Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde

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Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
(DGPPN)
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Zweck: Wissenschaftliche Fachgesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
Vorsitz: Iris Hauth
Gründungsdatum: 1954
Mitgliederzahl: 7800
Sitz: Berlin, DeutschlandDeutschland Deutschland
Website: www.dgppn.de

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft. Sie hat ihren Sitz in Berlin und vertritt über 7800 Mitglieder, insbesondere Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.[1]

Ziel der DGPPN ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, die Ausrichtung von Tagungen und Kongressen sowie die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. Weitere Aufgabenfelder bestehen in Beratung von Gesetzgebung und Verwaltung in allen Fragen des Faches sowie in der Pflege internationaler Beziehungen. Jährlich veranstaltet die DGPPN in der letzten Novemberwoche einen Kongress mit 10.000 Teilnehmern in Berlin.

Die DGPPN erstellt und überarbeitet in regelmäßigen Abständen Praxisleitlinien zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen. Sie verleiht zahlreiche Preise und Stipendien, die von ihr selbst wie auch von Unternehmen und privaten Stiftern finanziert werden, beispielsweise die DGPPN-Preise für Imaging, Philosophie, Psychotherapie oder für Doktoranden. Die Gesellschaft ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).

Die Präsidentin der DGPPN ist (Stand Mai 2015) Iris Hauth, Past President Peter Falkai und President Elect Arno Deister.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Fachgesellschaft geht bis auf das Jahr 1842 zurück und das Pro Memoria an Deutschlands Irrenärzte von Heinrich Philipp August Damerow, Direktor der Irrenanstalt zu Halle, kann als „Gründungsurkunde“ angesehen werden. 1844 erschien die erste Ausgabe der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medizin. 1846 bildete sich bei der Versammlung Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Kiel erstmals eine psychiatrische Sektion, die sich seit 1864 „Verein der Deutschen Irrenärzte“ nannte, dessen erster Präsident Carl Friedrich Flemming war. 1903 erhielt die Gesellschaft den Namen „Deutscher Verein für Psychiatrie“ (DVP).

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Hitlers Machtergreifung erfolgte die organisatorische Zwangsvereinigung des DVP mit der von 1906 bis 1907 entstandenen „Gesellschaft Deutscher Nervenärzte“[2] zur „Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater“ (GDNP).

Nachkriegsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bonn wurde 1950 die „Deutsche Gesellschaft für Neurologie“ gegründet und als Nachfolgeorganisation des DVP 1954 in Baden-Baden die „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie“, bald umbenannt in „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde“ (DGPN).[3] Die „Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde in der DDR“ löste sich 1991 auf, und die Mitglieder wurden von der DGPN aufgenommen. 1992 erfolgte die Umbenennung in die heutige „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde“. Durch die Umbenennung wird die Bedeutung der Psychotherapie für die DGPPN deutlich. 2013 erfolgte eine erneute Namensänderung in „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde“.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat im Rahmen ihrer Jahrestagung 2010 in einer Gedenkveranstaltung der Opfer der Psychiatrie im Nationalsozialismus gedacht. Die Fachgesellschaft bat in der Veranstaltung alle Opfer und ihre Angehörigen um Verzeihung für das Unrecht und Leid, das ihnen von deutschen Verbänden und deren Psychiatern in der Zeit des Nationalsozialismus zugefügt wurde. Bei der Jahrestagung wurde die erweiterte und aktualisierte Ausstellung In Memoriam – Erinnerung und Verantwortung gezeigt. Zudem hat die Fachgesellschaft erklärt, sich aktiv für die Aufklärung der Gräueltaten und für das Gedenken an die Opfer einzusetzen.[4] 2012 wurde eine Spendenaktion der deutschen Ärzteschaft zu dieser Thematik durchgeführt, durch die nun die Wanderausstellung erfasst, verfolgt, vernichtet unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck national und international gezeigt wird.[5]

Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Ehrenmitgliedschaft und einer Reihe von Nachwuchspreisen vergibt die DGPPN folgende Auszeichnungen:

  • DGPPN-Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus
  • DGPPN-Preis für ärztliche Psychotherapie (seit 2012; seit 2004 zunächst als DGPPN-Psychotherapiepreis; Dotierung: 5000 Euro)
  • DGPPN-Preis für Philosophie in der Psychiatrie
  • DGPPN-Anti-Stigma-Preis
  • DGPPN-Preis für Gesundheitsfachberufe in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater im Nationalsozialismus. Springer, Berlin/Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-48743-3.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Schneider, Michael von Cranach: In Memoriam. Erinnerung und Verantwortung. Ausstellungskatalog, Springer, Berlin 2010.
  • Frank Schneider, Peter Falkai, Wolfgang Maier: Psychiatrie 2020 plus. Perspektiven, Chancen und Herausforderungen. Springer, Berlin 2012.
  • Frank Schneider (Hrsg.): Irgendwie kommt es anders – Psychiater erzählen. Springer, Berlin 2012.
  • Frank Schneider, Petra Lutz: erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus // registered. persecuted, annihilated. The sick and the disabled under National Socialism. Ausstellungskatalog. Springer, Berlin 2014 (deutsch/englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karriere. DGPPN-Website.
  2. Johannes Pantel: Neurologie, Psychiatrie und Innere Medizin. Verlauf und Dynamik eines historischen Streites. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 11, 1993, S. 77–99; hier: S. 85–91 (Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Nervenheilkunde) und S. 94 f. (Die Zwangsvereinigung der Gesellschaft deutscher Nervenärzte mit dem Deutschen Verein für Psychiatrie).
  3. Johannes Pantel: Stagnation und Neubeginn: Der Weg in die Gegenwart. 1993, S. 96.
  4. F. Schneider (Hrsg.): Psychiatrie im Nationalsozialismus. Erinnerung und Verantwortung // Psychiatry under National Socialism. Remembrance and responsibility. Springer, Berlin 2011, ISBN 978-3-642-20468-5 (mit DVD, deutsch/englisch).
  5. Ausstellung erfasst, verfolgt, vernichtet.