Deutsche Kolonialgesellschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
pictogramm

Die Deutsche Kolonialgesellschaft (DKG) wurde am 19. Dezember 1887 durch die Verschmelzung des Deutschen Kolonialvereins und der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation mit dem Sitz in Berlin gebildet.

Geschichte[Bearbeiten]

Ausflug der Teilnehmer der Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Worms nach Neustadt a.d. Haardt im Jahre 1907 (1. Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Präsident; 2. Neumayer)

Die Gesellschaft war im Kaiserreich eine einflussreiche Organisation. An ihrer Spitze standen bekannte Persönlichkeiten, darunter als Ehrenpräsident Hermann Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Reichsstatthalter von Elsass-Lothringen und Carl Peters als Präsident. Ab 1895 folgte als Präsident Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, ab 1920 Theodor Seitz und ab 1930 Heinrich Schnee. Als Vizepräsidenten wirkten mehrere Reichstagsabgeordnete.

Die Mitgliederzahl betrug im Gründungsjahr 15.000 und stieg bis 1914 auf 42.000. Zu den führenden Mitgliedern gehörten Henry Axel Bueck, Geschäftsführer des Zentralverbandes Deutscher Industrieller und der rheinische Großbankier August Karl Freiherr von der Heydt. Die Haupttätigkeit der Gesellschaft bestand in der Propagierung einer expansiven Kolonialpolitik. Dabei arbeitete sie eng mit dem Alldeutschen Verband zusammen.

Bis 1914 finanzierte die Gesellschaft auch einzelne wirtschaftliche Vorhaben in den deutschen Kolonien. Zusammen mit dem Deutschen Flottenverein und dem Reichsmarineamt förderte die Gesellschaft die Flottenrüstung der Kaiserlichen Marine unter Kaiser Wilhelm II..

In den am 16. Juni 1916 formulierten Leitsätzen über die künftige deutsche Kolonialpolitik forderte die Gesellschaft neben einem großen mittelafrikanischen Kolonialreich (“Deutsch-Mittelafrika”) auch Annexionen in Ostasien. Nach 1918 propagierte sie die Wiedererrichtung eines deutschen Kolonialreiches in Afrika und Asien. Mit diesen Forderungen befand sich die Gesellschaft in Übereinstimmung mit der Kolonialpolitik der NSDAP, mit der sie Ende der 1920er Jahre eng zusammenarbeitete. Nach der Machtergreifung 1933 ging die Gesellschaft in den Reichskolonialbund auf. Der Reichsleiter Martin Bormann verfügte 1943 die Auflösung des Reichskolonialbundes „wegen kriegsunwichtiger Tätigkeit“.

Publikationen[Bearbeiten]

Als Sprachrohr diente bis 1923 die wöchentlich erscheinende Deutsche Kolonialzeitung, die bis 1929 „Der Kolonialdeutsche“ hieß und später in „Deutsche Kolonialzeitung, Übersee- und Kolonialzeitung“ umbenannt wurde.

Neben ihrer Zeitung gab die Gesellschaft eine Vielzahl von Broschüren, Flugschriften, Flugblättern und weiteres Werbeschriftmaterial heraus, unter anderem 1899 einen „Kleinen Deutschen Kolonialatlas“. Sie organisierte ferner Ausstellungen und Vorträge und hatte auch Einfluss auf den Schulunterricht und auf die Universitäten.

Bald nach der Gründung legte die Gesellschaft mit etwa einhundert Diapositiven den Grundstock für eine Bildersammlung[1], die in der Folge erweitert und aktualisiert wurde. Nicht nur Sammlerleidenschaft motivierte diese Bildsammlung. Die Gesellschaft sah wie viele Missionseinrichtungen in mit Fotografien illustrierten Vorträgen ein wirksames Mittel, ihre Ziele zu demonstrieren.

Bildarchiv[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg verbrachte man die Bildsammlung in Thüringer Bergwerke, um sie vor Bombardierungen zu schützen. Nach dem Krieg wurde die Sammlung nach Frankfurt am Main verbracht. Bis Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts lagerten die Bilder in zum Teil schlechtem Zustand als Dauerleihgabe im Frobenius-Institut. Danach wurden sie restauriert und digitalisiert. Das Archiv umfasst etwa fünfzigtausend Bilder, in der Mehrzahl Glasplattennegative, Schwarzweißnegative und Papierabzüge.

Hinzu kommen noch handkolorierte Großbild- und Kleinbild-Dias. Geographisch beziehen sich die Bilder vor allem auf deutsche Kolonien in Afrika, im Pazifik und in China Kiautschou. Die Palette der Themen umfasst verschiedene Bereiche. Sie reicht von wissenschaftlichen Expeditionen, Flora und Fauna, Schulen und Missionen, Kolonialbeamten und einheimischen Häuptlingen bis zur Architektur und dem Transportwesen[2].

Zentrales Kolonialehrenmal für Deutschland in Bremen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Antikolonialdenkmal (Bremen)

Auf Bestreben der Bremer Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft wurde in Bremen 1931 ein Kolonialehrenmal in Form eines steinernen Elefanten errichtet, das jedoch aufgrund von lokalen Widerständen erst im Juli 1932 eingeweiht werden konnte. Es galt der deutschen Kolonialbewegung von da an als zentrales deutsches Kolonialdenkmal.[3] Die Reden der großen Einweihungsfeierlichkeit hielten unter anderem der stellvertretende Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft Friedrich von Lindequist und der als Kriegsheld von Ostafrika verehrte General Paul von Lettow-Vorbeck.

Präsidenten[Bearbeiten]

Geschäftsführende Vizepräsidenten[Bearbeiten]

Mitglieder (Auswahl der Kölner Abteilung)[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Göttlicher: Koloniale Gesellschaften und Verbände (= Findbücher zu Beständen des Bundesarchivs 102), Koblenz 2003
  • Ulrich S. Soénius: Koloniale Begeisterung im Rheinland während des Kaiserreichs, Köln 1992 (Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Bd. 37) ISBN 3-933025-30-3
  • Dr. Imre Josef Demhardt: Deutsche Kolonialgesellschaft 1888-1918 Ein Beitrag zur Organisationsgeschichte der deutschen Kolonialbewegung, Wiesbaden 2002, Selbstverlag

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Der Bildbestand der Deutschen Kolonialgesellschaft in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main
  2. Andreas Eckert, Das deutsche Bildarchiv der Deutschen Kolonialgesellschaft, Frankfurter Allgemeine, 30. März 2005
  3. Joachim Zeller: Kolonialdenkmäler und Geschichtsbewußtsein. Eine Untersuchung der kolonialdeutschen Erinnerungskultur. IKO, Frankfurt am Main 2000, (Zugl.: Berlin, Techn. Univ., Diss., 1998), ISBN 3-88939-544-9, S. 151.