1910–2010. Wienand, Köln 2011, ISBN 978-3-86832-047-3.
  • Jobst Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933–1943 – Kampf um künstlerische Unabhängigkeit. Humboldt-Universität zu Berlin 2013 (online, PDF; 26,3 MB).
  • Stiftung / Villa Massimo. In: Der Spiegel. Nr. 43, 1956, S. 56–57 (online 24. Oktober 1956).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Villa Massimo (Rome) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 41° 55′ 0″ N, 12° 31′ 9″ O