Deutsche Kurrentschrift

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Kurrentschrift ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für die allgemeine Bedeutung siehe Schreibschrift.
Alphabet der Kurrentschrift, um 1865 (die vorletzte Zeile zeigt die Umlaute ä, ö, ü und die entsprechenden Großbuchstaben Ae, Oe, Ue; die letzte Zeile zeigt die Ligaturen ch, ck, th, sch, sz und st)
Gotisk skrift (dänische Kurrent) um 1800 mit Æ und Ø am Ende des Alphabets
Deutsche Normalschrift ab 1941

Die deutsche Kurrentschrift (lateinisch currere „laufen“) ist eine Schreibschrift; sie war etwa seit Beginn der Neuzeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts (in der Schweiz bis Anfang des 20. Jahrhunderts) die allgemeine Verkehrsschrift im gesamten deutschen Sprachraum. Typografisch gehört sie zu den gebrochenen Schriften. Obwohl umgangssprachlich in Deutschland fälschlicherweise oft alle deutschen Schreibschriften als Sütterlinschrift bezeichnet werden, ist sie nicht mit dieser gleichzusetzen.

Die deutsche Kurrentschrift unterscheidet sich durch spitze Winkel („Spitzschrift“) von der runden, „lateinischen“ Schrift. Mit geringen Abwandlungen wurde sie auch in Skandinavien – in Dänemark und Norwegen als „Gotisk skrift“ bezeichnet – bis 1875 verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Kurrentschrift war lange Zeit die übliche Verkehrsschrift im gesamten deutschen Sprachraum. Insbesondere in Österreich etablierte sich Kurrent auch als Amts- und Protokollschrift. Bis 1952 gab es noch die „Schulschrift Kurrent, schöne Schreibschrift, mit Feder“ parallel zu erlernen. Die entscheidende Veränderung im Kurrent wurde in Preußen durch den Grafiker Ludwig Sütterlin eingeleitet. Er entwickelte 1911 eine sehr ähnliche, aber eigenständige Schriftart. Diese Neuerung zog in Deutschlands Schulen ein, nicht jedoch in Österreichs Schulen. Die deutsche Schreibschrift von Sütterlin wurde in Deutschland forciert eingeführt, da sie graphisch einfacher zu formen ist als die bis dahin übliche Variante der deutschen Kurrentschrift. In Folge kam der Begriff "Kurrent" in Deutschland außer Gebrauch. 1941 kam es durch den Normalschrifterlass dazu, dass im sog. Großdeutschen Reich beide deutschen Schriften zugunsten einer einheitlichen lateinischen Schrift, der „deutschen Normalschrift“, abgeschafft wurden.

Durch Martin Bormanns Erlass vom 3. Januar 1941 wurden zunächst nur die gebrochenen Druckschriften verboten. Mit einem zweiten Rundschreiben vom 1. September 1941 wurde auch die Verwendung der deutschen Schreibschriften untersagt. Damit war auch die bis dahin übliche deutsche Kurrentschrift sowie die erst in den 1920er Jahren eingeführte deutsche Sütterlinschrift verboten. Seit Beginn des Schuljahres 1941/42 durfte an den deutschen Schulen nur noch die sogenannte „deutsche Normalschrift“ verwendet und gelehrt werden, die ebenfalls auf einen Entwurf von Ludwig Sütterlin zurückgeht, während bis dahin die „lateinische Schrift“ zusätzlich zur Sütterlinschrift unterrichtet worden war.

In der Schweiz war die deutsche Kurrentschrift bis zum Anfang 20. Jahrhunderts als Verkehrs-, Amts- und Protokollschrift gebräuchlich.

Noch bis ins späte 20. Jahrhundert wurden in der Mathematik oft Kleinbuchstaben der Kurrentschrift zur Bezeichnung von Vektoren und komplexen Zahlen und Großbuchstaben dieser Schrift zur Bezeichnung von Matrizen oder Tensoren zweiter Stufe verwendet.

Schriftbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hellmut Gutzwiller: Die Entwicklung der Schrift in der Neuzeit. In: AfD, Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 38 (1992), S. 381–488.
  • Tamara N. Tacenko: Zur Geschichte der deutschen Kursive im 16. Jahrhundert. Bemerkungen zur Entwicklung dieser Schrift anhand von Dokumenten einer Sammlung aus St. Petersburg. In: AfD 38, Köln u. a. 1992, S. 357–380.
  • Friedrich Beck: Die „deutsche Schrift“ – Medium in fünf Jahrhunderten deutscher Geschichte. In: AfD 37 (1991), S. 453–479.
  • Heribert Sturm: Einführung in die Schriftkunde. München-Pasing 1955.
  • Leo Santifaller: Bozener Schreibschriften der Neuzeit. Gustav Fischer, Jena 1930.
Lernhilfsmittel
  • Kurt Dülfer und H. E. Korn: Schrifttafeln zur deutschen Paläographie des 16.–20. Jahrhunderts, 2 Teile, 6. Aufl., hrsg. von Günter Hollenberg, Marburg 1987 (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg 2).
  • M. Kobuch und E. Müller: Der deutsche Bauernkrieg in Dokumenten. Weimar 1977 (nur für das 16. Jahrhundert geeignet).
  • Lehrbrief Paläographie. Fachschule für Archivwesen, Potsdam o. J.
  • Harald Süß: Deutsche Schreibschrift. Lesen und Schreiben lernen, Droemer Knaur, 2002, ISBN 3-4266-6753-3 (Lehrbuch für Deutsche Kurrent, Sütterlinschrift und Offenbacher Schrift).
  • Paul Arnold Grun: Leseschlüssel zu unserer alten Schrift, Limburg 2002 (Reprint der Originalauflage von 1935), ISBN 3-7980-0358-0 (Dokumentation der Schriftentwicklung vom 14. bis 19. Jahrhundert, mit zahlreichen Schriftproben).
  • Helmut Delbanco: Schreibschule der deutschen Schrift. Eine Anleitung zum selbständigen Erlernen der deutschen Schreibschrift, Verlag Bund für deutsche Schrift und Sprache, 2005, ISBN 3-930540-23-1 (Lern- und Anleitungsheft für die deutsche Schreibschrift, auch bekannt unter dem Namen Sütterlinschrift).
  • Karl Gladt: Deutsche Schriftfibel. Anleitung zur Lektüre der Kurrentschrift des 17.–20. Jahrhunderts, Graz 1976.
  • Berthold zu Dohna: Warum nicht mal deutsch? Übungsbuch für die deutsche Schreibschrift. 4. Auflage. Christians, Hamburg 2001, ISBN 3-7672-1241-2, 168 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen.
  • Johannes Seidl: Schriftbeispiele des 17. bis 20. Jahrhunderts zur Erlernung der Kurrentschrift. Übungstexte aus Perchtoldsdorfer Archivalien (Memento vom 19. März 2013 im Internet Archive) (PDF-Datei; 1,4 MB), 1996

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Kurrentschrift – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Orgel Designation so in 6 Registern sambt eines Subbass ins Pedal sauber ausgeförtigten Casten Und dreÿen Blasbalgen besteht: Als Erstens ein Principal von guaten Zÿnn in 4 f – Schuech Anderns ein Copl von Holz in 8 f – Dritens ein Fleten von Holz in 4 f – Virtens ein Quint von metal in 3 f – Fünfdtens ein Superoctav von metal in 2 f – Sechstens ein dopelte Mÿxtur in 1 f – Sibtens ein Subbass in 16 f – Schuech mit aller Zuegeherer schreiner undt schlosserarbeit von mier entbenandten per 4hundert fünfzig Gulden nöb[en] 3 species Tugaten Leÿkhauf (3 Dukaten Trinkgeld) ohne raiß Unkosten recht ist khan verförtigt undt gesözt werdten. Johann Christoph Egedacher Hof Orglmacher in Salzburg. Zitiert nach: Roman Schmeißner: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen (zugleich Dissertation: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Universität Mozarteum 2012). WiKu-Verlag, Duisburg/Köln 2015, ISBN 978-3-86553-446-0, S. 148f.