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RAG Deutsche Steinkohle AG

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RAG Deutsche Steinkohle AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1998
Auflösung 2019
Auflösungsgrund Verschmelzung mit RAG Aktiengesellschaft
Sitz Essen, Deutschland
Mitarbeiterzahl 5706 (2017)[1]
Umsatz 1,4988 Mrd. Euro
Branche Bergbau
Stand: 31. Dezember 2017
Ehemaliger Hauptsitz der RAG in Herne

Die RAG Deutsche Steinkohle AG mit Sitz in Essen (bis März 2018 Herne) war ein Unternehmen der Montanindustrie und wurde im April 2019 mit der RAG Aktiengesellschaft verschmolzen.[2] Sie entstand im Jahr 1998 durch den Zusammenschluss der Bergbauunternehmen Ruhrkohle Bergbau AG, Herne und Saarbergwerke AG, Saarbrücken, war die größte Tochterfirma der RAG Aktiengesellschaft und betrieb die letzten verbliebenen deutschen Steinkohlenbergwerke in Bottrop und Ibbenbüren. Die RAG Deutsche Steinkohle AG erwirtschaftete 2017 mit 5700 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von ca. 1,5 Milliarden Euro.

Bis zur Umorganisation der RAG Aktiengesellschaft lautete die Firmierung des Unternehmens „Deutsche Steinkohle AG“ (DSK). Die Belegschaft an der Saar umfasste 2018 165 Personen.[3]

Der Steinkohlenbergbau und dessen Aufgabe wurden in Deutschland lange kontrovers diskutiert.

Bergwerk Stadt / Verbund jährlicher Abbau Mitarbeiter Schließung
Prosper-Haniel Verbund von Prosper und Franz Haniel (Bottrop) 2,4 Mio. t (2016)[4] 3.000 (2016)[4] 21. Dezember 2018
Ibbenbüren Ibbenbüren 1,3 Mio. t (2016)[5] 1.500 (2016)[5] 17. August 2018[6]
„Auguste Victoria/Blumenthal“ Verbund von „Auguste Victoria“ (Marl) und „Blumenthal/Haard“ (Haltern) 3,3 Mio. t (2005) 4.200 (2005) 2015
„West“ Verbund von „Friedrich Heinrich“/„Rheinland“ und „Rossenray“ (Kamp-Lintfort) 3,3 Mio. t (2005) 3.800 (2005) 2012
„Saar“ Verbund von „Warndt/Luisenthal“, (Warndt, Völklingen) und „Ensdorf“ (Ensdorf) 5,0 Mio. t (2005) 4.900 (2005) Standort „Warndt/Luisenthal“ 2005; gesamt 2012
„Ost“ Verbund von „Haus Aden“/„Monopol“, (Hamm, Bergkamen) und „Heinrich Robert“ (Hamm) 1,82 Mio. t (2005) 3.300 (2005) 2010 (2005)
„Lippe“ Verbund von „Westerholt“ (Gelsenkirchen) und „Fürst Leopold“, (Dorsten) 2,0 Mio. t (2005) 2.900 (2005) 2008
„Walsum“ Duisburg 2,2 Mio. t (2005) 3.000 (2005) 30. Juni 2008
„Lohberg-Osterfeld“ Verbund von „Lohberg“ (Dinslaken) und „Osterfeld“ (Oberhausen) 2,0 Mio. t (2005) 2.900 (2005) 2005
Gesamt   25,6 Mio. t (2005) 31.200 (2005)  

Die RAG erhielt für den Steinkohlebergbau in Deutschland im Jahre 2008 etwa 2,0 Milliarden Euro Subventionen vom Bund. Das entsprach ca. 9,3 % der Gesamtsubventionssumme der Bundesrepublik.[7]

Laut 20. Subventionsbericht der Bundesregierung wurden zwischen 1997 und 2006 Hilfen im Gesamtumfang von 29,9 Mrd. Euro vom Bund (3 Mrd. pro Jahr) und weitere 4,9 Mrd. Euro durch das Land Nordrhein-Westfalen (0,5 Mrd. pro Jahr) gezahlt.

Im Februar 2007 einigten sich der Bund, Nordrhein-Westfalen und das Saarland darauf, die Subventionen für den Steinkohlenbergbau 2018 zu beenden.[8][9] Damit wurde klar, dass faktisch in Deutschland nach 2018 keine Steinkohle mehr gefördert würde.

Am 28. Dezember 2007 trat das „Gesetz zur Finanzierung der Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus zum Jahr 2018 (Steinkohlefinanzierungsgesetz)“ in Kraft. Darin waren für die Jahre 2009 bis 2018 weitere Subventionen in Höhe von 13,9 Milliarden Euro vorgesehen. Zusätzlich zahlte das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 3,9 Mrd. Euro.[10]

Am 20. Juli 2010 legte die Europäische Kommission einen Vorschlag vor, der das Auslaufen der Kohlesubventionen bis zum 1. Oktober 2014 vorsah.[11] Nach Kritik aus Deutschland einigte sich der Rat der Europäischen Union am 10. Dezember 2010 darauf, Kohlesubventionen im Rahmen eines Stilllegungsplanes bis zum Jahr 2018 weiter zuzulassen. Allerdings war eine stärkere Reduktion der Subventionen vorgeschrieben, als bisher in Deutschland vorgesehen war. Im Vergleich zum Jahr 2011 mussten die Förderbeträge bis Ende 2013 um 25 %, bis Ende 2015 um 40 %, bis Ende 2016 um 60 % und schließlich bis Ende 2017 um 75 % reduziert werden.[12]

Unterstützer des Bergbaus rechtfertigten die Subventionen vor allem mit der Unabhängigkeit der Energieversorgung und der so gewährleisteten Energiesicherheit. Die weltweiten Reserven der übrigen fossilen Brennstoffe, vor allem Erdöl und Erdgas, seien begrenzt und befänden sich zum Teil in politisch unsicheren Regionen.

Kritiker der Subventionen entgegneten, dass gerade die Steinkohle in politisch stabilen Staaten (z. B. Südafrika, Australien) sehr kostengünstig (zum Teil im Tagebau) abgebaut werden könne. Weiterhin kam der Sachverständigenrat Wirtschaft in seinem Jahresgutachten 2003/2004 zu dem Ergebnis, dass die Einstellung der Steinkohlenförderung in Deutschland die Sicherheit der Energieversorgung nicht gefährde.

Ein weiteres häufiges Argument der Befürworter von Bergbausubventionen war die wirtschaftliche Bedeutung des Steinkohlebergbaus für die Region: Die Bergwerke sicherten über Verträge und Aufträge (Material, Maschinen, Transporte, Reparaturen etc.) auch Arbeitsplätze bei Zulieferfirmen und seien in einer strukturschwachen Region ein großer Ausbilder und Arbeitgeber gewesen.

Gegner erwiderten hier, dass die Subventionen selbst das Entstehen neuer Wirtschaftszweige hemmten, da sie den natürlichen ökonomischen Prozess aufhielten. So führten die Subventionen in den Bergbau zu einer Quersubventionierung der Tochterfirmen der RAG/DSK, die hierdurch ihre Dienstleistungen günstiger anbieten könnten. Nichtsubventionierte (Klein-)Betriebe würden so benachteiligt.

Eine vom Gesamtverband Steinkohle e. V. in Auftrag gegebene Prognos-Studie, die im Februar 2008 veröffentlicht wurde, unterstrich die regionalwirtschaftliche Bedeutung des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet. Prognos schrieb im Fazit:

„Aus dem Beschaffungsvolumen der DSK von 2 Mrd. Euro im Ruhrbergbau, von dem 86 % auf NRW entfallen, ergeben sich erhebliche Wertschöpfungseffekte in Zulieferbetrieben der Steinkohle. Nach Modellrechnungen der Prognos AG … werden durch das Bestellvolumen der DSK die Arbeitsplätze von 24.300 Erwerbstätigen im Ruhrrevier und durch die Konsumausgaben der DSK-Beschäftigten von weiteren 2.260 Erwerbstätigen gesichert. Insgesamt werden damit 53.760 Arbeitsplätze direkt, indirekt oder induziert durch die Kohleförderung gesichert.“

„Regionalökonomische Auswirkungen des Steinkohlenbergbaus in Nordrhein-Westfalen“ S. 88[13]
  • Hermann, Wilhelm und Gertrude: Die alten Zechen an der Ruhr. 6., um einen Exkurs nach S. 216 erweiterte und in energiepolitischen Teilen aktualisierte Auflage 2008 der 5., völlig neu bearb. u. erweiterten Auflage 2003, Königstein i. Ts. (Verlag Langewiesche) 2008 (Die Blauen Bücher), ISBN 978-3-7845-6994-9, S. 98.
Commons: RAG Deutsche Steinkohle AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Bericht 2017. (PDF) Abgerufen am 2. Januar 2019.
  2. RAG DEUTSCHE STEINKOHLE AG, ESSEN✝. In: northdata.de. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  3. Die Folgen des Bergbaus sind Tagesthema im Saarland. Abgerufen am 15. Januar 2019.
  4. a b Bergwerk Prosper-Haniel, Stand: 20.10.2016
  5. a b RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH, Stand: 20.10.2016
  6. [1]
  7. Subventionsbericht der Bundesregierung, S. 2 (Memento vom 31. Oktober 2008 im Internet Archive) PDF, 92,4 kB
  8. Zufriedene Gesichter nach Kohlegipfel (tagesschau.de) (tagesschau.de-Archiv)
  9. Streit um Ende der Steinkohle beendet (Süddeutsche Zeitung)
  10. Informationen zur Steinkohle (Memento vom 28. April 2011 im Internet Archive) auf der Seite des Bundeswirtschaftsministeriums, abgerufen am 12. April 2011
  11. Staatliche Beihilfen: Kommissionsvorschlag für Ratsverordnung über Stilllegungsbeihilfen für nicht wettbewerbsfähige Kohlebergwerke. Europäische Kommission, 20. Juli 2010, abgerufen am 12. April 2011.
  12. Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe f des Beschlusses des Rates vom 10. Dezember 2010 über staatliche Beihilfen zur Erleichterung der Stilllegung nicht wettbewerbsfähiger Steinkohlebergwerke EUR-Lex abgerufen am 12. April 2011
  13. „Regionalökonomische Auswirkungen des Steinkohlenbergbaus in Nordrhein-Westfalen“. Studie im Auftrag des GVSt, pdf