Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

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Die Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG) ist ein Fachverband, der die Soziale Arbeit im Gesundheitswesen fördern und dazu beitragen will, Soziale Arbeit im Gesundheitswesens zu stärken und weiterzuentwickeln. Der Vereinssitz und die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DVSG hat ihren Ursprung in der 1926 gegründeten Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus.

Die Geschichte der Sozialen Arbeit in Krankenhäusern reicht ins Jahr 1896 zurück, wo sich in Berlin die ersten Ansätze finden lassen, für Menschen in Krankenhäusern, neben der medizinischen und pflegerischen Behandlung auch psychosoziale Hilfen durch Fürsorgerinnen zu leisten. In der Berliner Charité fanden erste unterstützende Patientenbesuche von Mitgliedern der „Mädchen und Frauengruppen für Soziale Hilfsarbeit“ statt. Gleichzeitig bauten konfessionelle Vereine in Berlin vergleichbare Aktivitäten auf. Der „Evangelische Verein für kirchliche Zwecke“ und der „Verein zur Fürsorge für die weibliche Jugend“ besuchten Patienten und deren Angehörige in städtischen Krankenhäusern und Siechenanstalten Berlins. Bereits in den Anfangsjahren gab es Einführungskurse und fachliche Unterweisung und bildeten so die ersten beruflichen Ausbildungsbestrebungen in der Wohlfahrtspflege, um Frauen für diese Aufgaben zu qualifizieren.

Im Jahr 1913 berichtete Elsa Strauß, nach einer gemeinsamen Amerikareise mit ihrem Mann, Hermann Strauß (Chefarzt des Jüdischen Krankenhauses Berlin), über die dort geleistete Sozialarbeit im Krankenhaus und deren methodische Ansätze. Ihr Vortrag und dessen spätere Veröffentlichung verhalfen dem neuen Angebot im Krankenhaus zum Durchbruch. In der Folge wurde das „Komitee Soziale Krankenhausfürsorge“ gegründet. Ziel war, in allen städtischen Krankenhäusern Berlins die soziale Krankenhausfürsorge einzurichten bzw. diese auszubauen.

Anfänglich gab es unterschiedliche Arbeitsbedingungen für die Sozialarbeiter. Beispielsweise war der Zutritt zu den Kranken in einigen Häusern nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Patienten mussten ausdrücklich darum bitten, es durften keine Hinweisschilder und Plakate aufgestellt werden. Diese Schwierigkeiten konnten durch die Arbeit des Komitees gelöst werden. Weiterhin übernahmen das Komitee Organisationsaufgaben, regelte den Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte, koordinierte den Erfahrungsaustausch der Mitarbeiter, den Schriftwechsel mit den Behörden und leistete Öffentlichkeitsarbeit. Vorsitzende war Alice Salomon. Mitarbeiterinnen waren bedeutende Frauen der bürgerlichen Frauenbewegung (z. B. Adele Beerensson, SiddyWronsky und Henriette May).

Der Berliner Magistrat stimmte im Jahr 1914 einem entsprechenden Antrag des Komitees zu, in allen Berliner Städtischen Krankenhäusern eine Soziale Krankenhausfürsorge einzurichten, so dass damals in fast allen städtischen Krankenhäusern in Berlin, Charlottenburg und Schöneberg die praktische Arbeit der Krankenhausfürsorgebegann.

Parallel wurde im Jahr 1913 wurde die Krankenhaussozialarbeit in weiteren Städten etabliert. Beispielsweise in Frankfurt am Main durch Jenny Apolant, Minnie Roessler und Lina Weber, in Hamburg durch Maria Philippi und in Breslau durch Hildegard Tietze.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg, die Krankenhausfürsorge in Berlin systematisch an allen Krankenhäusern zu etablieren war die Gründung des Vereins „Soziale Krankenhausfürsorge außerhalb der Charité e.V.“ durch Hedwig Landsberg und Anni Tüllmann.

Schließlich wurde 1926 auf der Ausstellung Gesundheit, Soziales, Leibesübungen (Gesolei) in Düsseldorf die Deutsche Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus gegründet. Die Vereinigung sollte in erster Linie als Studiengesellschaft wirken und Erfahrungen aus dem In- und Ausland sammeln, bearbeiten und vermitteln. In einem Presseaufruf am 25. Oktober 1926 wurden alle Behörden, Körperschaften und Personen, dies sich für den Aufgabenbereich des Fürsorgedienstes im Krankenhaus interessieren, aufgefordert der neuen Organisation beizutreten.

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden im April 1933 alle Mitarbeiter mit jüdischer Konfession, jüdischer Abstammung oder jüdischem Namen aus der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus ausgeschlossen. Betroffen hiervon waren auch der damalige Vorsitzende der Vereinigung Alfred Goldscheider (Direktor der III. medizinischen Universitätsklinik Berlin) sowie die Geschäftsführerin Hedwig Landsberg. Die Vorstellungen der Nationalsozialisten zur Gesundheitspolitik, Erbgesundheitspflege, Rassenhygiene und die Abwendung vom Individualprinzip in der Wohlfahrtspflege wurden von vielen Mitgliedern begrüßt. Es wurde appelliert das Fachwissen und Können im Sinne der Zielvorstellungen des Dritten Reiches einzusetzen. Die Satzung der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus wurde den neuen Bedingungen angepasst und bestimmte, dass nur noch Deutsche arischer Abstimmung Mitglied der Vereinigung werden konnten. Die Deutsche Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus „unterstellte“ sich im April 1935 dem „Hauptamt der Volkswohlfahrt der Reichsleitung der NSDAP“. In der Folge übernahmen bis 1945 führende Vertreter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) den Vorsitz der DVSK.

Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 wurde die Deutsche Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur NSV aufgelöst. Im Dezember 1946 wurde in der Charité die Arbeitsgemeinschaft Berlin der Krankenhausfürsorgerinnen gegründet. Die frühere Geschäftsführerin der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus, Hedwig Landsberg, begann ebenfalls wieder als Krankenhausfürsorgerin in Heidelberg zu arbeiten und initiierte 1949 ein erstes Treffen in Heidelberg. Die damalige Versammlung beschließt die Wiedergründung der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus. Hedwig Landsberg beendet 1951 mit 72 Jahren ihre Tätigkeit als Krankenhausfürsorgerin und widmet sich ausschließlich ihrer Aufgabe als Geschäftsführerin der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus. Der Sitz der Geschäftsstelle war zunächst Heidelberg.

1965 wurde der Verein in Deutsche Vereinigung für den Sozialdienst im Krankenhaus (DVSK) umbenannt.

1971 wurde die Geschäftsstelle nach Mainz verlegt.

2003 beschloss die Mitgliederversammlung die Öffnung des Fachverbandes für alle Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen. Damit wurde neben den traditionellen stationären Bereichen der Sozialdienste in Akutkrankenhäusern und Rehabilitationskliniken auch die Aufnahme von Mitgliedern aus anderen Arbeitsfeldern, wie z. B. ambulanten Beratungsstellen, möglich. Der Name des Fachverbandes wurde angepasst in Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG).

2011 kam es entsprechend der Entwicklungen und Diskussionen in der Sozialarbeit/Sozialpädagogik zu einer Anpassung des Namens in Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG). Der Sitz des Vereins und die Bundesgeschäftsstelle werden nach Berlin verlegt.

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beratung und Information der Mitglieder
  • Förderung einer stärkeren Einbeziehung sozialer Aspekte in Prävention, medizinische Versorgung und Rehabilitation
  • Förderung der Qualität der Sozialen Arbeit durch Richtlinien, Standards, Forschungsvorhaben
  • Inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung durch Erarbeitung von Konzepten, gesundheits- und sozialpolitischen Positionsbestimmungen und Stellungnahmen
  • Beratung und Information von Politik, Verwaltung und Fachöffentlichkeit
  • Kooperation mit Entscheidungsträgern im Gesundheits- und Sozialwesen
  • Förderung und Initiierung von Erfahrungsaustausch und Kooperation innerhalb der Sozialen Arbeit sowie interdisziplinären Zusammenhängen
  • Förderung des fachlichen Austausches zwischen Forschung, Lehre und Praxis
  • Herausgabe einer Fachzeitschrift (FORUM sozialarbeit + gesundheit)
  • Veröffentlichungen
  • Organisation und Durchführung von Fachtagungen und Kongresse
  • Fort- und Weiterbildung
  • Öffentlichkeitsarbeit

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DVSG ist ein eingetragener Verein (e.V.)

Zweck der Vereinigung ist es, die Soziale Arbeit im Gesundheitswesen zu fördern und ihre Bedeutung als Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen durch fachwissenschaftliche Tätigkeit weiter zu entwickeln. Der Satzungszweck wird insbesondere durch die Veranstaltung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, durch Herausgabe einer Fachzeitschrift und durch die Erarbeitung und Herausgabe von Positionspapieren und fachlichen Stellungnahmen auf dem Gebiet des Sozial- und Gesundheitswesens verwirklicht.

Die DVSG veröffentlicht Berichte über die Aktivitäten des Fachverbandes sowie Meldungen über für die Soziale Arbeit im Gesundheitswesen relevanten Themenbereiche.

Die DVSG organisiert Fortbildungen und Kongresse, erarbeitet Publikationen, Stellungnahmen, Positionspapiere und Konzepte. So trägt sie zur Weiterentwicklung des Berufsfeldes und des Gesundheitswesens bei.

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand besteht aus mindestens 6 und höchstens 12 Mitgliedern. Zu Vorstandsmitgliedern können nur natürliche Personen sein. Er wird alle 4 Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglied der Vereinigung können alle natürlichen und juristische Personen, sowie nicht rechtsfähige Vereine werden, die bereit sind, die Soziale Arbeit im Gesundheitswesen zu fördern. Über die Aufnahme beschließt der Vorstand.

Ordentliche Mitgliederversammlungen finden alle zwei Jahre statt. Die Mitgliederversammlung beschließt u. a. über die Wahl des Vorstandes, die Höhe des Jahresbeitrages, die Ernennung von Ehrenmitgliedern der Vereinigung, Satzungsänderungen und Änderungen der Geschäftsordnung.

Beschlüsse werden in der Regel durch einfache Stimmenmehrheit der erschienenen Mitglieder gefasst. Die Beschlüsse sind schriftlich niederzulegen und vom ersten bzw. zweiten Vorsitzenden oder einem Versammlungsleiter zu unterzeichnen.

Beirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beirat der DVSG besteht aus den 1. und 2. Vorsitzenden der DVSG und den entsandten Mitgliedern der Leitung der regionalen Arbeitsgemeinschaften. Stimmberechtigt sind nur die entsandten Mitglieder der Arbeitsgemeinschaften. Der Beirat hat die Aufgabe, den Vorstand in seiner satzungsgemäßen Arbeit zu unterstützen, Interessen und Anliegen der Mitglieder zu beraten und gegebenenfalls Empfehlungen für den Vorstand zu beschließen. Der Beirat tritt mindestens einmal jährlich zusammen. Er tritt auch zusammen auf schriftlichen Antrag der Leitungen von mindestens einem Viertel der Arbeitsgemeinschaften.

Arbeitsgemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DVSG ist in regionalen Arbeitsgemeinschaften und Landesarbeitsgemeinschaften organisiert.

Die Arbeitsgemeinschaften greifen die für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen relevanten Themen regionsbezogen auf, bauen regionale Netzwerke sowohl innerhalb der unterschiedlichen Arbeitsfelder als auch mit anderen Professionen und Akteuren im Gesundheitswesen auf, organisieren Fortbildungen, entwickeln Projekte, setzen diese um und sorgen für Erfahrungsaustausch.

Fachbereiche und Projektgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die inhaltliche Bearbeitung aktueller Themen wird in den Fachbereichen der DVSG organisiert, liegt aber in der Gesamtverantwortung des Vorstandes der DVSG. Neben den Fachbereichen können auch themenspezifische Fachgruppen gebildet werden, zu denen auch externe Experten hinzugezogen werden können.

Die Ergebnisse der Projektgruppen fließen zurück in die jeweilige Fachgruppe und werden mit dem Gesamtvorstand abgestimmt.

Fachbereiche

  • Akutbehandlung
  • Rehabilitation und Teilhabe
  • Onkologie
  • Psychiatrie
  • Geriatrie und Altenhilfe
  • Fortbildung
  • Forschung
  • Gesundheits- und Sozialpolitik
  • Qualitätsentwicklung
  • Öffentlichkeitsarbeit

Projektgruppen

  • Ambulante gesundheitliche Beratung und soziale Ungleichheit
  • Ethik
  • IT
  • Soziale Arbeit in der Palliativversorgung
  • Soziale Arbeit in Pflegeeinrichtungen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Reinicke: Soziale Krankenhausfürsorge in Deutschland - Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2007-9.
  • Peter Reinicke (Hrsg.): Soziale Arbeit im Krankenhaus - Vergangenheit und Zukunft Lambertus Verlag, Freiburg im Breisgau 2001, ISBN 3-7841-1363-X.
  • N. Gödecker-Geenen/H. Nau: Klinische Sozialarbeit. Eine Positionsbestimmung Münster-Hamburg-London: LIT-Verlag, 2002, ISBN 3-8258-5934-7.
  • N. Gödecker-Geenen/H. Nau/I. Weis: Der Patient im Krankenhaus und sein Bedarf an psychosozialer Beratung. Eine empirische Bestandsaufnahme Münster-Hamburg-London: LIT-Verlag, 2003, ISBN 3-8258-6287-9.
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.: DVSG-Fallgruppen für die Sozialarbeit im Gesundheitswesen Berlin 2006, ISBN 3-9811072-0-9.
  • Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG): Produkt- und Leistungsbeschreibung der Klinischen Sozialarbeit. 2. Auflage. 2007, ISBN 3-9811072-4-1.
  • A. Schneider, A. L. Rademaker, A. Lenz, I. Müller-Baron (Hrsg.): Soziale Arbeit – Forschung – Gesundheit. Forschung: bio-psycho-sozial. Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit Band 8. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich, 2013, ISBN 978-3-8474-0078-3.
  • DVSK: Handlungskonzept für Soziale Arbeit im Krankenhaus
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.: Positionspapier Case Management und Soziale Arbeit, Berlin 2008
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.: Grundsatzpapier Soziale Arbeit in der medizinischen Rehabilitation, Berlin 2008
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.: DVSG-Qualitätsmanagement. Leitfaden zum Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems für Klinische Sozialarbeit, Berlin 2011, ISBN 3-9811072-6-8
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.: Positionspapier Ambulante Beratung, Berlin 2013
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.: Positionspapier Entlassungsmanagement durch Soziale Arbeit in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken, Berlin 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]