Deutsche STI-Gesellschaft – Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit

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Die Deutsche STI-Gesellschaft – Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit ist eine offene, medizinische Fachgesellschaft, die sich mit der Behandlung, Diagnostik, Prävention und Aufklärung sexuell übertragbarer Infektionen und Erkrankungen (STI/STD) auseinandersetzt. Unter dem Titel Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten (DGBG) wurde die DSTIG 1912 von den Dermatologen Albert Neisser und Alfred Blaschko im Berliner Rathaus gegründet. Die Gesellschaft ist als gemeinnütziger Verein organisiert. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen Fachbereichen, die einen inhaltlichen Bezug zu Fragen der Sexuellen Gesundheit haben (Dermatologie, Venerologie, Gynäkologie, Epidemiologie, Psychologie, Pädagogik und dem öffentlichen Gesundheitsdienst).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte zum Vorbild: Neisser und Blaschko gründen die DGBG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Einen Mittelpunkt für alle Bestrebungen zu schaffen, welche zu einer Einschränkung der Geschlechtskrankheiten führen können“ – so lautet das 1902 selbstformulierte Ziel der Fachgesellschaft im Gründungsaufruf der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten (DGBG), aus der später die DSTIG hervorging. Der Breslauer Venerologe Albert Neisser, der 1879 den Erreger der Gonorrhö entdeckte, wurde zum ersten Vorsitzenden der DGBG benannt. Ein weiteres prominentes und äußerst engagiertes Mitglied der Gesellschaft war Alfred Blaschko. Er wurde 1902 zum Generalsekretär ernannt und übernahm ab 1916 den Vorsitz der DGBG.

Bis zu 10.000 Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisiert war die Gesellschaft anfangs in Ortsgruppen und Zweigvereinen, zählte zehn Jahre nach ihrer Gründung bereits 5.000 und nach dem Ersten Weltkrieg sogar 10.000 Mitglieder. Der Vorsitzende Blaschko hatte es geschafft, in der DGBG nicht nur das bildungsbürgerliche Milieu, sondern Menschen unterschiedlichster gesellschaftlicher Schichten, aus allen politischen Lagern zu vereinen. Innerhalb der Fachgesellschaft sollten die Auseinandersetzungen über die Strategien zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten geführt, und Werte- und Moralvorstellungen diskutiert werden. Die Vertretung verschiedener Ansichten war gewollt und kein Ausschlusskriterium. Die Aktualität und Brisanz des Themas Geschlechtskrankheiten kam der schnellen und breiten Akzeptanz der jungen Fachgesellschaft zugute.

Niedergang im Dritten Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zweite Weltkrieg brachte den vorläufigen Niedergang der DGBG. 1933 trat der gesamte Vorstand geschlossen zurück, da die Gesellschaft unter den Nationalsozialisten dem Reichsausschuss für Volksgesundheit unterstellt wurde und über keine eigene politische Stimme mehr verfügte. 1955 gelang es, die DGBG neu zu gründen, doch erst Anfang der 1980er Jahre, mit dem Aufkommen von HIV/AIDS, schaffte es die Gesellschaft, wieder eine größere Öffentlichkeit – jenseits der Fachwelt – und politischen Einfluss zu gewinnen. Eine neue Satzung, welche die Vergrößerung des Vorstandes von 5 auf 15 Personen sowie die Umbenennung in Deutsche STD-Gesellschaft – Deutschsprachige Gesellschaft zur Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten beinhaltete, wurde auf der Mitgliederversammlung im Oktober 1994 verabschiedet.

Die DSTIG – gestern und heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detlef Petzoldt leitete von 1986 bis 1998 die Gesellschaft und ist heute noch als Ehrenmitglied aktiv. Sein Nachfolger Gerd Gross übernahm das Amt des Vorsitzenden von 1998 bis 2010. Auf der Mitgliederversammlung im September 2010 wurde Norbert Brockmeyer zum neuen Präsidenten der DSTDG gewählt. Durch die Mitgliederversammlung angenommen wurde im September 2011 die Namensänderung der Gesellschaft in Deutsche STI-Gesellschaft – Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (DSTIG).

Logo der DSTIG

Präsidenten der Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Weg zur Sexuellen Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Thematik STI (Sexually Transmitted Infection), Diagnostik und Behandlung, spielt die Sexuelle Gesundheit innerhalb der DSTIG eine zunehmend starke Rolle. Sexuelle Gesundheit ist noch immer kein öffentlich diskutiertes Thema in Deutschland. Je nach Zielgruppe oder Zielsetzung sind in Deutschland unterschiedliche Einrichtungen mit dem Thema sexuelle Gesundheit befasst: Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD), Nichtregierungsorganisationen (NGO) sowie verschiedene medizinische sowie psychosoziale Disziplinen. Diese äußerst heterogenen und diversifizierten deutschen Strukturen sind mit denen auf inter- und supranationaler Ebene nur bedingt kompatibel. Zudem besteht in Deutschland ein hoher Bedarf an Vernetzung, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Hier eine Verbesserung zu erzielen, das hat sich die DSTIG zur Aufgabe gemacht.

Sektion sexuelle Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sektion Sexuelle Gesundheit in Deutschland wurde 2007 als Arbeitsgruppe der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) gegründet. Die ca. 60 Mitwirkenden der Arbeitsgruppe gehören verschiedenen Berufsgruppen wie der Medizin, Epidemiologie, Sozialwissenschaften und Prävention an und arbeiten in verschiedenen Bereichen des deutschen Gesundheitssystems. Interdisziplinarität ist eine zentrale Grundlage der Arbeitsweise der Sektion.

Aktivitäten der Sektion sexuelle Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitglieder der Sektion Sexuelle Gesundheit treffen sich in regelmäßigen Abständen an verschiedenen Orten Deutschlands, um bereits vorhandene regionaler, nationaler und auf internationaler Standards zu sichten und an die deutsche Situation anzupassen. Zu den Themen Indikatoren, Beratungs- und Versorgungsstandards und Prävention arbeiten kleinere Untergruppen, deren Ergebnisse dann in der gesamten Gruppe abgestimmt werden. Die Arbeit wird in gleichberechtigter interdisziplinärer Zusammenarbeit geleistet. Die Ergebnisse der Arbeit sollen zu einer Verbesserung der sexuellen Gesundheit auf wissenschaftlicher, politischer und praktischer Ebene beitragen.

Deutsche STI-Kongresse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DSTIG richtet in regelmäßigen Abständen Deutsche STI-Kongresse aus. Zu diesen STI-Kongressen sind nicht nur DSTIG-Mitglieder geladen, sondern alle Interessierten die sich in den Gebieten STD/STI-Prävention, -Diagnose, -Behandlung, über Aspekte der sexuellen Gesundheit sowie in epidemiologischen oder sozialwissenschaftlichen Themen weiterbilden möchten.

Der STI-Kongress richtet sich an Personen verschiedener Berufsgruppen: Medizin (z. B. Urologie, Gynäkologie, Venerologie, Infektiologie, Dermatologie), Psychologie, Epidemiologie, Sozialwissenschaften und dem öffentlichen Gesundheitswesen. Das Kongress-Angebot beinhaltet immer auch einen praktischen Teil. In Workshops können die Teilnehmer praxisrelevante Fertigkeiten erlernen (z. B. STI-Diagnostik, Kommunikationstechniken im Arzt-Patienten-Gespräch, Proktologie, etc). Die Referenten sind nationale und internationale Fachleute, aus allen Bereichen des Gesundheitssystems. Neben den Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops gibt es immer auch eine Posterausstellung mit Posterwalk.

Fester Bestandteil des STI-Kongresses ist auch die Verleihung des Detlef Petzoldt-Preises für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der STD/STI-Forschung.

Kooperationspartner der DSTIG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert H. Brockmeyer: Deutsche STD-Gesellschaft im Portrait: Eine interdisziplinäre Fachgesellschaft. In: Uro News 6/2010, 2.
  • L. Sauerteig: Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten (DGBG), 1902–2002. In: Akt Dermatol 2002; 28:393–397.
  • H. J. Vogt: Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten (DGBG/GBGK): die Ära von 1945–1984. In: Der Hautarzt 2003, 54:886–893.
  • Detlef Petzoldt: Von der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten“ zur „Deutschen STD-Gesellschaft“ 1985–1996. In: Der Hautarzt 2004, 55:322–324.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]