Deutsche Vermögensberatung

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Deutsche Vermögensberatung AG
Logo der Deutschen Vermögensberatung
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1. Juli 1975
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland
Leitung Andreas Pohl
Mitarbeiter 79 Angestellte plus die Vorstände[1]
Umsatz ca. 1,3 Mrd. Euro[2]
Branche Finanzvertrieb
Website www.dvag.de
Stand: 2016 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2016
Ehemalige Zentrale in Frankfurt auf der Münchener Straße

Die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) ist ein in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätiger Finanzvertrieb. Das Unternehmen wird von der Deutsche Vermögensberatung Holding gesteuert und ist bei der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main gemäß der EU-Vermittlerrichtlinie als gebundener Versicherungsvertreter registriert.[3][4] Das als Strukturvertrieb organisierte Unternehmen wurde 1975 von Reinfried Pohl (1928-2014) gegründet, sein Unternehmenssitz ist Frankfurt am Main.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 14.000 hauptberufliche Handelsvertreter[5] betreuen und beraten 6 Millionen Kunden. Die DVAG setzte im Geschäftsjahr 2016 1,3 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn von 188,8 Millionen Euro. Das Volumen aller vermittelten Verträge (Gesamtbestand) betrug 189,9 Milliarden Euro.[2]

Das Grundkapital betrug 2016 150 Millionen Euro. Es ist aufgeteilt in jeweils 2,5 Millionen Stammaktien und Vorzugsaktien mit einem Nennbetrag von 30 Euro je Aktie. Die Stammaktien sind Namensaktien. Die Familie Pohl hält an der DVAG über die 'Deutsche Vermögensberatung Holding' die Mehrheit von 60 Prozent plus zehn Aktien; die restlichen Anteile hält die Generali Deutschland Holding AG. Das Eigenkapital der DVAG wurde im Geschäftsbericht 2016 mit 625,8 Millionen Euro ausgewiesen und die Eigenkapitalquote mit 53,9 Prozent.

Die DVAG war 2009 einer der zehn größten Gewerbesteuer­zahler in Frankfurt am Main.[6][7]

Die Firma ist auch Eigentümer von Hotelanlagen in Deutschland, Österreich und Portugal.[8]

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wird von einem aus folgenden Personen bestehenden Vorstand geführt:[2]

  • Andreas Pohl (Vorsitzender des Vorstandes)
  • Udo Corts (Unternehmenskommunikation, Unternehmenskoordination, Recht)
  • Hans-Theo Franken (Zentrale Vertriebskoordination, Produkte, Partnergesellschaften, Ausland)
  • Christian Glanz (IT, VB-Service, Verwaltung)
  • Lars Knackstedt (Finanzen, Beteiligungen)
  • Helge Lach (Verbände, Digitale Medien)
  • Robert Peil (Koordination Vertriebsgesellschaften, Marketing, Veranstaltungen)
  • Dirk Reiffenrath (Ausbildung, Berufsbildungszentren)

Aufsichtsrat und Beirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorsitzender des Aufsichtsrates ist seit dem 31. März 2009 Friedrich Bohl.

Vorsitzender des Beirates ist seit 2014 Finanzminister a.D. Theodor Waigel, davor war es Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl.[9] weitere bekannte Beiratsmitglieder sind (Stand August 2017[10]) Rolf-E. Breuer,[11] Rainer Neske[12] Petra Roth[13] Wolfgang Schüssel[14] Hermann Otto Solms und Karl Starzacher.[15]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1975 begann Reinfried Pohl den Aufbau der „Kompass Gesellschaft für Vermögensanlagen GmbH“. Pohl war zuvor von 1967 bis 1969 bei Investors Overseas Services (IOS) tätig und von 1970 bis 1974 bei der Bonnfinanz. Er startete am 1. Juli 1975 mit rund 35 ehemaligen Mitarbeitern der Bonnfinanz.

1976 wurde die „Allgemeine Vermögensberatung AG“ (AVAG) gegründet. 1983 firmierte die AVAG zur „Deutsche Vermögensberatung AG“ um. 1984 traten Reinfried Pohls Söhne, Andreas und Reinfried junior, in die Geschäftsleitung des Unternehmens ein. 1993 gründete das Unternehmen eine österreichische Tochtergesellschaft, die heute unter dem Namen „Deutsche Vermögensberatung Bank Aktiengesellschaft“ firmiert. 2001 begann die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank.

2003 ordnete das Unternehmen seine Struktur neu mit der Schaffung der „Deutsche Vermögensberatung Holding“ mit Sitz in Marburg. 2004 nahm es mit der „SVAG Schweizer Vermögensberatung“ den Geschäftsbetrieb in der Schweiz auf. 2007 übernahm die DVAG den Ausschließlichkeitsvertrieb der AachenMünchener Versicherungen und führt diesen seither in einer eigenständigen Tochtergesellschaft, der „Allfinanz Deutsche Vermögensberatung“. Im gleichen Jahr wurde die FVD in das Unternehmen integriert. 2008 übernahm die DVAG auch den Vertrieb der Deutschen Bausparkasse Badenia.

Partnerunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Generali Deutschland-Gruppe mit Unternehmen wie der AachenMünchener, der Deutsche Bausparkasse Badenia, der Advocard Rechtsschutzversicherung und der Central Krankenversicherung. Über diese besteht darüber hinaus eine Kooperation mit der Krankenkasse BKK Linde.[16]

Für die AachenMünchener Versicherungen ist die DVAG der einzige Vertriebskanal.[17]

Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Deutsche-Bank-Gruppe vertreibt die DVAG seit 2001 Bankprodukte der Deutschen Bank (DB) und Investmentfonds der DB-Tochter DWS. Weitere Partner sind Commerzbank, HypoVereinsbank, DSL Bank, Santander Bank, Allianz Global Investors, RREEF Investment GmbH (ehemals: DB Real Estate Investment GmbH).

Die Deutsche Verrechnungsstelle (DV) mit Sitz in Frankfurt am Main ist auf Rechnungsmanagement für Handwerk und Mittelstand spezialisiert. Sie bietet Produkte und Serviceleistungen, die die Liquidität von Unternehmern sichern. Gegründet wurde sie 2015 von Andreas und Reinfried Pohl.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispielsweise Generali Versicherungs AG, UniCreditbank Austria, Österreichische Postsparkasse, Allianz Global Investors, dws (Austria) Investmentgesellschaft und Pioneers Investments Austria.[16]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispielsweise Generali, PAX, bank zweiplus, bankcoop, ÖKK, Visana, swica, assura, Concordia, Sanitas, und Groupe Mutuel.[18]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Vermögensberatung bietet in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Vermögensberatung (DAV) die Ausbildung zum geprüften Vermögensberater (DBBV) an. Mit dieser Ausbildung qualifiziert die DVAG Brancheninsider ebenso wie Berufsfremde.

Zusätzlich bietet die DAV die klassische Duale Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK) mit der Fachrichtung Finanzen oder Versicherungen und die Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement (IHK) an.

Über die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW), mit einer Dependance in Marburg, besteht eine Zusammenarbeit im Bereich der Hochschulausbildung. Hier können Interessierte parallel fünf Abschlüsse erwerben:

Für eine hauptberufliche Tätigkeit setzt die DVAG folgende Erlaubnisse der Gewerbeordnung voraus:

Die Erlangung der für den § 34d GewO erforderliche Sachkunde erfolgt ebenso, wie die Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung des Finanzanlagenvermittler gemäß § 34f GewO, durch die entsprechende Ausbildung in der DAV.

Aus dem aktuellen Geschäftsbericht ist zu entnehmen, dass die DVAG über 75 Millionen Euro in die Ausbildung investiert. Auch der neu geschaffene § 34i GewO (Vermittlung von Darlehen) wird Voraussetzung, um als hauptberuflicher Vermögensberater bei der DVAG tätig werden zu können.

Sportsponsoring und Werbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DVAG ist seit 1996 im Bereich Sportsponsoring aktiv. Sie arbeitete mit zahlreichen Sportlern zusammen, z.B. mit Michael Schumacher[19], Hansi Flick, Florian Hambüchen, Britta Heidemann[20] und Joey Kelly.[21]

Darüber hinaus bestanden in früheren Jahren Sponsoringverträge mit Joachim Löw, Otto Rehhagel, Paul Biedermann, Hubert Schwarz und Nico Hülkenberg. Das Unternehmen war langjähriger Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern.[22]

Mit Michael Schumacher arbeitet das Unternehmen seit 1997 zusammen. Auch nach dessen schwerem Skiunfall im Dezember 2013 wird der bestehende Sponsoring-Vertrag fortgeführt. Im Februar 2016 wurde anlässlich der 20-jährigen Partnerschaft die Michael-Schumacher-Ausstellung in Marburg eröffnet.[23]

Es bestehen Partnerschaften mit dem Deutschen Fechter-Bund, der Nationalmannschaft der Fechter und einigen Fußball-Landesverbänden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschäftsmodell von Strukturvertrieben ist bei einigen Verbraucherschützern umstritten. Nach der Wiedervereinigung wurden in den neuen Bundesländern viele Unfall- und Kapitallebensversicherungen verkauft, was nach Darstellung von Kritikern teils nicht dem Bedarf der Beratenen entsprach.[24]

Prozess gegen Buchautor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DVAG versuchte, per Unterlassungsklage Äußerungen aus einem Buch verbieten zu lassen, dessen Autor ein ehemaliger Mitarbeiter ist.[25] Das zuständige Oberlandesgericht Frankfurt am Main wies die Klage der DVAG durch Urteil vom 22. Januar 1998 ab.[26] Der Bundesgerichtshof ließ eine Revision nicht zu.[27] Eine daraufhin von der DVAG eingereichte Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen.[28]

Urteil der Stiftung Warentest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Untersuchung durch die Stiftung Warentest kam diese zu folgendem Ergebnis: „Im Idealfall besteht eine gute Finanzberatung aus einer gründlichen Analyse des Kundenstatus, passenden Produktvorschlägen und klaren Informationen über Laufzeit, Risiken und Kosten der Geldanlagen. Vor allem die Angaben zu den Kosten der Produkte waren im Test oft unzureichend. Testkunden hatten nach solchen Beratungen keine Ahnung, wie hoch die Kosten für die angebotenen Produkte sind. Komplettausfälle bei der Beratung kamen nur vereinzelt vor.“ Im Bereich der Produktempfehlung wurde dadurch ein „Gut“ verfehlt.[29]

ZDF-Bericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Bericht des ZDF wird in einem konkreten Fall eine nicht bedarfsgerechte Beratung kritisiert. Ebenso geht es um die in der Form einer Pyramide strukturierte Hierarchie des Unternehmens und die Verträge, die mit den Vermögensberatern geschlossen werden.[30]

Verflechtungen mit der Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die enge Verflechtung mit ehemaligen Politikern wie zum Beispiel Helmut Kohl, Theo Waigel, Bernhard Vogel, Horst Teltschik, Friedrich Bohl, Udo Corts, Petra Roth oder Guido Westerwelle wird wegen möglicher Einflussnahmen auf Gesetzesinitiativen (Anlegerschutzgesetze o.ä.) teilweise kritisch betrachtet.[31][32]

Im Parteispendenbericht 2012, herausgegeben Anfang 2014, bemängelte Abgeordnetenwatch, dass die DVAG kurz vor dem Beschluss zur staatlich geförderten Pflegetagegeldversicherung große Summen gespendet habe. Der Beschluss brachte den Finanzvermittlern die Aussicht auf hohe Provisionen. Im Jahr 2012 betrug die Spendenhöhe an die CDU 320.000 Euro, an die SPD 50.000, die Spenden an die FDP stehen noch vor der Veröffentlichung. Dabei hatte die DVAG gestückelte Spenden von bis zu 50.000 Euro vorgenommen, die nicht unmittelbar veröffentlicht werden mussten, sondern erst Anfang 2014 als Gesamtsumme. Auch diese Stückelung wurde von Abgeordnetenwatch kritisierte, da die Höhe der Spenden auf diese Weise lange unbemerkt blieb. Abgeordnetenwatch sprach diesbezüglich vom „Anschein von gekaufter Politik“ und forderte, Unternehmensspenden komplett zu verbieten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Vermögensberatung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschäftsbericht 2016 Seite 82
  2. a b c Geschäftsbericht 2016
  3. Impressum Deutsche Vermögensberatungs AG - Registrierungsnummer nach § 34d GewO: D-LYYB-BSPX5-17. In: dvag.de. Abgerufen am 8. März 2017 (deutsch).
  4. Vermittlerregister: Recherche. In: vermittlerregister.info. Deutscher Industrie- und Handelskammertag, abgerufen am 8. März 2017.
  5. dvag.de 19. Oktober 2016
  6. Wirtschaft in Frankfurt Gewinnerin in der Krise Frankfurter Rundschau vom 12. Januar 2010.
  7. Geschäftsbericht 2016 (pdf)
  8. Geschäftsbericht 2016, S. 77 f. (pdf)
  9. Pressemitteilung 1. April 2014
  10. Homepage
  11. ehemals Vorstandssprecher der Deutsche Bank AG
  12. Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
  13. Oberbürgermeisterin a. D. der Stadt Frankfurt am Main (CDU)
  14. Bundeskanzler a. D. der Republik Österreich
  15. hessischer Finanzminister 1995-1999 (SPD)
  16. a b Geschäftsbericht 2016, S. 45
  17. DVAG künftig einziger Vertriebsweg für Aachen Münchener (Memento vom 14. Juli 2007 im Internet Archive) vom 23. November 2006.
  18. Schweizer Vermögensberatung.
  19. DVAG Teamblog – Michael Schumacher.
  20. Britta Heidemann wirbt weiter für die DVAG Horizont vom 14. Juli 2010.
  21. Übersicht der DVAG-Sportpartner
  22. 1. FC Kaiserslautern (Memento vom 20. Februar 2008 im Internet Archive)
  23. DVAG – Pressemitteilung. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original, abgerufen am 16. August 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/www.dvag-pressemitteilungen.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  24. Bund der Versicherten (Memento vom 5. Oktober 2006 im Internet Archive) vom 29. November 2001.
  25. Wolfgang Dahm: Beraten und Verkauft. Die Methoden der Strukturvertriebe. Gabler Verlag, 1996, ISBN 978-3-409-14194-9.
  26. OLG Frankfurt am Main, 22. Januar 1998, Az. 6 U 237/96.
  27. BGH, Beschluss vom 15. Oktober 1998, Az. I ZR 42/98.
  28. BVerfG, Beschluss vom 18. Februar 2004, Az. 1 BvR 2121/98, Volltext.
  29. Finanzvermittler – Maßarbeit ist Glückssache – Pressemitteilung – Stiftung Warentest
  30. Beraten und verkauft? Milliardengeschäft Vermögensberatung (Memento vom 4. Juli 2013 im Internet Archive) in der Mediathek des ZDF.
  31. Außenminister hielt Vortrag bei FDP-Großspender auf abgeordnetenwatch.
  32. Richtig GePohlt. Das politische Netzwerk der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). (Nicht mehr online verfügbar.) In: abgeordnetenwatch.de. Ehemals im Original, abgerufen am 16. August 2017 (PDF; 80 kB, Darstellung des politischen Beziehungsgeflechts der DVAG).@1@2Vorlage:Toter Link/blog.abgeordnetenwatch.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)

Koordinaten: 50° 6′ 30″ N, 8° 40′ 20″ O