Deutsche Stiftung Denkmalschutz

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Deutsche Stiftung Denkmalschutz

(DSD)

Logo der Stiftung
Zweck: Denkmalschutz
Vorsitz: Jörg Haspel
Bestehen: seit 1985
Stiftungskapital: 56 Mio. Euro (2013)[1]
Sitz: Bonn
Website: www.denkmalschutz.de

kein Stifter angegeben

Sitz der Stiftung in Bonn

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) ist eine 1985 gegründete private Initiative, die sich die Bewahrung von Kulturdenkmalen und die Werbung für den Gedanken des Denkmalschutzes zur Aufgabe gemacht hat.

Sie hat ihren Sitz seit 2010 in der denkmalgeschützten ehemaligen Bayerischen Landesvertretung in Bonn. Die laufenden Geschäfte der Stiftung unterliegen dem Vorstand, der dem Stiftungsrat verantwortlich ist. Der Vorstand besteht aus Stephan Hansen und Wolfgang Illert. Im Juni 2016 hat der Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als neuen Vorstand. ab 1. September 2016 Benedikt Buhl berufen.[2]

Jörg Haspel ist Vorsitzender und Andreas de Maizière stellvertr. Vorsitzender des Stiftungsrats. Der Stiftungsrat legt nach Abstimmung mit dem Vorstand die Strategie der Stiftung fest und überwacht und berät den Vorstand.

Gottfried Kiesow, Gründer der DSD und von 1994 bis 2010 Vorsitzender des Vorstands, war bis zu seinem Tod im Jahr 2011 Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung in der Nachfolge von Bernhard Servatius.[3]

Von Anfang 2011 bis 2014 war Rosemarie Wilcken Vorstandsvorsitzende, die nun dem neuen Stiftungsrat angehört.[4]

Das Motto der Stiftung lautet Wir bauen auf Kultur. Die Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck.

Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als größte Bürgerbewegung für den Denkmalschutz verfolgt die Stiftung zwei Ziele: Zum einen die Erhaltung und Wiederherstellung bedeutsamer Kulturdenkmale in Deutschland zu fördern. Zum anderen, die Menschen auf die Notwendigkeit der Pflege von Denkmalen aufmerksam zu machen und zur aktiven Mithilfe zu bewegen.

Bewahrung von Kulturdenkmalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden Projekte gefördert, die als Denkmal anerkannt sind und nachweislich als restaurierungswürdig gelten. Über die Vergabe der Mittel entscheidet die ehrenamtlich tätige Wissenschaftliche Kommission der Stiftung, wobei als Kriterien die nicht ausreichende Förderung durch staatliche Mittel oder die durch eine Förderung durch die Stiftung ermöglichten zusätzlichen öffentlichen Mittel gelten. Es können etwa 25 Prozent der beantragten Projekte gefördert werden (Stand 2006); insgesamt konnte die Stiftung bisher für rund 4.500 Denkmale Mittel zur Verfügung stellen. Die Hilfe kam Bürgerhäusern, Kirchen und Schlössern ebenso zugute, wie technischen Bauten und archäologischen Stätten.

Öffentlichkeitsarbeit für Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tag des offenen Denkmals 2006 im Höchster Schloss

Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit sowie durch die von ihr herausgegebene Zeitschrift MONUMENTE – Magazin für Denkmalkultur (6 Ausgaben jährlich) versucht die Stiftung, dem Thema Denkmalschutz eine größere Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zu verschaffen. Zu diesem Zweck wird auch jährlich am zweiten Septemberwochenende der Tag des offenen Denkmals bundesweit von ihr koordiniert. Seit Anfang 2005 gibt die Stiftung das Onlinemagazin Monumente Online heraus. Der Verlag der Stiftung (Monumente Publikationen) trägt durch die Veröffentlichung von Büchern, Spielen, Kalendern und Briefkarten zum Thema Denkmal zum Aufbau und zur Pflege der Förderergemeinde bei.

Es wird auch Schüler- und Jugendarbeit geleistet. Dazu gehört seit 2002 denkmal aktiv − Kulturerbe macht Schule, das Schulprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission. Dabei werden Schüler mit dem Denkmalschutz vertraut gemacht, indem sich deutsche Schulteams in Zusammenarbeit mit Museen und Fachleuten wie Restauratoren, Denkmalpflegern oder Archivaren fächerübergreifend mit einer Denkmalstätte in ihrer Nähe beschäftigen. Ist eine Schule zum zweiten Mal dabei, muss sie mit weiteren Bildungseinrichtungen einen Verbund bilden. Die teilweise sehr umfangreichen Arbeiten der Schüler und Studierenden beinhalten die Entwicklung von Stadt-Spielen, Audio-Guides und Ausstellungen zu denkmalgeschützten Ensembles oder Analysen im Bereich Bewusstsein, Wahrnehmung und Identität in Bezug auf Denkmäler.

Jugendarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum der Stiftung im Höchster Schloß

Junge Erwachsene zwischen 16 und 26 Jahren können in den Jugendbauhütten in einem Freiwilligen Jahr in der Denkmalpflege praktisch und theoretisch an das Thema Denkmalpflege herangeführt werden. Dazu arbeiten sie in Betrieben und Einrichtungen, die in der Denkmalpflege tätig sind und werden mit allen einschlägigen Themen vertraut gemacht.

Das zentrale Projekt Jugendbauhütten der DSD wurde im Jahr 1999 gegründet. Die erste Jugendbauhütte wurde in Quedlinburg mit Jugendlichen geplant und mit der Übernahme des „Linhard-Hauses“ realisiert. Inzwischen wurden diese Projekte in Brandenburg/Berlin, wo die Jugendbauhütte ein kleines Fachwerkhaus und ein Seminarhaus im Kloster Heiligengrabe besitzt und die Jugendbauhütte Görlitz, die mit dem Scharfrichterhaus ebenfalls ein eigenes Seminar- und Unterkunftshaus hat, im Sinne „Der Hütte eine Hütte“ umgesetzt. Die anderen Jugendbauhütten in Duisburg/Raesfeld, Mühlhausen, Romrod, Soest, Stralsund und Wismar werden durch Geschäftsstellen betreut, die Einsatzstellen vermitteln. 2009 eröffneten drei weitere Jugendbauhütten in Regensburg, Stade und, mit dem Schwerpunkt Gartendenkmalpflege, in Potsdam. Insgesamt wurden damit 1.400 Jugendliche an Arbeiten der Denkmalpflege herangeführt. Die Jugendbauhütte Lübeck nahm als 13. Jugendbauhütte der DSD ihre Arbeit am 1. September 2011 auf. Sie wurde im Rahmen eines feierlichen Empfangs der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Lübecker Heiligen-Geist-Hospital am 30. März 2012 offiziell eröffnet.

Finanziert werden Jugendbauhütten zu einem großen Teil von der DSD selbst, aber auch von anderen Stiftungen und Organisationen sowie von Bundesländern, Landschaftsverbänden (NRW) und Kommunen. Viele der Jugendlichen, die ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege in einer Jugendbauhütte hinter sich bringen, machen anschließend ein Studium der Geschichte, der Kunstgeschichte oder eine entsprechende Handwerkerlehre.

Förderprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den geförderten Projekten zählen die Dorfkirche in Behrenhoff, die Fachwerkkirche in Breesen, die Glienicker Brücke, der Lotterhof in Geyer, die Oberkirche in Arnstadt, die Stiftskirche (Pfaffen-Schwabenheim), das Sanatorium Dr. Barner in Braunlage und Schloss Türnich bei Kerpen.

Neben diesen geplanten Förderprojekten leistet die Stiftung auch schnelle und unbürokratische Nothilfen für akut gefährdete Denkmale – wie beispielsweise bei der letzten Hochwasserkatastrophe oder Brandfällen wie in Schloss Ehrenstein in Thüringen.

Für das Jahr 2014 hat die Stiftung bis zur Jahresmitte ungefähr 360 Projekten ihre Unterstützung zusagt. Folgende Förderprojekte werden 2014 u. a. gefördert:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plakette an Förderprojekten

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde 1985 nach dem Vorbild des National Trust in Großbritannien im Schloss Gracht bei Bonn gegründet[5]; sie steht seitdem unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundespräsidenten. Durch die Wende in der DDR im Jahr 1989 stand die noch recht junge Stiftung vor einer großen Aufgabe, da speziell im Osten der neuen Republik viele Gebäude vom Verfall bedroht waren.

Die Zahl der Förderer, sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, beläuft sich auf über 200.000. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat die denkmalgerechte Restaurierung von mehr als 4.300 Denkmalen gefördert. Insgesamt konnten seit der Gründung etwa 500 Millionen Euro für Förderprojekte bereitgestellt werden. Etwa 80 Ortskuratorien unterstützen durch ihre ehrenamtliche Arbeit die Ziele der Stiftung vor Ort.

Dem langjährigen früheren Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Gottfried Kiesow, der auch Kuratoriumsmitglied der Deutschen Stiftung Welterbe war, wurden zahlreiche Ehrenbürgerschaften und Auszeichnungen in Würdigung seines Einsatzes und der Arbeit der Stiftung für den Erhalt historischer Bauwerke verliehen.

25. Jubiläum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DSD konnte am 17. April 2010 ihren 25. Geburtstag feiern. Dies war u. a. Anlass für Rückschau, Bilanz und Standortbestimmung: die DSD veröffentlichte eine Jubiläumsschrift.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. September 2006, dem Tag des offenen Denkmals 2006, wurde die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als „Ort des Tages“ im Rahmen der Aktion „365 Orte im Land der Ideen“ der Initiative Deutschland – Land der Ideen gekürt.

2015 hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit seinem Gütesiegel für den seriösen Umgang mit Spenden ausgezeichnet.[7]

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Juni 1992 präsentiert das ZDF in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Sendereihe Bürger, rettet Eure Städte. Regelmäßig werden historische Baudenkmale und Stadtensembles, die vom Zerfall bedroht sind, kurzfristig vorgestellt.[8][9]

Seit 1990 veranstaltet der Deutschlandfunk gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Benefiz-Konzertreihe Grundton D. Hierbei finden die Musikveranstaltungen in bedrohten Baudenkmalen der östlichen Bundesländer statt, deren Erlös dem Erhalt des jeweiligen Veranstaltungsortes zukommt.[10][11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jährlich erscheinende Jahresberichte
  • Ingrid Scheurmann (Hrsg.): Bewahren – vermitteln – stiften, Deutsche Stiftung Denkmalschutz 1985–2010, 25 Jahre. Wir bauen auf Kultur, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-022-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Jahresbericht 2013, S.41, online
  2. Deutsche Stiftung Denkmalschutz Presse vom 23.06.2016: Wechsel im Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, abgerufen am 29. Juni 2016
  3. Oberste Denkmalschützerin, Der Prignitzer, 7. Januar 2011, abgerufen 14. Januar 2011, 16.50 Uhr
  4. Vorstand und Gremien der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
  5. Auftrag und Geschichte (Memento vom 7. Juli 2007 im Internet Archive)
  6. domradio.de vom 30. April 2010
  7. MONUMENTE 07/2015
  8. ZDF-Redakteur Werner von Bergen zur Sendereihe Bürger, rettet Eure Städte (Memento vom 18. August 2003 im Internet Archive)
  9. Die Sendungen von Bürger, rettet Eure Städte bei Stream-TV
  10. Grundton D auf der Website des Deutschlandfunks
  11. Grundton D auf der Website der Stiftung (Memento vom 6. Oktober 2007 im Internet Archive)