Deutscher Anwaltverein

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Deutscher Anwaltverein
(DAV)
Logo Deutscher Anwaltverein
Zweck Wahrung, Pflege und Förderung aller beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Rechtsanwaltschaft und des Anwaltsnotariats
Vorsitz: Edith Kindermann[1]
Gründungsdatum: 1871[2]
Mitgliederzahl: ca. 63.000 (Stand 2020)[3]
Mitarbeiterzahl: 72 (Stand 2020)[4]
Sitz: Berlin[5]
Website: anwaltverein.de

Der Deutsche Anwaltverein (DAV) e.V., Eigenschreibweise DeutscherAnwaltVerein, wurde im Jahre 1871 in Bamberg als Interessenvertretung der deutschen Rechtsanwälte gegründet und hat heute seinen Sitz in Berlin.[6]

Der Verein ist ein Zusammenschluss von Rechtsanwälten auf der Basis der Vereinigungsfreiheit, wobei die Mitgliedschaft in der jeweils zuständigen Rechtsanwaltskammer Voraussetzung ist. Im DAV sind 243 inländische örtliche und 14 ausländische Anwaltvereine organisiert.

Zunächst war der Sitz zehn Jahre in Berlin und bis 1932 war der Deutsche Anwaltverein am Sitz des Reichsgerichts in Leipzig ansässig,[2] unter anderem aus Missbilligung des Umzugs nach Berlin 1932 legte der ab 1924 amtierende Präsident Martin Drucker sein Amt nieder. Nachfolger wurde Rudolf Dix. Letzter Präsident in der Zeit des Nationalsozialismus war Hermann Voß, bevor der Verein im Jahre 1934 durch Walter Raeke aufgelöst und auf Befehl von Hans Frank gleichgeschaltet wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Wiedergründung des DAV auf Initiative des Hamburger Rechtsanwalts und ersten Nachkriegspräsidenten Emil von Sauer mit Sitz in Hamburg bis 1977. Seit dieser Neugründung sind nicht mehr die einzelnen Rechtsanwälte Mitglieder des DAV, sondern jeweils die örtlichen Anwaltvereine, die teilweise in Landesverbänden organisiert sind. Der DAV hatte zwischenzeitlich seinen Sitz in Bonn und ist seit 2000 wieder in Berlin. Hauptgeschäftsführerin ist seit April 2020 Sylvia Ruge.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweck des Vereins ist nach seiner Satzung die Wahrung und Förderung aller beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Anwaltschaft und des Anwaltnotariats. Die Pflege von Gemeinsinn und wissenschaftlichem Geist hat sich der Berufsverband ebenso auf die Fahnen geschrieben. Eine intensive Beschäftigung mit der Gesetzgebung findet in den Gesetzgebungs- und Fachausschüssen statt, die diese durch regelmäßige Stellungnahmen begleiten. Die Ausschüsse sind ehrenamtlich mit Persönlichkeiten aus der Anwaltschaft besetzt. Die Gesetzgebungsausschüsse erarbeiten Stellungnahmen zu wichtigen Gesetzesentwürfen, die Fachausschüsse sind Unterstützung für Vorstand und Geschäftsführung bei verbandsinternen Fragestellungen.

DAV-Ausschüsse bestehen für die Bereiche: Anwaltliche Berufsethik, Anwaltsnotariat, Arbeitsrecht, Aus- und Fortbildung, Außergerichtliche Konfliktbeilegung, Ausländer- und Asylrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Berufsrecht, UIA, DAV-Pressepreis, Deutsche CCBE-Delegation, Elektronischer Rechtsverkehr, Erbrecht, Europäisches Vertragsrecht, Familienrecht, Gefahrenabwehrrecht, Geistiges Eigentum, Gender, Handelsrecht, Informationsrecht, Insolvenzrecht, Medizinrecht, Menschenrechte, Miet- und Wohnungsrecht, Privates Bau- und Architektenrecht, Rechtsdienstleistungsrecht, Reno, RVG und Gerichtskosten, Sozialrecht, Steuerrecht, Strafrecht, Umweltrecht, Verfassungsrecht, Vergaberecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht, Verwaltungsrecht, Zivilrecht, Zivilverfahrensrecht.

Neben diesen Aufgaben widmet sich der DAV über die Deutsche Anwaltakademie der Fort- und Weiterbildung der Anwälte. Um die Qualität anwaltlicher Dienstleistungen sichtbar zu machen und das Fortbildungsengagement der Anwaltschaft weiter zu fördern, hat der DAV im Jahr 2006 die DAV-Fortbildungsbescheinigung geschaffen, die denjenigen Mitgliedern, die sich regelmäßig fortbilden, ausgestellt wird.

Maria-Otto-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein verleiht seit 2010 jährlich an weibliche Mitglieder, die sich in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft besonders ausgezeichnet haben, aber auch an Personen oder Organisationen, die sich in besonderem Maße um die Belange der Anwältinnen verdient gemacht haben, den Maria-Otto-Preis, benannt nach der ersten deutschen Rechtsanwältin Maria Otto.

Arbeitsgemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 30 Arbeitsgemeinschaften bieten den Anwälten Gedanken- und Erfahrungsaustausch und spezialisierte Fortbildung auf ihrem jeweiligen Fachgebiet.[7] Mitglied in einer Arbeitsgemeinschaft des DAV können alle Mitglieder eines örtlichen Anwaltsvereins werden, die sich für die Ziele und Inhalte der einzelnen Arbeitsgemeinschaften interessieren. Die Arbeitsgemeinschaften sind Teilvereine innerhalb des Deutschen Anwaltvereins. Die Arbeitsgemeinschaften werden von einem Geschäftsführenden Ausschuss geleitet, der aus dem Kreis der Mitglieder gewählt wird.

Die Arbeitsgemeinschaften umfassen die Rechtsgebiete der nach der Fachanwaltsordnung geregelten Fachanwaltschaften und einige dort nicht genannte Spezial- und Querschnittsgebiete, wie beispielsweise Allgemeinanwalt, Mediation, Anwaltsnotariat, Kanzleiführung, Internationaler Rechtsverkehr und Syndikusanwälte.[8] Die größte Arbeitsgemeinschaft des DAV ist die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht Zu den nächstgrößten Arbeitsgemeinschaften gehören die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des DAV e.V und die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Es existieren folgende Arbeitsgemeinschaften (alphabetisch geordnet):

  • Agrarrecht
  • Allgemeinanwalt
  • Anwältinnen
  • Anwaltsnotariat
  • Arbeitsrecht
  • Ausländer- und Asylrecht
  • Bank- und Kapitalmarktrecht
  • Bau- und Immobilienrecht
  • Erbrecht
  • Familienrecht
  • FORUM Junge Anwaltschaft
  • Geistiges Eigentum und Medien
  • Handels- und Gesellschaftsrecht
  • IT-Recht (davit)
  • Insolvenzrecht und Sanierung[9]
  • Internationales Wirtschaftsrecht
  • Kanzleimanagement
  • Mediation
  • Medizinrecht
  • Mietrecht und Immobilien
  • Sozialrecht
  • Sportrecht
  • Steuerrecht
  • Strafrecht
  • Syndikusanwälte
  • Transport- und Speditionsrecht
  • Vergaberecht
  • Verkehrsrecht
  • Versicherungsrecht
  • Verwaltungsrecht

Deutscher Anwaltstag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Veranstaltung des DAV ist der jährlich in einem anderen Bundesland stattfindende Deutsche Anwaltstag.[10]

Nr. Datum Ort Motto
65 26.–28. Juni 2014 Stuttgart Freiheit gestalten[11]
66 11.–13. Juni 2015 Hamburg Streitkultur im Wandel – weniger Recht?[12]
67 1.–3. Juni 2016 Berlin Wenn das Strafrecht alles richten soll – Ultima Ratio oder Aktionismus?[13]
68 24.–26. Juni 2017 Essen Innovationen & Legal Tech[14]
69 6.–8. Juni 2018 Mannheim Fehlerkultur in der Rechtspflege[15]
70 15.–17. Mai 2019 Leipzig Rechtsstaat leben[16]

[veraltet]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Kriege ging die Wiederentstehung des Vereins auf die Bemühungen seines ersten Nachkriegspräsidenten Emil von Sauer zurück. Von Sauer hatte zunächst den Hamburgischen Anwaltverein und den DAV-Nord-West gegründet und verwirklichte im Jahr 1948 den Zusammenschluss aller Anwaltsvereine und -verbände zum heutigen Deutschen Anwaltverein. Weitere Präsidenten des DAV seit der Neugründung waren:

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwaltsblatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Anwaltsblatt ist die Zeitschrift des Deutschen Anwaltvereins. Die monatlich erscheinende juristische Fachzeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen in allen Rechtsgebieten. Schwerpunkte sind Anwaltsrecht, Anwaltshaftung, Anwaltsvergütung, Anwaltsmarkt und das Berufsrecht der Rechtsanwälte. Das Anwaltsblatt ist mit über 70.000 Exemplaren vor der Neuen Juristischen Wochenschrift und nach den BRAK-Mitteilungen an zweiter Stelle der auflagenstärksten juristischen Fachzeitschriften im deutschen Sprachraum.[19][20] Herausgeber sind Edith Kindermann, Herbert Schons und Heinz Josef Willemsen.

Katzenkönig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der katzenkönig ist ein erstmals im Juni 2020 erschienenes juristisches Fachmagazin des Deutschen Anwaltvereins, das sich an Studierende und Referendare richtet. Es bietet Informationen rund um das juristische Studium, zur Anwaltschaft und beschäftigt sich mit aktuellen Themen, Nachrichten und Interviews rund um den Anwaltsberuf. Es soll halbjährlich zum Sommer- und Wintersemester veröffentlicht werden. Die Zeitschrift wird kostenlos über Universitätsbibliotheken, Fachbuchhandlungen und Gerichte an Interessenten verteilt. Der Vorgänger Anwaltsblatt Karriere, der seit Mai 2007 erschien, wurde eingestellt. Er hatte eine Auflage von 25.000 Exemplaren.[21] Der Name des Magazins geht zurück auf den sogenannten Katzenkönigfall, einer bekannten Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1988.

Deutsche Anwaltauskunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1999 betreibt der DAV die Deutsche Anwaltauskunft, ein Online-Portal, auf dem neben Adressen von Rechtsanwälten auch Kurzmeldungen zu Gerichtsurteilen, Hintergrundberichte, Reportagen, Kommentare und Interviews angeboten werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutscher Anwaltverein (Hrsg.): Anwälte und ihre Geschichte. Zum 140. Gründungsjahr des Deutschen Anwaltvereins, Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 978-3-16-150757-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstand - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  2. a b Geschichte - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  3. Über uns - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  4. Team - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  5. Satzung - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  6. Vereinsregister des AG Berlin-Charlottenburg VR 21116
  7. Vorzüge der Mitgliedschaft - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. Abgerufen am 21. April 2020 (Gute Gründe).
  8. Vorzüge der Mitgliedschaft - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. Abgerufen am 21. April 2020 (Arbeitsgemeinschaften).
  9. Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht - Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht & Sanierung. In: arge-insolvenzrecht.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  10. Startseite - Deutscher Anwaltstag. In: anwaltstag.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  11. 65. Deutscher Anwaltstag in Stuttgart - Deutscher Anwaltstag. In: anwaltstag.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  12. 66. Deutscher Anwaltstag in Hamburg - Deutscher Anwaltstag. In: anwaltstag.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  13. 67. Deutscher Anwaltstag in Berlin - Deutscher Anwaltstag. In: anwaltstag.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  14. 68. Deutscher Anwaltstag in Essen - Deutscher Anwaltstag. In: anwaltstag.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  15. 69. Deutscher Anwaltstag in Mannheim - Deutscher Anwaltstag. In: anwaltstag.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  16. 70. Deutscher Anwaltstag in Leipzig - Deutscher Anwaltstag. In: anwaltstag.de. Abgerufen am 21. April 2020.
  17. PM 01/19: Deutscher Anwaltverein vor Wechsel im Präsidentenamt - Deutscher Anwaltverein. In: anwaltverein.de. 25. Februar 2019, abgerufen am 21. April 2020.
  18. Peter Schulze: BERKOWITZ, (2) Horst Egon. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 52 f.; online über Google-Bücher
  19. Titel-Porträt. (PDF; 2,98 MB) In: anwaltsblatt.anwaltverein.de. 14. Oktober 2019, S. 2, abgerufen am 21. April 2020.
  20. Mediadaten BRAK Mitteilungen BRAK Magazin 2012. (PDF; 308 kB) In: brak-mitteilungen.de. 11. Januar 2012, abgerufen am 21. April 2020.
  21. Titelportrait des Anwaltsblatts Karriere. In: anwaltverein.de. Deutscher Anwaltverein. Abgerufen am 7. September 2012.