Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern ist ein deutsches Rundfunksinfonieorchester. Das Orchester wurde im September 2007 als Zusammenschluss des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken mit dem Rundfunkorchester Kaiserslautern gegründet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1951 wurde von Emmerich Smola das Rundfunkorchester Kaiserslautern für den Südwestfunk gegründet. Es bestand neben einem Sinfonieorchester des Senders und war für niveauvolle Unterhaltungsmusik und leichte Klassik bekannt.

Das Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken geht in seinen Ursprüngen[1] auf das Jahr 1937 zurück und hatte sich unter Chefs wie Hans Zender, Myung-Whun Chung und Günther Herbig einen Namen auf dem Gebiet der großen Symphonik und der Moderne erspielt. Zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Werke wurden ebenso ausgezeichnet wie Zyklen des angestammten Repertoires. So erhielt zum Beispiel die Gesamteinspielung sämtlicher (11) Bruckner-Symphonien im Jahre 2002 den „Cannes Classical Award“.

Als sich Ende 1952 abzeichnete, dass der RIAS nicht alle seine Orchester weiterhin finanzieren konnte, nahm Karl Ristenpart ein Angebot der Saarländischen Rundfunk GmbH an und verließ Berlin im Sommer 1953. Das saarländische Angebot bestand darin, ein Kammerorchester zu gründen, mit dem Ristenpart sowohl für den Saarländischen Rundfunk als auch für das französische Plattenlabel „Les Discophiles français“ Aufnahmen liefern sollte. Diese ungewöhnliche Kombination entstand durch den Einsatz des von Radio Saarbrücken beschäftigten belgischen Geistlichen und Musikwissenschaftlers Carl de Nys, der vor allem an einer Plattenproduktion von Bach-Kantaten für Frankreich interessiert war und alles unternahm, um Ristenpart an die Saar zu holen. Mit der Aufnahme des Saarländischen Rundfunks in die ARD nannte sich das Ensemble ab 1957 Kammerorchester des Saarländischen Rundfunks.

Das Kammerorchester des Saarländischen Rundfunks überlebte Karl Ristenpart noch vier Jahre, von 1968 bis 1972 unter der Leitung des Cellisten und ehemaligen Gründers der Zagreber Solisten, Antonio Janigro. Im Sommer 1973 fusionierte es mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken.

Nachdem der SWR die Nachfolge von Südwestfunk und SDR angetreten hatte, ergaben sich für die Gesamtheit seiner nun drei Orchester (plus Big Band) ebenso ungünstige Finanzierungs-Perspektiven wie es beim Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken wegen der geringen Größe seines Senders der Fall war. Die Fusion von 2007 führte in der Folge zu einer Situation mit 152 Planstellen, davon 45 aus Kaiserslautern und 107 aus Saarbrücken; die bisher angestrebte Größe von 87 Planstellen (Stand 2012) wird ohne Kündigungen erreicht.[2]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchester wird gemeinsam von SR und SWR getragen, wobei die Federführung dem SR obliegt. Sitz des Orchesters ist Saarbrücken und Kaiserslautern.

Chefdirigent war seit 2007 Christoph Poppen, dessen Vertrag im Sommer 2011 auslief.[3] Ihm folgte ab der Spielzeit 2011/2012 der gibraltarische Dirigent Karel Mark Chichon,[4] der im Sommer 2017 vertragsgemäß sein Engagement als Chefdirigent des Orchesters beenden wird. Ihm soll dann Pietari Inkinen folgen.

Spielorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Spielstätten sind die Congresshalle in Saarbrücken, die Fruchthalle in Kaiserslautern und die Sendesäle des SR in Saarbrücken und des SWR in Kaiserslautern. Pläne für einen Konzertsaal Saarphilharmonie im alten E-Werk in Saarbrücken-Burbach wurden von Christoph Poppen mit initiiert, die Finanzierung ist jedoch bislang ungeklärt.[5]

Auch überregional hat sich das Orchester bereits etabliert; es ist regelmäßig zu Gast in Karlsruhe, Mainz, Essen, der Alten Oper in Frankfurt, der Philharmonie Luxembourg. Die ersten Tourneen des Orchesters führten 2008 in die Schweiz, 2009 nach China und 2010 nach Paris. Im Herbst 2011 folgte die dritte Reise nach Japan (in Fortsetzung zweier Tourneen des RSO Saarbrücken) mit Stanisław Skrowaczewski, mit diesem Dirigenten die erste als Deutsche Radio Philharmonie. Die vierte Tournee führte im November 2012 nach Südkorea.[6] Eine weitere Tournee folgte im September 2014 mit Karel Mark Chichon und Myung-Whun Chung nach Korea und China.

Zu Gast sind international renommierte Solisten wie die Sängerinnen Elīna Garanča, Angelika Kirchschlager und Juliane Banse, Pianisten wie Arcadi Volodos, Tzimon Barto und Francesco Piemontesi, die Geiger Frank Peter Zimmermann und Janine Jansen und u. a. die Dirigenten Emilio Pomárico, Jukka-Pekka Saraste, Josep Pons[7] und die „Altmeister“ Stanisław Skrowaczewski, Günther Herbig, Gennadi Roschdestwenski.

Die Konzerte der Deutschen Radio Philharmonie werden – über die deutsch-französische Rundfunk-Kooperation europaweit und die EBU weltweit – auf SR 2 Kulturradio und auf SWR2 übertragen. Fernsehaufzeichnungen auf ARTE und in der ARD machen das Orchester einem größeren Publikum bekannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Gesamteinspielung der Mendelssohn-Sinfonien schloss sich die Gesamtaufnahme der Tschaikowsky-Sinfonien (Christoph Poppen) und der Sinfonien des Brahms-Zeitgenossen Théodore Gouvy (Jacques Mercier) an. Unter der Leitung des ersten Gastdirigenten Stanisław Skrowaczewski sind nach der preisgekrönten[8] Gesamteinspielung aller elf Bruckner-Symphonien sämtliche Beethoven- und Schumann-Symphonien und eine CD mit Skrowaczewskis eigenen Werken sowie sämtliche Brahms-Symphonien erschienen (alle bei Oehms Classics). Zurzeit ist eine Einspielung des symphonischen Werks von Antonín Dvořák unter Leitung von Karel Mark Chichon in Vorbereitung.[9]

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterstützt wird die Deutsche Radio Philharmonie ideell und finanziell vom Verein Freunde der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern.

Chefdirigenten des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefdirigenten der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern

  • Christoph Poppen: bis 2011
  • Karel Mark Chichon:[11] ab 2011

Musikchefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Michl
  • Otto Sertl
  • Ulf Thomsen
  • Christof Bitter
  • Gideon Rosengarten
  • Peter Rocholl
  • Sabine Tomek
  • Benedikt Fohr

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. Musikinformationszentrum
  3. Dirigent Poppen verlängert Vertrag bei Radiophilharmonie nicht in der Saarbrücker Zeitung vom 19. März 2010
  4. en:Karel Mark Chichon
  5. Was noch fehlt? Ein Konzertsaal in der Saarbrücker Zeitung vom 3. April 2010
  6. Südkorea-Tournee bei drp-orchester.de
  7. en:Josep Pons
  8. http://www.digitalconcerthall.com/de/konzert/1644/skrowaczewski-goerne-hartmann-bruckner
  9. http://www.drp-orchester.de/pages/konzerte-1314/saarbrFCcken/soirE9en/3.-soirE9e.php
  10. en:Michael Stern (conductor)
  11. en:Karel Mark Chichon

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]