Deutsches Institut für Ärztliche Mission

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 48° 31′ 51″ N, 9° 3′ 39″ O

Difäm-Logo

Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm) ist eine Organisation für weltweite christliche Gesundheitsarbeit mit Sitz in Tübingen. Das Institut ist als eingetragener Verein organisiert. Der Verein begleitet seine Mitglieder auf ihrem Weg, Gesundheit zu fördern, besonders für benachteiligte Menschen in abgelegenen und vernachlässigten Regionen, und fördert eine nach eigenen Angaben gerechte, nachhaltige und hochwertige Gesundheitsversorgung.

Der Verein stärkt kirchliche Gesundheitsdienste durch Aufbau und Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen mit lebenswichtigen Medikamenten und medizinischen Geräten, Verbesserung der Medikamentenversorgung und der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal im Gesundheitsbereich. Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten sowie nicht übertragbarer, chronischer und vernachlässigter Krankheiten sowie die Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind sind Schwerpunkte der Arbeit. Beim Aufbau einer Basisgesundheitsversorgung steht die aktive Beteiligung der lokalen Bevölkerung im Fokus.

Der Verein berät und begleitet Projektpartner in Deutschland und in Ländern des globalen Südens bei strategischen Planungen und bei der Konzeption, Durchführung und Evaluation von Gesundheitsprojekten und unterstützt die Projekte der Partner auch finanziell.

Der Verein ist Träger der Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus gGmbH in Tübingen und Mitträger des "Tübinger Projekt: Häusliche Betreuung Schwerkranker" (gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Tumorzentrum – Comprehensive Cancer Center Tübingen des Universitätsklinikums Tübingen). Das Institut engagiert sich im Aktionsbündnis gegen AIDS und ist Träger der Akademie für Globale Gesundheit und Entwicklung (AGGE).

Arbeitsschwerpunkte und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbesserung der Gesundheit – auf verschiedenen Ebenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweite Gesundheitsarbeit mit kirchlichen Partnern

Die Gesundheitsreferenten beraten, begleiten und unterstützen die Projektpartner im In- und Ausland bei der Planung und Durchführung von Gesundheitsprojekten in wirtschaftlich armen Ländern und Regionen. Zu den Partnern gehören kirchliche Werke, Vereine und Partnerorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit, wie Brot für die WeltEvangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung und action medeor, Missionswerke sowie die Partner in den jeweiligen Ländern, unter anderem Dachverbände christlicher Gesundheitsarbeit und kirchliche Gesundheitsdienste. In der Demokratischen Republik Kongo unterstützt das Difäm auch den Träger des Alternativen Nobelpreises Denis Mukwege mit Projekthilfen und Weiterbildungen. Dabei unterstützt der Verein seine Partner sowohl in der medizinischen Arbeit in Gesundheitseinrichtungen als auch in der gemeindegetragenen Gesundheitsarbeit.

Labortraining in Kenia

Die Schwerpunkte der Vereinsarbeit liegen auf

  • der Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind
  • der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Malaria, HIV und ADIS und nichtübertragbarer, chronischer Erkrankungen, wie Krebs oder Diabetes
  • der Stärkung und dem Aufbau örtlicher Gesundheitssysteme

unter aktivem Einbezug der Gemeinden. Zudem werden medizinische Fachkräfte vor, während und nach ihrer Tätigkeit in Übersee beraten und begleitet. 2012 war der Verein in über 100 Ländern tätig und in rund 60 Projekten aktiv. Schwerpunktländer sind die Demokratische Republik Kongo, Westafrika, darunter Liberia und Sierra Leone, Malawi, der Tschad, Kenia, Indien und Papua-Neuguinea.

Das Ziel des Vereins ist eine Welt, in der alle Menschen Zugang zu bestmöglicher Gesundheitsversorgung haben. Gesundheit wird gefördert, Krankheiten werden vermieden oder geheilt, chronische Krankheiten werden gelindert. So können alle Menschen in Würde leben und an der Gemeinschaft teilhaben.

Seit dem Jahr 2015 engagiert sich der Verein in der Flüchtlingsarbeit und unterstützt die medizinische Versorgung in den Landeserstaufnahmestellen und Notunterkünften im baden-württembergische Raum.

Arzneimittelhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qualitätskontrolle von Medikamenten

Die Arzneimittelhilfe setzt sich für eine umfassende Arzneimittelversorgung und die Stärkung pharmazeutischer Strukturen und Qualitätskontrollen vor Ort ein.

Für die Versorgung mit Medikamenten sind Kenntnisse darüber notwendig, wie Arzneimittel richtig dosiert, fachgerecht gelagert und auf Qualität hin überprüft werden. Daher unterstützt die Arzneimittelhilfe die Aus- und Fortbildung einheimischer Fachkräfte für die Arbeit in Apotheken und Krankenhäusern. Zudem berät sie sowohl lokale Projektpartner als auch Werke der Entwicklungszusammenarbeit beim Aufbau pharmazeutischer Versorgungsstrukturen.

Um eine sichere und nachhaltige Versorgung mit Medikamenten zu ermöglichen, fördert die Arzneimittelhilfe außerdem den Aufbau kirchlicher Zentralapotheken in afrikanischen Ländern. Um Lieferengpässe zu überbrücken, unterstützt die AMH als Zentrale Beschaffungsstelle gemäß § 47 des deutschen Arzneimittelgesetzes die Bereitstellung von Medikamenten und medizinischen Gütern. [1] In bestimmten Fällen unterstützt sie auch die lokale Herstellung von Arzneimitteln.

In vielen afrikanischen Ländern sind Arzneimittel von minderer Qualität im Umlauf. Und es befinden sich gefälschte Medikamente im Handel, in denen keinerlei Wirkstoffe enthalten sind. Sie können nur durch Laborprüfungen von geschulten Fachkräften identifiziert werden. Dazu werden die Partner vor Ort bei der Qualitätssicherung ihrer Medikamente durch mobile Kompaktlabore, so genannte Minilabs, und Analysen in zertifizierten Laboren unterstützt, wie bei MEDS (Mission for Essential Drugs and Supplies) in Kenia. Hierfür stattet die AMH ihre Partner mit den Minilabs aus und schult sie in deren Handhabung.

Zudem stellt die Arzneimittelhilfe Haus- und Reiseapotheken für ausreisende Fachkräfte der Entwicklungszusammenarbeit bereit.

Vorbereitung von Ausreisenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein bereitet im Rahmen seiner Akademie für Globale Gesundheit und Entwicklung medizinisches Personal und Fachkräfte der Entwicklungszusammenarbeit in Seminaren auf Einsätze im Ausland vor. Die Seminare vermitteln Wissen über Basisgesundheitsversorgung, Tropenmedizin, Labordiagnostik, HIV und AIDS sowie über Planung, Monitoring und Evaluation von Projekten nach internationalen Standards. Auch Kenntnisse darüber, wie die eigene Gesundheit oder die der Familie während eines Auslandsaufenthalts erhalten werden kann, werden an Ausreisende in den Kursen weitergegeben.

Theologische Grundsatzarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ökumenischer Rat der Kirchen betont: Die „christliche Kirche [hat] eine besondere Aufgabe auf dem Gebiet des Heilens. Das christliche Handeln ist primär der Gemeinde als ganzer aufgetragen.“[2] Gemeinsam mit kirchlichen Partnern werden theologische Themen der Gesundheitsarbeit – lokal und weltweit – formuliert, reflektiert und vermittelt. Dabei beziehen sich Gesundheit und Gesundheitsarbeit auf das Individuum und die Gemeinschaft.

So hat der Verein in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Praktische Theologie der Universität Tübingen das Projekt 'Kirchengemeinden und Depression' initiiert. Dieses zeigt beispielhaft auf, dass Kirchengemeinden auch in Deutschland Aufgaben und Möglichkeiten im Gesundheitsbereich haben.

Information und Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentraler Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit ist die Aufklärung der Bevölkerung über die Situation und Missstände in den Projektländern und deren Hintergründe, über die Ursachen von Armut, Hunger, Krankheit und Gewalt sowie die Einwerbung von Spenden. Mit der Kampagne „Die Handy-Aktion“[3] will der Verein mit den Landeskirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Baden-Württemberg auf die Abbaubedingungen von Rohstoffen und die Missstände in der Demokratischen Republik Kongo aufmerksam machen und auf die globalen Zusammenhänge am Beispiel der Handy-Herstellung hinweisen.

Privatleute, Gruppen und Kirchengemeinden unterstützen den Verein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moulage des Difäm, Echte Pocken (Variola vera bzw. Variola major), beginnende Eintrocknung der Pusteln, Moulagensammlung des Museums der Universität Tübingen MUT

Vorläuferorganisation war der Verein für Ärztliche Mission, den der Unternehmer Paul Lechler im Jahr 1898 in Stuttgart als Hilfsverein für die Basler Mission gründete. Auslöser waren die Schilderungen des Missionsarztes der Basler Mission, Georg-Eugen Liebendörfer, der vom Elend und der Krankheitsnot in Indien sowie den Möglichkeiten, die Ärzte in der Mission hätten, erzählte. Als überzeugter Christ engagierte sich Paul Lechler in verschiedenen sozialen Bereichen, entsprechend seinem Motto: „Unser Christentum darf nicht bloß Weltanschauung sein, sondern es muss sich durch die Tat bewähren.“ So wurde durch Lechlers Engagement 1906 nach englischem Vorbild das Deutsche Institut für Ärztliche Mission mit dem Ziel ins Leben gerufen, ausreisende Ärzte und Pflegekräfte sowie Theologen der Missionsgesellschaften auf ihren Auslandsaufenthalt vorzubereiten und in Tropenmedizin auszubilden bzw. ihnen medizinisches Basiswissen zu vermitteln.[4]

1909 wurde das Institutsgebäude des Difäm in der Nauklerstraße in Tübingen in Anwesenheit des Königs Wilhelm II von Württemberg eingeweiht. Ein Jahr später bezogen die ersten Medizinstudenten das Institut, um sich zu Missionsärzten ausbilden zu lassen. Im gleichen Jahr wurden in Kooperation mit der Eberhard Karls Universität Tübingen Hebammen geschult. 1916 wurde ein Tropengenesungsheim, die heutige Tropenklinik Paul-Lechler Krankenhaus gGmbH eingeweiht. Heimkehrende Missionare, Missionsärzte und deren Familien sollten sich hier erholen und behandeln lassen können.

Schon seit der Gründung des Difäm wurde mit Finanzierung durch Paul Lechler unter dem damaligen Institutsdirektor Gottlieb Olpp eine umfangreiche Moulagensammlung angelegt, deren Exponate hauptsächlich der tropenmedizinischen Ausbildung dienten. Heute gehört die Sammlung zum Museum der Universität Tübingen MUT. Sie umfasst 73 Moulagen und enthält äußerst seltene Abformungen von verschiedenen, mittlerweile nahezu ausgestorbenen, Tropenkrankheiten bzw. deren unterschiedlichen Erkrankungsstadien. Hierzu zählen Abgüsse von Frambösie, Gundu, Cro-Cro, aber auch Pest, Pocken und die Vollmoulage eines mit Lepra befallenen Kopfes.[5] Viele Moulagen wurden von dunkelhäutigen Menschen abgenommen, was eine Rarität darstellt. Im Sommer 2016 wird die Sammlung im Rahmen der Sonderausstellung „Krankheit als Kunst(form): Moulagen der Medizin“ im Museum der Universität Tübingen ausgestellt. [6]

Kriegs- und Nachkriegsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Difäm in Tübingen

Während des Zweiten Weltkriegs diente das Difäm-Gebäude als Hilfskrankenhaus. 1946 nahm das Institut seine reguläre Arbeit wieder auf und bildete erneut Ärzte aus. Es folgte ein Umzug in die Räume des ehemaligen Kinderheims in der Paul-Lechler-Straße auf dem Gelände des Tropenheims. Letzteres entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Krankenhaus mit den Schwerpunkten Innere Medizin, Tropen- und Reisemedizin und später Akutgeriatrie und ist heute als Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus noch weiter auf diesen Gebieten tätig. 1959 war die Geburtsstunde der Difäm-Arzneimittelhilfe, als der damalige Difäm-Direktor Martin Scheel eine Arzneimittel-Hilfsaktion für kirchliche Gesundheitsstationen in Übersee veranlasste. Die Aktion erweiterte sich um Medikamente aus Arztpraxen und Arznei-Spenden, um die bundesweit geworben wurde. Bereits 1961 unterstützte Brot für die Welt den Einkauf von in südlichen Ländern wichtigen Präparaten und die Diakonie Katastrophenhilfe ließ große Sendungen beispielsweise für die Opfer des Biafra-Krieges über die Difäm-Arzneimittelhilfe bereitstellen. Die Medikamentenhilfe des Difäm erreichte 1969 einen Umfang von 8 Mio. DM (mehr als 4 Mio. Euro).[7] Heute wird der allergrößte Teil der Medikamente vor Ort über kirchliche Zentralapotheken beschafft.

Neuere Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964 und 1967 fanden beim Verein zwei internationale Tagungen zur Frage nach der Aufgabe der Kirchen im Gesundheitsbereich und des Engagements von zivilen und kirchlichen Gemeinden zur Förderung von Gesundheit statt. Impulse aus diesen Tagungen wurden aufgenommen, als Ende der 1970er Jahre die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch in Zusammenarbeit mit der Gesundheitskommission des Ökumenischen Rates der Kirchen die Idee von "Primary Health Care" in Alma Ata (1978) proklamierte. Das Difäm wiederum griff diese Prinzipien auf: Die Förderung und Durchführung von Entwicklungsprojekten zur 'Basisgesundheit'[8] sowie die Fachberatung im Gesundheitsbereich setzten unter der Leitung von Rainward Bastian neue Schwerpunkte.

In den 1990er Jahren rückte die HIV- und AIDS-Problematik in den Vordergrund. Der Verein reagierte mit Sensibilisierung und Aufklärung, stellte den Gesundheitsstationen in Übersee HIV-Tests und Einwegspritzen bereit und ermunterte Partnerkrankenhäuser, sich für Menschen mit HIV und AIDS einzusetzen, vor allem in Heimversorgungsprogrammen (Home Based Care). Seit es die Möglichkeit zur HIV Therapie gibt (1996), setzte sich das Difäm in wirtschaftlich armen Ländern für den Zugang zu diesen Medikamenten ein. 2002 initiierte der Verein das Aktionsbündnis gegen AIDS. Das Aktionsbündnis ist ein Zusammenschluss von über rund 100 Nichtregierungsorganisationen und etwa 300 Basisgruppen, die sich für den universellen Zugang zu Prävention, Versorgung und Therapie von HIV und AIDS einsetzen. Heutige Direktorin des Difäm ist Gisela Schneider.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein finanziert sich aus privaten Spenden, Kollekten und Nachlässen sowie Zuweisungen kirchlicher Werke und verschiedener Stiftungen sowie Landeskirchen. Verwendet wurden die Gelder im Jahr 2014 wie folgt: 75,44 % für Projektförderung und -begleitung sowie Fachberatung (Gesundheitsdienste und AMH), 7,64 % für Verwaltung und Technik, 7,45 % für die Öffentlichkeits- und Studienarbeit, 4,85 % für Fachseminare und Fortbildungen, 4,62 % für Werbung und Fundraising.[9]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein ist Mitglied von

Außerdem ist es Gründungsmitglied von TransFair und dem Institut für Auslandsbeziehungen.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein informiert regelmäßig über seine Arbeit in den Projekten in folgenden Publikationen:

  • Zeitschrift 'Gesundheit in der Einen Welt'
  • Jahresbericht
  • E-Mail-Newsletter
  • Projektflyer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. buzer.de
  2. 100 Jahre Difäm, S. 32
  3. http://www.handy-aktion.de
  4. difaem.de, siehe dort den Abschnitt Geschichte des Difäm.
  5. Strölin, Anke: WachsKörper. Moulagensammlung, in: Seidl, Ernst (Hg.): Sammlungen. Museum der Universität Tübingen MUT, S. 63, 4. erweiterte und ergänzte Auflage (2015)
  6. www.moulagen-ausstellung.de
  7. 100 Jahre Difäm, S. 30
  8. euro.who.int (PDF; 80 kB)
  9. Jahresbericht 2014, S. 27