Deutscher Naturschutzring

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Deutscher Naturschutzring e. V.
(DNR)
Logo des Deutschen Naturschutzrings
Zweck: umweltpolitische Koordinations- und Lobbyarbeit
Vorsitz: Präsident Kai Niebert; Generalsekretär Florian Schöne; Geschäftsführerin Helga Inden-Heinrich.
Gründungsdatum: 1950 in München
Sitz: Berlin
Website: www.dnr.de

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) ist der Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen. Er wurde 1950 gegründet und hat heute (2016) 91 Mitgliedsverbände mit zusammen mehr als fünf Millionen Einzelmitgliedschaften. Dem DNR gehören u.a BUND, NABU, der Deutsche Alpenverein, der Deutsche Wanderverband, der Deutsche Tierschutzbund, der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher (VdHK), der Bundesverband Beruflicher Naturschutz e.V. (BBN) sowie der Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST) an. Die Mitgliedsorganisationen spiegeln die Vielfalt der deutschen Natur- und Umweltbewegung und die Bandbreite ihrer Themen wieder.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf Initiative von Hans Klose, dem Leiter der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, gründeten Vertreter von 19 Verbänden am 26.08.1950 im Münchener Hofbräuhaus den Deutschen Naturschutzring (DNR). Die Initiative zur Gründung ist bezeichnenderweise von der staatlichen Naturschutzverwaltung, der ehemaligen "Reichsstelle für Naturschutz" (die sich über Zwischenstufen zum heutigen "Bundesamt für Naturschutz" entwickelt hat) ausgegangen. In der Anfangszeit war der Dachverband unter anderem geprägt von Wolfgang Engelhardt als führende Person.[1] Er war von 1951 bis 1962 ehrenamtlicher Geschäftsführer des Deutschen Naturschutzringes, von 1964 bis 1968 Vizepräsident und von 1968 bis 2000 dessen Präsident. Der Referendar aus der Bayerischen Staatsforstverwaltung Hubert Weinzierl wurde 1964 ins Präsidium berufen und war von 2000 bis 2012 Präsident. Von Dezember 2012 bis Februar 2015 war Hartmut Vogtmann Präsident. Seit November 2015 ist der Nachhaltigkeitsexperte Prof. Dr. Kai Niebert Präsident. Der 1979 geborene ist der jüngste Präsident in der Geschichte des Dachverbands.[2]

Die Geschäftsstelle befand sich von 1950 bis 1971 in München und von 1972 bis 2011 in Bonn, während in Berlin ab 1991 eine politische Geschäftsstelle mit der EU-Koordination und dem Redaktionsbüro aufgebaut wurde. Im Januar 2012 wurde die Geschäftsstelle nach Berlin in die Nähe des Deutschen Bundestages (Marienstraße 19-20) verlagert.

Im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland hat der DNR das Europäische Naturschutzjahr 1970 und 1995 ausgerichtet.[3] Das bildete einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des DNR.

Er ist Mitglied im NATUROPA CENTER und die nationale Verbindungsstelle für Naturschutz beim Europarat.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Als Dachverband betreibt der DNR umweltpolitische Koordinations- (nach innen) und Lobbyarbeit (nach außen) auf Bundesebene. Er greift regional, national und international bedeutsame Themen auf und koordiniert hier die Aktivitäten seiner Mitgliedsorganisationen. Da sich die Aufgaben des Natur-, Tier- und Umweltschutzes seit Langem vergrößert haben, beschränkt sich die Lobbyarbeit nicht mehr nur auf den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten und die Einrichtung von Schutzgebieten. Auch Freizeit, Tourismus, Verkehr, Stadtökologie, Generationengerechtigkeit, gesellschaftliche Transformation, Energie- und Wirtschaftspolitik haben sich zu wichtigen Arbeitsgebieten entwickelt. Durch die EU-Koordination werden Themen auf europäischer Ebene aufbereitet.

Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Verbändegespräche der Bundeskanzlerin, des Umweltministeriums (BMUB) und der Umweltministerkonferenz mit den Umweltverbänden hat der DRN die Koordinationsrolle inne. Er sorgt dafür, dass relevante umweltpolitische Themen auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Zu aktuellen und dringenden Fragen des Natur-, Tier- und Umweltschutzes erarbeitet der DNR Stellungnahmen und setzt diese in der Lobbyarbeit bei Regierungen, Ministerien, öffentlicher Verwaltung und Wirtschaftsverbänden ein. Öffentliche Veranstaltungen, Projekte und Fachtagungen zu relevanten Themen werden organisiert. Zu weiteren Aufgaben gehören der Dialog mit Vertretern aus Wissenschaft, Medien, Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Sport- und Tourismusverbände etc., bspw. im Rahmen von Veranstaltungen und Kooperationen.

Als Service-Leistungen für die Mitgliedsorganisationen, Verbände und Behörden erscheint die monatliche Zeitschrift umwelt aktuell - Informationen für Deutschland und Europa mit einem Überblick über alle aktuellen Gesetze und Positionspapiere zu fachlichen und strategischen Fragen. Das Redaktionsbüro erstellt außerdem die elektronischen Informationsdienste Info-Service und EU-News für die Umwelt- und Naturschützer in den Mitgliedsverbänden.

Neben dem Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem jeweiligen Bundesland gehört er zu den Veranstaltern des zweijährlich stattfindenden Deutschen Naturschutztag (DNT). Als Vertreter der Natur- und Umweltschutzverbände ist er für die Koordinierung und inhaltliche Ausrichtung der Fachveranstaltungen verantwortlich.

Der DNR ist Rechtsträger für das Forum Umwelt und Entwicklung und die Kampagne „Meine Landwirtschaft“. Diese beiden Netzwerke zivilgesellschaftlicher Organisationen sind mit ihren Büros in der Geschäftsstelle des DNR ansässig. Das Forum Umwelt und Entwicklung koordiniert seit 1992 die Aktivitäten deutscher Umwelt- und Entwicklungsorganisationen zu nachhaltiger Entwicklung in nationalen und internationalen Politikprozessen. „Meine Landwirtschaft“ setzt sich als Zusammenschluss von über 45 Organisationen für eine Agrarwende ein und ist Mitorganisator der jährlichen Großdemonstration „Wir haben es satt!“ anlässlich der Grünen Woche.

Für das in Gründung befindliche Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE i.G.) hat der DNR zurzeit die Rechtsträgerschaft übernommen.

Präsidium[Bearbeiten]

  • Präsident: Kai Niebert
  • Vizepräsident Leif Miller
  • Vizepräsidentin Undine Kurth
  • Schatzmeister Sebastian Schönauer
  • Elisabeth Emmert
  • Gerlinde Hoffmann
  • Ludwig Sothmann
  • Ludwig Wucherpfennig
  • Martin Geilhufe, Vertreter der Jugendorganisationen
  • Ehrenpräsident (und Präsidiumsmitglied) ist der von 2000 bis 2012 als Präsident amtierende Hubert Weinzierl.

Geschäftsstelle[Bearbeiten]

  • Generalsekretär ist seit dem 1. Januar 2016 Florian Schöne[4]
  • Geschäftsführerin Helga Inden-Heinrich
  • Leiterin der EU-Koordination Bjela Vossen
  • Projektstellenleiter des Forum U&E Jürgen Maier
  • Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ Jochen Fritz.
  • Leiter des Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE i.G.) Dr. Torsten Ehrke

Projekte und Arbeitsgruppen[Bearbeiten]

Seit 1998 wird der Weiterbildungskurs DNR-Kurs ZukunftsPiloten zur Qualifizierung junger Umweltaktiver organisiert. Der Kurs wurde bisher vom DNR getragen, von der Bewegungsakademie durchgeführt und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziert.

Der DNR betreibt seit Jahrzehnten kontinuierlich Projektarbeit zu umwelt- und gesellschaftspolitisch bedeutsamen Themen. Dazu gehörten Atomausstieg – selber machen, Null Quecksilber, Geschlechtergerechtigkeit im Natur- und Umweltschutz, Business and Biodiversity, Generationen-Gerechtigkeit, EU-Ressourcenpolitik u.v.m.

Weitere aktuelle Projekte des DNR sind:

  • Projekt Mission Kommission zum Empowerment deutscher Umweltverbände in EU-politischen Zusammenhängen
  • Projekt Lust auf Zukunft! zu Ökologischer Gerechtigkeit und Transformation
  • Projekt Fit fitter Refit zur Aktuellen Entwicklung der EU-Umwelt-, Energie- und Klimapolitik
  • Projekt Reform des Bundesberggesetzes zu Umwelt- und Ressourcenschutz und Reform des Bundesberggesetzes

Der DNR ist als Dachverband oder über Vertreter*innen selbst Mitglied in zahlreichen Organisationen und Gremien.[5] S.40 ff. Neben anderen Organisationen ist er Träger der jährlichen Großdemonstration Wir haben es satt! anlässlich der Grünen Woche.

Kritik[Bearbeiten]

Kritiker des Umwelt-Dachverbandes bemängeln, der DNR sei zu schwerfällig und durch die Eigeninteressen der großen Mitgliedsverbände sowie durch innerverbandliche Hierarchie und Bürokratie gelähmt. Gelegentlich wurde auch kritisiert, der DNR wolle die gesamte Naturschutz- und Umweltbewegung repräsentieren, während ihm wichtige Organisationen nicht oder nur vorübergehend angehörten. Greenpeace und der WWF Deutschland waren nur einige Jahre Mitglied. In den 1980er Jahren traten zahlreiche Verbände aus.[6] Entgegen der Kritik von zu großer Staatsnähe spiegelt die heutige Zusammensetzung des Präsidiums mit Vertreter*innen aus kleinen und großen Natur-, Tier- und Umweltschutzverbänden die Breite der deutschen Umweltbewegung wieder.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Natur- und Umweltschutz: Daten und Hintergründe – Deutscher Naturschutzring (DNR), 1998, S. 90
  2. http://www.dnr.de/presse/presseinformation-28112015.html
  3. Vom Naturschutz zur Nachhaltigkeit 2010, S. 19.
  4. http://www.dnr.de/aktuell/berufung-des-neuen-dnr-generalsekretaers.html
  5. http://www.dnr.de/downloads/leistungsbericht-2013.pdf
  6. Helmut Röscheisen: Der Deutsche Naturschutzring, Seite 89 ff.