Deutscher Werkbund Berlin

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Der Deutsche Werkbund Berlin e.V. ist ein 1949 gegründeter Landeswerkbund des 1907 gegründeten Deutschen Werkbundes mit Sitz in Berlin.

Seine ersten Vorsitzenden waren Heinrich Tessenow, Walter Rossow und Julius Posener. Die Bestrebungen des Berliner Werkbundes galten und gelten der humanen Gestaltung der Umwelt – von den Dingen des täglichen Gebrauchs über das Wohnen, die Stadt, das Land bis zur Sicherung der biologischen Lebensgrundlagen. Sein Ziel ist die Intensivierung des Verantwortungsbewusstseins des Einzelnen für die soziale und kulturelle Entwicklung und mit ihr die Förderung der Qualität.

Zielsetzung und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg galten alle Anstrengungen dem Wiederaufbau. Werkbundmitglieder wie Max Taut, Hans Scharoun, Wils Ebert, die Brüder Hans und Wassili Luckhardt, Hubert Hoffmann, Paul Baumgarten, Eduard Ludwig und Walter Rossow griffen zu Beginn der 1950er Jahre die Idee einer Bauausstellung auf. Auf der Grundlage des Wiederaufbauwettbewerbes von 1953 wurde das Hansaviertel zum Ort einer internationalen Bauausstellung. Die Interbau von 1957 setzte architektonische und städtebauliche Maßstäbe und propagierte die ‚Stadt von morgen‘. Sie wurde von Bundespräsident Theodor Heuss eröffnet. Bereits 1952 hatte er die Gründung des Rates für Formgebung initiiert.

Ein frühes Beispiel der Verbraucherberatung ist die Berliner Wohnberatung, die der Werkbund Anfang der 1960er Jahre unter der Leitung von Charlotte Eiermann einrichtete.

Innenstadtsanierung und fortdauernde Wohnungsnot führten zum Bau von Großsiedlungen. Bei den Planungen für das Märkische Viertel und die Gropiusstadt waren zahlreiche Werkbund-Mitglieder beteiligt. Kritik und Weiterentwicklung der Großsiedlungen bleiben bis heute ein Thema – aktuell im Zusammenhang mit der Debatte über schrumpfende Städte. Die Wiederbelebung der ‚Innenstadt als Wohnort‘ und die Reaktion auf städtebauliche Fehlentwicklungen wie die Kahlschlagsanierung mobilisierte viele Werkbundmitglieder, die sich auch an der Internationalen Bauausstellung 1987 sachlich und fachlich beteiligten. So unterstützte der Werkbund Berlin zu Hoch-Zeiten der Berliner Kahlschlagsanierung das ‚Büro für Stadtsanierung und Soziale Arbeit/Basisgruppe Kreuzberg‘ bei der Durchführung einer Wanderausstellung zu Konzepten der erhaltenden Stadterneuerung.

Neben der Einmischung in aktuelle stadtentwicklungspolitische Fragen rückten zunehmend Themen des Erinnern und Bewahrens und die mit ihnen verknüpften gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Probleme in den Vordergrund der Werkbundarbeit. Aus dem Kreis des Werkbundes ist 1985 die Initiative zum Umgang mit dem Gestapo-Gelände entstanden, die die Gründung der Stiftung Topographie des Terrors betrieb. Die Bewahrung wertvoller Bausubstanz war ein Thema, das in engagierter Weise Julius Posener besetzte. Er beteiligte sich auch 1988 an dem vom Werkbund gegründeten Ludwig-Hoffmann-Seminar zum Erhalt des Rudolf-Virchow-Krankenhauses. Für diese Initiative wurde der Berliner Werkbund mit dem Kritikerpreis der Akademie der Künste ausgezeichnet.

Als 1990 das Problem der Stadtvereinigung und Stadtentwicklung der beiden jahrzehntelang getrennten Teile Berlins gelöst werden musste, trug der Werkbund Berlin wesentlich mit dazu bei, dass das Stadtforum Berlin gegründet wurde und damit ein stadtweiter öffentlicher Dialog zwischen Bürgern, Interessenvertretern, Politik, Verwaltung und Fachdisziplinen ermöglicht wurde.

Klassische Themen des Werkbundes „vom Sofakissen bis zum Städtebau“ sind zentrale Aufgaben geblieben. Veranstaltungen zu ökologische Fragen mit Hans Peter Dürr, Otto Schily und Ernst Ulrich von Weizsäcker, zu Fragen der Arbeitsgesellschaft mit Hermann Glaser und in diesem Zusammenhang der Blick auf das „Büro der Zukunft“ als gemeinsames Projekt zwischen Werkbund und Industrie- und Handelskammer 1996, schließlich die Tagung zum 90-jährigen Jubiläum des Deutschen Werkbundes 1997 „Von der Bonner zur Berliner Republik – Öffentlichkeit und Öffentlicher Raum in Berlin“ verdeutlichen das breite Spektrum an Themen und Arbeitsfeldern.

Der Umgang mit der Nachkriegsmoderne in Berlin ist ein Thema, mit dem sich der Werkbund in besonderem Maße auseinandersetzt. Mit der Ausstellung „Wiederentdeckt – Wiederbesucht: Vorbildliches im Berliner Stadtbild“ wurde 2002 in der Werkbund-Galerie ein erster Akzent gesetzt. Die Basis der Auswahl bildeten 49 Artikel einer Tagesspiegel-Serie, die von 1961 bis 1965 über „exemplarische Leistungen der hiesigen Architektur nach Kriegsende“ unter dem Titel Vorbildliches im Berliner Stadtbild berichtete. Diese Serie, die sich ausschließlich auf den Westteil der Stadt bezog, wurde von dem damaligen Feuilleton-Chef Wolf Jobst Siedler initiiert und von den Werkbundmitgliedern Walter Rossow, Hans Scharoun und Peter Pfankuch juriert. Für den Ostteil Berlins fehlte bisher eine entsprechende Bestandsaufnahme, die die Vielfalt des modernen Bauens ebenso berücksichtigt wie die Umstände der Entstehung. Mit der Wanderausstellung und dem Begleitbuch Ost-Moderne – Architektur in Berlin 1945–1965 hat der Werkbund eine Lücke in der Baugeschichte Berlins geschlossen und zudem einen Beitrag zur politischen Bildung und Baukultur auch außerhalb Berlins geleistet. Die Eröffnung fand im Mai 2004 in der Humboldt-Universität Berlin statt, danach hat die Ausstellung zahlreiche Stationen durchwandert.

Eine weitere Ausstellung befasste sich mit dem Architekten Bruno Taut, der ein frühes Werkbundmitglied war. 1880 in Königsberg geboren, emigrierte Bruno Taut 1933 über die Schweiz nach Japan und 1936 in die Türkei, wo er bis zu seinem Tod 1938 in Istanbul lebte. Aus Anlass seines 125. Geburtstages widmete ihm der Berliner Werkbund die Ausstellung „Bruno Taut – Meister des farbigen Bauens in Berlin“ und ein Begleitbuch. Bruno Taut war Architekt, Stadtplaner, Designer, Humanist, Idealist, Sozialreformer, Utopist und vor allem Künstler. Intellekt und Gefühl spiegeln sich in seinen Siedlungsbauten der 1920er Jahre in Berlin und verleihen ihnen einen einzigartigen Charakter. Mit sparsamen Mitteln, sorgfältigen Details und Einbeziehung von Außenwohnräumen hat Bruno Taut die Wohn- und Lebensräume reformiert. Raffinesse und Sparsamkeit in den Formelementen lassen seine Architektur traditionsbewusst und neuartig zugleich erscheinen. Die Qualität der Architektur von Bruno Taut liegt nicht zuletzt in ihrer expressiven Farbigkeit, die ein Markenzeichen seines Werkes geworden ist.

Die Ausstellung, die durch das Auswärtige Amt gefördert wurde, ist als Wanderausstellung zweisprachig deutsch/englisch konzipiert. Erstmals werden Bruno Tauts Berliner Wohnanlagen und Siedlungsbauten systematisch dargestellt. Es wird ein umfassender Überblick über das architektonische Werk, dessen Entstehungsphasen, Sanierungsmaßnahmen, Verfahren im Denkmalschutz und den gegenwärtigen Zustand gegeben. Der Ausstellungskurator und Architekt Winfried Brenne hat grundlegende Beiträge zur Wiedergewinnung und zum Erhalt des Taut'schen Erbes geleistet. Die analytische Sorgfalt und die handwerklichen Erfahrungen bei der hier geleisteten Arbeit sowie die Sanierungsergebnisse sind von exemplarischem Wert für die vielerorts gefährdeten Bauzeugnisse des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung wurde als Preview im Mai 2005 in der Technischen Universität Berlin gezeigt und wanderte durch die türkischen Goethe-Institute Istanbul, Ankara und Izmir, im Dezember 2005 war sie auch im Kulturinstitut Adana zu sehen. Bis 2016 wurde die Ausstellung in mehr als 30 Ausstellungsorten weltweit gezeigt.

Das 100-jährige Werkbund-Jubiläum 2007 war Anlass, sich mit den Wurzeln des frühen Werkbundes und seiner herausragenden Persönlichkeiten zu beschäftigen. Friedrich Naumann (1860–1919) war ein Werkbundmann der ersten Stunde. Julius Posener nannte ihn den frühen Chef-Ideologen des Werkbundes, der durch seine programmatischen Schriften nicht nur im Vorfeld der Gründungsphase aktiv beteiligt war, sondern 1908 die erste Werbebroschüre Deutsche Gewerbekunst für den Werkbund geschrieben hat. Darin hat er den Begriff der Qualitätsarbeit in seiner wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung formuliert und das Selbstverständnis des Werkbundes nachhaltig geprägt. Am 28. September 2004 wurde im Berliner Abgeordnetenhaus die Ausstellung „Friedrich Naumann – Leben, Werk, Wirkung“ der Friedrich-Naumann-Stiftung gezeigt, die an die Leistungen ihres Namensgebers in Politik, Wirtschaft und Kultur erinnerte und durch Texttafeln des Berliner Werkbundes ergänzt wurde. Die Ausstellung steht in Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe „Zwischen Kunst und Industrie“, in der in einer kritischen Reflexion Impulse des frühen Werkbundes aufgegriffen und in einen gegenwartsbezogenen Zusammenhang gestellt werden, denn der Blick auf die Vergangenheit schärft die Sicht für Gegenwart und Zukunft. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Deutschen Werkbundes 2007 wurden Ausstellungen in München und Berlin gezeigt, dazu ist ein umfassender Katalog erarbeitet worden.

Der Umbau der Werkbund Galerie in einen polyfunktionalen Ausstellungsort 2009 ermöglichte es, eine interdisziplinäre Begegnungsstätte in der City West zu schaffen. Die städtebauliche Weiterentwicklung der

City West hat der Berliner Werkbund seither sowohl kritisch als auch konstruktiv begleitet. Er möchte dazu beitragen, Grundlinien einer Gesamtstrategie für den wichtigen und attraktiven innerstädtischen Bereich der City West zu entwickeln. Eine koordinierte Gesamtstrategie ist die Voraussetzung dafür, die City West unter städtebaulichen und kulturellen sowie wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten zukunftsfähig zu gestalten. Seit 2016 ruft der Berliner Werkbund die junge Studenten-Generation auf, sich mit aktuellen Fragestellungen der Stadtentwicklung auseinanderzusetzen und für ausgewählte Situationen an verschiedenen Orten in der City West visionäre Ideen und strategische Konzepte zu entwickeln. Er lädt renommierte Universitäten und Hochschulen zu Ideenwettbewerbe ein und vergibt für herausragende Arbeiten den „Förderpreis Werkbund Berlin“. Die Themen waren bisher: 2016: Neugestaltung Quartier am Zoo, 2017 Umgestaltung des Ernst-Reuter-Platzes, 2018: Umgestaltung des Areals An der Urania.

„This ist modern – Deutsche Werkbund Ausstellung Venedig 2014“ war der Titel der Ausstellung des Berliner Werkbundes, die anlässlich der 14. Architektur-Biennale 2014 und des einhundertjährigen Jubiläums der Deutschen Werkbund Ausstellung Köln 1914 in Venedig im Palazzo Ca’Tron gezeigt wurde. Es ging um die Fragestellung heutiger moderner Architektur und Gestaltung: 22 Architekturbüros aus Deutschland wurden gebeten, ihre Position und Haltung in einer Entwurfsaufgabe darzulegen. Die Aufgabe bestand in einer Auseinandersetzung mit dem Deutschen Pavillon in Venedig, dessen Abriss vor einigen Jahren vom Präsidenten der Bundesarchitektenkammer gefordert wurde. Gedanklich wurde jetzt das Gebäude als baufällig eingestuft und den Architekten so die Möglichkeit eines Neubaus an gleicher Stelle eingeräumt. Die Frage nach den Grundlagen der heutigen Architektur wurde mit der Frage nach dem Erkenntnisgewinn von 100 Jahren Moderne verknüpft, in der Suche nach einer angemessenen Haltung im eigenen architektonischen Schaffen, nach dem Selbstverständnis und der Einbindung des eigenen Schaffens in den Kontext weiterer Gestaltungsaufgaben. Der Ausstellungskatalog ist im Jovis Verlag erschienen.

Der Berliner Werkbund präsentierte aus Anlass des Deutschen Werkbundtages vom 23. bis 25. September 2016 die Planungen für die WerkBundStadt Berlin, eines neuen Stadtquartiers in Berlin-Charlottenburg.

Seit Jahren setzt sich der Berliner Werkbund mit zentralen Fragen zum Wohnungsbau in der Hauptstadt auseinander. Es war vorgesehen, dass die WerkBundStadt wird auf einem rund 29.000 Quadratmeter großen Areal eines ehemaligen Tanköllagers am Spreeufer entstehen sollte. Insgesamt waren 1.100 Wohnungen geplant, davon etwa 330 mietpreisgebunden. 33 namhafte Architekturbüros entwickeln und gestalten das Projekt gemeinschaftlich. Mit der WerkBundStadt sollten stadträumlich und architektonisch die Voraussetzungen geschaffen werden für ein sozial, demografisch, kulturell und funktional vielfältiges urbanes Quartier, in dem keine Autos parken und durch das Nachbarn und Spaziergänger ungehinderten Zugang zum Spreeufer haben. Das Konzept der WerkBundStadt setzte weder auf einen klassischen Siedlungsbau, noch auf Gated Communities oder Town Houses. Seine Finanzierung sollte nach dem Prinzip einer sozial verantwortlichen Investorenschaft erfolgen, die sich den innovativen Projektansatz zu eigen macht. Das Projekt Werkbundstadt Berlin wird auf dem vorgesehenen Grundstück nicht realisiert werden. Zum Werkbundtag wurde auch die Ausstellung „Bauen und Wohnen. Die Geschichte der Werkbundsiedlungen“ gezeigt. Zu beiden Ausstellungen sind Kataloge im Jovis Verlag erschienen.

Seit 2016 vergibt der Berliner Werkbund in Kooperation mit der Universität der Künste im Zweijahres-Rhythmus den Julius Posener Preis. Erster Preisträger war der Architekturhistoriker Kenneth Frampton aus New York City; 2018 erhielt der Architekt und Stadtplaner Jan Gehl aus Kopenhagen den Preis, der mit 5.000 Euro dotiert ist.

Zum 80. Todestag von Bruno Taut ist im Dezember 2018 das Buch Bruno Taut – Visionär und Weltbürger im Wagenbach Verlag erschienen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 50 Jahre Deutscher Werkbund Berlin e.V. Rückblick – Einblick – Ausblick. Regioverlag, Berlin 1999, ISBN 3-929273-29-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]