Deutsche Islamkonferenz

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Die erste Deutsche Islamkonferenz, auch Deutsche Islam Konferenz (DIK) stellte den Beginn eines langfristig angelegten Dialoges zwischen dem deutschen Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen dar. Initiiert wurde sie vom früheren deutschen Innenminister Wolfgang Schäuble. Ziel der Konferenz war es nach der Darstellung des Innenministeriums, „eine bessere religions- und gesellschaftspolitische Integration der muslimischen Bevölkerung und ein gutes Miteinander aller Menschen in Deutschland, gleich welchen Glaubens“ zu erreichen.[1]

Die Auftaktsitzung fand am 27. September 2006 im Schloss Charlottenburg (Berlin) statt. Eine Folge der Konferenz war die Gründung des Koordinierungsrates der Muslime.

Schäubles Nachfolger im Amt des Bundesminister des Innern, die Minister Thomas de Maizière und Hans-Peter Friedrich, setzten die Deutsche Islamkonferenz fort. Die erste Plenarsitzung der zweiten Phase fand am 17. Mai 2010 statt, die zweite am 29. März 2011,[2] eine am 19. April 2012[3] und eine am 7. Mai 2013.

Gegenstand und Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenen Angaben verfolgt das Bundesinnenministerium das Ziel, das Verhältnis zwischen dem deutschen Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen auf eine tragfähige Grundlage zu stellen und sie religions- und gesellschaftspolitisch besser zu integrieren. Es geht dabei nicht um das Verhältnis zwischen Islam und Christentum, sondern um das Verhältnis zwischen Staat und Religion.[4] Der Initiator Wolfgang Schäuble betont, Ziel der Deutschen Islam Konferenz sei es einen „institutionellen Rahmen für den Dialog zwischen Menschen muslimischen Glaubens und Vertretern aller Ebenen unseres Gemeinwesens“ zu schaffen um „die Integration der Muslime zu erleichtern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren.“ Er erklärte einführend: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft. Muslime sind in Deutschland willkommen. Sie sollen ihre Talente entfalten und sie sollen unser Land mit weiter voranbringen.“[5]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Plenum als oberstes Gremium der DIK diskutiert die Vorlagen der regelmäßig tagenden Arbeitsgruppen und des Gesprächskreises und kommt einmal im Jahr zusammen. 30 Repräsentanten des deutschen Staates sowie der Muslime in Deutschland bilden das Plenum und beraten über die Empfehlungen, die die Arbeitsgruppen geben. In der ersten Phase der DIK diskutierte das Plenum vor allem über Grundsatzfragen um anschließend Arbeitsgruppen mit konkreten Aufträgen zu bilden. Der Bundesinnenminister ist als Gastgeber ebenfalls Teilnehmer im Plenum.[6]

Mit der Fortsetzung unter Thomas de Maizière wird vom Plenum zunächst ein Arbeitsprogramm mit konkreten Aufgaben erarbeitet. An Stelle der Arbeitsgruppen wird ein Vorbereitungsausschuss eingerichtet, der Projektgruppen einberuft, welche die Fragestellungen des Arbeitsprogrammes bearbeiten. Der Vorbereitungsausschuss kommt drei bis vier Mal im Jahr zusammen. Die Projektgruppen befassen sich in einem zeitlich begrenzten Rahmen mit einem speziellen Thema aus dem Arbeitsprogramm (Rollenbilder, Teilhabe am Arbeitsmarkt, Prävention von Extremismen).[7]

Erste Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsprogramm in der ersten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundesministerium des Innern hatte bereits im Vorfeld drei Arbeitsfelder vorgegeben:

  • Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens (Gleichberechtigung, Familie, Erziehung, demokratische Kultur, Säkularisierung)
  • Religionsfragen im deutschen Verfassungsverständnis (Trennung von Kirche und Staat, religiöse Symbole, Moscheenbau, Islamunterricht in deutscher Sprache)
  • Wirtschaft und Medien als Brücke (Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt, Analyse des Islambildes in Deutschland, Engagement für eine vorurteilsfreie und differenzierte Berichterstattung in den deutschen Medien)

Struktur der ersten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Auftaktplenum der ersten Phase wurde zu diesen jedem dieser Themenfeldern eine Arbeitsgruppe mit je 25 Teilnehmern gegründet, die sich zwischen den Plena traf und die Themenfelder bearbeitete.[8] Zudem wurde ein Gesprächskreis zum Thema „Sicherheit und Islamismus“ eingerichtet. Hier wurde an gemeinsamen Strategien zur besseren Kooperation von Sicherheitsbehörden und Muslimen gearbeitet.

Der separate Gesprächskreis „Sicherheit und Islamismus“ diskutiert Strategien gegen das Abgleiten junger Muslime in die terroristische Szene und gemeinsame Strategien zur besseren Kooperation von Sicherheitsbehörden und Muslimen.[9]

Teilnehmer der ersten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Konferenz nahmen (als ständige Mitglieder) 15 Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen sowie 15 Muslime teil, zu denen sowohl Vertreter verschiedener muslimischer Verbände in Deutschland als auch von der Bundesregierung eingeladene Einzelpersonen, darunter dezidierte Islamkritikerinnen, gehören. Den Vorsitz hatte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. An den ersten Plenumssitzungen 2006[10] und 2007[11] nahmen folgende Personen teil:

Staatliche Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter muslimischer Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht-organisierte Muslime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Mitglieder dieses „Plenums der Dreißig“ wirkten auch in den beratenden Gremien der Islamkonferenz mit, „den drei Arbeitsgruppen und dem Gesprächskreis. In den beratenden Gremien waren insgesamt etwa einhundert weitere Fachleute und Wissenschaftler vertreten.“[14] Zu diesen zirka einhundert weiteren Teilnehmern der Islamkonferenz zählten unter anderem:

Plenarsitzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es fanden vier Plenarsitzungen statt:[20]

  • Erste Plenarsitzung am 27. September 2006
  • Zweite Plenarsitzung am 2. Mai 2007
  • Dritte Plenarsitzung am 13. März 2008
  • Vierte Plenarsitzung am 25. Juni 2009

Zweite Plenarsitzung, 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reaktionen im Vorfeld

Schon im Vorfeld des zweiten Treffens der Islamkonferenz wuchs die Kritik. Unionspolitiker kritisierten, es gäbe kaum Resultate, konservative Religionsvertreter würden eher gegen Integration arbeiten. Markus Söder, CSU-Generalsekretär, forderte ein „lückenloses Bekenntnis“ zu den tragenden Werten des Landes:

„Ich bin dagegen, dass wir einen falsch verstandenen Dialog in Deutschland führen. Wer auf Dauer hier leben will, der muss sich zu unseren Werten bekennen. Wer sich nicht dazu bekennt, der hat hier keine Zukunft.“[21]

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), kritisierte die Forderung einer Minderheit von Muslimen nach getrenntem Sportunterricht für Jungen und Mädchen: „Wir werden nicht zulassen, dass eine kleine Minderheit von Rückwärtsgewandten hier die Regeln ihrer Großväter zu installieren versucht.“ Kulturelle Vielfalt sei zwar schön und bereichernd, ende aber da, wo Deutschlands Grundwerte und -rechte in Frage gestellt würden. „Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eines dieser nicht verhandelbaren Grundrechte.“[22] Ebenso stellte Böhmer auch die Rolle des Koordinierungsrates der Muslime in Frage. Der Rat verträte von den Mitgliederzahlen her nur etwa zehn Prozent der Muslime, sagte Böhmer. Das Gremium könne damit kaum für sich in Anspruch nehmen, für die Interessen aller Muslime zu stehen.

Es erhärtete sich der Verdacht, die Verbände würden an der Konferenz nur teilnehmen, um den Status als Religionsgemeinschaft zu erhalten, der ihnen weitgehende Rechte einräume. Gegenüber den integrationspolitischen Zielen Schäubles zeige man jedoch wenig Engagement.[21] Ayyub Axel Köhler, Sprecher des Koordinationsrates, offenbarte gegenüber der Zeit, der Rat sei für Kopftücher und werde Eltern unterstützen, die ihre Töchter vom Sportunterricht abmelden wollen. Auch Lale Akgün, die Islam-Beauftragte der SPD, äußerte sich kritisch zum neuen „Koordinierungsrat der Muslime“. Wenn dessen vier Verbände als gemeinsamer Dachverband eine Definitionsmacht über den Islam erhielten, würde ihr das schlaflose Nächte bereiten. „Diese vier Verbände zusammen würden einen sehr konservativen Islam vertreten. Da wäre kein Platz mehr für liberale Ansichten.“[23]

Ergebnisse
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Die Arbeitsgruppe „Religionsfragen im deutschen Verfassungsverständnis“ einigte sich darauf, dass die freiheitlich-rechtliche Grundordnung für alle gilt und dass jeder die Rechts- und Werteordnung der deutschen Gesellschaft akzeptiert hat.[24]

Reaktionen auf die Ergebnisse

Die beteiligten Muslime äußerten ihr Unverständnis über den nur langsam fortschreitenden Annäherungsprozess. Aiman Mazyek mochte die Diskussion nicht bis zum „Sankt-Nimmerleins-Tag“ führen. Ayyub Axel Köhler forderte sofortige Ergebnisse, alles andere sei vertane Zeit.[25] Im Hinblick auf Funktionäre, die über die Islamkonferenz versuchten, ihre Rolle als Repräsentanten des Islam aufzuwerten, sagte Jürgen Kaube, es wäre

„[…] eine fahrlässige Illusion zu glauben, die Islamkonferenz könne klären, wer in Deutschland für die Muslime sprechen soll. Denn die Muslime selber sind danach nicht gefragt worden. Warum nicht? Auch darum, weil sie als ‚die Muslime‘ gar nicht existieren. Nur einzelne Gruppen, die an den Diskussionstisch gebeten worden sind, haben ein starkes Interesse daran festzustellen, ihnen sei damit eine staatlich anerkannte Sprecherrolle zugeteilt worden.“[25]

Was den Umfang ihrer Anhängerschaft angehe, übertrieben die Verbände maßlos, so Kaube. Die Mitglieder der Konferenz sind eingeladen worden, wollten sich aber als Entsandte mit Anspruch auf einen Sitz verstehen. Darin lag das Hauptproblem der zweiten Konferenz.

Ali Ertan Toprak, Sprecher der Alevitischen Gemeinde in Deutschland und damit der Vertreter von 500.000[4] Aleviten, versuchte das irrige Bild einer kompakten Glaubensrichtung, die jetzt endlich anerkannt werden müsse, zu zerstreuen. Er schlug in der Konferenz dem KPR vor, sich doch erst einmal nach Art seines Verbandes als Religionsgemeinschaft anerkennen zu lassen.

Kaube sah dennoch Erfolge bei der Konferenz:

„Eine der wichtigen Leistungen der Islamkonferenz ist es darum, sichtbar zu machen, mit wem man es bei denen eigentlich zu tun hat, die dem Staat Bedingungen setzen wollen, zu denen sie integrationsbereit wären.“[25]

In dieser Hinsicht nennt er es bemerkenswert, dass der „Koordinierungsrat der Muslime“ abgelehnt hat, die Werte, auf denen das Grundgesetz ruht, als auch für Muslime konsensfähig zu bezeichnen. Die Bedeutung der Konferenz liege darin, „darauf zu bestehen, dass diese Diskrepanz zwischen politischem Beteiligungswillen, deklarierter Absicht zur Integration und Resistenz gegen die säkularen Prämissen dieses Gemeinwesens nicht akzeptabel ist.“[25]

Zweite Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsprogramm der zweiten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Phase gab das Bundesministerium des Innern folgende Themenkomplexe vor:[26]

  • Etablierung einer institutionalisierten Kooperation zwischen Staat und Muslimen (Einrichtung und weiterer Aufbau von islamisch-theologischen Angeboten an öffentlichen Hochschulen, Aus- und Fortbildung von islamischen Religionsbediensteten und weiteren Multiplikatoren in islamischen Gemeinden, ...)
  • Geschlechtergerechtigkeit als gemeinsamen Wert leben (Frage des Zugangs zum Arbeitsmarkt und den damit verbundenen Schwierigkeiten, patriarchalisch geprägten Rollenbildern, …)
  • Prävention von Extremismus, Radikalisierung und gesellschaftlicher Polarisierung (Förderung der Toleranz, Abbau von Vorurteilen und Feindbilder, ...)

Struktur in der zweiten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Plenum

Das Plenum als oberstes Gremium berät über die Arbeit und Vorschläge des Vorbereitungsausschusses und der Projektgruppen. Es kommt einmal im Jahr zusammen.

2. Vorbereitungsausschuss

An Stelle der Arbeitsgruppen in der ersten Phase der DIK ist seit 2010 der Vorbereitungsausschuss dafür zuständig Empfehlungen auszuarbeiten über die anschließend im Plenum beraten wird.

3. Vier Projektgruppen

Die Projektgruppen werden vom Vorbereitungsausschuss einberufen und behandeln ein spezielles Themengebiet über einen begrenzten Zeitraum. Der Vorbereitungsausschuss setzte vier Projektgruppen ein:

  • Präventionsarbeit mit Jugendlichen: gemeinsames Verständnis der Phänomene Muslimfeindlichkeit und Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen und islamistischem Extremismus schaffen, Methoden und Instrumente der Präventionsarbeit entwickeln, praktische Erfahrungen in der Verhinderung von Muslimfeindlichkeit, islamistischem Extremismus und Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen austauschen, Demokratie- und Toleranzförderung.[27]
  • Fortbildung von religiösem Personal: Fortbildung in den Bereichen Sprache und Gesellschaft, Integration und Partizipation muslimischer Migrantinnen und Migranten fördern, Moscheen und Kommunen interkulturell öffnen.[28]
  • Rollenbilder in muslimischen Milieus: Geschlechtergerechtigkeit, Auseinandersetzung mit verschiedenen Rollenbildern, Rollenerwartungen.[29]
  • Bessere Integration von Musliminnen und Muslimen in den Arbeitsmarkt: Förderung der Teilhabe von Musliminnen und Muslimen am Arbeitsmarkt, Förderung von Geschlechtergerechtigkeit am Erwerbsleben und den dazu befähigenden Bildungsangeboten, Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt.[30]

Teilnehmer der zweiten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals teilnehmende, muslimische Personen waren 2010:[31]

Einzelne Plenarsitzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Plenarsitzung, 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Mai 2010 eröffnete Bundesinnenminister Thomas de Maizière die erste Plenarsitzung der zweiten Arbeitsphase der Deutschen Islam Konferenz. Die Teilnehmer verabschiedeten ein elfseitiges Arbeitsprogramm für die Legislaturperiode 2009 bis 2013. Im Mittelpunkt stand die Teilhabe und Integration von Musliminnen und Muslimen in Deutschland.[42] Unter dem Themenschwerpunkt „Institutionalisierte Kooperation und integrationsbezogene Projektarbeit“ förderte die DIK islamisch-theologische Hochschulangebote sowie die Einführung des islamischen Religionsunterrichts. Im Themenkomplex „Geschlechtergerechtigkeit als gemeinsamen Wert leben“ wurde die Studie „Rollenbilder in muslimischen Milieus“ in Auftrag gegeben. Unter der Themenstellung „Prävention von Extremismus, Radikalisierung und gesellschaftlicher Polarisierung“ debattierten die Teilnehmer, wie muslimfeindliche Einstellungen sowie Radikalisierung verhindert werden können.[43]

Zweite Plenarsitzung, 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Plenarsitzung am 29. März 2011 berieten die Teilnehmer zu Fragen der Förderung des muslimischen Religionsunterrichts sowie der Entwicklung eines Leitfadens für die Fortbildung von religiösem Personal und weiteren Multiplikatoren islamischer Gemeinden.[44]

Das mediale Interesse fokussierte sich jedoch auf die Äußerungen des erstmals teilnehmenden neuen Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU), dass zwar die in Deutschland lebenden Muslime, nicht aber der Islam an sich zu Deutschland gehöre. Friedrich nahm damit Bezug auf einen Satz in einer Rede des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff am 2. Oktober 2010. Der Satz war öffentlich breit rezipiert und diskutiert worden; er lautete '[...] der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland' (Näheres und Quelle hier).

Friedrich erhob die Forderung nach einer – als eigenständige Initiative außerhalb der Islam Konferenz gedachten – „Sicherheitspartnerschaft“ zwischen Muslimen und Staat, um „Familien, Glaubensbrüder und Vereinskameraden“ präventiv gegen islamistische Tendenzen im privaten Umfeld zu sensibilisieren. Dies wurde von muslimischen Vertretern auf der Konferenz als Populismus und Förderung einer Kultur der Denunziation in den islamischen Gemeinden kritisiert. Neun der zehn muslimischen Einzelpersonen, die an der Islamkonferenz teilnahmen, darunter auch der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland Kenan Kolat und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek, unterzeichneten eine gemeinsame Protesterklärung, dass mit Friedrichs Äußerungen „die vielfältigen Erscheinungsformen des Islams in Deutschland wieder einmal auf extremistisches Potential und Gefahrenmomente reduziert“ würden.

Dritte Plenarsitzung, 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkt der dritten Plenarsitzung der Deutschen Islam Konferenz am 19. April 2012 bildete die Auseinandersetzung mit den Zwischenergebnissen der Projektgruppen „Rollenbilder in muslimischen Milieus“ sowie die Teilhabe von Musliminnen und Muslimen am Arbeitsmarkt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und das Zentrum für Türkeistudien stellten die DIK-Studie „Islamisches Gemeindeleben in Deutschland“ vor, welche erstmals umfassend Daten zu Moscheegemeinden in Deutschland liefert. Mit der Erklärung „Geschlechtergerechtigkeit als gemeinsamen Wert leben“ setzte die DIK ein Zeichen gegen häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung. Eine Fachtagung der DIK zum Thema „Muslime und Arbeitsmarkt: Vielfalt fördern, Potenziale besser nutzen“ beschäftigte sich im Vorfeld der Plenarsitzung mit den Chancen von Muslimen auf dem Arbeitsmarkt. Die Projektgruppe „Bessere Integration von Musliminnen und Muslimen in den Arbeitsmarkt“ stellte ihre Ergebnisse in einer gleichnamigen Broschüre zusammen und präsentierte sie den Konferenzteilnehmern. Der Innenminister eröffnete außerdem den Jugendwettbewerb der Deutschen Islam Konferenz „Erfolgsgeschichten“, der Jugendliche dazu aufrief sich mit erfolgreichen Berufsbiographien von Muslimen künstlerisch auseinanderzusetzen.[45]

Vierte Plenarsitzung, 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Mai 2013 trat die Deutsche Islamkonferenz zum letzten Mal in der Legislaturperiode 2009–2013 (17. Deutscher Bundestag, Kabinett Merkel II) zusammen. Im Zentrum der Plenarsitzung stand die Arbeit der AG Präventionsarbeit mit Jugendlichen. Um gesellschaftlicher Polarisierung vorzubeugen hatte die DIK eine Initiative gegründet, durch die bis Mai 2015 verstärkt Projekte gefördert werden, die Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus und religiös begründetem Extremismus unter Jugendlichen begegnen.[46] Die mediale Berichterstattung konzentrierte sich auf die Bedenken der muslimischen Verbände, welche kritisierten, dass Themen wie Sicherheit und Extremismus die Konferenz dominierten. Der nordrhein-westfälische Minister Guntram Schneider schloss sich der Kritik von Islamverbänden an, die die Ausrichtung der Konferenz kritisiert hatten. Innenminister Hans-Peter Friedrich habe den Schwerpunkt der Konferenz auf die Extremismusbekämpfung gelegt. Die Deutsche Islamkonferenz sei aber keine Konferenz zu Fragen der Inneren Sicherheit.[47][48]

Dritte Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsprogramm der dritten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Legislaturperiode des 18. Deutschen Bundestags haben das Bundesinnenministerium und die an der Deutschen Islamkonferenz teilnehmenden Verbände in einer Auftaktsitzung am 24. März 2014 zwei Themen auf das Arbeitsprogramm gesetzt:

  • Wohlfahrtspflege als Thema der gesellschaftlichen Teilhabe
  • Seelsorge als Thema der Religionsausübung und religionsrechtlichen Teilhabe

Die Deutsche Islamkonferenz will ihre Arbeit konzentrieren und straffen. Als politisches Gremium arbeitet ein Lenkungsausschuss. Ein Arbeitsausschuss soll Empfehlungen erarbeiten. Weitere Gremien soll es nicht geben. Experten aus der Wissenschaft, den Wohlfahrtsverbänden und den Kirchen sollen einbezogen werden. Regelmäßige öffentliche Konferenzen sollen die Arbeit transparent machen und ihr weitere Impulse geben.[49]

Teilnehmer der dritten Phase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Islamische Verbände:[50]

  • Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ)
  • Alevitische Gemeinde Deutschlands (AABF)
  • Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD)
  • Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD)
  • Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD)
  • Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB)
  • Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ)
  • Zentralrat der Marokkaner in Deutschland (ZMaD)
  • Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Muslim§Recht“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von bestimmten muslimischen Interessengruppen wurde die Islamkonferenz aus islamistischer Sicht kritisiert. So hatte die nicht mehr existente islamistisch-fundamentalistische Website www.muslimrecht.org im Jahr 2007 eine Kampagne gegen den „deutschen Islam“ und die Islamkonferenz begonnen.[51] Die Website war laut Verfassungsschutz Baden-Württemberg möglicherweise eine Internetplattform der 2003 verbotenen Hisb at-Tahrir.[52] Die Grundthese des Aufrufs war, dass die Islamkonferenz zum Ziel habe, einen „deutschen Islam“ zu erschaffen, der für Muslime bedeute, sich im Zweifelsfall an das deutsche Grundgesetz und die deutsche Verfassungs- und Rechtsordnung zu binden und nicht an den Koran oder die Sunna. Die Islamkonferenz wurde auf der Homepage als „Versuch, die Grundwerte der Muslime zu zerstören und die Muslime zu säkularisieren“ bewertet. Einen solchen Versuch lehnten die Webseitenbetreiber ab, da er insbesondere die Beleidigung Gottes und Mohammeds erlaube. Die Initiatoren der Konferenz wurden als „Kuffar“ (Ungläubige) bezeichnet. Die Homepage hatte dazu aufgerufen, Muslime sollen Gott bitten, dass er die „schlimmen Pläne“ der „Ungläubigen“ „zunichte macht“.

Kritische Islamkonferenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kritische Islamkonferenz wurde als Gegenveranstaltung zur Deutschen Islamkonferenz konzipiert. Die erste fand im Jahr 2008 statt, die zweite im Mai 2013. Organisiert werden die Konferenzen vom Zentralrat der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Khadija Katja Wöhler-Khalfallah. Islamischer Fundamentalismus: Von der Urgemeinde bis zur Deutschen Islamkonferenz. Berlin: Hans Schiler, 2009.
  • Reinhard Busch, Gabriel Goltz: Die Deutsche Islam Konferenz – Ein Übergangsformat für die Kommunikation zwischen Staat und Muslimen in Deutschland. in: Hendrik Meyer, Klaus Schubert (Hg.): Politik und Islam. Wiesbaden: VS Verlag 2011, ISBN 978-3-531-17891-2.
  • Bernd Küster: Ergebnisse der Deutschen Islam Konferenz zur Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. In: B. Ucar, D. Bergmann (Hrsg.): Islamischer Religionsunterricht in Deutschland. Fachdidaktische Konzeptionen: Ausgangslage, Erwartungen und Ziele. Osnabrück 2010. S. 31–41.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. Lisa Caspari: Islamkonferenz: Friedrich stößt Muslime vor den Kopf. In: Zeit Online. 31. März 2011, abgerufen am 23. August 2013.
  3. Teilnehmerliste auf www.deutsche-islam-konferenz.de
  4. a b DIK - Deutsche Islam-Konferenz am 27. September 2006. In: deutsche-islam-konferenz.de. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 19. September 2006, archiviert vom Original am 27. April 2011, abgerufen am 27. April 2011 (Pressemitteilung des Bundesministerium des Innern).
  5. [2]
  6. Struktur der Deutschen Islam Konferenz. 28. Dezember 2010, archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 31. Oktober 2013.
  7. [3]
  8. 27.09.2006 - Erstes Plenum der DIK (Auftaktsitzung). Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  9. Struktur der ersten Phase der Deutschen Islam Konferenz. 28. Dezember 2010, archiviert vom Original am 26. April 2013, abgerufen am 1. November 2013. und Struktur der Deutschen Islam Konferenz. 9. März 2010, archiviert vom Original am 26. April 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  10. Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz am 27.09.2006. Archiviert vom Original am 1. November 2013, abgerufen am 31. Oktober 2013 (PDF; 55 kB).
  11. DIK-Teilnehmer zur ersten Phase. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013 (PDF; 177 kB).
  12. Badr Mohammed. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  13. Seyran Ateş. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  14. Teilnehmer der ersten Phase der Deutschen Islam Konferenz. Archiviert vom Original am 28. Juli 2012, abgerufen am 31. Oktober 2013.
  15. Ferda Ataman. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  16. Emine Demirbüken-Wegner. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  17. Prof. Dr. Janbernd Oebbecke. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  18. Prof. Dr. Mathias Rohe. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  19. Nurhan Soykan. Archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  20. Im Überblick: Die wichtigsten Ereignisse der DIK. Archiviert vom Original am 28. September 2013, abgerufen am 1. November 2013.
  21. a b „Integrationseuphorie verflogen“, Die Welt, 29. April 2007
  22. „Integration. Muslimrat attackiert Schäuble“, Focus, 30. April 2007
  23. Neuer Dachverband als zu konservativ kritisiert in: Die Welt vom 12. April 2007
  24. „Islamkonferenz-Mitglied Ezhar Cezairli – Wir müssen uns gegen Etikettenschwindel wehren“, FAZ, 27. April 2007, Interview
  25. a b c d „Der Schariavorbehalt“, FAZ, 3. Mai 2007, Jürgen Kaube
  26. Das Arbeitsprogramm der DIK – ambitioniert und praxisorientiert. 17. Mai 2010, archiviert vom Original am 3. November 2013, abgerufen am 31. Oktober 2013.
  27. [4]
  28. [5]
  29. [6]
  30. [7]
  31. [8]
  32. [9]
  33. [10]
  34. [11]
  35. [12]
  36. [13]
  37. [14]
  38. [15]
  39. [16]
  40. [17]
  41. [18]
  42. [19]
  43. [20]
  44. [21]
  45. [22]
  46. [23]
  47. (jt/tst): Verärgerung über die Islamkonferenz. In: Zeit Online. 7. Mai 2013, abgerufen am 23. August 2013.
  48. Thorsten Denkler: Islamkonferenz in der Kritik: Zwischen Männerschwimmen und islamistischem Terror. In: Süddeutsche Zeitung Online. 7. Mai 2013, abgerufen am 23. August 2013.
  49. Bundesministerium des Innern
  50. Bundesministerium des Innern
  51. Muslim§Recht startet Aktion gegen die deutsche Islamkonferenz. In: Muslim§Recht.org. 29. Juni 2007, archiviert vom Original am 7. Oktober 2007, abgerufen am 23. August 2013.
  52. Protestaktion der Internetplattform „Muslim§Recht“. Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, April 2007, abgerufen am 27. April 2011.