Deutsche Zentrale für Globetrotter

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Deutsche Zentrale für Globetrotter
(dzg)
Zweck: Gemeinschaft von Reisenden
Vorsitz: Norbert Lüdtke
Gründungsdatum: 1974
Mitgliederzahl: 800 (2900 seit Gründung)
Sitz: Berlin[1]
Website: globetrotter.org

Die Deutsche Zentrale für Globetrotter e. V. (dzg) ist mit etwa 800 Mitgliedern in 23 Ländern die größte ideelle und nicht-kommerzielle Gemeinschaft von Globetrottern in Europa und der älteste Globetrotterverein neben dem englischen Globetrotters Club.

Geschichte[Bearbeiten]

1974 gründeten Ludmilla Tüting, Friedemann von Engel, Lutz Fehling, Norbert Denninghaus, Erich Drönner, Peter Fritze, Werner Göcke, Wolfgang Köhler, Reinhold Korte und Hannelore Vasel den Verein. Als Vorbild diente der 1948 in England gegründete Globetrotters Club. Idee und Name kamen von Ludmilla Tüting, die in ihrem 1972 erschienenen Globetrotter-Handbuch Von Alaska bis Feuerland die 1. Deutsche Zentralstelle für Globetrotter im Impressum angab. Dieser alternative Reiseführer verkaufte sich 70.000 Mal. Darauf kam es 1974 in Hagen zu einem Treffen und zur Vereinsgründung.

Insgesamt hatte die dzg seit ihrer Gründung 2900 Mitglieder.

In den neunziger Jahren veruntreute der damalige Vorsitzende Teile der Vereinskasse. Er legte diesen Sachverhalt von sich aus der Mitgliederversammlung offen dar, schied aus dem Verein aus und zahlte den gesamten Betrag zurück.

Das namensähnliche Unternehmen Deutsche Globetrotter-Zentrale – später Internationale Globetrotter-Zentrale – Interglo, dann Globetrott-Zentrale – hatte keine Verbindungen zum Verein Deutsche Zentrale für Globetrotter. Bernd Tesch gründete es 1975 zunächst als Versand für Reiseführer und richtete später ein Ladengeschäft für Globetrotterausrüstung in Kornelimünster bei Aachen ein.[2]

Ziele[Bearbeiten]

Ziele sind das Sammeln und Weitergeben von Informationen, Suche nach Reisepartnern, Unterstützung beim Vorbereiten von Weltreisen, die Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach Langzeitreisen, völkerverbindende Gedanken sowie die Verbandsarbeit. Der Club fungiert praktisch als Hafen für Gleichgesinnte zwischen den Reisen.

Unter den Mitgliedern finden sich Backpacker, Rucksackreisende, Sahara-Fahrer, Reisemobilisten, Outdoor-Fans, Weitwanderer, Reiseradler und Radreisende, Tramper, Motorradreisende, Unimogfahrer. Sie bezeichnen sich als Globetrotter oder Weltenbummler, ohne dies auf eine bestimmte Reiseform einzuschränken, selten als Traveller oder Reisende. Gekennzeichnet sind sie durch einen ausgeprägten Individualismus. Die Globetrotter identifizieren sich mit ihren Reisen. Die Erfüllung, die der Weltenbummler findet, das Ansehen, das er sich mit seinen Reisen erwirbt, hat für ihn oberste Priorität.

Weil solche Reisen mit dem Berufsleben schlecht vereinbar sind, verbinden viele Globetrotter Beruf und Leidenschaft und arbeiten in der Reisebranche, als Reisebuchautor, als Journalist, als Pilot, beim Ausrüsterhandel, als Reiseleiter.

Die Aktivitäten der dzg werden ehrenamtlich verwirklicht, kommerzielle Interessen über die Selbsterhaltung hinaus werden nicht verfolgt. Service für Nicht-Mitglieder wird zum Selbstkostenpreis erbracht. Die Mitgliederliste mit Reiseländerregister sowie den Kontaktdaten zu den anderen Mitgliedern dient dem direkten Austausch untereinander und ist nur Mitgliedern zugänglich.

Publikationen[Bearbeiten]

Die Zeitschrift „Der Trotter“ erscheint seit 1975. Der Erscheinungsrhythmus ist seit 2007 zweimonatlich. Bisher sind rund 14.000 redaktionelle Seiten erschienen. Inhaltliche Schwerpunkte sind zu etwa 50 % Reiseberichte, Reisebuch-Rezensionen, Termine, Einladungen zu und Berichte von Globetrottertreffen, Hintergrundartikel zum individuellen Reisen sowie Verbandsmitteilungen.

Seit 1996 betreibt die dzg eine Website. Diese enthält ein öffentliches Globetrotterforum mit Reisepartner-Suche, Hintergrundinformationen zum Zweck des Vereins, Informationseinstiege zur Reisevorbereitung, Buchrezensionen sowie einen Mitgliederbereich. In diesem befinden sich Länderinformationen mit Reiseberichten und Downloads der Mitgliederzeitschrift.

Globetrottertreffen[Bearbeiten]

Seit 1974 organisiert die dzg Globetrottertreffen in Deutschland. Das jährliche Sommertreffen am letzten Juni-Wochenende findet in Hachenburg/Westerwald statt. Neben Lagerfeuer und Gesprächen finden Diavorträge und Flohmarkt, Workshops und Lesungen von Reisebuchautoren statt. Hinzu kommen bundesweit etwa 12 Regionaltreffen, ein Herbsttreffen in der Eifel und ein Wintertreffen im Weserbergland.

Handbuch der Globetrotter[Bearbeiten]

Das Selbstreise-Handbuch entstand nach Anfragen seit der Gründung. Häufige Interessen wurden zunächst mit losen Seiten wie der Billigflugliste von Udo Schwark beantwortet, die dann Peter Meyer 1984 zum Info-Heft bündelte, das nach der neunten Auflage 1998 abgelöst wurde vom Selbstreise-Handbuch in zwei Bänden, erstellt von Norbert Lüdtke im Auftrag der dzg, erschienen im Peter Meyer Verlag, Frankfurt am Main.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Der Club und seine Mitglieder nahmen eine 'Vorreiterrolle' ein. Von ihnen wurden Entwicklungen angestoßen, die grundsätzlich und dauerhaft wirken.

Zahlreiche Mitglieder schrieben nicht nur im Trotter über ihre Reiseerfahrungen, sondern veröffentlichten Reiseführer. Deren Bücher, die von ihnen gegründeten Reihen und Verlage beeinflussten den Markt der Reiseliteratur grundlegend und sind bis heute bekannt.

Die frühesten Autoren auf dem Sektor der Individual-Reiseführer schlossen sich zur Reihe Globetrotter schreiben für Globetrotter (GsfG) zusammen, etwa Brigitte Blume, Friedemann von Engel, Rainer Lössl, Jens Peters, Rolf Schettler, Heribert Seul, Ludmilla Tüting … Autoren und Selbstverleger dieser Reihe bildeten mit Helmut Hermann, Edgar Hoff, Peter Rump, Sigrid & Wil Tondok und dem bereits 1976 gegründeten Peter Meyer Verlag 1984/85 die Verlegergemeinschaft Individuelles Reisen e. V. (VIR).

Daraus hervorging der Reise Know-How Verlag. Der Peter Meyer Verlag agiert seit 1991 wieder selbstständig und war weltweit der erste, der seine Reisebücher mit Griffmarken versah. Die Mitglieder Udo Schwark und Gisela Walther waren die ersten, die die Lonely Planet Reiseführer aus dem Englischen übersetzten und nach 1981 im Gisela Walther Verlag verlegten. Auch die Gründer der Verlage Stefan Loose, Michael Müller, Conrad Stein waren Mitglieder der dzg.

Eine Reihe weiterer Mitglieder wurde bekannt, nachdem sie Reiseausrüstung vertrieben und diesen Wirtschaftssektor heute dominieren. So eröffneten Klaus und Erika Därr 1975 mit Expeditionsausrüstungen in München das erste Ladengeschäft der Globetrotter-Szene. Wolfgang Maas und Gerhardt Lauche gründeten 1976 in München Expeditionsausrüstung Lauche und Maas. Klaus Denart gründete 1979 Globetrotter Ausrüstung in Hamburg als ersten norddeutschen Ausrüsterladen und ist heute der größte Reiseausrüster Europas.

Literatur[Bearbeiten]

  • Der Trotter. Die Zeitschrift der Globetrotter. Deutsche Zentrale für Globetrotter dzg (Hrsg.) ISSN 1860-9031.
  • Das Selbstreise-Handbuch. Erstellt von Norbert Lüdtke im Auftrag der Deutschen Zentrale für Globetrotter (Hrsg.). Peter Meyer Verlag, Frankfurt am Main.
  • Outdoor – Tipps, Tricks und Kniffe für Abenteurer auf Weltreise. Erstellt von Norbert Lüdtke im Auftrag der Deutschen Zentrale für Globetrotter (Herausgeber). Peter Meyer Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-89859-506-3.
  • Edith Kresta, Günter Ermlich: Welterprobte Althippie. In: taz. Magazin Dossier 11./12. März 2000, über Ludmilla Tüting.
  • Der Trotter. Sonderausgabe zum Trotter 100: Geschichte der Globetrotter. Herausgegeben von Norbert Lüdtke im Auftrag der Deutschen Zentrale für Globetrotter. Düsseldorf 1999. Bezug über www.globetrotter.org
  • Norbert Lüdtke: Die Vielfalt droht zu kippen. In: taz. 15. Juli 2006.
  • Reiner Leinen: Gibt es ein Leben nach der Reise? Globetrotter entdecken neben der Welt vor allem sich selbst. In: Frankfurter Rundschau. 17. Juli 1999.
  • Christiane Grefe: Reisen. Reihe Kleine Philosophie der Passionen. dtv, 1998, ISBN 3-423-20163-0.
  • Willy Bremkes: Einen auf Globi machen. In: touristik report. 1. März 1985.
  • Brigitte Zander: Der Traum vom anderen Reisen. In: stern. 8/1984
  • Ariane Barth: Die Globetrotter: Aus allen Zwängen fliehen. In: Der Spiegel. 14/1983.
  • Maria Zimmermann: Die Welteroberer mit dem Schlafsack. Globetrotter, die Einzelgänger in der Reisegesellschaft. In: Saarbrücker Zeitung. 7./8. Juli 1979.
  •  Aufbruch in die Todeszone. In: Der Spiegel. Nr. 28, 1979 (online).
  • Klaus Betz: Sie treffen sich in Bombay und helfen sich in Rio. Globetrotter haben Freunde auf der ganzen Welt. Ihre Clubs, ihre Literatur, ihre Ausrüstung. In: Süddeutsche Zeitung. 9. November 1978.
  •  Ein Sarg schwimmt auf dem Blauen Nil. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1978 (online).
  • Barbara von Ihering: Die Welt in der Tasche. Globetrotter schreiben ihre Reisebücher selbst. In: Die Zeit. Nr. 36/1976.
  • Christiane Grefe: Weg und hin. In: Die Zeit. Nr. 35/1999.
  • Christel Burghoff, Edith Kresta: On The Road Again. Über Hippies, Backpacker und Wanderer. Und über die Lust, den Flow beim alternativen Reisen zu entdecken. Ein Rückblick mit Ausblick. In: taz. 25. Januar 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berlin-Charlottenburg VR 5011 Nz
  2. Vermarktetes Abenteuer. In: Die Zeit. Nr. 15/1978.