Deutscher Künstlerbund

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Der Deutsche Künstlerbund wurde 1903[1] auf Initiative des Kunstförderers Harry Graf Kessler unter maßgeblicher Mitwirkung von Walter Leistikow in Weimar von Lovis Corinth, Max Klinger, Alfred Lichtwark, Max Liebermann u. a. gegründet. Damit konstituierte sich zum ersten Mal eine überregionale Künstlervereinigung, die über die bisher bestehenden Sezessionen hinausging. Motivation war zunächst das gemeinsame Vorgehen gegen die Bevormundung durch den staatlichen Kunstbetrieb, und zwar mit dem Ziel, die Freiheit der Kunst zu sichern, verschiedenen Strömungen der Kunst ein Forum zu geben und junge Künstler zu fördern.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deckblatt des Ausstellungskatalogs 1904
Plakat Ausstellung des Deutschen-Künstlerbundes
Thomas Theodor Heine, 1905
Ausstellungshaus am Kurfürstendamm

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Dieser Absicht wurde mit Jahresausstellungen in jährlich wechselnden Städten Deutschlands und teilweise auch im Ausland Rechnung getragen. Während die erste Ausstellung 1904 noch in Form eines Gastauftritts bei den Münchener Sezessionisten ausgerichtet worden war[3], veranstaltete der Deutsche Künstlerbund im Jahr darauf zur Einweihung der Räume des neuen Ausstellungshauses der Berliner Secession seine erste eigene Ausstellung, „eine umfassende Generalrevue über die vorhandenen deutschen Kräfte modernen Gepräges […]“, wie es in einer damals zeitgenössischen Kritik der Kunstchronik heißt.

Bis zur erzwungenen Selbstauflösung des DKB am 30. November 1936[4] durch die Reichskammer der bildenden Künste und der vorangegangenen Schließung der Ausstellung in Hamburg 1936 wurde in mehr als 20 Ausstellungen ein bemerkenswertes Spektrum mit hohem künstlerischem Niveau einem großen Publikum zugänglich gemacht. Fast alle Künstler, die in der deutschen Kunst in den ersten drei Jahrzehnten Rang und Namen hatten, waren im Deutschen Künstlerbund integriert und nutzten die Plattform fernab staatlicher Einmischung zur Entfaltung ihrer künstlerischen Ideen. Der Aufschwung und der Durchbruch der Moderne in Deutschland ist eng an die Geschichte des Deutschen Künstlerbundes geknüpft. Auch die 1905 durch Max Klinger im Auftrag des Deutschen Künstlerbundes erworbene Villa Romana in Florenz als Stätte der Kunst legt Zeugnis vom großen kulturpolitischen Engagement des Deutschen Künstlerbundes ab.

Neugründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es waren einige ehemalige Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes wie Karl Hofer, Willi Baumeister, Karl Hartung und Karl Schmidt-Rottluff, die den Deutschen Künstlerbund Ende Dezember 1950 in Berlin wieder begründeten; zur Unterscheidung zum ersten DKB zunächst unter dem Namen Deutscher Künstlerbund 1950.[5] Die Konstituierung des ersten Vorstandes erfolgte erst Anfang 1951, im selben Jahr fand auch die erste Ausstellung in den Räumen der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin statt. Sie knüpften an die Tradition einer unterbrochenen Moderne an, besannen sich auf die Vorsätze aus den Gründungsjahren und setzten sich wieder für die Freiheit der Kunst ein. Nicht nur mit der Fortführung der jährlich wiederkehrenden Ausstellungen, sondern auch mit zahlreichen kulturpolitischen Initiativen griffen sie in das kulturelle und politische Leben Nachkriegsdeutschlands ein.

Dieser Neuanfang blieb nicht unkritisiert: es gab grosse Proteste gegen Hofer's Vorstellung einer Kunst, die nach der NS-Diktatur vornehmlich abstrakt zu sein hatte.[6] Figürlich arbeitende Künstler sahen sich als zu Unrecht verfemt, selbst wenn sie künstlerisch unverfänglich in dieser Richtung arbeiteten.[7] Analog zur neugegründeten Bundesrepublik fand dieser Diskurs auch in der DDR statt; dort unter der Bezeichnung "Formalismusstreit".

Mitglieder des neuen DKB-Vorstandes (1951)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 (Ehrenpräsident: Theodor Heuss)

  • Erster Vorsitzender: Karl Hofer
  • Zweiter Vorsitzender: Karl Schmidt-Rottluff  •  Dritter Vorsitzender: Karl Hartung
  • Schriftführer: Hans Kuhn  •  Schatzmeister: Adolf Hartmann
  • Beisitzer:

Willi Baumeister, Karl Caspar, Werner Gilles, Erich Heckel, Bernhard Heiliger, Max Kaus, Karl Kluth, Gerhard Marcks, Ewald Mataré, Toni Stadler sowie Edwin Redslob (ehemaliger Reichskunstwart bis 1933)

Geschäftsführer war der Kunsthistoriker Eberhard Seel.

Zur Jury des DKB, welche über Preise, Stipendien und Mitgliedsanträge entschied, gehörten außer einigen obengenannten noch Curth Georg Becker, Ernst Geitlinger, Georg Meistermann, Edwin Scharff, Ernst Schumacher und Fritz Winter.[8]

Impulse durch den Deutschen Künstlerbund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Künstlerbund gehört zu den Gründungsmitgliedern des Kunstfonds, der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, der Privatinitiative Kunst (PIK), der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und der Sektion Bildende Kunst im Deutschen Kulturrat. Er ist förderndes Mitglied der Villa Romana in Florenz. Er war wesentlich an der Neuregelung für das Künstlersozialversicherungsgesetz und an der Ausarbeitung des Nutzungsrechts von Kunstwerken beteiligt.

Bereits 1974 wurde ein Ausstellungshonorar für die in seinen Ausstellungen vertretenen Künstlerinnen und Künstler eingeführt. Auf Anregung des damaligen Vorsitzenden Georg Meistermann wurde die Sammlung des Bundes gegründet, die der Künstlerförderung und der staatlichen Repräsentation im öffentlichen Raum dient. Im Rahmen der Diskussion über die Errichtung einer Deutschen Nationalstiftung veranstaltete der Deutsche Künstlerbund 1978 ein Kolloquium, dessen Ergebnisse die Konzeption und Errichtung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland wesentlich förderten. Aber auch mit seinen großen Jahresausstellungen bot der Deutsche Künstlerbund, der 1990 als erste Institution eine Sonderschau von Künstlern der DDR zeigte, vielen Künstlern ein Podium.

2003 feierte der Deutsche Künstlerbund sein 100-jähriges Bestehen als eine der ältesten und renommiertesten Künstlervereinigungen in Europa. Gleichzeitig war die damit verbundene letzte "Jahresausstellung" (gleichzeitig Jubiläumsausstellung '100 Jahre Deutscher Künstlerbund')[9] ein Zeichen dafür, daß dieses Ritual im neuen Jahrtausend ersetzt werden musste durch die ebenso regelmäßig stattfindenden DKB-Jahresprojekte. Es geht heute mehr um die öffentliche Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen Impulsen, als um die bloße Selbstdarstellung der Vereinsmitglieder.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit gehören dem Deutschen Künstlerbund rund 690 bildende Künstlerinnen und Künstler an (Stand im August 2015). Mitglied werden kann prinzipiell jede/r in Deutschland lebende professionelle Künstler/in, unabhängig von der Nationalität. Ein Aufnahmeverfahren prüft Professionalität und Qualität der künstlerischen Arbeit. Eine Mitarbeit ist wünschenswert, nicht aber Bedingung für die Mitgliedschaft im Deutschen Künstlerbund. Ein Ziel dieses Zusammenschlusses bildender Künstler/innen sind kontinuierliche inhaltliche und selbst-reflexive Diskussionen aktueller Fragen der Kunstproduktion. Der Deutsche Künstlerbund vertritt mit unabhängiger Stimme die Interessen der aktiv arbeitenden zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler - und damit auch die Freiheit und Vielschichtigkeit der Kunst - gegenüber Politik, Ausstellungsinstitutionen und Kunstmarkt.

Kulturpolitische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die aktive ehrenamtliche Mitarbeit in mittlerweile 24 Gremien, Kuratorien und Ausschüssen, die an der Erarbeitung gesetzgebender Regelungen beteiligt sind, vertritt der Deutsche Künstlerbund die Interessen einer großen Anzahl in Deutschland arbeitender Künstlerinnen und Künstler. So hat er einen Sitz im Sachverständigenkreis für Kunst am Bau beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ist Mitglied der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, des Deutschen Kulturrates, der Initiative Urheberrecht, der Villa Romana in Florenz. Er kooperiert u.a. mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV), mit der Künstlersozialversicherung KSK, der Stiftung Kunstfonds, der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und vielen weiteren kulturpolitisch und kunst-rechtlich relevanten Organisationen. Ein neueres Arbeitsfeld ist die Vertretung der Interessen der Künstler/innen und der Kunst auf europäischer Ebene.

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2001 veranstaltet der Künstlerbund im Projektraum in Berlin Tagungen, Aufführungen und Ausstellungen, zu denen sowohl Mitglieder als auch (lokale bis internationale) Gäste eingeladen werden. Auch landesweit bietet der Deutsche Künstlerbund Ausstellungen, Symposien und Kolloquien zu aktuellen Themen an. Sowohl Vorstandsmitglieder als auch andere Mitglieder des Künstlerbundes konzipieren und realisieren in ehrenamtlicher Arbeit teils aufwändige künstlerische und kulturpolitische Projekte, die oft viele Kunstschaffende, Kunstwissenschaftler/innen und Interessierte einbeziehen. Manche Projekte münden in einzelne Veranstaltungen, andere werden über Jahre fortgeführt, einige Projekte wirken bundesweit oder international.

Beratungen und Informationen für Bildende Künstler/innen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Künstlerbund beteiligt sich an der Entwicklung beratender Instrumente für Kunstschaffende. Dies umfasst z.B. rechtliche und organisatorische Fragen rund um internationale Reise- und Ausstellungstätigkeit und Stipendien (siehe das Portal Touring Artists der IGBK), Urheberrecht (in Kooperation mit der VG Bild-Kunst), Kunst am Bau / Kunst im öffentlichen Raum.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harry Graf Kessler: Der deutsche Künstlerbund. In: Kunst und Künstler. Illustrierte Monatsschrift für Bildende Kunst und Kunstgewerbe, Jg. 2, Berlin 1904, S. 191-196
  • Walter Leistikow: Über den deutschen Künstlerbund und die Tage in Weimar. In: Die Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 19. Jg., 1903/04, Heft 9, S. 201-205
  • Kunstreport. Der Deutsche Künstlerbund im Überblick: 1903–1995. Sonderausgabe Winter 1994/95. Deutscher Künstlerbund, Berlin 1995, ISBN 3929283085.
  • Martina Wehlte-Höschele, 1993: Der Deutsche Künstlerbund im Spektrum von Kunst und Kulturpolitik des Wilhelminischen Kaiserreichs., Dissertation an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg am Kunsthistorischen Institut, 11. Mai 1994
  • Myriam Maiser, Der Streit um die Moderne im Deutschen Künstlerbund unter dem ersten Vorsitzenden Karl Hofer. Eine Analyse der Ausstellungen von 1951 bis 1955, Diss. Berlin 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutscher Künstlerbund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes ... seit der Gründung 1903 (abgerufen am 24. August 2015)
  2. Dieser Absatz beruht auf der Selbstdarstellung der Geschichte des Künstlerbundes: Deutscher Künstlerbund – Tradition und Zukunft, Berlin 2007
  3. Ausstellungskatalog X. Ausstellung der Münchener Sezession: Der Deutsche Künstlerbund (in Verbindung mit einer Ausstellung erlesener Erzeugnisse der Kunst im Handwerk), Verlagsanstalt F. Bruckmann, München 1904 (73 fotogr. Abbildungen)
  4. Marianne Lyra-Wex: Die Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes im Hamburger Kunstverein 1936. in: 1936 verbotene Bilder. 34. Jahresausstellung Bonn, Deutscher Künstlerbund e.V., Berlin 1986. (S.19)
  5. kuenstlerbund.de: Statut Deutscher Künstlerbund 1950 / Aufgaben und Ziele (abgerufen am 21. September 2015)
  6. Der Kunststreit um die Moderne (abgerufen am 25. Juli 2016)
  7. spiegel.de: Rabiat wie ein Religionskrieg
  8. Deutscher Künstlerbund 1950: Erste Ausstellung: 1. August - 1. Oktober 1951, Gesamtherstellung Brüder Hartmann, Berlin 1951. Ausstellungskatalog (ohne Seitenangabe)
  9. s. DKB-Ausstellungskatalog Herbarium der Blicke. Neuaufnahmen im Deutschen Künstlerbund, rheinsatz, Köln 2003.