Deutsche SchülerAkademie

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Die Deutsche SchülerAkademie gGmbH[1] ist ein seit 1988 existierendes außerschulisches Programm des Zentrums Bildung & Begabung zur Förderung besonders begabter und motivierter Oberstufenschüler. Jeden Sommer werden dafür mehrere meist 16-tägige Akademien an verschiedenen Standorten in Deutschland veranstaltet. Sie sind Teil der Begabtenförderungsprogramme des Bundes und der Länder; es wird unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und verschiedenen Stiftungen finanziert. Schirmherr ist der Bundespräsident, die Geschäftsstelle befindet sich in Bonn.

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Akademien arbeiten die Jugendlichen in Kursen zu verschiedenen wissenschaftlichen Themen auf Universitätsniveau zusammen. Die Bandbreite reicht von Mathematik über natur-, ingenieur-, geistes-, rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Kurse bis hin zu Themen aus dem musisch-künstlerischen Bereich. Im Jahr 2015 umfasste das Angebot 60 Kurse in insgesamt zehn Akademieorten. Neben der Kursarbeit der Akademien werden vielfältige musische, sportliche und andere kursübergreifende Aktivitäten angeboten.

Ziel des Programms ist es einerseits, den Schülern eine intellektuelle Herausforderung zu bieten, sie über ihre bisherige Lebenswelt hinausblicken zu lassen und gegebenenfalls an die Grenzen ihrer Leistungskraft zu führen. Andererseits soll den Teilnehmern auch die Gelegenheit geboten werden, andere begabte Schüler aus ganz Deutschland und teilweise auch aus dem Ausland kennenzulernen.

Organisationsstruktur einer Akademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akademien finden in den Sommerferien statt und dauern jeweils 16 (JGW-Akademien 12) Tage. Sie bestehen aus je sechs (in den Multinationalen Akademien vier) Kursen, wobei jeder Kurs aus 16 Teilnehmern und zwei Kursleitern besteht. Die Akademieteams setzen sich aus 15 bis 16 (bei Multinationalen Akademien 11) Personen zusammen:

  • ein oder zwei Akademieleiter
  • ein Assistent der Akademieleitung (in der Regel ein ehemaliger Teilnehmer)
  • zwölf (bei Multinationalen Akademien acht) Kursleiter
  • ein Verantwortlicher für den Bereich der kursübergreifenden Musik

Teilnahmebedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnahmeberechtigt sind Schüler der vorletzten zwei Jahrgangsstufen an Schulen, die zur allgemeinen Hochschulreife führen. Sie dürfen am 1. Juli des Jahres der Akademie nicht älter als 20 Jahre sein. Gefordert werden außerdem überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten, ein breites Interesse und eine hohe Leistungsbereitschaft.[2]

Die Schüler werden entweder von ihrer Schule empfohlen oder qualifizieren sich durch die erfolgreiche Teilnahme an bestimmten bundesweiten Schülerwettbewerben. Daneben besteht auch die Möglichkeit, sich durch ein Online-Formular und mit der Einreichung eines Motivations- und eines Empfehlungsschreibens selbst zu bewerben.[3] Aus Kapazitätsgründen kann jedoch nur ein gewisser Teil der Bewerber angenommen werden, im Jahr 2015 lag die Aufnahmequote bei 46,7 Prozent.[4] Jeder Schüler kann grundsätzlich nur einmal am Programm teilnehmen. Große Teile der Kosten werden aus den Mitteln gedeckt, die die öffentlichen und privaten Geldgeber zur Verfügung stellen. Die verbleibende Selbstbeteiligung der Teilnehmer kann aus sozialen Gründen erstattet werden.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 war die Ferienakademie Bonn die einzige SchülerAkademie. 1989, 1990 und 1992 gab es bundesweit zwei Akademien. 1993 etablierte der Deutsche Bundestag die Deutsche SchülerAkademie als dauerhafte Maßnahme im Haushalt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, 1994 gab auch die Kultusministerkonferenz der Länder ihre Zustimmung zu dem Programm. Seitdem wuchs der Umfang stetig: 1993 bis 1995 gab es vier, 1996, 1998 und 1999 sechs, 1997 fünf, 2000 bis 2002 sieben, 2003 acht, 2004 neun, 2005 und 2006 elf und seit 2007 zwölf Akademien.

Ab 2003 wurde ein Teil der SchülerAkademien als „Multinationale Akademie“ organisiert und durch die Haniel-Stiftung gefördert.[5] Hier nahmen neben den deutschen Teilnehmern auch begabte Schüler aus Osteuropa am Kursprogramm teil. In Waldenburg waren dies jeweils Schüler aus Tschechien, Rumänien, Ungarn und der Slowakei, in Torgelow am See Jugendliche aus Lettland, Litauen, Estland und Polen. Die Multinationalen Akademien bestanden aus vier statt aus sechs Kursen, sodass nur acht Kursleiter eingebunden waren und sich das Akademieteam aus insgesamt 11 Personen zusammensetzte. Seit 2015 findet keine Multinationale Akademie mehr statt.

Seit 2004 organisiert zudem der Verein Jugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft (JGW) einige SchülerAkademien, um mehr Jugendlichen die Teilnahme zu ermöglichen. Diese Akademien orientieren sich stark an den regulären und werden von der Geschäftsstelle der Deutschen SchülerAkademie mitbetreut und angeboten. Die Teilnahmebedingungen und das Bewerbungsverfahren sind deshalb mit den regulären Akademien identisch. Wesentlicher Unterschied ist die mit 10 Tagen kürzere Dauer der Veranstaltungen.

Im Jahr 2014 werden an all diesen Akademien zusammen 68 Kurse für etwa 1100 teilnehmende Schüler angeboten. Neben den regulären Akademien bietet die BASF seit 1998 eine „Naturwissenschaftliche Sommerakademie“ an.

Akademieorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 waren die Veranstaltungsorte die CJD Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig, das Landschulheim Grovesmühle, die Urspringschule, das Evangelische Schulzentrum Hilden, die CJD Jugenddorf-Christophorusschule Rostock, das Internatsgymnasium Schloss Torgelow, das Europäische Gymnasium Waldenburg, die Historisch-Ökologische Bildungsstätte Emsland in Papenburg e.V. (JGW-Akademie und JGW-Nachhaltigkeits-Akademie) und das Collegium Augustinianum Gaesdonck (JGW-Akademie). Die BASF-Sommerakademie findet stets in Ludwigshafen am Rhein statt.

Die Orte, an denen bisher Akademien stattfanden, waren:

  • 1988: Ferienakademie Bonn
  • 1989: Ferienakademie Braunschweig, Schülerakademie Bonn
  • 1990: Braunschweig 1, Braunschweig 2
  • 1991: Spetzgart
  • 1992: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Spetzgart
  • 1993: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Spetzgart, St. Peter-Ording
  • 1994: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Spetzgart, St. Peter-Ording
  • 1995: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Spetzgart, Gaesdonck
  • 1996: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Spetzgart, Gaesdonck, Annweiler, St. Peter-Ording
  • 1997: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Spetzgart, Gaesdonck, Annweiler
  • 1998: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Schulpforte, St. Peter-Ording, Gaesdonck, Annweiler, BASF-Schülerinitiative
  • 1999: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Gaesdonck, Annweiler, BASF-Schülerinitiative
  • 2000: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Gaesdonck, Annweiler, Roßleben, BASF-Schülerinitiative
  • 2001: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Steinmühle, Gaesdonck, Rostock, Roßleben, BASF-Schülerinitiative, Jerusalem (aus Sicherheitsgründen abgesagt)
  • 2002: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Steinmühle, Gaesdonck, Rostock, Roßleben, BASF-Schülerinitiative
  • 2003: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Steinmühle, Hilden, Rostock, Roßleben, Metten, BASF-Schülerinitiative
  • 2004: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Steinmühle, Hilden, Rostock, Roßleben, Metten, JGW Papenburg, BASF-Schülerinitiative
  • 2005: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Steinmühle, Hilden, Rostock, Roßleben, Metten, JGW Papenburg, JGW Schney, BASF-Schülerinitiative
  • 2006: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Steinmühle, Hilden, Rostock, Roßleben, Metten, JGW Papenburg, JGW Weimar, BASF-Schülerinitiative
  • 2007: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Steinmühle, Hilden, Rostock, Roßleben, Metten, Torgelow, JGW Papenburg, JGW Gaesdonck, BASF-Sommerakademie
  • 2008: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Hilden, Rostock, Roßleben, Metten, Torgelow, JGW Papenburg, JGW Schney, BASF-Sommerakademie
  • 2009: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Hilden, Rostock, Torgelow 1 (regulär), Metten, Torgelow 2 (multinational), JGW Papenburg, JGW Gaesdonck, BASF-Sommerakademie
  • 2010: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Hilden, Rostock, Torgelow 1 (regulär), Metten (multinational), Torgelow 2 (multinational), JGW Papenburg, JGW-Nachhaltigkeitsakademie Papenburg, BASF-Sommerakademie
  • 2011: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Hilden, Rostock, Torgelow 1 (regulär), Schulpforte (multinational), Torgelow 2 (multinational), JGW Papenburg, JGW Gaesdonck, JGW-Nachhaltigkeitsakademie Papenburg, BASF-Sommerakademie
  • 2012: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Hilden, Rostock, Torgelow 1 (regulär), Torgelow 2 (multinational), Waldenburg (multinational), JGW Papenburg 1, JGW Papenburg 2, BASF-Sommerakademie
  • 2013: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Hilden, Rostock, Torgelow 1 (regulär), Torgelow 2 (multinational), Waldenburg (multinational), JGW Papenburg 1, JGW Gaesdonck, JGW-Nachhaltigkeitsakademie Papenburg, BASF-Sommerakademie
  • 2014: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Hilden, Rostock, Torgelow 1 (regulär), Torgelow 2 (multinational), Waldenburg (multinational), JGW Papenburg, JGW Gaesdonck, JGW-Nachhaltigkeitsakademie Papenburg, BASF-Sommerakademie
  • 2015: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Roßleben, Torgelow 1, Torgelow 2, JGW Papenburg 1, JGW Papenburg 2, JGW-Nachhaltigkeitsakademie Papenburg, BASF-Sommerakademie
  • 2016: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Roßleben, Torgelow 1, Torgelow 2, JGW Papenburg 1, JGW Papenburg 2, JGW-Nachhaltigkeitsakademie Papenburg, BASF-Sommerakademie
  • 2017: Braunschweig 1, Braunschweig 2, Grovesmühle, Urspring, Roßleben, Torgelow 1, Torgelow 2, JGW Papenburg 1, JGW Papenburg 2, JGW-Nachhaltigkeitsakademie Papenburg, BASF-Sommerakademie

Alumniorganisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Club der Ehemaligen der Deutschen SchülerAkademien e. V.[6] (CdE) ist der Ehemaligenverein der Schülerakademie mit ca. 3000 Mitgliedern. Ehemalige Teilnehmer einer Schülerakademie und seit einiger Zeit auch Teilnehmer von CdE-Akademien können seit 1992 Mitglied des CdE werden, um mit ehemaligen Teilnehmern der eigenen und anderer Akademien in Kontakt zu bleiben. Der CdE organisiert sich in Lokalgruppen in größeren Städten (in Deutschland und im Ausland). Der Verein veranstaltet Seminare sowie Akademien nach dem Vorbild der DSA. Bei den Akademien sucht sich jeder Teilnehmer im Vorfeld einen Kurs aus, wobei die Bandbreite von eher alltäglichen Dingen wie Kochkursen über sportliche Betätigungen wie z. B. Tanzen bis hin zu wissenschaftlichen Kursen über Themen aller Art reicht. Bei allen Kursen steht die Weiterbildung bzw. der Erwerb von Fähigkeiten im Vordergrund, wobei u. a. durch die Freiwilligkeit die Motivation der Teilnehmer sehr hoch ist. Die Kurse werden dabei von (unbezahlten) Kursleitern gehalten, die außerhalb der Kurszeiten normale Teilnehmer sind. Viele Kursleiter sind dabei auf andere Akademien Kursteilnehmer. In den jährlich stattfindenden Seminaren stellen die Teilnehmer gegenseitig ihre wissenschaftliche Arbeit vor. Außerdem werden im Rahmen des Vereins verschiedene Projekte, insbesondere Freizeiten (z. B. Ski und Segeln), angeboten, die ebenfalls von Vereinsmitgliedern organisiert werden. Einige Akademien und Seminare wurden bereits vom BMBF gefördert.

Jährlich stattfindende Akademien sind die Winterakademie (1½ Wochen) in Windischleuba bei Altenburg, die Pfingst-/Maiakademie (verlängertes Wochenende) und Sommerakademie (eine Woche) auf dem Eisenberg bei Kirchheim/Bad Hersfeld sowie die Multinationale Akademie, die meist im östlichen Ausland stattfindet.

Deutsche JuniorAkademien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergänzend zu dem Programm der Deutschen SchülerAkademie, das sich an Schüler der Sekundarstufe II richtet, werden seit 2003 zusätzlich regionale Akademien zur Förderung leistungsbereiter Schüler der Sekundarstufe I veranstaltet. Die Koordinierung erfolgt ebenfalls über die Deutsche SchülerAkademie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webauftritt der Deutschen SchülerAkademie, abgerufen am 14. August 2016.
  2. Teilnahmevoraussetzungen auf der Website der Deutschen SchülerAkademie, abgerufen am 14. August 2016.
  3. Bewerbungsverfahren auf der Website der Deutschen SchülerAkademie, abgerufen am 14. August 2016.
  4. Richtlinien zur Platzvergabe auf der Website der Deutschen SchülerAkademie, abgerufen am 14. August 2016.
  5. Multinationale Akademien: Haniel Stiftung und Bildung & Begabung fördern europäische Spitzentalente. Bildung & Begabung, abgerufen am 14. August 2016.
  6. Impressum