Deutsches Fußballmuseum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Museumsgebäude am Königswall

Das Deutsche Fußballmuseum wurde am 23. Oktober 2015[1] als nationales Fußballmuseum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Dortmund eröffnet. Die Planungen wurden von der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH mit Sitz in Dortmund ausgeführt.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsches Fußballmuseum in der Bauphase (gegenüber dem Hauptbahnhof)

Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland entschloss sich der DFB, aus den Gewinnen der Weltmeisterschaft die Errichtung eines nationalen deutschen Fußballmuseums zu finanzieren. Aus 14 Städten, die sich als Standort für das Fußballmuseum beworben hatten, wählte das DFB-Präsidium im Mai 2007 die Städte Köln, Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund aus und entschied sich damit für einen Standort im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf einem außerordentlichen Bundestag des DFB am 24. April 2009 entschieden sich die Delegierten für das innenstadtnahe Areal südlich des Dortmunder Hauptbahnhofs, das bis zum Baubeginn des Museums als Busbahnhof genutzt worden war.

Die Bauarbeiten für das Museum begannen im September 2012; am 20. September erfolgte in Anwesenheit des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der symbolische Spatenstich.[2]

Die Grundsteinlegung fand am 29. April 2013 statt. Anwesend waren unter anderem Wolfgang Niersbach, Reinhard Rauball und Ute Schäfer.[3] Ein Jahr später, 2014, konnte das Richtfest gefeiert werden.[4]

Grundstück und Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur-Detail DFB-Museum
Blick auf den Haupteingang

Das Deutsche Fußballmuseum befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und ist Bestandteil einer Kunst- und Kulturmeile zwischen dem Kreativzentrum Dortmunder U und dem Konzerthaus Dortmund.

Für das Gebäude wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben.[5]

Architekturwettbewerb

Nach einem internationalen Architekturwettbewerb, ausgeschrieben von der Stadt Dortmund, wurden am 4. Mai 2011 durch das Preisgericht des Architekturwettbewerbs aus 24 Arbeiten drei Entwürfe prämiert. Einen uneingeschränkten Siegerentwurf gab es nicht. Die Preisrichter vergaben stattdessen eine Preisgruppe mit drei gleichberechtigten Auszeichnungen an die Architektenbüros HPP Hentrich-Petschnigg + Partner (Düsseldorf), ARGE Petersen BWM Architekten und Partner (Dortmund) sowie pmp Architekten (München). Darüber hinaus sprach die Jury Anerkennungen für ihre Arbeiten an die Büros Bolles + Wilson (Münster), LOOC/M (Frankfurt/Main) und Schulte-Frohlinde (Berlin) aus.

Weiterer Verlauf des Architekturwettbewerbs

Am 29. Juni 2011 wurde bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Stadt Dortmund und des DFB-Fußballmuseums bekanntgegeben, dass die Büros HPP Hentrich-Petschnigg + Partner, Düsseldorf sowie pmp Architekten, München, gleichberechtigt den ersten Platz des internationalen Architekturwettbewerbs belegen. Die ARGE Petersen BWM Architekten und Partner, Dortmund, erreichte Rang drei. Aufgrund der Empfehlung der Jury wurde in Gesprächen der finale Siegerentwurf ermittelt[6] und am 26. September 2011 in der Tagespresse veröffentlicht.[7]

Inhaltliche Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonderanfertigung eines Fußballes von Adi Dassler mit den Unterschriften aller Spieler der ersten Fußball-Bundesligasaison 1963/64

Das Deutsche Fußballmuseum soll lebendiger Erinnerungs- und Erfahrungsort deutscher Fußballgeschichte sein. Dabei steht die Information über fußballhistorische Ereignisse und die Entwicklung des Sports in all seinen Facetten ebenso im Mittelpunkt wie soziale und gesellschaftliche Themen rund um den Fußballsport. „Das Museum soll ausdrücklich besucherorientiert gestaltet sein und strebt eine hohe Erlebnisqualität und Attraktivität an. Es soll informieren, zum Nachdenken anregen, überraschen, berühren, begeistern – mit einem Wort: unterhalten. Dazu bedient es sich modernster Ausstellungskonzepte und -medien.“ Das Museum soll als „Forum der Begegnung und Diskussion für [...] Fans und Vereine, Freunde und Förderer, Partner und Sponsoren“ dienen. „Dazu tragen Veranstaltungen wie Galas und Empfänge, Preisverleihungen und Pressekonferenzen, Lesungen und TV-Produktionen in einem separaten Eventbereich bei“, heißt es im Leitbild der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum.[8]

Mario Götze stiftete seinen Schuh, mit dem er im WM-Finale gegen Argentinien das entscheidende Tor geschossen hatte, für die größte Spende an die Hilfsorganisation Ein Herz für Kinder. Ein unbekannter Spender übermittelte am Abend des 6. Dezember 2014 die Höchstsumme von zwei Millionen Euro. Bundestrainer Joachim Löw verkündete daraufhin, dass das sporthistorische Schuhwerk im neuen Deutschen Fußballmuseum ausgestellt werde. Tatsächlich wird aber der rechte Schuh ausgestellt.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslosung der 1. Runde des DFB-Pokals 2017/18 in der Multifunktionsarena
Blick in die Multifunktionsarena bei der Enthüllung des Dortmund/Rostow-Rhinos 2018

Der Rundgang durch das Museum beginnt im 2. Obergeschoss. Dieses ist dem nationalen Fußball gewidmet. Über ein 3D-Kino erreicht der Besucher das 1. Obergeschoss, welches den Vereinsfußball behandelt. Im Untergeschoss gibt es eine Multifunktionsarena, die sich für verschiedene Veranstaltungsformate nutzen lässt. Das gesamte Gebäude ist als barrierearm konzipiert.

Kultur- und Veranstaltungsprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kultur- und Veranstaltungsprogramm des Deutschen Fußballmuseums "ANSTOSS" vertieft aus dem Feld der Fußballkultur Themen aus der musealen Dauerausstellung aber auch aus der tagesaktuellen Debatte mit unterschiedlichen Formaten von Film- und Liederabenden über Gesprächsrunden bis hin zu Lesungen.[9]

Im Februar 2017 philosophierten beispielsweise der Fußballtrainer Thomas Tuchel mit dem Geisteswissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht über die Schönheit des Spiels.[10] Seit der Saison 2017/18 finden außerdem die Auslosungen des DFB-Pokals am Sonntag nach der jeweiligen Pokalrunde ab 18 Uhr im Fußballmuseum statt und werden live in der Sportschau übertragen.[11] 2018 wurde im Zuge der Feier zur vierzigjährigen Städtepartnerschaft zwischen Dortmund und Rostow am Don mit dem Dortmund/Rostow-Rhino ein weiteres der Geflügelten Nashörner im Deutschen Fußballmuseum enthüllt, das nach der Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Platz von Rostow am Don aufgestellt wird. [12]

Walk of Fame[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Vorplatz des Museums zeigt ein Walk of Fame Fußabdrücke berühmter deutscher Fußballer.

Organisation und DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH mit Sitz in Dortmund wird von den Geschäftsführern Manuel Neukirchner (DFB) und Michael Keßeler (Stadt Dortmund) geleitet. Die Gesellschafterversammlung der gemeinnützigen GmbH besteht zu gleichen Teilen aus Vertretern des DFB-Präsidiums und der Stadt Dortmund.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2017: European Museum of the Year Award (EMYA) – Nominierung[13]
  • 2017: Luigi Micheletti Award und DASA Award der European Museum Academy (EMA) – Nominierung[14]
  • 2017: Location Award, Kategorie Kultur-Location für Events – Nominierung[15]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik am Deutschen Fußballmuseum übte der Bund der Steuerzahler. Die Verwendung öffentlicher Mittel für ein Museum mit Bezug auf Fußballgeschichte und Fußballkultur sei die Ausgabe von „zu viel Steuergeld für eine Nebensache“.[16]

Der Autor Moritz Rinke vertritt in seiner Reportage die Meinung, dass ein Besuch im Deutschen Fußballmuseum den Besucher „Berührungen zurück in das eigene Leben, in die Kindheit, in die Erinnerung“ erleben lasse und die Ausstellung „szenografisch und multimedial gestaltet“ sei.[17]

Die Chefkorrespondentin der New York Times Alison Smale schreibt in ihrem Essay Ein Museum über Fußball – und über Deutschland davon, dass das Museum den Vergleich mit der deutschen Vergangenheit nicht scheue: „Die Nationalmannschaft von 1941 wird vor dem Spiel gegen Schweden mit Nazi-Gruß gezeigt. Ein berüchtigter Propagandafilm aus dem Jahr 1944 zeigt die jüdischen Insassen im Nazi-Ghetto Theresienstadt [...] beim Fußballspielen und einem angeblich entspannten Leben. In Wirklichkeit sind die meisten von ihnen nach Auschwitz deportiert worden“.[18]

Christian Wacker schrieb, dass „die meisten Objekte Kopien, Faksimile oder Zweitobjekte“ seien. Weiterhin kritisierte er die unzureichende Einbindung der Besucher mit den Worten „Wie ein Provinzmuseum aus den Achtzigern“.[19]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: 25 Jahre Deutsche Fußball-Einheit[20]
  • 2016: 50 Jahre Wembley – Der Mythos in Momentaufnahmen[21]
  • 2017: Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach[22]
  • 2017: Herbergers Welt der Bücher – Die unbekannten Seiten der Trainer-Legende[23]
  • 2018: Schichtwechsel – FußballLebenRuhrgebiet[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manuel Neukirchner (Hrsg.): Mehr als ein Spiel. Das Buch zum Deutschen Fußballmuseum. Klartext Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-0973-1
  • Manuel Neukirchner: Wembley 1966: Der Mythos in Momentaufnahmen. Klartext Verlag, Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1622-7
  • Manuel Neukirchner: Herbergers Welt der Bücher – Die unbekannten Seiten der Trainer-Legende. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2017, ISBN 978-3-7307-0340-3
  • Jochen Hieber, Manuel Neukirchner (Hrsg.): Fundstücke aus dem Deutschen Fußballmuseum. Auftaktband der Reihe Kleine Fußball-Bibliothek in der Edition Deutsches Fußballmuseum, Dortmund 2017, ISBN 978-3-00-057313-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsches Fußballmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Fußball-Museum mit Gala feierlich eröffnet. In: focus.de. 23. Oktober 2015, abgerufen am 15. März 2018.
  2. Alexandra Neuhaus: Bauarbeiten für das DFB-Museum starten. In: ruhrnachrichten.de. 20. September 2012, abgerufen am 15. März 2018.
  3. Dortmund: Grundstein für DFB-Museum gelegt. In: reviersport.de. Abgerufen am 15. März 2018.
  4. Deutsches Fussballmuseum in Dortmund-Startseite. www.dfb-fussballmuseum.de, abgerufen am 24. April 2016.
  5. Oliver Müller: Streit um deutsches Fußball-Museum ist entbrannt. In: Welt Online. 23. November 2009, abgerufen am 15. März 2016.
  6. Deutsches Fussballmuseum in Dortmund. In: dfb-fussballmuseum.de. Abgerufen am 24. April 2016.
  7. Gregor Beushausen: So soll das DFB-Fußballmuseum in Dortmund aussehen. In: derwesten.de. Abgerufen am 15. März 2018.
  8. Deutsches Fußballmuseum. Abgerufen am 15. März 2018.
  9. Das ist das Kulturprogramm des Deutschen Fußballmuseums. In: ruhrnachrichten.de. 7. März 2016, abgerufen am 15. März 2018.
  10. Das Schöne suchen. In: taz.de. 3. Februar 2017, abgerufen am 15. März 2018.
  11. Im Fußballmuseum: Neues TV-Format für Pokal-Auslosungen. dfb.de, 12. Mai 2017, abgerufen am 26. Mai 2017.
  12. 40 Jahre Städtepartnerschaft. focus.de, 7. Mai 2018, abgerufen am 16. Mai 2018.
  13. Deutsches Fußballmuseum für EMYA-Preis nominiert. In: Focus. 17. Februar 2017, abgerufen am 15. März 2018.
  14. Deutsches Fußballmuseum für Museumspreise nominiert. In: DIE ZEIT, Ausgabe 7. April 2017. Abgerufen am 15. März 2018.
  15. Top-Locations nominiert. In: ahgz.de. 7. Juli 2017, abgerufen am 15. März 2018.
  16. Deutsches Fußball-Museum: Finanzierung in der Kritik. In: derwesten.de. 29. Mai 2009, abgerufen am 15. März 2018.
  17. Moritz Rinke: Als wir noch jubelten. In: DIE ZEIT, Ausgabe 45/2015 vom 5. November 2015. Abgerufen am 15. März 2018.
  18. Alison Smale: A Museum About Soccer, and About Germany. In: The New York Times, Ausgabe vom 3. April 2017. Abgerufen am 15. März 2018.
  19. Christian Wacker: Deutsches Fußballmuseum: Wie ein Provinzmuseum aus den Achtzigern. In: Zeit Online. 16. Dezember 2015, abgerufen am 15. März 2018.
  20. Mit Wosz Sonderausstellung zur Fußball-Einheit eröffnet. In: dfb-fussballmuseum.de. Abgerufen am 15. März 2018.
  21. Zwei, die sich nichts zu sagen haben. In: FAZ vom 30. Juli 2016. Abgerufen am 15. März 2018.
  22. Fußballmuseum zeigt Schau über jüdische Sportler. In: WDR vom 9. Oktober 2017. Abgerufen am 15. März 2018.
  23. Fußballtaktik mit Platon, Mao und Co.. In: FAZ vom 24. März 2017. Abgerufen am 15. März 2018.
  24. Fußballmuseum zeigt Ausstellung zu Ballsport und Bergbau. In: Focus vom 2. März 2018. Abgerufen am 15. März 2018.

Koordinaten: 51° 30′ 58,5″ N, 7° 27′ 30,8″ O