Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft

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  DEG
Logo
Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Sitz Kämmergasse 22
50676 Köln
Rechtsform GmbH
Gründung 14. September 1962
Website deginvest.de
Geschäftsdaten 2017
Bilanzsumme 5.328 Mio. Euro
Mitarbeiter 570
Leitung
Aufsichtsrat Norbert Barthle (Vors.)

Unternehmensleitung

Monika Beck
Philipp Kreutz
Christiane Laibach (Sprecherin)[1]

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Zentrale der DEG, Ansicht von der Nord-Süd-Fahrt aus
Historisches Logo des Unternehmens

Die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH finanziert als Entwicklungsbank Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungsländern und Schwellenländern und ist eine Tochtergesellschaft der KfW Bankengruppe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DEG wurde am 14. September 1962 von dem damaligen Bundestagsabgeordneten und späteren Bundespräsidenten Walter Scheel gemeinsam mit dem damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Kai-Uwe von Hassel als bundeseigene Gesellschaft (ursprünglich firmierend als Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit mbH) gegründet.[2] Sitz der DEG ist Köln, seit ihrer Gründung bis 2008 hatte sie ihren Sitz in Köln-Müngersdorf. Im September 2008 bezog die DEG ihre neue Unternehmenszentrale in der Kölner Innenstadt, Kämmergasse 22 (Nord-Süd-Fahrt). Im September 2017 wurde ein Erweiterungsbau mit zusätzlichen 120 Büroplätzen in der Agrippastraße fertiggestellt.[3]

Seit ihrer Unternehmensgründung im September 1962 befand sie sich im Besitz des Bundes, im Juni 2001 wurde sie eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der KfW. Durch die Übernahme entstanden neben Refinanzierungsvorteilen auch strategische Standortvorteile durch den Zugang zu damals 70 Außenbüros. Heute verfügt die DEG selbst über 13 Außenbüros weltweit in: Accra, Bangkok, Peking, Istanbul, Jakarta, Johannesburg, Lima, Mexiko Stadt, Moskau, Nairobi, Neu Delhi, Sao Paulo und Singapur.[4]

Aufgaben und Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgabe der DEG ist es, privatwirtschaftliche Strukturen in Entwicklungs- und Schwellenländern durch langfristige Projekt- und Unternehmensfinanzierung zu fördern, um dadurch die Grundlage für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und eine dauerhafte Verbesserung der Lebensbedingungen zu schaffen. Dabei ist sie spezialisiert auf Unternehmens- und Projektfinanzierungen in Afrika, Asien, Lateinamerika sowie in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Die Finanzierungen werden zu marktorientierten Konditionen gewährt. Die Finanzprodukte umfassen[5]

Zu den Kunden der DEG zählen Unternehmen, Finanzinstitute, Fonds sowie Projektfinanzierer (private Unternehmen, die in Vorhaben im Infrastruktursektor investieren).

Seit 2017 betreibt die DEG in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und lokalen Partnerbanken „German Desks“ in Bangladesch, Indonesien, Kenia, Nigeria,und in Peru. Die Bankmitarbeiter vor Ort unterstützen mittelständische deutsche Unternehmen und überbrücken kulturelle und sprachliche Barrieren.

Zusätzlich bietet die DEG auch Beratungsdienstleistungen an. Diese setzt die DEG für investierende Unternehmen als auch für Institutionen ein, die die Förderung der privatwirtschaftlichen Zusammenarbeit in den Partnerländern zum Ziel haben.

Ergänzend unterstützt die DEG unter dem Namen „develoPPP.de“ im Rahmen eines speziellen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aufgelegten Programms für Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft, investitionsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen. Zielgruppe sind deutsche und europäische Unternehmen sowie Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern, an denen in der EU registrierte Unternehmen oder europäische Staatsangehörige mindestens 25 Prozent der Unternehmensanteile halten. Die PPP-Mittel werden vor allem für Projekte im Umweltschutz, in der Aus- und Weiterbildung, in der Arbeitsplatzsicherheit und für herausragende Pilotvorhaben bereitgestellt.

Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und nukleare Sicherheit (BMU) fördert die DEG mit dem Programm "Klimapartnerschaften mit der Wirtschaft" Vorhaben, die den Klimaschutz durch innovative Technologie vorantreiben.

Die DEG wendet bei all ihren Finanzierungen die IFC Performance Standards inklusive der dazu gehörigen Richtlinien zu "Environmental, Health and Safety" an.[6] Die von der International Finance Corporation (IFC) entwickelten IFC Performance Standards sind in der internationalen Entwicklungsfinanzierung der am weitesten verbreitete Beurteilungsmaßstab. 

Damit Einzelpersonen, Organisationen und andere Parteien, die der Meinung sind, dass sie durch ein von der DEG finanziertes Vorhaben beeinträchtigt werden, angehört werden und eine Beschwerde einreichen können, hat die DEG ein unabhängiges Beschwerdeverfahren ("Independent Complaints Mechanism") entwickelt. Ein unabhängiges Gremium, das "Independent Expert Panel", entscheidet über die Zulässigkeit der einzelnen Beschwerden und ist für die weitere Bearbeitung zuständig.[7]

Beitrag zu den SDGs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teil der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland unterstützt die DEG die Agenda 2030 mit den Zielen für Nachhaltige Entwicklung (SDGs) der UN, darunter insbesondere die Reduzierung der Armut durch die Förderung von Beschäftigung und Einkommen in entwicklungsschwachen und ländlichen Räumen. Die von der DEG im Jahr 2017 mitfinanzierten Unternehmen generieren jährlich 67 Milliarden Euro lokales Einkommen und schafften bzw. sicherten 1,5 Millionen Arbeitsplätze.[8] 72 % der DEG-Kunden tragen durch ihre Tätigkeit aktiv zur Armutsverringerung (SDG Nr. 1) bei, 88 % der DEG-Kunden zu menschenwürdiger Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG Nr. 8).[9]

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DEG ist ein Kreditinstitut im Sinne des § 1 Abs. 1 KWG. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die DEG mit Freistellungsbescheid gemäß § 2 Abs. 4 KWG teilweise von den Vorschriften des KWG widerruflich befreit. Gleichwohl wendet die DEG die relevanten Normen des KWG, insbesondere die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (BA) im Wesentlichen sinngemäß an.

Geschäftsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DEG hat nach eigenen Angaben von 1962 bis 1972 mit Mitteln des Bundesministeriums „BMZ“ insgesamt 171 Millionen DM für die Gründung von 120 Unternehmen in 40 Ländern investiert. Es wurden vorwiegend Joint Ventures mit deutschen Unternehmen und lokalen Partnern vor Ort abgeschlossen.

Das Neugeschäft belief sich 2014 auf 1.473 Mio. EUR bei einer Bilanzsumme von 5.318 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von 164 Mio. EUR.[10] 2015 belief sich die Bilanzsumme auf 5.843 Mio EUR, 2017 auf 5.328 Mio EUR. Das Eigenkapital betrug 2017 insgesamt 2,5 Mrd. EUR.[11]

In den Anfangsjahren beschäftigte die DEG rund 30 Mitarbeiter/innen. Ende 2007 betrug die Zahl der Angestellten im In- und Ausland rund 380, 2014 rund 499. 2015 wurden 526, 2017 rund 570 Mitarbeiter/innen verzeichnet.[12]

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DEG koordiniert ihre Fördertätigkeit eng mit anderen europäischen Entwicklungsfinanzierungsorganisationen, die sich insbesondere unter dem organisatorischen Dach der EDFI (Europäische Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen) zusammengeschlossen haben. Ferner gehört zu den engen Kooperationspartnern der DEG die Weltbanktochter Internationale Finanz-Corporation (IFC), die osteuropäische Entwicklungsbank Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) sowie eine Vielzahl lokaler und regionaler Entwicklungsgesellschaften. Ziel dieser Kooperationen ist es, durch Bündelung von Finanzierungskapazitäten und Sachkenntnis eine möglichst große entwicklungspolitische Breitenwirkung und Nachhaltigkeit zu erzielen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Folge der WDR-Sendereihe die story setzte sich 2015 kritisch mit dem Handeln der DEG in Sambia auseinander. Bemängelt wurde, dass die DEG Kredite an die Firma („Zambeef“) vergeben habe, ohne zu prüfen, ob die Mittel notwendig seien und ob die Firma nachhaltig damit wirtschafte.[13][14] Als Hauptvorwurf wurde angeführt, dass die DEG damit indirekt das Land Grabbing fördere.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DEG: Christiane Laibach neue DEG-Geschäftsführerin, Pressemitteilung vom 17. Februar 2015, abgerufen am 21. April 2017
  2. Unsere Geschichte. Abgerufen am 23. August 2018 (deutsch).
  3. Manfred Reinnarth: DEG: Neubau an der Aggripastraße frist- und kostengerecht fertig. In: Kölnische Rundschau. (rundschau-online.de [abgerufen am 23. August 2018]).
  4. Unsere Standorte. Abgerufen am 8. August 2017.
  5. DEG: Organigramm@1@2Vorlage:Toter Link/www.deginvest.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Unternehmensstruktur (pdf), abgerufen am 21. April 2017
  6. Unsere Standards. Abgerufen am 23. August 2018 (deutsch).
  7. Beschwerdemanagement. Abgerufen am 8. August 2017.
  8. Unsere Wirkungen. Abgerufen am 23. August 2018 (deutsch).
  9. DEG: Entwicklungspolitischer Jahresbericht 2017. DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Juni 2018, abgerufen im 23. August 2018 (deutsch).
  10. DEG: Jahresberichte 2012–2016, Ergebnisse des DEG-Geschäfts in Zahlen (pdf), abgerufen am 21. April 2017
  11. DEG: Jahresabschluss und Lagebericht 2017. DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgeselschaft mbH, April 2018, abgerufen im 23. August 2018 (deutsch).
  12. DEG, Kennzahlen, abgerufen am 21. April 2017
  13. Hungrig nach Profit. In: programm.ARD.de. ARD, 12. September 2015, abgerufen am 2. Juli 2017.
  14. Caroline Nokel: Das ist Entwicklungshilfe, die Hunger macht. In: Das Feature. NDR Info, 2. Juli 2017, abgerufen am 2. Juli 2017.

Koordinaten: 50° 56′ 1,8″ N, 6° 57′ 9,7″ O