Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

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Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e. V.
Logo Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen - DGNB e.V.
Rechtsform eingetragener Verein (e. V.)
Gründung 25. Juni 2007
Sitz Stuttgart (Sitz und Geschäftsstelle)
Personen Präsidium: Alexander Rudolphi (Präsident), Dirk Funhoff, Martin Haas (Vizepräsident), Hermann Horster (Vizepräsident), Anett-Maud Joppien (Vizepräsidentin), Kunibert Lennerts, Peter Mösle, Martin Prösler, Amandus Samsøe Sattler; Geschäftsführender Vorstand: Christine Lemaitre, Marcus Herget
Aktionsraum International
Freiwillige ca. 500
Mitglieder 1200 (Dezember 2015)
Website www.dgnb.de

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V., englisch German Sustainable Building Council, ist eine Non-Profit- und Nichtregierungsorganisation, deren Aufgabe es ist, Wege und Lösungen für nachhaltiges Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken zu entwickeln und zu fördern.

Im Zentrum ihrer Arbeit stehen der Auf- und Ausbau eines Zertifizierungssystems für nachhaltige Bauten sowie die Vergabe eines Gütesiegels Nachhaltiges Bauen in den Qualitätsstufen Gold, Silber und Bronze. Im September 2015 hat die DGNB die Auszeichnungslogik bei der Zertifizierung von Gebäuden und Stadtquartieren erneuert. Die höchste Bewertungsstufe ist seitdem das Platin-Zertifikat. [1] Die Gesellschaft wurde 2007 von 16 Organisationen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft gegründet.[2] Nach eigenen Angaben hat die Gesellschaft im Dezember 2015 mehr als 1200 Mitglieder bzw. Mitgliedsorganisationen.

Von 2008 bis 2014 veranstaltete der Verein den internationalen Kongress Consense mit angeschlossener Fachmesse, auf dem Themen im Bereich des nachhaltigen Bauens diskutiert wurden. Im August 2015 wurde bekannt, dass Kongress und Fachmesse nicht mehr stattfinden.[3]

Die DGNB ist Marktführer in Deutschland[4] und zählt zu ihren Mitgliedern: Architekten, Ingenieure, Bauunternehmen und Bauausführende, Hersteller von Bauprodukten, Investoren, Bauherren, Eigentümer, Projektsteuerer, Betreiber, Ver- und Entsorgungsunternehmen, Mitglieder der Öffentlichen Hand und NGOs, Vertreter aus Wissenschaft und Prüfinstituten. Dazu gehören 4a Architekten, Allmann_Sattler_Wappner, Ardex (Baustoffhersteller), Audi, BASF, Behnisch Architekten, Deutsche Bank, Drees & Sommer,Hascher Jehle Architektur, Hochtief, kadawittfeldarchitektur, Rewe Group, Schüco, Sika AG, Sauerbruch Hutton, Werner Sobek.[5]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurzeln und Leitbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nachhaltige Bauen bezeichnet eine ökonomische und ökologische Differenzierung des bisher in Deutschland unter der Bezeichnung des Ökologischen Bauens verstandenen Begriffs und wurde maßgeblich aus diesen Konzepten entwickelt. Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung gehören zum Teil zu den Leitbildern der heutigen Gesellschaft.

Die Bau- und Immobilienwirtschaft sieht sich zum Teil in der Verpflichtung zur nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft einen wichtigen Beitrag zu leisten, denn Gebäude verbrauchen nicht nur einen hohen Anteil natürlicher Ressourcen, sondern sie verursachen auch fast 40 % der weltweiten CO2-Emissionen. Ziel des nachhaltigen Bauens ist es, Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu entlasten, die Qualität und den Wert von Gebäuden zu sichern sowie Bauwerke mit einem hohen sozialen Nutzen zu schaffen. Ökologische, ökonomische und soziale Ziele sollen im nachhaltigen Bauen gleichberechtigt berücksichtigt und umgesetzt werden. Hierfür wird der gesamte Lebenszyklus des Bauwerks, von der Planung bis zum Rückbau (Abbruch) betrachtet.

Arbeit und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Hintergrund, Planung, Bau und Betrieb von nachhaltigen Gebäuden voranzutreiben, gründeten Vertreter aus der Bau- und Immobilienwirtschaft im Juni 2007 diesen Verein. Der Verein fördert den Austausch von Informationen, Wissen und Erfahrungen über nachhaltige Architektur und bildet Auditoren für eigene Zertifizierungssystem aus.

In ihrer Satzung verpflichtet sich der gemeinnützige Verein, der Allgemeinheit zu dienen und Wissenschaft und Forschung im Bereich Nachhaltigkeit zu unterstützen. Zusammen mit ihren Mitgliedern entwickelt die Gesellschaft das DGNB-Zertifikat kontinuierlich weiter, welches als Qualitätszeichen für nachhaltige Gebäude verliehen wird.

Wissenstransfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Unterstützung von rund 30 Mitgliedsunternehmen wurde die Geschäftsstelle des Vereins in Stuttgart 2014 zu einem Living Showroom des nachhaltigen Bauens ausgebaut, in dem Besuchern die Prinzipien des nachhaltigen Bauens vorgestellt werden.[6][7]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitglieder stammen aus allen Bereichen der Bau- und Immobilienwirtschaft. Mitglieder und Interessierte haben die Möglichkeit in Arbeitsgruppen mitzuwirken, in denen das DGNB-Zertifizierungssystem weiterentwickelt wird. Zurzeit sind mehr als 500 ehrenamtliche DGNB-Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen des nachhaltigen Bauens damit beschäftigt, das Zertifikat für verschiedene Nutzungsprofile auszubauen.

Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliederversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mindestens einmal im Jahr kommen die Mitglieder zur Mitgliederversammlung zusammen, in der sie ihr Mitbestimmungsrecht ausüben. Dazu gehören u. a. die Wahl des Präsidiums sowie die Verabschiedung des Haushaltsplans oder Satzungsänderungen.

Präsidium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Präsidium wird durch die Mitglieder gewählt. Es repräsentiert den Verein nach außen und vertritt die Meinungen und Interessen gegenüber Dritten. Die Mitglieder des Präsidiums unterstützen und beaufsichtigen unterschiedliche Fachthemen innerhalb der DGNB. Sie sitzen den einzelnen Ausschüssen vor.

Das Präsidium ist zuständig für die Berufung und Abberufung von Ausschüssen. Es stellt Beiräte auf und benennt deren Mitglieder. Es bereitet mit Unterstützung der Geschäftsstelle die Mitgliederversammlung vor und setzt die dort gefällten Beschlüsse um. Letztlich prüft und veranlasst es den Haushaltsetat sowie die Geschäftsberichte. Es kümmert sich um alle Aufgaben rund um die Berufung, die Abberufung und Kontrolle der Geschäftsführung bis hin zum Abschluss von Anstellungsverträgen für die Geschäftsführung.

Geschäftsstelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschäftsstelle in Stuttgart organisiert alle operativen Tätigkeiten der DGNB wie u. a. die Durchführung der Zertifizierungsprozesse und die Ausbildung zum Auditor. Zusätzlich steuert sie den gesamten Zertifizierungsprozess von der Projektanmeldung bis zur Zertifikatsverleihung und unterstützt das Präsidium bei der Durchführung der Mitgliederversammlung sowie die Ausschüsse bei deren Tätigkeit.

Verschiedene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die inhaltlichen Aktivitäten und die Qualitätssicherung sind Zertifizierungsausschuss, Zulassungs- und Prüfungsausschuss und Fachausschuss sowie verschiedene Beiräte verantwortlich.

Zertifizierungssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Zertifikats werden Bauten ausgezeichnet, die umweltfreundlich, ressourcenschonend, funktional und behaglich sind und sich in ihr sozio-kulturelles Umfeld integrieren.

Methodik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bewertung eines Gebäudes bezieht das DGNB-Zertifikat nicht nur ökologische, ökonomische und sozio-kulturelle Aspekte mit ein. Insgesamt wurden sechs Themenfelder definiert, die bei Planung und Bau eines nachhaltigen Bauwerks berücksichtigt werden müssen:

  • Ökologische Qualität
  • Ökonomische Qualität
  • Sozio-kulturelle Qualität
  • Technische Qualität
  • Prozessqualität
  • Standortqualität (fließt nicht in die Gesamtbewertung der Gebäudequalität ein)

Jedes Themenfeld beinhaltet spezielle Kriterien, die je nach Nutzungsprofil (abhängig von Bauwerkstyp, Neubau oder Bestandsbau) mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung einfließen. Grundsätzlich betrachtet das Zertifikat den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Je früher diese Kriterien in der Planungsphase berücksichtigt werden, desto konsequenter kann die zu erreichende Qualität eines Bauwerks beeinflusst werden. Je nach Erfüllung der definierten Anforderungen erhält das Gebäude eine Auszeichnung in Bronze (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 35 %, nur bei Bestandszertifizierung), Silber (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 50 %), Gold (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 65 %) oder Platin (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 80 %).[8]

Nutzungsprofile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zertifizierungssystem wird kontinuierlich für unterschiedliche bauliche Nutzungen (Nutzungsprofile) und Varianten weiterentwickelt. Zertifikate sind derzeit erhältlich für (Stand Februar 2016):

  • Bestandsgebäude (Büro- und Verwaltungsbauten)
  • Neubauten (neue Industrie-, Handels- und Hotelbauten, Bildungs- und Wohngebäude (mit mehr als sechs Wohneinheiten)), Büro- und Verwaltungsgebäude (mit Modernisierungsmaßnahmen), Laborgebäude, Mieterausbau, Parkhäuser, kleine Wohngebäude (bis zu sechs Wohneinheiten), Versammlungsstätten sowie für gemischt genutzte Gebäude.
  • Gebäude im Betrieb (Büro- und Verwaltungsgebäude, Shopping Center)
  • Quartiere (Stadtquartiere, Industriestandorte, Gewerbequartiere)
  • Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, ein so genanntes Masterplan-Zertifikat für baugleiche Gebäude zu erhalten, etwa für Fachmärkte oder Fertighäuser.

Bevor ein neues Nutzungsprofil entsteht, durchläuft es diverse Entwicklungsphasen. Zunächst werden in Vorbereitungsgruppen die Grundlagen für ein mögliches neues Nutzungsprofil geschaffen, wenn hierfür am Markt ein Bedarf festgestellt wurde. Die zuständigen DGNB-Gremien prüfen diese Grundlagen. Sind die Anforderungen für ein neues Nutzungsprofil erfüllt, beginnt die eigentliche Entwicklung des neuen Nutzungsprofils. In den Arbeitsgruppen, bestehend aus etwa 20 ehrenamtlichen Mitgliedern, wird u. a. untersucht, welche Kriterien aus dem Kernsystem übernommen werden können und welche neu erarbeitet werden müssen. Ist ein neues Nutzungsprofil fertig, wird es in der Pilotphase an konkreten Projekten auf Praxistauglichkeit überprüft.

Internationale Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit existieren verschiedene Zertifizierungssysteme, mit denen die Nachhaltigkeit eines Gebäudes bewertet werden kann, z. B. LEED in den USA, BREEAM in Großbritannien, HQE in Frankreich oder CASBEE in Japan. Das weit verbreitete LEED und die anderen Systeme bewerten jedoch vor allem die ökologische Nachhaltigkeit eines Gebäudes, d. h., sie zertifizieren, wie umweltfreundlich und ressourcenschonend ein Gebäude ist. Das DGNB-Zertifikat geht in der Bewertung darüber hinaus und bezieht neben dem vollständigen Lebenszyklus eines Gebäudes im Sinne der Nachhaltigkeit ökologische, ökonomische und sozio-kulturelle Faktoren mit ein und berücksichtigt auch technische sowie Prozess- und Standortqualität.

Das DGNB-Zertifikat lässt sich an veränderte technische und gesellschaftliche Entwicklungen anpassen und bezieht auch länderspezifische Unterschiede wie klimatische Bedingungen oder gesetzliche und bauliche Vorgaben in die Bewertung ein.

In Zusammenarbeit mit Non-Profit- und Non-Governmental-Organisationen im Ausland wird das DGNB-Zertifizierungssystem an die Anforderungen in den verschiedenen Regionen weltweit angepasst. Dies geschieht (Stand Februar 2012) mit Partnerorganisationen in Bulgarien, Dänemark, Ungarn, Thailand, Österreich, China und der Schweiz. Eine Vielzahl weiterer Länder hat bereits Interesse am DGNB-System angemeldet. Ein Memorandum of Understanding wurde mit Partnerorganisationen in der Türkei, in Griechenland, Italien, Brasilien, Russland, Slowenien und Spanien unterzeichnet.

Die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) nutzte als erste die Möglichkeit der Systemadaption. Die DGNB-Partnerorganisation wurde im Herbst 2009 gegründet. Nachdem das deutsche DGNB-System entsprechend den gesetzlichen Vorgaben und Normen Österreichs verändert wurde, zeichnete die ÖGNI im Januar 2010 als erstes Gebäude das Österreich-Haus bei den Olympischen Spielen in Vancouver mit einem DGNB-Vorzertifikat in Silber aus. Die Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft SGNI wurde 2010 gegründet und verlieh im Januar 2012 ihre ersten DGNB-Zertifikate.

Darüber hinaus stellt der Verein für alle Länder eine internationalisierte Version des DGNB-Systems bereit und ermöglicht damit das Zertifizieren weltweit ohne große Anpassungen. Es basiert auf den aktuellen europäischen Normen und Standards.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DGNB bringt Platin-Zertifikat – Erste Auszeichnungen auf der Expo Real deal-magazin.com, 11.September 2015
  2. 5 Jahre Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen baulinks.de, 19. Juni 2012
  3. Consense wird nicht weitergeführt messe-stuttgart.de, 22. Dezember 2015
  4. Im Wachstumsmarkt Nachhaltiges Bauen ist die DGNB Marktführer in Deutschland baulinks.de, 14. Oktober 2012
  5. Mitglieder.
  6. Das Wohlfühl-Büro als Aushängeschild stuttgarter-nachrichten.de, 7. Dezember 2015
  7. http://www.dgnb.de/dgnb-ev/de/verein/die_dgnb/neue_geschaeftsstelle.php
  8. Neue DGNB-Zertifizierung: Aus Gold wird Platin, aus Silber wird Gold cci-dialog.de, 15. September 2015