Deutsche Luftfahrtsammlung Berlin

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Bronzeschild - Deutsche Luftfahrtsammlung.jpg
ULAP-Ausstellungspalast in Berlin-Moabit, ab 1936 Heimat der Sammlung

Die Deutsche Luftfahrtsammlung Berlin war die umfangreichste Sammlung und Ausstellung zur Geschichte und Technik der Luftfahrt. Sie wurde Anfang der 1930er Jahre zusammengetragen, bis auf wenige Ausnahmen sind ihre Exponate im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftfahrtsammlung wurde zunächst 1924 in einem Hangar des Flughafens Tempelhof präsentiert. Als der Hangar schließlich gebraucht wurde, wurden die Exponate in einem Magazin zwischengelagert. Nach der Aufgabe des Flugplatzes Johannisthal kamen die Sammlung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, die Sammlung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt und die Sammlung des Aviatischen Museums hinzu. Dies alles bildete den Grundstock für das „Luftfahrtmuseum der Stadt Berlin“, das auf Initiative von Georg Krupp entstand. Der Berliner Oberbürgermeister Heinrich Sahm eröffnete das Museum am 15. November 1932 in einer leerstehenden Fabrikhalle an der Rudower Chaussee. Dieses Provisorium wurde am 1. Dezember 1934 geschlossen, um im Sommer 1936 zu Beginn der Olympischen Spiele in dem eigens umgebauten Landesausstellungsgebäude in Moabit, dem ULAP-Ausstellungspalast, erneut präsentiert zu werden. Ergänzt wurde die Sammlung durch Teile der Junkers-Lehrschau aus Dessau sowie durch alle Exponate des Deutschen Luftfahrtmuseums (Leichtflugzeugbau Klemm) in Böblingen. Krupp bemühte sich um den Ankauf weiterer Objekte, sodass die Sammlung stetig erweitert wurde. Das größte Objekt war eine Dornier Do X, deren Überreste sich noch bis in die 1960er Jahre auf dem Gelände befanden. Die Verwaltung unterstand der Stadt Berlin; die Eigentümerin dieser Sammlung war die Berliner Flughafen-Gesellschaft. Die Ehrenschirmherrschaft hatte der Reichsminister der Luftfahrt Hermann Göring inne, der mit zur Finanzierung beitrug und auch das Konzept des Museums beeinflusste. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde 1941 das Museum geschlossen.

Der größte Teil der Exponate wurde mit dem Gebäude im Krieg zerstört. Andere Exponate wurden jedoch nach der Schließung nach Pommern ausgelagert.[1] Die einzigen bisher wiedergefundenen Teile (20 Exponate) befinden sich heute im Polnischen Luftfahrtmuseum in Krakau. Über die Rückforderung der Exponate gibt es bislang keine Einigung. Holger Steinle ist im Auftrag des Deutschen Technikmuseums Berlin (DTMB) immer noch auf der Suche nach Exponaten. Die Suche verläuft über die Lost Art Internet-Datenbank, die von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg betrieben wird. Sie ist eine Einrichtung des Bundes und der Länder der Bundesrepublik Deutschland.[2]

Inventar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da sich keine Inventarliste erhalten hat, ist die Bestimmung außerordentlich schwierig. Das Deutsche Technikmuseum Berlin hat dies durch Fotos versucht; die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste beziffert 174 Exponate.

  • 133. Luftschraube der Fa. Heine;
  • 134. Luftschraube der Fa. R.Hart;
  • 135. Luftschraube der Fa. Behrendt;
  • 136. Luftschraube der Fa. Heine;
  • 137. Luftschraube der Fa. Heine;
  • 138. Luftschraube der Fa. Wotan;
  • 139. Luftschraube der Fa. Schwartz;
  • 140. LVG Doppeldecker (System Schneider) und Teile der B II;
  • 141. Anhalt;
  • 142. Stinson L-5 „Sentinel“;
  • 143. Junkers D.I (J9);
  • 144. Fokker Dr.I;
  • 145. Hentzen-Blume Habicht;
  • 146. Polikarpow I-16;
  • 147. Morane-Saulnier MS.406 C1;
  • 148. Luftschraube der Fa. Germania;
  • 149. Argus As 7;
  • 150. Pratt&Whitney;
  • 151. Argus As 1 Va/B;
  • 152. Le Rhone;
  • 153. Walter K14I Mistral;
  • 154. Walter K-14 IIL;
  • 155. Walter-Raketenantrieb;
  • 156. Argus As 5;
  • 157. unbekannter 8-Zylinder-Motor;
  • 158. unbekannter 6-Zylinder-Reihenmotor;
  • 159. Renault 12-Zylinder-Motor;
  • 160. unbekannter 8-Zylinder-Motor;
  • 161. unbekannter 12-Zylinder-V-Motor;
  • 162. Motor Argus As 1 aus der Geest-Möwe in Warschau;
  • 163. Fairey Battle Mk.I;
  • 164. Napier;
  • 165. Bianchi, V 4b;
  • 166. Mercedes, Daimler F1;
  • 167. Hirth HM 60;
  • 168. Hirth HM 508;
  • 169. Hispano Suiza (Schnittmodell);
  • 170. Hispano Suiza 81;
  • 171. Maybach-Gehäuse;
  • 172. Junkers Jumo 211;
  • 173. Junkers L 88;
  • 174. Maybach M 325L

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Dresel: Die Junkers-Lehrschau. Eine Führung durch die Lehrschau der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke A.G., Dessau. 30 Jahre Junkers-Flugzeugforschung 1910–1940. Dessau 1936. / 2. Auflage, Dessau 1939.
  • Michael Hundertmark, Holger Steinle: Phoenix aus der Asche. Die Deutsche Luftfahrt-Sammlung Berlin. Silberstreif, Berlin 1985, ISBN 3-924091-02-1.
  • Museum für Verkehr und Technik (Hrsg.): Hundert Jahre Deutsche Luftfahrt. Lilienthal und seine Erben. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh / München 1991, ISBN 3-570-07060-3.
  • Holger Steinle, Astrid Venn: Flugzeuge mit Geschichte. Heel, Königswinter 2009, ISBN 978-3-86852-206-8.
  • Christina Tilmann: Streit um eine Luftfahrt-Sammlung. In: Der Tagesspiegel vom 21. September 2010. (online)
  • Holger Steinle: Die Berliner Luftfahrtsammlung. In: Bauwelt, Jahrgang 2010, Heft 44, S. 24–27. (online (PDF; 783 kB))

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Luftfahrtsammlung Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christina Tilmann: Streit um eine Luftfahrt-Sammlung. (vgl. Literatur)
  2. Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste: Lost Art Internet Database – Institution