Deutscher Wissenschafter-Verband

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Der Deutsche Wissenschafter-Verband (DWV) ist ein Dachverband für studentische Korporationen. Er wurde am 14. Mai 1910 in Kassel aus sieben fachwissenschaftlichen Verbänden mit insgesamt 82 Vereinen zusammengeschlossen. 2009 stellte die letzte seiner Verbindungen den aktiven Betrieb ein.

Entwicklung des Deutschen Wissenschafter-Verbands und seiner Mitgliedskartelle

Zur Geschichte des DWV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1910 schlossen sich sieben fachwissenschaftliche Kartelle bzw. Verbände zum DWV zusammen: Arnstädter Verband, Eisenacher Kartell, Naumburger Kartellverband, Weimarer Kartellverband, Goslarer Kartellverband, Leipziger Verband und Leuchtenburgbund. Die Zeit zwischen den Weltkriegen war von inneren Spannungen in der Couleur- und Mensurfrage geprägt. Schließlich wurde das Tragen von Couleur freigestellt und das studentische Fechten verworfen. Nach weiteren Fusionen der Mitgliedskartelle und auch Austritten wurde 1933 der DWV als Einheitsverband gebildet. 1935 musste der DWV auf Druck von Albert Derichsweiler, dem damaligen Bundesführer des NSDStB, aufgelöst werden.

1953 wurde in Marburg die Wiedergründung beschlossen. Die Verbindungen waren nun überwiegend allgemeinwissenschaftlich ausgerichtet, die fachwissenschaftlichen Kartelle wurden nicht rekonstituiert. Im Jahr 1960 trat der DWV dem Arbeits- und Freundschaftsabkommen zwischen dem Schwarzburgbund (SB) und dem sechs Jahre später aufgelösten Deutschen Burschen-Ring (DBR) bei. Seit 1977 nahmen die DWV-Verbindungen nach eigener Maßgabe auch Studentinnen auf. Aktuell besteht der Verband nur noch aus Altherrenschaften ohne aktive Studentinnen und Studenten.

Als Verbandsblatt wurden die Mitteilungen aus dem Deutschen Wissenschafter-Verband herausgegeben.

Mitgliedskartelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Arnstädter Verband (AV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das wichtigste Gründungskartell war der 1868 entstandene Arnstädter Verband mathematischer und naturwissenschaftlicher Vereine.

Das Eisenacher Kartell (EK)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kartelltag in Eisenach 1896

Im Sommer-Semester 1874 schlossen sich mehrere seit den 1840er Jahren entstandene theologische Vereine zum Kartellverband akademisch-theologischer Vereine auf deutschen und schweizerischen Hochschulen zusammen. 1897 nahm der Verband den Namen Eisenacher Kartell akademisch-theologischer Vereine an. Die Mitgliedsvereine, die keine Farben trugen, trafen sich alle zwei Jahre in Eisenach zum Kartelltag. Als Verbandsblatt wurde die Zeitschrift Theologische Blätter herausgegeben. Im August 1925 traten vier Vereine aus und gründeten das Pflugensberger Kartell, das sich ein Jahr später in Wartburg-Kartell umbenannte. Am 31. Mai 1928 fusionierte das Eisenacher Kartell mit dem Leipziger Kartell zum späteren Schmalkaldener Kartell.

Mitgliedsverbindungen:

  • Akademisch-theologischer Verein Berlin
  • Evangelisch-theologische Verbindung Rheinmark Bonn (auch im LK)
  • Wissenschaftliche theologische Verbindung Wartburg Breslau
  • Akademisch-theologischer Verein Gießen
  • Akademisch-theologischer Verein Göttingen[A 1]
  • Akademisch-theologischer Verein Göttingen
  • Akademisch-theologischer Verein Greifswald
  • Akademisch-theologische Verbindung Vartburgia Halle
  • Akademisch Theologische Verbindung Wartburg zu Heidelberg
  • Akademisch-theologischer Verein Jena
  • Akademisch-theologischer Verein Königsberg
  • Akademisch-theologischer Verein Vitemberga Leipzig
  • Wartburgbund der Theologen Münster (auch im LK)
  • Akademisch-theologische Verbindung Wartburg Tübingen
  • bis 1885 bzw. 1887 gehörten ihm auch Vereine in Bern und Zürich an

Das Göttinger Kartell (GK)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Mai 1920 verschmolzen NKV und der WKV zu dem nach seinem Gründungsort benannten Göttinger Kartell wissenschaftlicher Verbindungen an deutschen Hochschulen (GK). Das GK war ein Korporationsverband nicht-farbentragender Studentenverbindungen und verschmolz am 18. Januar 1926 mit dem LB zum Dornburg-Kartell, welches sich am 9. Juni 1933 auflöste. Die Verbindungen wurden direkte Mitglieder des DWV.

Mitgliedsverbindungen:

Naumburger Kartellverband (NKV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Naumburger Kartellverband philologisch-historischer Vereine an deutschen Hochschulen war im Sommer-Semester 1884 aus seit den 1870er Jahren bestehenden Sonderkartellen altphilologischer Fachvereine entstanden als Cartellverband klassisch-philologischer, später philologisch-historischer Vereine und hatte 1908 den Namen des Tagungsortes Naumburg angenommen. 1920 verschmolz der NKV mit dem WKV zum GK.

Mitgliedsverbindungen:

  • Philologischer Verein Berlin
  • Philologischer Verein Bonn
  • Philologischer Verein Breslau
  • Philologisch-Historische Verbindung Gießen
  • Philologisch-Historischer Verein Göttingen
  • Philologisch-Historische Verbindung Heidelberg
  • Hermunduria Jena
  • Klassisch-Philologischer Verein Leipzig
  • Wissenschaftliche Verbindung Hercynia Marburg
  • Philologisch-Historischer Verein München

Weimarer Kartellverband (WKV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weimarer Kartellverband Philologischer Verbindungen an deutschen Hochschulen war am 28. Juli 1879 als Cartellverband neuphilologischer Vereine an deutschen Hochschulen gegründet worden, die 1890 korporativ wurden, und änderte 1901 seinen Namen nach seinem Tagungsorte Weimar. 1920 verschmolz der WKV mit dem NKV zum GK.

Goslarer Verband (GV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Jahr 1895 gegründete Cartell-Verband Naturwissenschaftlicher und Medizinischer Vereine an Deutschen Hochschulen benannte sich 1898 in Goslarer Kartellverband naturwissenschaftlicher und medizinischer Vereine an deutschen Hochschulen um. Kurz nach seinem Eintritt in den DWV änderte er 1911 seinen Namen in Goslarer Verband naturwissenschaftlicher und medizinischer Vereine an deutschen Hochschulen, trat allerdings schon 1913 wieder aus dem DWV aus. 1921 löste sich der Goslarer Verband auf.

Mitgliedsverbindungen:

  • Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Verein Berlin[A 3]
  • Medizinischer Verein Cheruskia Frankfurt
  • Gotia Freiburg
  • Naturwissenschaftlicher Verein Gießen
  • Naturwissenschaftlich-Medizinischer Verein Göttingen[A 4]
  • Medizinischer Verein Greifswald
  • Medizinischer Verein Halle
  • Naturwissenschaftlich-Technischer Verein Hannover
  • Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Verein Jena
  • Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Verein Königsberg
  • Naturwissenschaftlich-Medizinischer Verein Leipzig
  • Naturwissenschaftlich-Medizinischer Verein Marburg
  • Naturwissenschaftlich-Medizinischer Verein München
  • Naturwissenschaftlich-Medizinischer Verein Münster

Das Leipziger Kartell (LK)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer-Semester 1891 schlossen sich neun theologische Vereine zum Leipziger Verband theologischer Studentenvereine auf deutschen Hochschulen zusammen. Am 4. August 1919 benannte sich der Verband in Leipziger Kartell theologischer Studentenvereine an deutschen Hochschulen um. Die Mitgliedsvereine, die keine Farben trugen, trafen sich alle zwei Jahre zum Kartelltag. Als Verbandsblatt wurden die Nachrichten des Verbandes theologischer Studentenvereine auf deutschen Hochschulen bzw. die Nachrichten des Leipziger Kartells theologischer Studentenvereine herausgegeben. Am 31. Mai 1928 fusionierte das Leipziger Kartell mit dem Eisenacher Kartell zum späteren Schmalkaldener Kartell.

Mitgliedsverbindungen:

  • Theologischer Studenten-Verein Berlin
  • Evangelisch-theologische Verbindung Rheinmark Bonn (auch im EK)
  • Neuer evangelisch-theologischer Studenten-Verein Breslau
  • Theologischer Studenten-Verein Erlangen
  • Theologische Verbindung Concordia Göttingen
  • Theologische Gesellschaft Greifswald
  • Theologische Verbindung Halle
  • Theologischer Studenten-Verein Leipzig
  • Theologischer Studenten-Verein Marburg
  • Wartburgbund evangelischer Theologen Münster (auch im EK)
  • Theologischer Studenten-Verein Rostock
  • Evangelisch-theologischer Studenten-Verein Wittenberg Tübingen
  • Das LK hatte ein loses Verhältnis zum Theologischen Studenten-Verein Dorpat

Der Leuchtenburgbund (LB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Leuchtenburgbund historischer und staatswissenschaftlicher Verbindungen an deutschen Hochschulen ging aus dem 1887 gegründeten Verband historischer Vereine an deutschen Hochschulen, der aber erst allmählich korporativere Form annahm und sich am 1. Juni 1890 erneuerte. Am 1. August 1911 nahm er den Namen Leuchtenburgbund an und erweiterte sich 1921 zum Verbande Historischer und Staatswissenschaftlicher Verbindungen. Ihm gehörten nur nicht-farbentragende Verbindungen an. Am 18. Januar 1926 schloss sich der Leuchtenburgbund mit dem Göttinger Kartell zum Dornburg-Kartell zusammen, das 1933 im DWV aufging. Als Verbandsblatt wurden die Leuchtenburg-Bund-Mitteilungen herausgegeben. Die Verbandstage fanden jährlich zu Pfingsten auf der Leuchtenburg bei Kahla statt.

Mitgliedsverbindungen:

  • Historisch Staatswissenschaftliche Verbindung Berlin
  • Akademisch Historischer Verein Bonn
  • Deutsche Wissenschafts-Verbindung Hohenstaufen Breslau (auch im AV & GK)
  • Rechts- und Staatswissenschaftlicher Verein Rhenania Frankfurt a. M.
  • Akademisch Historischer Verein Göttingen
  • Akademisch Historischer Verein Halle
  • Akademischer Verein für Geschichte und Erdkunde Kiel
  • Historisch Geographische Verbindung Königsberg
  • Geschichts- und Staatswissenschaftliche Verbindung Roter Löwe Leipzig
  • Akademisch Juristischer Verein München
  • zeitweilig gehörten ihm auch Vereine in Graz, Wien, Prag und Innsbruck an

Mitgliedsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Mitgliedskartellen wurden seit 1914 auch Einzelverbindungen in den DWV aufgenommen.

  • Mathematisch-Naturwissenschaftlicher Verein Berlin (1987 vertagt)
  • Burschenschaft Cheruskia Bonn (1999 ausgetreten)
  • Wissenschaftliche Verbindung Vandalia Greifswald zu Bonn (2009 vertagt)
  • Mathematisch-Naturwissenschaftliche Verbindung Gothia Frankfurt am Main (2011 aufgelöst)
  • Akademisch-Wissenschaftliche Verbindung Thuringia-Bursa Hamburg (1998 vertagt)
  • Wissenschaftliche Verbindung Masuria Leipzig zu Heidelberg (2008 vertagt)
  • Akademisch-Pädagogische Verbindung Chattia Jena (nach 1945 nicht wiederbegründet)
  • Evangelisch-lutherischer Studentenverein Philadelphia Leipzig (1931 ausgetreten)
  • Akademischer Richard-Wagner-Verein Leipzig (nach 1945 nicht wiederbegründet)
  • Wissenschaftliche Verbindung Palladia München (1970 ausgetreten)
  • Wissenschaftliche Verbindung Rheno-Chattia Münster (1969 vertagt)
  • Freie Verbindung Rostochensia-Vendalia Rostock (2010 vertagt)
  • Studentenbund Occidentia Siegen (2005 vertagt)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig 1924/25, S. 248–252.
  • Hans-Carl Scherrer: Die akademisch-wissenschaftlichen Vereine im 19. Jahrhundert. Gründe ihres Entstehens, ihr Leben und ihr Schicksal. Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 20 (1975), S. 131–147.
  • Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände. Band 2: Die nichtschlagenden Verbände. Würzburg 1985.
  • Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Handbuch des Korporationsstudententums. Bad Buchau 2014, S. 167–169, ISBN 978-3-925171-92-5.
  • Werner Heilmann: Der Deutsche Wissenschafter-Verband (D.W.V.) von der Gründung bis zur Auflösung. In: Schriften des Deutschen Wissenschafter-Verbandes. Heft 4, Berlin 1935.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deutscher Wissenschafter-Verband – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. über Burschenschaft Thuringia im ADB und Landsmannschaft Thuringia heute Landsmannschaft Gottinga Göttingen im CC
  2. heute Wissenschaftliche Verbindung Palladia zu München
  3. über Wehrschaft Neo-Marchia in der DW und Corps Saxo-Borussia im RSC/WSC heute Corps Alemannia Kiel im WSC
  4. über Wehrschaft Markaria in der DW und Landsmannschaft Markaria in der DL heute Landsmannschaft Gottinga Göttingen im CC