Deutscher Verband für Landschaftspflege

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Deutscher Verband für Landschaftspflege
(DVL)
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 4. Juni 1993
Sitz Ansbach
Motto „Wir lieben Landschaft“
Schwerpunkt Landschaftspflege mit Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunen
Aktionsraum Deutschland/Europa
Personen Josef Göppel
Mitglieder 170 Landschaftspflegeorganisationen
Website www.lpv.de

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) e. V. ist gemeinnütziger Dachverband der Landschaftspflegeverbände, Landschaftserhaltungsverbände, Biologischen Stationen und vergleichbare Vereinigungen in Deutschland. Er wurde am 4. Juni 1993 in Berlin gegründet.

155 Landschaftspflegeorganisationen arbeiten deutschlandweit mit gut 20.000 Landwirten, 3.000 Kommunen und 1.000 Verbänden zusammen. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege vertritt die Interessen seiner Mitglieder und engagiert sich im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und der Naturschutzförderprogramme der Bundesländer für die Landschaftspflege. In Zusammenarbeit mit örtlichen Landschaftspflegeverbänden organisiert der DVL Modellprojekte zu Themen aus Landwirtschaft und Naturschutz, beispielsweise zu Natura 2000, nachwachsenden Rohstoffen, Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen oder zur Regionalentwicklung.[1]

Der Vorstand besteht gleichberechtigt aus Vertretern von Politik, Landwirtschaft und Naturschutz. Diese Drittelparität ist im Logo des DVL durch die drei stilisierten Bäume dargestellt.[2] 1. Vorsitzender und Gründungsmitglied ist der ehemalige Bundestagsabgeordnete Josef Göppel. Die Bundesgeschäftsstelle des DVL sitzt in Ansbach in Mittelfranken. Länderbüros und Koordinationsstellen unterstützen die Bundesgeschäftsstelle in den Bundesländern.

Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband

  • vertritt die Interessen der Landschaftspflegeverbände in Deutschland
  • fördert den Erfahrungsaustausch auf europäischer, Bundes-, Landes- und regionaler Ebene
  • führt Modellprojekte zu aktuellen Fragen in Landwirtschaft und Naturschutz durch – oft in Zusammenarbeit mit örtlichen Landschaftspflegeverbänden
  • unterstützt Initiativen bei der Gründung neuer Landschaftspflegeverbände

Aufbau und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein. Den engen Vorstand bilden je ein Vertreter des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Politik:[3]

  • 1. Vorsitzender: Josef Göppel, MdB a. D.
  • stellvertretender Vorsitzender: Florian Meusel
  • stellvertretende Vorsitzende: Ute Grothey

In jedem Bundesland unterstützen Länderbüros und Koordinationsstellen die dortigen Mitglieder.

Der DVL ist Mitglied des Deutschen Naturschutzrings.

Themenfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agrar- und Regionalpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband arbeitet intensiv an der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP), der Naturschutzförderprogramme der Bundesländer, der Europäischen Strukturfonds (EFRE, ESF), der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ des Bundes (GAK) oder des EU-Förderprogrammes LIFE zur Umsetzung von Natura 2000. Der DVL äußert sich darüber hinaus zur Novellierung von Gesetzesvorhaben, wie zum Beispiel zum Bundesnaturschutzgesetz, den Naturschutzgesetzen der Bundesländer oder dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.[4]

Erhalt der Biologischen Vielfalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutz und Erhalt der Biologischen Vielfalt gehört zu den Kernaufgaben der Landschaftspflegeverbände. Mit Artenhilfsprojekten, Artenagenturen und Kampagnen ist der DVL mit seinen Mitgliedern aktiv im Schutz der Biodiversität. Der DVL setzt sich in zahlreichen Projekten für den Arten- und Lebensraumschutz ein, z. B. für die Haselmaus, seltene Ackerwildkräuter oder für gebietsheimisches, autochthones Saatgut.[5]

Extensive Beweidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Regionen Deutschlands haben Tierhaltung und standortgerechte Beweidung nicht nur Landschaften geprägt, sondern auch zu einer enormen Artenvielfalt in der Kulturlandschaft geführt. Im Naturschutz und in der Landschaftspflege gilt die Beweidung auch heute noch als wichtigste Nutzungs- und zugleich Pflegeform, um kostengünstig den Erhalt von Artenvielfalt und Landschaftsschutz zu verbinden. Der DVL erarbeitet im Verbund mit europäischen Partnerorganisationen die notwendigen Rahmenbedingungen, um die extensive Weidewirtschaft in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU zu verankern.[6]

Energie und Klimaschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimaschutz, Landwirtschaft und Landschaftspflege sind eng verbunden, ob durch die energetische Nutzung von Landschaftspflegematerial, die Erprobung von alternativen Energiepflanzen zum Mais oder die Verminderung von Emissionen durch schonende Nutzung organischer Böden. Der DVL unterstützt die Energiegewinnung aus Landschaftspflegematerial und Wildpflanzen ein.[7]

Gewässerschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intakte Gewässer sind nicht nur Heimat vieler Pflanzen- und Tierarten, sondern übernehmen auch wichtige ökologische Funktionen in der Landschaft. Der DVL unterstützt die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.[8]

Landschaftspflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Aktivitäten des Verbandes im Bereich der Landschaftspflege zählen

  • Management von Ausgleichsmaßnahmen
  • Unterstützung von Schäfern und Extensiv-Rinderhaltern
  • Erhalt und Neuanlage von Landschaftselementen
  • Umsetzung von Maßnahmen in Natura 2000 Gebieten
  • Naturschutzberatung in der Landwirtschaft[9]

Ausgewählte Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

100 Äcker für die Vielfalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ackerwildkäuter wie Kornblume, Frauenspiegel und Sommeradonisröschen waren durch viele Jahrhunderte bunte Begleiter der Nahrungsmittelerzeugung auf den Äckern. Zunehmender wirtschaftlicher Druck auf die Landwirtschaft und daraus resultierende Intensivierung und Perfektionierung der Saatgutreinigung und Unkrautbekämpfung mit Herbiziden führten in den letzten Jahrzehnten zu einem immer stärkeren Artenschwund im Lebensraum Acker. Heute steht jede zweite Ackerwildkraut-Art in mindestens einem Bundesland Deutschlands auf der Roten Liste. Der DVL beteiligt sich am Aufbau eines bundesweiten Netzwerks zum Schutz von Ackerwildkräutern, die ackerwildkrautfreundlich bewirtschaftet werden.[10]

Bayerns UrEinwohner – Naturerbe braucht Pflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DVL engagiert sich mit den bayerischen Landschaftspflegeverbänden in der Artenschutzkampagne „Bayerns UrEinwohner“ für die Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. Als „UrEinwohner“ werden Tiere oder Pflanzen ausgewählt, die stark bedroht oder besonders regionaltypisch sind. Mit ideenreichen Aktionen in der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit wecken die Landschaftspflegeverbände das Bewusstsein für die heimischen Arten. Sie vermitteln die Faszination und Einzigartigkeit der Arten und ihrer Lebensräume und die Notwendigkeit der Landschaftspflege.[11]

MULLE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MULLE unterstützt Interessierte in Naturschutz, Kommunen und Landwirtschaft bei der Energieerzeugung aus Landschaftspflegematerial. Landschaftspflegematerial fällt überall an, wo Landschaft gepflegt wird. Dazu zählt Mähgut von Feuchtwiesen, von Magerwiesen, von Mooren oder auch Schnittgut von Hecken. Statt das Material als Abfallstoff entsorgen zu müssen, unterstützt der DVL seine Verwertung in Biogasanlagen. Im 2012 erschienenen Kurzleitfaden „Vom Landschaftspflegematerial zum Biogas“ beschäftigen sich Lutz Landschaftspfleger und Bauer Emil Energisch mit der Vergärung des „wilden Grünzeugs“.[12]

Naturschutzberatung für schafhaltende Betriebe Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Abstimmung mit dem Landesverband Thüringer Schafzüchter hatte der DVL das Projekt „Naturschutzberatung für schafhaltende Betriebe in Thüringen“ konzipiert. In diesem Projekt ging es darum, ausgewählten schafhaltenden Betrieben in Thüringen durch gezielte einzelbetriebliche Beratung hilfreich zur Seite zu stehen. Es handelte sich dabei insbesondere um Schäfereien mit einem hohen Anteil an Naturschutzflächen, bei denen es einen großen Beratungsbedarf für Fragen des angewandten Naturschutzes gibt. Ziel der Bemühungen war es, die Pflege und Bewirtschaftung von wertvollen, artenreichen Offenlandbereichen (z. B. orchideenreiche Magerrasen) zu optimieren und so zu deren Erhalt und zur Erhöhung der Artenvielfalt beizutragen.[13]

Deutscher Landschaftspflegetag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich veranstaltet der Verein eine Jahrestagung – den Deutschen Landschaftspflegetag. In Fachforen werden aktuelle Themen aus Politik, Naturschutz, Landwirtschaft und Energiewende aufgegriffen. Zur Zusammenarbeit aus Wissenschaft und Praxis sind Vertreter aus Politik, Verwaltung, Landschaftspflege und Landwirtschaft, Forst und Naturschutz eingeladen.

Deutscher Landschaftspflegepreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Landschaftspflegepreis würdigt herausragende Leistungen zum Erhalt und Entwicklung unserer Kulturlandschaften und wird jährlich verliehen. Es können vorbildliche Projekte und engagierte Personen ausgezeichnet werden. An Stiftungen oder Unternehmen kann für deren herausragendes Engagement ein Sonderpreis vergeben werden.[14]

Stiftung Deutsche Landschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung Deutsche Landschaften wurde am 12. Juli 2002 vom Verband gegründet. Sie fördert den Schutz, die Pflege und die nachhaltige Entwicklung der natürlichen, kulturellen und sozialen Vielfalt deutscher Landschaften.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aufgaben des DVL. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  2. Landschaftspflegeverbände - Bündnisse für Mensch und Natur. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  3. Der Vorstand des DVL. Deutscher Verband für Landschaftspflege, abgerufen am 18. Januar 2013.
  4. Agrar- und Regionalpolitik. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  5. Erhalt der Biologischen Vielfalt. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  6. Extensive Beweidung. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  7. Energie und Klimaschutz. Deutscher Verband für Landschaftspflege, abgerufen am 2. September 2019.
  8. Gewässerschutz. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  9. Landschaftspflege. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  10. Schutz von Ackerwildkräutern. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  11. Bayerns UrEinwohner. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  12. MULLE - Landschafts-Energie-Projekt. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  13. Naturschutzberatung für schafhaltende Betriebe (Memento vom 14. Februar 2013 im Internet Archive). Website der Landschaftspflegeverbände in Thüringen. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  14. Deutscher Landschaftspflegepreis. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  15. Stiftung Deutsche Landschaften. Website der Stiftung Deutsche Landschaften. Abgerufen am 18. Januar 2013.