Deutsche Energie-Agentur

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Deutsche Energie-Agentur
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Rechtsform GmbH
Gründung Herbst 2000
Sitz Berlin
Leitung Andreas Kuhlmann
Mitarbeiter 157 (2010[1])
Umsatz 20,6 Mio. Euro (2010[1]), 18,9 Mio. (2012)[2]
Branche Energie
Website www.dena.de

Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (kurz dena) ist ein deutsches Unternehmen, das sich selbst als „das Kompetenzzentrum für Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und intelligente Energiesysteme“ bezeichnet.[2] Sie wurde im Herbst 2000 auf Initiative der rot-grünen Bundesregierung gegründet und agiert nach eigenen Angaben als eigenständiges Unternehmen parteipolitisch unabhängig.

Finanzierung und Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschafter der dena GmbH sind die Bundesrepublik Deutschland (50 %), die mehrheitlich bundeseigene KfW Bankengruppe (26 %), die Allianz SE (8 %), die Deutsche Bank AG (8 %) und die DZ Bank AG (8 %).

Im Aufsichtsrat sitzen Vertreter aller fünf Gesellschafter. Die Bundesrepublik Deutschland wird vertreten durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI, früher: Verkehr, Bau und Stadtentwicklung – BMVBS). Den Aufsichtsratsvorsitz hat stets ein Vertreter des BMWi.

Aufsichtsratsvorsitzender der dena ist seit Juli 2014 die BMWi-Staatssekretärin Iris Gleicke; das BMUB wird seit Juli 2014 vertreten von Staatssekretär Jochen Flasbarth vertreten, das BMVI von Staatssekretär Rainer Bomba und das BMEL von Staatssekretärin Maria Flachsbarth. [3] Davor hatten den Posten des Aufsichtsrats-Vorsitzenden inne (neueste zuerst):

Die dena GmbH arbeitet gewinn- und leistungsorientiert. Sie finanziert ihre Projekte nach eigenen Angaben durch öffentliche, projektgebundene Zuwendungen und Einnahmen aus der Privatwirtschaft. Ca. 50 % der Einnahmen werden durch Projektbeteiligungen oder Aufträge aus unterschiedlichen Bereichen der Privatwirtschaft erzielt. Dazu gehören Unternehmen der Bau-, der Automobil- und der Energiewirtschaft, Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche und des Maschinen- und Anlagenbaus. Der Umsatz betrug im Jahr 2010 20,6 Millionen Euro[1] und im Jahr 2012 18,9 Millionen Euro. In den Jahren 2005 bis 2010 kamen durchschnittlich etwa 50 Prozent der dena-Einnahmen aus Zuwendungen der öffentlichen Hand, 17 Prozent von den großen Energieversorgungsunternehmen, 33 Prozent von anderen Unternehmen und Institutionen.[5]

Arbeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im Gesellschaftervertrag definierte zentrale Unternehmensziel der dena ist die Positionierung als neutrales, ministeriumsübergreifendes Kompetenzzentrum für Energieeffizienz, regenerative Energietechnologien und innovative Energiesysteme. Die dena soll als Schnittstelle und Kooperationspartner zwischen Politik und Wirtschaft arbeiten. Zudem soll die dena die Bundesregierung bei der Umsetzung ihrer energiewirtschaftlichen Strategie beraten und unterstützen sowie dafür erforderliche Projekte, Kampagnen und Aktivitäten entwickeln und umsetzen.

Dienstleistungen (Beispiele):

  • Initiierung und Organisation von komplexen Stakeholder-Prozessen
  • Erstellung energiewirtschaftlicher Studien
  • Strategieentwicklung und Beratung
  • Kampagnenkonzeption und -umsetzung
  • Entwicklung und Durchführung von Pilotprojekten

Projekte (Beispiele):

  • dena-Netzstudien I und II zum Ausbau der Stromübertragungsnetze
  • Plattform Effiziente Energiesysteme für den Dialog über eine zukunftsfähige Energieversorgung
  • Initiative EnergieEffizienz zur sparsamen Stromnutzung
  • dena-Gütesiegel Effizienzhaus zur Kennzeichnung besonders energieeffizienter Gebäude inklusive Effizienzhaus- und Experten-Datenbank
  • dena-Gütesiegel für Energieausweise zur neutralen Bewertung des Energiebedarfs von Gebäuden
  • Biogaspartner zur Entwicklung von Biogas-Märkten
  • Nutzen von Pumpspeicherwerken für die Energiewende [6]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Debatte um vermeintliche Stromlücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die Kritik geriet, dass die dena 2008 vor einer Stromunterversorgung (Stromlücke) warnte, falls keine neuen Großkraftwerke errichtet würden.[7][8] 2005 - 2009 regierte eine große Koalition (Kabinett Merkel I; Umweltminister war Sigmar Gabriel (SPD)). CDU/CSU und FDP glaubten damals, dass entgegen dem damals geltenden Atomausstiegsplan von 2000 eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke notwendig und als Wahlkampfthema im Wahlkampf 2009 geeignet sei.

Die Deutsche Umwelthilfe mit dem damaligen Geschäftsführer Rainer Baake nannte die hierzu verwendeten Zahlen „Zweckpropaganda“ und warf der Studie methodische Schwächen und den Hintergrund einer politischen Agenda vor. Die Ergebnisse der dena-Studie widersprachen einer Studie des Bundesumweltministeriums, die Strombedarf und Strommenge auf Stundenbasis untersuchte und ergab, dass eine sichere Stromversorgung bis 2020 weder AKW-Laufzeitverlängerungen noch weitere Kohlekraftwerke erfordere.[9][10]

Durch die Wirtschaftskrise 2009/10 (eine Banken- und Finanzkrise, die von Banken auf die Realwirtschaft übersprang) und eine konjunkturelle Eintrübung im Zuge der Staatsschuldenkrise im Euroraum war einige Jahre lang der Energieverbrauch niedriger als prognostiziert. Durch die von der rotgrünen Regierung eingeleitete Energiewende veränderte sich in Deutschland der Strommix erheblich; auch die unerwartet niedrigen Preise für Emissionsrechte im EU-Emissionshandel beeinflussten diesen.

Eine im September 2009 publizierte Studie betonte: „Unter den heutigen Rahmenbedingungen am deutschen Strommarkt rechnen sich Investitionen in fossile Großkraftwerke oft nicht mehr. […] Ein Ausbau der Erneuerbaren Energien hat eine Strompreis senkende Wirkung an der Strombörse. Dies führt zu einer Verschlechterung der Rendite von allen Kraftwerken, die sich am Strommarkt behaupten müssen. […] Die vermehrte Investition der großen Stromversorger in Erneuerbare Energien ist […] als wirtschaftlich richtiger Schritt zu werten.“ [11]

Die dena selbst kritisierte noch Ende 2008 den Begriff „Stromlücke“ als irreführend und betonte den Begriff Effizienzlücke. In der Kraftwerksanalyse ging es laut dena nicht darum, dass in Deutschland die Lichter ausgehen, sondern dass zu Spitzenlastzeiten zu wenig effiziente und gesicherte Kraftwerksleistung verfügbar sei.[12] Seit dem Atomausstieg wird vorübergehend mehr Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken erzeugt.

dena-Netzstudien 2005 und 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viel diskutiert wurden auch die Ergebnisse der dena-Netzstudie. Der erste Teil der Studie erschien im April 2005 und konstatierte, dass das bestehende Übertragungsnetz bis im Jahr 2015 um 850 Kilometer ausgebaut werden müsse, um vor allem den zunehmenden Anteil an Windstrom zu integrieren. Die in der dena-Netzstudie I empfohlenen Trassen wurden alle als vordringliche Netzausbauprojekte in das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aufgenommen. Der zweite Teil folgte im November 2010. Er verglich mehrere Varianten zur Netzoptimierung bis im Jahr 2020. Am häufigsten zitiert wurde das Ergebnis, dass bei Verwendung etablierter 380-kV-Freileitungstechnik bis 2020 weitere 3.600 km Höchstspannungstrassen gebaut werden müssen.[13]

Umweltverbände kritisierten die dena-Studie heftig, die Szenarien würden auf fragwürdigen Annahmen und unklaren Szenarien beruhen. Zudem wurde die Veröffentlichung der zugrunde gelegten Daten gefordert. Die Szenarien würden auf einem starken Ausbau von Kohlekraftwerken und einer damals aktuellen Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke beruhen - im Widerspruch zum beschlossenen Energiekonzept der Bundesregierung.[14][15] Auch ein Gutachten der TU Berlin, das von Christian von Hirschhausen et al. im Auftrag des WWF durchgeführt wurde, betonte, das „methodische Vorgehen“ bei der dena-II-Netzstudie stelle „zentrale Ergebnisse der Studie in Frage“. Diese sei „umgekehrt auch nicht darauf ausgelegt, die Transformation der Energiewegeplanung mit dem Horizont 2050 mitzugestalten“.[16]

Geschäftsführung, Interessenkonflikte, Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006/7 wurden Vorwürfe gegen dena-Geschäftsführer Stephan Kohler laut, er betreibe bei der dena Missmanagement. Die Tageszeitung taz berichtete, dass der Bundesrechnungshof in einem Bericht vom 4. September 2006 erhebliche Mängel bei der Zuweisung öffentlicher Mittel vom Bundesministerium für Umwelt an die dena feststellte, darunter die Zweckentfremdung von 55.000 Euro. Auch habe die dena den Erfolg einer von ihr realisierten 13 Millionen Euro teuren Medienkampagne zur Minderung des Ausstoßes von Kohlendioxid gravierend übertrieben. Die dena rechnete ihren Geldgebern vor, durch die Kampagne würden 2,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart. Interne dena-Berechnungen gingen von nur 55.000 Tonnen Einsparung aus. Hans-Josef Fell (1998–2013 Grüne-Bundestagsabgeordneter) äußerte in der taz, es müsse „überprüft werden, ob Herr Kohler seiner Aufgabe gewachsen ist.“ Uwe Leprich (Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes) kritisierte „handwerkliche Fehler einer Geschäftsführung, die ihren Aufgaben nicht gewachsen ist“. Die privatwirtschaftliche Struktur der dena führe zu Interessenkonflikten, die eine wirksame Effizienzstrategie verhinderten.[17] Er stellt (Stand Juli 2014) die Notwendigkeit der dena insgesamt in Frage: „Wir haben Verbraucherschützer, Forschungsinstitute und Verbände – wozu noch eine Dena?“[18]

Die Dena gründete (2014?) eine Vereinigung, die sie „Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz“ (geea) nannte.[19] Sprecher der geea ist Stephan Kohler. Zehn Verbände und zwei andere Organisationen sowie 13 „Unternehmen der Energie- und Gebäudeeffizienz“ (Zitat Homepage) sind (Stand Mitte 2014) Mitglied.[20]

Personalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stephan Kohler, Leiter der dena, 2012

Der dena-Geschäftsführer Stephan Kohler stand im Frühling 2009 vor einem Wechsel zur RWE, als Vorstand der geplanten RWE-Effizienzgesellschaft; ein Vertrag war schon unterschrieben. Kohler erklärte im Mai 2009, doch bei der dena zu bleiben.[21] Hintergrund dieser Entscheidung war offenbar, das Rolf Martin Schmitz, seit 2009 Vorstandsmitglied bei RWE, keine Kompetenzen abgeben und Kohlers Ressort bei RWE auf eine „Denkfabrik“ beschränken wollte.

Anfang 2011 hat Kohler den Vorsitz des Beirates der RWE Innogy übernommen,[22] die innerhalb des RWE-Konzerns die Aktivitäten rund um die Erneuerbare Energie bündelt.

Kohler bezog 2012 von der dena eine Gesamtvergütung von 183.755 Euro. Der Bundesrechnungshof kritisierte dies als jenseits dessen, was sich für einen Staatsdiener gezieme.[18] Die dena verstoße gegen das Besserstellungsverbot (etwa: wird eine Einrichtung staatlich finanziert, darf ein Manager dort nicht mehr verdienen als im öffentlichen Dienst). Der Bundesrechnungshof hat daher empfohlen, die Vergütung zu senken; der Bundestag hat den Bundeswirtschaftsminister (Sigmar Gabriel) zum Handeln aufgefordert.[18] Kohlers Stellvertreter Andreas Jung erhielt 2012 157.966 Euro.[23] Er schied zum 30. Juni 2014 aus dieser Funktion aus.[24]

Zum Jahresende 2014 schied Kohler auf eigenen Wunsch aus der Geschäftsführung aus.[25] Nachfolger in der Geschäftsführung ist Ulrich Benterbusch.[26]

Im Juni 2015 teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, dass Andreas Kuhlmann, der zuvor Geschäftsbereichsleiter Strategie und Politik des energiewirtschaftlichen Interessenverbandes BDEW war, zum 1. Juli 2015 neuer Vorsitzender der Geschäftsführung wird.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Deutsche Energie-Agentur GmbH, Berlin: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2010. In: Elektronischer Bundesanzeiger, Berlin 27. April 2010. (HRB 78448 B, Amtsgericht Berlin-Charlottenburg)
  2. a b Homepage aufgerufen 24. August 2014
  3. Homepage dena, Pressemitteilung vom 8. Juli 2014
  4. dena-Pressemitteilung vom 27. April 2012
  5. Deutscher Bundestag, Drucksache 17/5815 (PDF; 570 kB), Antwort auf Frage 31 von Mai 2011
  6. dena-Projekt Nutzen von Pumpspeicherwerken für Energiewende
  7. Deutsche Umwelthilfe: Stromlücke entspringt „strategischem Kalkül“ der Energiekonzerne. Pressemeldung vom 7. April 2008.
  8. Darstellung des Stromlückenstreits und Synopse der Energieprognosen (PDF; 184 kB)
  9. Frank Dohmen und Christian Schwägerl: Energiepolitik – Atomkraft macht Klimakiller billiger, 18. Oktober 2009, unter SPON.
  10. Nadine Michel: Trotz Überschüssen – Energieagentur warnt vor Stromlücke, 21. Oktober 2009, online unter taz.de.
  11. Deutsche Stromversorger - In der CO2-Falle? Ein neues Spiel hat begonnen (Link zum Volltext der Studie)
  12. dena warnt vor fehlenden effizienten Kraftwerken (PDF; 67 kB)
  13. Pressemitteilung 23. November 2010: Roadmap für den Umbau des deutschen Stromnetzes vorgelegt
  14. Dena-Netzstudie in der Kritik. BUND fordert Datentransparenz und öffentliche Netzplanung. Internetseite des BUND. Abgerufen am 25. August 2012.
  15. Umweltverbände kritisieren dena-Netzstudie II als unseriös. Co2-Handel.de. Abgerufen am 25. August 2012.
  16. Bewertung der dena-Netzstudie II und des europäischen Infrastrukturprogramms (PDF; 1,4 MB). Internetseite der TU Berlin. Abgerufen am 24. Mai 2013.
  17. taz vom 3. Mai 2007: Geld verbrennen für Klimaschutz .
  18. a b c FAZ.net / Georg Meck: Angriff der Umerzieher: „Dena“ heißt eine Staatsagentur, die uns zum Dämmen bekehren will. Die Industrie findet es prima. Und der Bürger zahlt die Rechnung. abgerufen am 23. Juli 2014 (auch erschienen in der FASZ vom 20. Juli 2014, S. 13)
  19. Homepage
  20. Homepage
  21. Kohler findet neue RWE-Tochter zu wenig attraktiv und bleibt bei der Dena
  22. Personelle Veränderungen im Beirat der RWE Innogy
  23. [1]
  24. Homepage
  25. IWR: Stephan Kohler ist nicht mehr dena-Chef, 12. Januar 2015.
  26. dena: [2], abgerufen am 12. Januar 2015.
  27. Andreas Kuhlmann wird neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH. Internetseite des BMWi. Abgerufen am 21. Juni 2015.