Deutsche Bibliothek

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Die Deutsche Bibliothek an der Adickesallee in Frankfurt am Main, seit 1997
Deutsche Bibliothek, Frankfurt am Main, um 1959
Magazin der Deutschen Bibliothek mit Rollregalen

Die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main ist eine Vorgängereinrichtung der Deutschen Nationalbibliothek. Sie war von 1947 bis 1990 das westdeutsche Pendant zu der 1912 gegründeten Deutschen Bücherei in Leipzig mit dem Auftrag, deutsches Schriftgut zu sammeln und die Nationalbibliografie herauszugeben. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden 1990 die Deutsche Bibliothek und die Deutsche Bücherei zu einer gemeinsamen Einrichtung unter der Benennung „Die Deutsche Bibliothek“ zusammengefasst. Seit 2006 lautet deren Bezeichnung Deutsche Nationalbibliothek (DNB). 2006 lagerten vom damaligen Gesamtbestand der Deutschen Nationalbibliothek von 22,2 Millionen Einheiten etwa 8,3 Millionen in Frankfurt am Main.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Teilung Deutschlands infolge des Zweiten Weltkriegs wurde in den westlichen Besatzungszonen der Ruf nach einem Ersatz für die in der sowjetischen Zone liegende Deutsche Bücherei laut. Die amerikanische Militärregierung gab 1946 ihre Zustimmung zur Errichtung der Deutschen Bibliothek, die im November des Jahres in Frankfurt am Main ihre Arbeit aufnahm. Genau wie 1913 die Deutsche Bücherei wurde auch die Deutsche Bibliothek vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet. Juristisch war sie ab 1947 eine Einrichtung des Buchhandels und der Stadt Frankfurt am Main. Hanns Wilhelm Eppelsheimer wurde erster Direktor. Die Bibliothek war anfangs im Rothschildpalais am Untermainkai und seinem Nachbargebäude, dem Manskopfschen Haus, bei der Stadt- und Universitätsbibliothek untergebracht.

Die beiden Bibliotheken in Frankfurt und Leipzig gaben fortan bis 1990 weitgehend identische Nationalbibliografien heraus.

Unter Stiftung des Landes und der Stadt wurde die Deutsche Bibliothek 1952 eine Stiftung des öffentlichen Rechts, die Bundesrepublik und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beteiligten sich. 1959 zog die Deutsche Bibliothek mit 480.000 Einheiten in den von den Architekten Alois Giefer und Hermann Mäckler geplanten Neubau in der Zeppelinallee und Kurt Köster wurde neuer Direktor. Der Börsenverein schloss von 1963 an alle Mitglieder, die keine Exemplare an die Deutsche Bibliothek ablieferten, aus dem Verein aus. 1965 wurde der Magazinturm um zehn Geschosse aufgestockt. 1966 wurde erstmals EDV eingesetzt.

1969 beschloss der Bundestag das „Gesetz über die Deutsche Bibliothek“, die damit bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts wurde. Die Ablieferungspflicht (Pflichtexemplar) wurde damit gesetzlich festgelegt, das heißt, von jeder in Deutschland erschienenen Veröffentlichung mussten der Deutschen Bibliothek zwei Exemplare zur Archivierung übergeben werden. 1970 wurde der Deutschen Bibliothek das Deutsche Musikarchiv in Berlin angegliedert und 1976 wurde Günther Pflug neuer Generaldirektor.

Im Einigungsvertrag wurde 1990 die Zusammenführung der Deutschen Bücherei mit der Deutschen Bibliothek (einschließlich des Deutschen Musikarchivs in Berlin) zur DDB (Die Deutsche Bibliothek) geregelt. Die Deutsche Bibliothek hatte zu diesem Zeitpunkt zusammen mit dem Musikarchiv 4,5 Millionen Medieneinheiten.[2]

Sieben Jahre nach der Wiedervereinigung und nach fünf Jahren Bauzeit wurde am 14. Mai 1997 in Frankfurt in der Adickesallee 1 ein neues Bibliotheksgebäude eingeweiht und mit rund 6 Millionen Medieneinheiten bezogen. Das alte Bibliotheksgebäude wurde nach dem Auszug durch die Universität Frankfurt am Main genutzt. 2004 folgte der Verkauf der Immobilie an die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die den Gebäudekomplex bestehend aus zwei Magazintürmen, einem Verwaltungstrakt und einer Tiefgarage für den Bau der Westarkade abbrechen ließ.

Der Bibliotheksneubau kostete 250 Millionen DM. Das Gebäude entwarfen die Stuttgarter Architekten Mete Arat, Hans-Dieter Kaiser und Gisela Kaiser, die aus zwei Wettbewerben zwischen den Jahren 1982 und 1984 als Sieger hervorgegangen waren. Das Bauwerk hat eine Hauptnutzfläche von 47.000 Quadratmetern. In seinen drei unterirdischen Geschossen ist eine Magazinfläche von etwa 31.000 Quadratmetern für 18 Millionen Medien vorhanden. Der Magazinraum ist bis in die 2040er-Jahre ausreichend.[3] Die Magazinflächen können optional um 10.000 Quadratmeter Fläche der Tiefgarage vergrößert werden. Die unterirdischen Etagen liegen im Grundwasser und sind als Weiße Wanne ausgebildet, deren Bodenplatte mit einer Schicht von 70.000 Tonnen Eisenerz gegen Auftrieb gesichert und in die eine zweite, innenbelüftete Betonwanne eingebaut ist. Für die Möglichkeit eines späteren Erweiterungsbau wurde gegenüber der Bibliothek an der Adickesallee ein Grundstück gesichert.

In der Mitte der Eingangshalle befindet sich die Skulptur „Armalamor“ (1994) von Georg Baselitz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Bibliothek (Frankfurt am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michaela Michel: Die Deutsche Nationalbibliothek im Überblick. Homepage der Deutschen Nationalbibliothek, Online-Ressource, abgerufen am 14. Oktober 2006
  2. Ute Schwens und Jörg Räuber: Aus Zwei mach Eins. In:Dialog mit Bibliotheken 2015/2. S. 10
  3. Ute Schwens: 1997 bis 2017 – 20 Jahre Adickesallee 1. In: Dialog mit Bibliotheken. Band 29, Nr. 1, 2017, S. 61.

Koordinaten: 50° 7′ 52″ N, 8° 40′ 59″ O