Deutsche Glasfaser Holding

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Deutsche Glasfaser Holding GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 2011
Sitz Borken DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Jens Müller
  • Ruben Queimano
  • Angie Hagemann
Mitarbeiterzahl 655[1]
Umsatz 101,1 Mio. EUR[1]
Branche Telekommunikation
Website www.deutsche-glasfaser.de
Stand: 31. Dezember 2019

Die Deutsche Glasfaser Holding GmbH ist ein 2011 gegründetes Telekommunikationsunternehmen. Der im Handelsregister eingetragene (historische) Sitz der Gesellschaft ist Borken, Nordrhein-Westfalen, die Verwaltungszentrale befindet sich jedoch in Monheim, Nordrhein-Westfalen, und soll im November 2021 nach Düsseldorf verlegt werden.[2] Das Unternehmen betreibt den Ausbau von FTTH-Glasfasernetzen (Glasfaser bis in die Wohnung) und ist Telekommunikationsdiensteanbieter (Provider) in den Bereichen Internet, Fernsehen (IPTV) und Telefonie.

Tätigkeitsfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen baut und betreibt ein eigenes Breitband-Glasfasernetz, das bis zu den einzelnen Wohnungen verlegt ist, d. h. auf der „Letzten Meile“ nicht auf die Anmietung von Leitungen der Deutschen Telekom AG angewiesen ist. Dieses steht anderen Telekommunikationsanbietern als offenes Netz zur Verfügung (sog. Open Access Network). Der Ausbau erfolgt in Kooperation mit den Kommunen und konzentriert sich auf Außenbezirke großer Ballungsräume.[3][4] Vor dem Ausbau führt das Unternehmen zeitlich begrenzte Nachfragebündelungen durch. Erst wenn in dieser Phase eine gewisse Prozentzahl der Haushalte im potentiellen Ausbaugebiet einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser als Provider abschließen, findet der Ausbau statt. Oft gründen sich Bürgerinitiativen, die als Vermittler zwischen Bürgern, Lokalpolitikern und dem Unternehmen agieren.[5]

Als Internet-Service-Provider vermarktet es Internet-, TV- und Telefoniedienstleistungen für Privatkunden. Im Februar 2017 hatte das Unternehmen entsprechend der Branchenorganisation FTTH Council Europe 70.000 Haushalte an sein Netz angeschlossen (Homes Connected) von etwa 235.000 daran anschließbaren Haushalten (Homes Passed).[6] Im Mai 2019 hatte das Unternehmen, nach eigenen Meldungen, 300.000 Vertragskunden und etwa 500.000 anschließbare Haushalte.[7] Hinsichtlich der Breitbandversorgung auf dem Land wird die Deutsche Glasfaser inzwischen als wichtiger Gegenspieler der Deutschen Telekom gesehen.[8][9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde Deutsche Glasfaser im Jahr 2011 von der niederländischen privaten Investmentgesellschaft Reggeborgh, die in den Niederlanden mit der Unternehmenstochter Reggefiber schon einige Jahre zuvor im Bereich des FTTH-Ausbaus tätig war und dabei ca. 2,5 Millionen Glasfaseranschlüsse anlegte (30 % der niederländischen Haushalte).[10] Zunächst wurde der Glasfaserausbau schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern realisiert.[11]

Ab 2015 war der amerikanische Investor Kohlberg, Kravis, Roberts und Co. mit Anlagen im Gesamtwert von 131,1 Mrd. US-Dollar[12] Mehrheitsgesellschafter,[13] neben der Reggeborgh-Gruppe als Minderheitsanteilseigner. Deutsche Glasfaser stehen dadurch etwa 1,5 Mrd. Euro Investitionskapital für die Expansion in Deutschland in den nächsten Jahren zur Verfügung. Darüber hinaus sollen auch Fördergelder beantragt werden.[14] Seit 2016 verfolgt das Unternehmen den deutschlandweiten Ausbau von Glasfasernetzen.[11]

Deutsche Glasfaser ist Mitgliedsunternehmen im Bundesverband für Breitbandkommunikation,[15] der sich für den deutschlandweiten Ausbau von Glasfasernetzen und faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Telekommunikationsmarkt einsetzt,[16] sowie im Verband der Anbieter für Telekommunikations- und Mehrwertdienste.[4]

Im Juli 2017 kündigte Deutsche Glasfaser die Übernahme der Unser Ortsnetz GmbH an. Die Marke Unser Ortsnetz wird dabei aufgegeben und Bestandskunden in die Technologie der Deutschen Glasfaser migriert[17].

Im Mai 2020 erlaubte das Bundeskartellamt die Übernahme der Deutschen Glasfaser durch den schwedischen Finanzinvestor EQT und die Fusion der Deutschen Glasfaser mit ihrem Mitbewerber inexio Informationstechnologie und Telekommunikation GmbH mit Sitz in Saarlouis. Das fusionierte Unternehmen wäre nach der Deutschen Telekom und Vodafone der drittgrößte Glasfaseranbieter Deutschlands[18].

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FTTH Europe: "Operator FTTH Award" 2017[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Konzernjahresabschluss per 31.12.2019, veröffentlicht auf bundesanzeiger.de, abgerufen am 6. Juli 2021
  2. Die Deutsche Glasfaser verlagert die Zentrale nach Düsseldorf, Rheinische Post 13. August 2021, abgerufen am 14. August 2021
  3. KKR holt Jens Müller als CFO zu Deutsche Glasfaser - FINANCE Magazin. Abgerufen am 1. März 2017.
  4. a b VATM, Köln: FTTH Award 2017 geht an VATM-Mitgliedsunternehmen Deutsche Glasfaser: So kann Glasfaserausbau funktionieren – VATM warnt vor politischen Fehlentwicklungen in Deutschland. Abgerufen am 1. März 2017.
  5. https://www.glasfaser-erftstadt.de/
  6. Achim Sawall: Wer in Deutschland die meisten Glasfaseranschlüsse verlegt. Abgerufen am 14. Juli 2017.
  7. Deutsche Glasfaser wurde früher für verrückt erklärt. 22. Mai 2019, abgerufen am 2. Juni 2019.
  8. Reinhard Kowalewsky: Konkurrenz für die Telekom: Niederrhein profitiert besonders von Glasfaser-Offensive. Abgerufen am 1. März 2017.
  9. Breitband: Kampf um die Peripherie. In: https://www.merkur.de. 8. Juni 2016 (merkur.de [abgerufen am 2. März 2017]).
  10. Third of Dutch homes connected to fibre. Broadband TV News, 3. Juni 2016, abgerufen am 20. Februar 2017.
  11. a b Achim Sawall: Deutsche Glasfaser will bundesweit ausbauen. Golem.de, 6. Juni 2016, abgerufen am 20. Februar 2017.
  12. KKR, Kohlberg Kravis Roberts: KKR Today | KKR. Abgerufen am 20. Februar 2017.
  13. Schnelles Internet: Investor KKR will Glasfasernetz in Deutschland ausbauen. SPIEGEL ONLINE, 20. Juli 2015, abgerufen am 20. Februar 2017.
  14. Deutsche Glasfaser investiert bundesweit in FTTH-Ausbau. Glasfaser.net, 6. Juni 2016, abgerufen am 20. Februar 2017.
  15. king-theme.com: BREKO-Statement: BREKO gratuliert Deutscher Glasfaser zum Gewinn des FTTH Award 2017. Archiviert vom Original am 2. März 2017; abgerufen am 1. März 2017.
  16. king-theme.com: BREKO Verband. Archiviert vom Original am 1. März 2017; abgerufen am 1. März 2017.
  17. Unser Ortsnetz wird jetzt Deutsche Glasfaser. Abgerufen am 22. Juni 2018.
  18. Saarlouiser Inexio und Deutsche Glasfaser sind jetzt vereint, saarbruecker-zeitung.de, abgerufen am 18. Mai 2020
  19. Who are the champions of the FTTH Award 2017? auf ftthconference.eu vom 15. Februar 2017, abgerufen am 8. März 2017