Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland

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Deutsche Rentenversicherung
Mitteldeutschland
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Sozialversicherung Gesetzliche Rentenversicherung
Rechtsform Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gründung 30. September 2005
Sitz Leipzig
Geschäftsführung Wolfgang Kohl
Aufsichtsbehörde Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Versicherte 2,1 Mio. (2011)[1]
Rentner 1,6 Mio. Renten (2010)[1]
Mitarbeiter 4200 (2011)[1]
Website DRV Mitteldeutschland

Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland ist hinsichtlich des Haushaltsvolumens der größte der 14 Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung. Sie ist eine selbstverwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts, die rund 2,1 Millionen Versicherte betreut und circa 1,6 Millionen Renten zahlt.

Ihren Sitz hat die Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland in Leipzig, weitere Standorte befinden sich in Erfurt und Halle. Sie untersteht der Rechtsaufsicht des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz.

Der Regionalträger erbringt alle Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung und steht in derzeit 51 Auskunfts- und Beratungsstellen und 2 Sprechtagsorten in ganz Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen als persönlicher Ansprechpartner für Versicherte und Rentner zur Verfügung.

Am 30. September 2005 entstand die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland aus dem Zusammenschluss der Landesversicherungsanstalten Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Geschäftsführer ist Wolfgang Kohl.

Aufgaben und Leistungen[Bearbeiten]

Versicherung und Rente[Bearbeiten]

Die Aufgaben und Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung ergeben sich direkt aus dem Sozialgesetzbuch. Der Leistungskatalog der gesetzlichen Rentenversicherung umfasst unter anderem die Zahlung von Renten. Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland bearbeitete im Jahr 2010 rund 108.700 Rentenanträge und zahlt laufend circa 1,6 Millionen Renten.[2] Darüber hinaus werden auch Betriebsprüfungen bei Arbeitgebern durchgeführt und versicherungsrechtliche Sachverhalte wie etwa Kontenklärungen, Rentenauskünfte und -informationen und Beitragsverfahren bearbeitet. Im Jahr 2010 erteilte die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland rund 253.000 Kontenklärungsbescheide.[3]

Leistungen zur Teilhabe[Bearbeiten]

Der Regionalträger erbringt auf Grundlage des § 9 Sozialgesetzbuch VI Leistungen zur Teilhabe. Diese umfassen medizinische Rehabilitation, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und ergänzende Leistungen. Im Jahr 2010 wurden rund 85.350 Anträge auf medizinische Rehabilitation, etwa 48.900 Anträge auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, sowie circa 15.700 Anträge auf sonstige Rehabilitationsleistungen bearbeitet.[4] Im Bereich der Frühprävention wurde das Pilotprojekt „Frühintervention zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit“ (FEE) zum 3. Januar 2011 eingeführt.[5]

Auskunft und Beratung[Bearbeiten]

Die Gewährleistung einer unabhängigen, kompetenten und kostenfreien Auskunft und Beratung der Versicherten, Rentner und Arbeitgeber gehört zu den Aufgaben der gesetzlichen Rentenversicherung. Mit ihren 51 Auskunfts- und Beratungsstellen und 2 Sprechtagsorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verfügt die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland über ein dichtes Beratungsstellennetz. Telefonisch steht der Regionalträger am kostenlosen Servicetelefon (0800 100048090) für Informationen rund um das Versicherungs-, Rehabilitations- und Rentenrecht sowie zur zusätzlichen Altersvorsorge und zur Grundsicherung zur Verfügung. Zudem können sich Kunden online unter www.deutsche-rentenversicherung-mitteldeutschland.de informieren und den umfangreichen eService nutzen. Im Rahmen der Jugendkampagne „Rentenblicker“ unterstützt der Regionalträger seit 2007 Lehrer im Unterricht mit kostenlosen Klassensätzen an Arbeitsheften und Broschüren sowie – auf Anfrage – auch mit Referenten. Das Bildungsangebot informiert über die gesetzliche Rentenversicherung und sensibilisiert für eine frühzeitige zusätzliche Altersvorsorge. Kernstück der Initiative ist das Internetportal www.rentenblicker.de.

Rente und Ausland[Bearbeiten]

Werden rentenrechtliche Zeiten in einem EU-/EWR-Mitgliedsstaat oder Vertragsland geltend gemacht, ist in der Regel eine Verbindungsstelle eines Regional- beziehungsweise Bundesträgers zuständig. Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland ist Verbindungsstelle für Rentenangelegenheiten mit den Ländern Bulgarien und Ungarn. [6] Von den rund 6.320 Renten, die der Regionalträger im Jahr 2010 in 26 Staaten der Welt zahlte, wurden rund 6.100 Renten nach Bulgarien und Ungarn gezahlt.[7]

Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten[Bearbeiten]

Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland bietet jungen Menschen Ausbildungsmöglichkeiten zum/zur Sozialversicherungsfachangestellten, zum Kaufmann/zur Kauffrau für Bürokommunikation sowie Studienplätze im Studiengang „Sozialversicherung“ zum „Bachelor of Laws“ und im Studiengang „Management Soziale Sicherheit“ zum Bachelor of Arts.[8]

Organisation[Bearbeiten]

Selbstverwaltung[Bearbeiten]

Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltungscharakter. Selbstverwaltung bedeutet, dass die Selbstverwaltungsorgane – die Vertreterversammlung und der Vorstand – paritätisch mit Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber besetzt sind. Die Mitglieder dieser Organe werden aller sechs Jahre im Rahmen von Sozialwahlen gewählt. [9] Die letzte Sozialwahl erfolgte am 1. Juni 2011.

Vertreterversammlung[Bearbeiten]

Die Vertreterversammlung setzt sich aus je 15 Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber zusammen. Sie beschließt unter anderem die Satzung und den Haushaltsplan, nimmt die Jahresrechnung ab und wählt die Mitglieder des Vorstandes sowie den Geschäftsführer und die stellvertretende Geschäftsführerin. Vorsitzender der Arbeitgebergruppe in der Vertreterversammlung ist Sven Nobereit, Vorsitzender der Versichertengruppe ist Thomas Steinhäuser. [10]

Vorstand[Bearbeiten]

Der Vorstand besteht aus je neun Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber. Er verwaltet die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland und vertritt sie gerichtlich und außergerichtlich. Außerdem erlässt er allgemeine Richtlinien zum Beispiel für die Verwaltung, legt das Vermögen an, stellt die Jahresrechnung beziehungsweise den Haushaltsplan auf und entscheidet über Baumaßnahmen, bestimmte Personalangelegenheiten sowie Beschaffungen, die eine festgelegte Wertgröße übersteigen. Vorsitzender der Arbeitgebergruppe im Vorstand ist Detlev Lehmann, Vorsitzender der Versichertengruppe ist Udo Gebhardt. [11]

Geschäftsleitung[Bearbeiten]

Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland hat einen Geschäftsführer und eine stellvertretende Geschäftsführerin. Der Geschäftsführer Wolfgang Kohl ist für die Leitung des Dienstbetriebes und die laufenden Verwaltungsgeschäfte zuständig. Er gehört dem Vorstand mit beratender Stimme an. Stellvertretende Geschäftsführerin ist Ina Ueberschär. Der Geschäftsführer Wolfgang Kohl ist zudem gewähltes Mitglied im Erweiterten Direktorium der Deutschen Rentenversicherung Bund. Das Erweiterte Direktorium bereitet Entscheidungen vor, die alle Träger der gesetzlichen Rentenversicherung betreffen und ist zuständig für im Gesetz definierte Aufgaben, wie beispielsweise die Versichertenverteilung und die Finanzsteuerung. [12]

Dienststellen[Bearbeiten]

Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland arbeitet nach dem Regionalprinzip. [13] Dies führt dazu, dass die Leistungsbearbeitung in den Regionen erfolgt. Der Hauptsitz ist in Leipzig. Weitere Standorte der Leistungsbearbeitung befinden sich in Bautzen, Chemnitz, Dresden, Eisenach, Erfurt, Gera, Halle, Mühlhausen, Plauen, Suhl und Weimar. Insgesamt ist die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland derzeit an 53 Standorten in ganz Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durch Auskunfts- und Beratungsstellen und Sprechtagsorte vertreten. Diese werden sukzessiv auf 30 reduziert.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Organisationsreform in der gesetzlichen Rentenversicherung[Bearbeiten]

Zum 1. Januar 2005 wurden durch das „Gesetz zur Organisationsreform der gesetzlichen Rentenversicherung“ (RVOrgG) alle Rentenversicherungsträger – die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), die 22 Landesversicherungsanstalten (LVA), die Seekasse, die Bundesknappschaft und die Bahnversicherungsanstalt – unter dem Namen „Deutsche Rentenversicherung“ zusammengefasst. Ziel war es, einen einheitlichen Versichertenbegriff zu schaffen und Bürgernähe, Wirtschaftlichkeit und Effektivität in der gesetzlichen Rentenversicherung zu verbessern. Im Zuge der Organisationsreform erteilte der Gesetzgeber der Deutschen Rentenversicherung die Vorgabe bis zum Jahr 2010 die Verwaltungs- und Verfahrenskosten um insgesamt zehn Prozent zu senken. [14]

Fusion[Bearbeiten]

Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland entstand am 30. September 2005 aus dem Zusammenschluss der Landesversicherungsanstalten Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Grundlage für ihre Struktur ab dem 1. Oktober 2005 bildete das bereits 2003 erstellte Rahmenkonzept zur Fusion. Zur Entwicklung einer mitteldeutschen Unternehmenskultur wurde ein gemeinsames Leitbild erarbeitet und implementiert. Sowohl Kunden- und Serviceorientierung, als auch Kostenbewusstsein und Mitarbeiterorientierung sind als wesentliche Grundsätze der Unternehmensphilosophie im Leitbild verankert. [15]

Haushalt[Bearbeiten]

Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland hat mit 23,42 Milliarden Euro (2011) den größten öffentlichen Haushalt unter den Regionalträgern. Haupteinnahmeposten sind mit rund 10,3 Milliarden Euro die Beitragzahlungen, gefolgt von rund 6,1 Milliarden Euro aus dem Finanzausgleich innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung und rund 5,3 Milliarden Euro aus Bundesmitteln, Gebühren und Erstattungen. Größter Ausgabeposten sind mit rund 21,1 Milliarden Euro die Rentenleistungen. Weitere Ausgaben sind mit rund 1392 Millionen Euro die Krankenversicherung der Rentner und mit rund 388 Millionen Euro Leistungen zur Teilhabe. Mit Ausgaben von 292,6 Millionen Euro entfallen lediglich rund 1,25 Prozent des Haushalts auf Verwaltungs- und Verfahrenskosten. [16]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c DRV Mitteldeutschland - Unternehmensprofil, deutsche-rentenversicherung-mitteldeutschland.de, aufgerufen am 25. September 2012
  2. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Zahlen und Fakten 2011, Leipzig 2011
  3. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Zahlen und Fakten 2011, Leipzig 2011
  4. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Gemeinsam etwas bewegen, 2005-2011: Die Unternehmensentwicklung der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland, Leipzig 2012
  5. Frühintervention zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit - FEE
  6. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland – Verbindungsstellen
  7. Deutsche Rentenversicherung Bund, Würzburg, Referat 0521
  8. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Ausbildung/Studium
  9. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Organisationsstruktur
  10. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Die Vertreterversammlung
  11. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Der Vorstand
  12. §§138-139 Sozialgesetzbuch VI
  13. § 4 Fusionsvertrag zur Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland
  14. § 220 Absatz 3 Sozialgesetzbuch VI
  15. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Leitbild
  16. Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Zahlen und Fakten 2011, Leipzig 2011