Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

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Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger
(DGzRS)
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Rechtsform Altrechtlicher Verein
Gründung 29. Mai 1865 in Kiel
Gründer Konsul Hermann Henrich Meier
Sitz Bremen (Koordinaten: 53° 4′ 14,2″ N, 8° 48′ 27,5″ O)
Vorläufer Zusammenschluss regionaler Vereine zur Seenotrettung
Motto Rausfahren, wenn andere reinkommen!
Schwerpunkt gemeinnützige Hilfsorganisation zur Seenotrettung
Aktionsraum Deutsche Nord- und Ostsee
Vorsitz Gerhard Harder
Personen Adolph Bermpohl
Georg Breusing
Arwed Emminghaus
Umsatz 52.200.000 Euro (2018)
Beschäftigte 287 (2018)
Freiwillige 1457 (2018)
Website seenotretter.de

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist die deutsche nichtstaatliche Seenotrettungsorganisation, die für den Such- und Rettungsdienst (SAR: Search and Rescue) bei Seenotfällen im deutschen Teil der Nord- und Ostsee zuständig ist. Für diese Aufgabe werden 59 Rettungsboote unterschiedlicher Größe auf 55 Stationen eingesetzt.

Die DGzRS erhält keine staatlichen Gelder und deckt den größten Teil ihrer Kosten durch freiwillige Zuwendungen.

Aufgaben und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftszonen in der Nordsee, der Entenschnabel entspricht dem deutschen Anteil

Die Gesellschaft, wie die DGzRS an der Küste auch kurz genannt wird, führt ihre Aufgaben eigenverantwortlich und unabhängig durch. Einsatzzentrale für alle Maßnahmen im maritimen SAR-Dienst der Bundesrepublik ist die Seenotleitung Bremen, die jederzeit über Bremen Rescue Radio erreicht werden kann. International tritt sie als Maritime Rescue Coordination Center Bremen (MRCC Bremen) auf und überwacht die deutschen Hoheitsgewässer und die deutschen ausschließlichen Wirtschaftszonen, die bis zu 400 Kilometer wie ein „Entenschnabel“ in die Nordsee reichen. Über eine Küstenlinie von insgesamt 3.660 Kilometer unterhält die DGzRS 55 Rettungsstationen (Stand 2018) zwischen der Emsmündung im Westen (westlichste Station ist Borkum) und der Pommerschen Bucht im Osten (östlichste Station ist Ueckermünde). Darüber hinaus ist das MRCC Bremen auch international tätig, da es gemäß SAR-Abkommen im Verbund mit den angrenzenden Staaten und deren MRCC arbeitet und für deutsche Schiffe und deutsche Seeleute jederzeit und an jedem Punkt der Erde Unterstützung bietet.

DGzRS-Zentrale in Bremen

Zusätzlich zu den Rettungsstationen unterhält die Gesellschaft eine SAR-Schule in Bremen mit einer Außenstelle in Neustadt in Holstein, bei der für Übungszwecke ausgemusterte Rettungsboote zur Verfügung stehen. Der Gesellschaft gehören 279 festangestellte Beschäftigte an, von denen 180 als Seenotretter die Besatzung der 20 Seenotrettungskreuzer (SRK) stellen. Die Freiwilligenstationen mit den Seenotrettungsbooten (SRB) werden von 800 ehrenamtlichen Seenotrettern besetzt. Weitere fast 600 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen die Gesellschaft an Land bei ihren Spendensammlungen, Vorträgen oder Messen.[1] Sitz der Gesellschaft ist Bremen.

Seit 1872 ist die DGzRS vom Bremer Senat als juristische Person anerkannt und gilt damit als Altrechtlicher Verein, der nicht den Zusatz „e. V.“ führt. Nachdem die Bundesrepublik Deutschland am 19. April 1982 dem internationalen Übereinkommen von 1979 über Suche und Rettung auf See (SAR) offiziell beigetreten war mussten die Vertragsvorgaben für die Bundesrepublik Deutschland umgesetzt werden. Da die SAR-Dienste auf See schon vorher durch die DGzRS wahrgenommen wurden, hat das zuständige Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) der DGzRS den staatlichen Auftrag erteilt, die Such- und Rettungsaktivitäten im deutschen Seegebiet zu koordinieren.

Die DGzRS ist Vollmitglied der International Maritime Rescue Federation (IMRF), einem weltweiten Bündnis der Seenotrettungsdienste[2], die alle vier Jahre den World Maritime Rescue Congress veranstaltet.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation und finanziert ihren Kernauftrag – die Suche und Rettung von Menschen – durch freiwillige Zuwendungen, wozu auch Geldauflagen aus der Einstellung von Strafverfahren zählen. Technische Hilfeleistungen stellt sie zumindest teilweise in Rechnung, Krankentransporte bekommt sie von den Krankenkassen erstattet.[3] Steuergelder erhielt sie nach eigenen Angaben nur jeweils nach den beiden Weltkriegen zum Wiederaufbau ihrer Rettungsflotte, seit 1957 gar nicht mehr.[1] Einnahmen stammen z. B. aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden (ca. 74–76 %), Nachlässen, Kondolenzen u. Ä. (ca. 7–8 %), Beiträgen aus der Schifffahrt (ca. 7–9 %), Sammelschiffchen (ca. 6 %) sowie Zuwendungen aus Geldauflagen (ca. 3–5 %). 2017 beliefen sich die allgemeinen Sammlungserlöse auf 23,1 Mio. Euro. Zusammen mit den zweckgebundenen außergewöhnlichen Spenden und den Zuwendungen aus Stiftungen und Erbschaften betrugen die Gesamteinnahmen 39,5 Mio. Euro.[1]

Von den gesamten Einnahmen gehen jedes Jahr rd. 85 % in den Rettungsdienst, 10 % sind für Öffentlichkeitsarbeit und 5 % Verwaltungskosten. Eine interne Revision sowie ein Wirtschaftsprüfer sorgen für eine regelmäßige Kontrolle der anvertrauten Mittel. Daneben wird die DGzRS regelmäßig durch das Finanzamt auf ihre Gemeinnützigkeit überprüft. Als Mitglied des Deutschen Spendenrats e. V. hat sich die DGzRS verpflichtet ihre Strukturen, Tätigkeiten, Projekte und Finanzen offenzulegen und in einem Jahresbericht Rechenschaft über ihre Arbeit abzulegen.

Die Sammelschiffchen (Spendendosen) in Form eines Ruderrettungsbootes gehören in den Küstenländern zum Alltag und haben in vielen öffentlichen Einrichtungen und Lokalen einen „Ankerplatz“, um möglichst vielen Menschen die Gelegenheit zu bieten, das Schiffchen zu „beladen“. Als Anerkennung ihrer Arbeit widmete die Deutsche Bundespost zum 125-jährigen Bestehen der DGzRS eine Briefmarke mit dem Motiv des Sammelschiffchens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DGzRS Technik und Einsatz, 1880
Alte Ansicht des Borkumer Rettungsschuppens
SRB Weser (1961)

Die erste deutsche Rettungsstation wurde 1802[4] in Memel, dem heutigen Klaipėda gegründet. Die Kaufmännische Korporation stiftete ein mit Lotsen bemanntes Rettungsboot. Erstmals in Deutschland versuchte man 1827 in den flachen Küstengewässern bei Memel, Bergeleinen mit Hilfe von Kanonen zu gestrandeten Schiffen zu schießen.[5] 1839 kam die private Einrichtung unter staatliche Verwaltung.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts verunglückten jährlich circa 50 Schiffe vor den deutschen Nordseeinseln. Mangelnde Ausrüstung und das noch geltende Strandrecht verhinderten oft Rettungsmaßnahmen. Eines der Unglücke war der Untergang der Johanne 1854 vor Spiekeroog, der 84 Auswanderern das Leben kostete. Von solchen Katastrophen bewegt, folgten Aufrufe zur Bildung eines nationalen Rettungswerkes. Aber erst 1861 wurden unabhängig voneinander in Emden, Bremerhaven und Hamburg Rettungsvereine gegründet.[6] Die ersten Rettungsstationen wurden auf Juist und Langeoog eingerichtet.

Am 29. Mai 1865 vereinigten sich in Kiel diese Gesellschaften zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit dem Ziel, Menschen aus Seenot zu retten. Zu den Initiatoren gehörten Adolph Bermpohl, Georg Breusing und Arwed Emminghaus. Erster Vorsitzer[7] war der Mitbegründer des Norddeutschen Lloyds Konsul Hermann Henrich Meier. Besonders an der DGzRS interessiert zeigte sich Heinrich Prinz von Preußen. Ab 1887 unterhielt die DGzRS auch in Pillau, Memel und Mellneraggen Stationen. 1910 bestand vor der ganzen deutschen Küste von Borkum bis Nimmersatt (Ostpreußen) ein durchgehendes und einheitlich ausgerüstetes Netz mit 129 Stationen.[5]

Während des Zweiten Weltkrieges waren die Einheiten mit dem Roten Kreuz versehen und standen unter dem Schutz der Genfer Konventionen. Es erfolgten neben den üblichen Rettungseinsätzen von Seeleuten auch Rettungseinsätze zu Gunsten von abgeschossenen Fliegern aller Kriegsparteien.[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und durch die Deutsche Teilung verlor die Gesellschaft einen großen Teil ihrer Stationen an der Ostsee. In der DDR wurde parallel der Seenotrettungsdienst der DDR aufgebaut. Mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 kehrte die Gesellschaft auf ihre angestammten Stationen zwischen Poel und Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern zurück und übernahm die Stationen des Seenotrettungsdienstes der DDR.

An der Werderstraße 2/4 entstand bis 1954 nach Plänen von Friedrich Schumacher der Hauptsitz der DGzRS.

Seit 2008 bezeichnet sich die Gesellschaft in der Öffentlichkeit als DGzRS – Die Seenotretter. Über die DGzRS Service GmbH werden Merchandising-Artikel der Gesellschaft vertrieben.

Einsatzstatistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besatzungen der 59 Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote in Nord- und Ostsee werden pro Jahr über 2.000 Mal zu einem Einsatz gerufen. Das sind im Durchschnitt sechs Einsätze pro Tag. Erstes Ziel ist es, Menschenleben auf See zu retten oder aus drohender Gefahr zu befreien. Mit Stand vom Ende des Jahres 2019 sind in der Gesamtbilanz seit dem Bestehen der Gesellschaft 85.234 Menschen aus Seenot gerettet oder aus lebensbedrohenden Situationen befreit worden.[9]

Neben der Seenotrettung übernimmt die Gesellschaft den Transport von erkrankten oder verletzten Menschen, die von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland gebracht werden müssen. Um Schiffe und Boote vor dem Totalverlust zu bewahren, fahren die Seenotretter pro Jahr ca. 1.000 Hilfseinsätze für Wasserfahrzeuge aller Art und sichern Einsätze anderer Institutionen. Zum Erhalt der Revierkenntnisse der Besatzungen werden regelmäßig Kontrollfahrten durchgeführt, um auch bei schlechten Witterungsverhältnissen sicher manövrieren zu können.

Einsatzstatistik der letzten fünf Jahre
2019 2018 2017 2016 2015
Anzahl Stationen 55 55 54 54 54
Anzahl Rettungsboote 59 59 60 60 60
Anzahl Einsätze 2.140 2.156 2.056 2.019 2.091
Anzahl Menschen aus Seenot gerettet 81 38 58 56 55
Anzahl Menschen aus drohender Gefahr befreit 270 318 432 621 483
Personentransporte von Schiffen und Inseln zum Festland 373 369 467 368 400
Anzahl Schiffe/Boote vor Totalverlust bewahrt 54 56 60 47 63
Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge 1.014 1.012 890 1003 941
Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten 606 613 537 501 568
Kontrollfahrten 2.712 2.741 2.633 2.843 2.827

Quelle: Jahrbücher der DGzRS z. B.[1] und [9].

Die Ostsee-Station Laboe bei Kiel war 2017 die Station mit den meisten Einsätzen und wurde 123-mal gefordert – im Durchschnitt alle drei Tage. Pro Jahr fahren allein die 20 SRK rund 70.000 Seemeilen oder rund 130.000 Kilometer und damit mehr als drei mal um die Erde.

Flagge mit Hansekreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 150 Jahren führt die DGzRS das rote Hansekreuz auf weißem Grund mit dünnem schwarzen Rand als allgemeines Erkennungszeichen. Die Farben Rot und Weiß waren die Farben der Hanse und zierten die Stadtflaggen einiger Hansestädte. Der Norddeutsche Bund genehmigte Flagge und Farben der DGzRS per Erlass am 23. Mai 1868. Die rechteckige Dienstflagge wird auf Schiffen, Booten und Rettungsstationen gezeigt und das runde Emblem kennzeichnet sämtliches Inventar vom Schiff bis zur Rettungsweste.

150. Jubiläum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem großen Fest beging die Gesellschaft ihr 150-jähriges Gründungsjubiläum im Mai 2015. Der damalige Schirmherr, Bundespräsident Joachim Gauck, würdigte die Arbeit der Seenotretter bei einem Festakt im Bremer Rathaus. In Bremen und Bremerhaven wurden ein neues SRB und ein neuer SRK getauft. Außerdem fand in Bremerhaven eine Ausstellung von Seenotrettungsschiffen (Open Ship) aus aller Welt und die Internationale Konferenz der Seenotrettungsdienste statt. Das Bundesministerium der Finanzen hat zu Ehren der Seenotretter ein Sonderpostwertzeichen im Wert zu 62 Cent und eine 10-Euro-Gedenkmünze als gesetzliches Zahlungsmittel herausgegeben.[10] Zur Würdigung um die Leistungen der Gesellschaft wurde ihr im Jahr 2015 zudem der Tourismuspreis Mecklenburg-Vorpommern überreicht.

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiffslogo der DGzRS
Zusammenarbeit zwischen SAR-Helikopter und Seenotkreuzer

Wie bei allen Seenotrettungsorganisationen bestand die Flotte der DGzRS anfangs rein aus offenen Ruderrettungsbooten (RRB), die später auch eine Hilfsbesegelung erhielten. Für die Seenotretter gab es als Sicherung Korkschwimmwesten und für die Strandrettung kamen einfache Raketenapparate mit Hosenbojen hinzu. Erst 50 Jahre nach ihrer Gründung setzte eine 'zaghafte' Motorisierung der Boote ein, deren Technik jedoch zunächst noch sehr unzuverlässig war. Erst mit der Entwicklung kompakter und robuster Dieselmotoren erfolgte Mitte der 1920er Jahre der Beschluss, nur noch gedeckte Neubauten mit Dieselantrieb in Dienst zu stellen. Diese wurden als Küstenrettungsboot (KR) oder -schiff (KRS) bezeichnet. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs stieg deren Anzahl auf 40 Einheiten an. Daneben existierten immer noch 52 Ruderrettungsboote. Die letzten im Krieg gebauten Motorrettungsboote erhielten als Neuerung erstmals einen Turmaufbau, der dem Vormann eine deutlich bessere Übersicht und größere Sichtweite bot.

In den 1950er Jahren, nach ihrer finanziellen Konsolidierung, begann man sich Gedanken bei der DGzRS zu einem Motorrettungsboot der Zukunft zu machen. Abgeleitet vom Wandel im Seeverkehr zu immer größeren Schiffen und Schifffahrtswegen weitab von den Küsten wurden neue Anforderungen formuliert, die auch dem technischen Fortschritt im Schiffsbau und der Motorenentwicklung Rechnung trugen. Im Vergleich zu den vorhandenen Booten sollte der neue Typ die doppelte Höchstgeschwindigkeit erreichen können und eine unbegrenzte Seetüchtigkeit auch bei extrem schlechten Wetter aufweisen. Dazu sollten die Boote auch in den ausgedehnten Flachwassergebieten im Wattenmeer der Nordsee problemlos eingesetzt werden können. Dies war die Geburtsstunde für ein Tochterboot (TB), das in einer Heckwanne mitgeführt wird. Erstes Ergebnis dieser Entwicklung war die Indienststellung des Seenotkreuzers «Hermann Apelt» im Jahr 1955. Aus diesem Einzelstück der „neuen Generation“ mit TB wurde mit den Erkenntnissen aus den Rettungseinsätzen eine neue Klasse geschaffen, mit der eine neue, wegweisende Ära im Bau moderner, vielseitig einsetzbarer Seenotrettungskreuzer begann. Das Typschiff «Theodor Heuss» wurde 1957 in Dienst gestellt. Mit der Selbstaufrichtung und seinen drei Motoren, die für 20 Knoten Fahrt reichten, war er ein viel beachteter innovativer Schiffstyp. In der Folgezeit sind alle neuen Rettungsboote nach diesem Prinzip gebaut und weiterentwickelt worden[11].

Waren die ersten SRK noch aus Stahl gebaut wird bei der DGzRS seit 1967 mit seewasserbeständigem Aluminium gebaut. Für eine hohe Seetüchtigkeit sorgt eine bewährte Netzspantenbauweise, durch die auch harte Grundberührungen in den ausgeprägten Flachwassergebieten der Nordsee gut überstanden werden. Bei einer durchschnittlichen Betriebszeit der Einheiten von rund 30 Jahren ergibt sich ein Erneuerungsbedarf von 2 Einheiten, die jedes Jahr in Dienst gestellt werden müssen.

Tabelle der Seenotrettungskreuzer der DGzRS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Rückgrat stehen heute für den SAR-Dienst 20 moderne und leistungsstarke (SRK) zur Verfügung. Zum Schutz der Besatzung besitzen die neueren Boote seit 1996 ausschließlich vollständig geschlossene Deckshäuser, deren Kommandobrücken eine gute Übersicht nach allen Seiten bieten. Mit einer professionellen Besatzung sind diese Boote auf 18 Stationen rund um die Uhr in ständiger Bereitschaft und sofort zum Auslaufen bereit. Standardantriebssystem sind Dieselmotoren mit Festpropeller und modernen Wendegetrieben, die auch schnelle Fahrtrichtungswechsel gestatten. Wasserstrahlantriebe, wie sie andere Gesellschaften in ihren neuen Booten einsetzen, finden sich nur bei den zwei Tochterbooten der großen SRK und bei den SRB der 7-Meter-Klasse. Auch die ersten vier Arbeitsboote der SRK der 20-Meter-Klasse besitzen den Jetantrieb. Diese vier und die zwei vorgenannten TB sind die einzigen Festrumpfschlauchboote der DGzRS. Die zwei neueren Arbeitsboote sind Vollkunststoffboote (RBB Rigid Buoyant Boat) mit Außenbordmotoren.

Seenotrettungskreuzer mit Festangestellten (FA) – jederzeit einsatzbereit
Bootsklasse Länge Breite Tief-
gang
Bau-
mat.
Crew i. D.
seit
Anz. Motoren
ges. Leistung
v-max
(Antrieb)
Reichweite Anz.
geb.
Anz.

i. D.

Anz.
Res.
Sonstiges
28-Meter 27,90 m 6,20 m 1,95 m Alu 4 FA 2014 2 → 2.880 kW 24 kn (F-P) 600–800 sm 4 4 0 TB 8,2 m
36,5-Meter 36,45 m 8,20 m 2,70 m Alu 5 FA 2010 3 → 4.785 kW 25 kn (F-P) 1.400 sm 1 1 0 TB 8,9 m
20-Meter 19,90 m 5,05 m 1,30 m Alu 3 FA 2008 1 → 1.232 kW 22 kn (F-P) 820 sm 6 6 0 ArB 4,8 m
46-Meter 46,00 m 10,66 m 2,80 m Alu 7 FA 2003 3 → 6.803 kW 25 kn (F-P) 2.120 sm 1 1 0 TB 8,9 m
23,1-Meter 23,10 m 6,00 m 1,60 m Alu 4 FA 1996 2 → 1.986 kW 23 kn (F-P) 1.200 sm 4 4 0 TB 8,2 m
27,5-Meter 27,50 m
28,20 m
6,53 m 2,10 m Alu 4 FA 1985
1992
3 = 2.420 kW
3 → 2.500 kW
23 kn (F-P) -?- 4
2
0
2
0 TB 7,5 m
TB 8,2 m
23,3-Meter 23,30 m 5,50 m 2,00 m Alu 4 FA 1980 2 → 1.430 kW 20 Kn (F-P) -?- 7 0 0 TB 6,9 m
Stand   @ April 2020[12]
Erläuterungen der Einheiten: m = Meter | kW = Kilowatt | kn = Knoten | sm = Seemeile

Abkürzungen: i. D. = in Dienst | v-max = größte Geschwindigkeit | geb. = gebaut | Res. = Reserve | TB = Tochterboot | ArB = Arbeitsboot | F-P = Festpropeller

Die Seenotrettungskreuzer für das 21. Jahrhundert im Bild

Tabelle der Seenotrettungsboote der DGzRS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flotte der SRK wird durch die mit Freiwilligen besetzten 39 SRB ergänzt. Auch diese Boote sind im Aufbau wie die SRK aus Aluminium und als Selbstaufrichter konstruiert. Nach der früheren halboffenen Bauweise der Steuerstände verfügt die neuste Generation auch über einen geschlossenen Decksaufbau. Die zwei neusten Boote sind dagegen Vollkunststoffboote (RBB) wie die letzten beiden Arbeitsboote der 20-Meter-Klasse. Ihre Selbstaufrichtung erzeugen diese Boote über einen Airbag auf dem Bügel über dem Heck.

Seenotrettungsboote mit Freiwilligen – kurzfristig einsatzbereit
Bootsklasse Länge Breite Tief-
gang
Bau-
mat.
Crew i. D.
seit
Anz. Motoren
ges. Leistung
v-max
(Antrieb)
Reichweite Anz.
geb.
Anz.
i. D.
Anz.
Res.
Sonstiges
8,9-Meter 8,90 m 3,10 m 0,88 m HDPE 3–4 FW 2018 2 = 294 kW 38 kn (F-P) 240 sm 2 2 0 AB
10,1-Meter 10,10 m 3,61 m 0,96 m Alu 3–4 FW 2003 1 = 279 kW
bzw. 235 kW
18 kn (F-P) 240 sm 16 16 0
9,5-Meter 9,41 m 3,61 m 0,96 m Alu 3–4 FW 1999 1 = 235 kW 18 kn (F-P) 240 sm 14 14 0
7,0-Meter 7,00 m 2,50 m 0,50 m Alu 3–4 FW 1993 1 = 215 kW 24 kn (Jet) 130 sm 4 3 0
8,5-Meter 8,52 m
8,28 m
3,10 m 0,95 m
0,85 m
Alu 3–4 FW 1992
1987
1 = 158 kW 18 kn (F-P) 200 sm 18 4 0
Stand   @ April 2020[12]

Erläuterungen der Einheiten: m = Meter | kW = Kilowatt | kn = Knoten | sm = Seemeile
Abkürzungen: i. D. = in Dienst | v-max = größte Geschwindigkeit | geb. = gebaut | Res. = Reserve | AB = Außenbordmotor

Die aktuellen Seenotrettungsboote im Bild

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anforderungen an die Seenotrettung werden in naher Zukunft weiter ansteigen, zum einen durch eine zu erwartende Wetterverschlechterung, verursacht durch die Klimaerwärmung, und zum anderen durch den stark steigenden Verkehr, vor allem in der Ostsee (z. B. der Ölverkehr aus Russland und dem Baltikum, aber auch durch steigenden Passagier- und Freizeitverkehr). Dem trägt die Gesellschaft durch weitere Modernisierungen und Umstationierungen der Flotte Rechnung. Dazu werden die SRK der 27,5-m-Klasse und der 23,3-m-Klasse sowie die SRB der 8,5-m- und 7-m-Klasse schrittweise durch Neubauten ersetzt.

Aktuell (04/2020) sind zwei Kreuzer der 28-Meter-Klasse (SK 41 und 42), zwei SRB der 10,1-m-Klasse (SRB 78 und 80) sowie ein SRB der 8,9-m-Klasse (SRB 81) im Bau.

Die folgenden Klassen werden sukzessive aus dem Dienst der DGzRS ausscheiden.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1866 stiftete die Gesellschaft eine Auszeichnung für die Rettung aus Seenot, die Gesellschaftsmedaille. Hinzu kam die Laeisz-Medaille, die aus einer 1892 vom Verein zur Rettung Schiffbrüchiger auf hoher See zu Hamburg in die Gesellschaft eingebrachten Stiftung herrührte. Allein bis 1911 sind aus der Laeisz-Stiftung für 2926 gerettete Menschenleben 14 große goldene, 68 kleine goldene, 186 große silberne und 169 kleine silberne Medaillen und in bar Mark 45398 verliehen worden.[13]

1955 vereinigte die Gesellschaft die beiden Medaillen und stiftete an ihrer Stelle die Medaille für Rettung aus Seenot am Bande der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in drei Stufen: Bronze, Silber und Gold. Die Verleihung erfolgt durch den Gesellschaftsvorstand.[14]

Schirmherr und Bootschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank-Walter Steinmeier, als Bundespräsident auch Schirmherr der Seenotretter

Bereits der preußische König Wilhelm I. hatte die Schirmherrschaft über das Rettungswerk übernommen. Seit 1950 ist der amtierende deutsche Bundespräsident Schirmherr der Gesellschaft. Zudem ernennt die DGzRS seit dem Jahr 2000 jährlich eine prominente Persönlichkeit zum „Bootschafter“, die ehrenamtlich für die Seenotrettung wirbt.

Anke Harnack, Bootschafterin 2020
Liste der Bootschafter
Jahr Name Beruf
2000 Reinhard Mey Liedermacher
2001 Jörg Kachelmann Moderator, Journalist
2002 Carmen Nebel Fernsehmoderatorin
2003 Godewind Musikgruppe
2004 Otto Sander Schauspieler
2005 Achim Reichel Musiker, Komponist, Produzent
2006 Birgit Fischer Kanurennsportlerin
2007 Jan Fedder Schauspieler
2008 Thomas Schaaf Fußballtrainer
2009 Bettina Tietjen Fernsehmoderatorin
2010 Tim Mälzer TV-Koch
2011 Uwe Friedrichsen Schauspieler
2012 Frank Schätzing Schriftsteller
2013 Yared Dibaba Fernsehmoderator
2014 Klaus Lage Musiker
2015 Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Orchester
2016 Markus Knüfken Schauspieler
2017 Heike Götz Moderatorin
2018 Till Demtrøder Schauspieler
2019 Bernd Flessner Windsurfer
2020 Anke Harnack Moderatorin

Tag der Seenotretter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeweils am letzten Juli-Wochenende präsentiert die DGzRS auf vielen ihrer Stationen ihre Seenotrettungskreuzer und Seenotrettungsboote. Besucher können die Rettungseinheiten besichtigen, Vorführungen erleben und mit den Besatzungen ins Gespräch kommen. Die Einsatzbereitschaft der Rettungsflotte bleibt dabei stets gewahrt. Der erste Tag der Seenotretter fand unter dem Motto „Mayday“ am 5. Mai 1996 ausschließlich in der Zentrale der DGzRS statt. Seit 1999 veranstaltet die DGzRS den Tag der Seenotretter jährlich auf ihren Rettungsstationen an der Küste und auf den Inseln.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. In: Die Gartenlaube. Heft 22, 1866, S. 343/344 (Volltext [Wikisource]).
  • H. v. C.: Deutsche Rettungsstationen. In: Die Gartenlaube. Heft 17, 1867, S. 268–270 (Volltext [Wikisource] – mit Illustration).
  • Ein deutsches Normal-Rettungsboot. In: Die Gartenlaube. Heft 32, 1868, S. 501–512 (Volltext [Wikisource]).
  • Petersen’s Rettungsboot erprobt! In: Die Gartenlaube. Heft 35, 1868, S. 560 (Volltext [Wikisource]).
  • Ferdinand Lindner: Das Rettungswesen an der deutschen Küste. In: Die Gartenlaube. Heft 4, 1880, S. 60–64 (Volltext [Wikisource]).
  • Ulf Kaack, Andreas Lubkowitz, Antke Reemts: Hermann Marwede. Der größte Seenotkreuzer der DGzRS. Verlag Peter Kurze, Bremen 2003, ISBN 3-927485-45-4.
  • DGzRS – 140 Jahre, 140 Gedanken. DSV-Verlag, Hamburg, ISBN 3-88412-425-0.
  • Sven Claußen, Ulf Kaack: Die Seenotkreuzer der DGzRS. Geschichte, Geschichten und Technik. Verlag Peter Kurze, Bremen (in 3 Bänden)
  • Ulf Kaack: Die Seenotkreuzerklasse Eiswette. Konstruktion und Bau der DGzRS-Rettungseinheiten SK 30 und SK 31. Verlag Peter Kurze, Bremen 2009, ISBN 978-3-927485-93-8.
  • Ulf Kaack: Tödlicher Sturm: Die Rettungsfahrt der Vegesack. Die Seenotretter von Horumersiel. Verlag Peter Kurze, Bremen 2010, ISBN 3-927485-96-9.
  • Sven Claußen, Ulf Kaack: Deutsche Seenotkreuzer in aller Welt. Lizenzbauten, Seenotrettungsboote, Zollkreuzer und Unikate. Verlag Peter Kurze, Bremen 2010, ISBN 978-3-927485-95-2.
  • Retter auf hoher See: Freiwillig. selbstlos und kompetent. 150 Jahre Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). In: Schiff & Hafen, Heft 5/2015, S. 12–21.
  • Christian Stipeldey: Rausfahren, wenn andere reinkommen. 150 Jahre Seenotrettung in Deutschland. In: Hansa, Jubiläumsheft Januar 2014, S. 116–125.
  • Anne-Katrin Wehrmann: Lebensretter planen Notfall-Leitstelle für Unfälle in Offshore-Windparks. In: Hansa, Heft 3/2012, S. 96/98.
  • Stefan Kruecken, Jochen Pioch, Enver Hirsch, Thomas Steuer: Mayday! Seenotretter erzählen ihre besten Geschichten. Ankerherz Verlag, Hollenstedt/Nordheide 2017, ISBN 978-3-940138-79-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d DGzRS-Jahrbuch 2017
  2. Full Members. (Memento vom 3. Juli 2018 im Internet Archive) international-maritime-rescue.org, abgerufen am 3. Juli 2018.
  3. Wie ein Verein seit 150 Jahren Menschen aus Seenot rettet. In: Badische Zeitung. (badische-zeitung.de [abgerufen am 21. August 2017]).
  4. Wer wir sind. Abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  5. a b Hans Georg Prager: Das Seenotwerk begann in Ostpreußen. In: Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 47, 21. November 2009, S. 11
  6. Am 8. August 1861 wurde auf Initiative von Ernst Freiherr von Merck der „Hamburgische Verein zur Rettung Schiffbrüchiger“ gegründet. (Deutschland, in: Börsen-Halle, 8. August 1861, Seite 6, Digitalisat)
  7. Der erste Vorstand der DGzRS heißt seit jeher „Vorsitzer“ (siehe DGzRS: Wer wir sind)
  8. Zum 150-jährigen Jubiläum der DGzRS auf den Seiten des NDR
  9. a b Seenotretter für fast 3.400 Menschen auf Nord- und Ostsee im Einsatz. dgzrs.de, 14. Januar 2020
  10. Bundesregierung beschließt Zehn-Euro-Gedenkmünze zum Jubiläum der Seenotretter – 150 Jahre DGzRS (20. August 2014).
  11. Hans Knarr: Typenkompass Seenotkreuzer Pietsch Verlag (2013) ISBN 978-3-613-50743-2
  12. a b Flotte der DGzRS auf seenotretter.de, abgerufen am 28. April 2020
  13. Ferdinand Dannmeyer: Seelotsen-, Leucht- und Rettungswesen: ein Beitrag zur Charakteristik der Nordsee und Niederelbe. 1911, S. 87
  14. Virtuelles Ordensmuseum, abgerufen am 11. Februar 2019